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Fischzaun Prinzipskizze
Fischzaun
Fischwehr von Llingwy Anglesey

Der Fischzaun, auch Fischbuhne, Agge oder Arge (englisch fish weir oder fish trap genannt) ist eine weltweit seit dem Mesolithikum in Flüssen, Seen und geeigneten Küstengebieten benutzte Vorrichtung zum passiven Fischfang. Vom Massenfang im Umfeld saisonaler Wohnplätze kann in Europa seit dem Mesolithikum ausgegangen werden. Die Anwohner von Flüssen, Küsten und Seen bereicherten ihren Speiseplan nach dem Abzug der großen Herdentiere durch Fisch.

Den Fischzaun gibt es als Flechtwandzaun oder seltener als Fischmauer (wie im Strangford Lough in Nordirland) oder „Steinerner Fischzaun“ (z. B. in afrikanischen Wadis). Einige Völker an der Nordwestküste Amerikas wie die Eskimos, Tlingit, Kwakiutl und Haida ernährten sich fast ausschließlich vom Fischfang.

AbgrenzungBearbeiten

Ein Fischwehr ist dagegen eine moderne Vorrichtung in Gewässern, die dazu dient, die wandernden Fischarten zu bestimmen.

FundeBearbeiten

DänemarkBearbeiten

 
Ålegård

In Dänemark sind auf 14 Küsten- und zwei Binnenlandwohnplätzen der Ertebølle-Kultur über 100.000 Fischgräten gefunden worden. Die Fischerei wurde überwiegend mittels feststehender Fischfallen (dän. Fiskegærde oder Ålegård) ausgeführt, mit denen unkritische Mengen der lokalen Fischfauna gefangen wurden. Ålegård ist eine alte Fischfangmethode, die in Dänemark in Flüssen (Gudenå, Skjern Å) und entlang der Küste dort eingesetzt wurde, wo Netze schlecht einsetzbar waren. Sie bestand aus einem quer zur Fließrichtung bzw. seewärts ausgerichteten Fischzaun aus Zweigen, der den Aal zu einer Reuse am Ende des Zauns führte. Sie wurden oft mit einem Steg versehen, damit man kein Boot brauchte, um die Fang zu bergen.

Am Südende der Insel Nekselø nördlich von Kalundborg erstreckt sich ein 200 m langer Fischzaun vom Strand ins Meer bis etwa 2,5 m heutiger Wassertiefe. Ein weiterer Fischzaun wurde bei Oleslyst bei Korsør gefunden. Im trockengelegten Fjord hat die Stätte das bisher einzige größere Fischereisystem ausgegraben. Von der Anlage ist ein 5,5 Meter langer geflochtener Zaun aus Haselnuss erhalten und eine etwa 40 Meter lange Reihe von Netzstangen wurde gefunden. Es gibt viele Hinweise darauf, dass die Anlage aus der Jungsteinzeit stammt.

DeutschlandBearbeiten

Von den verschiedenen Fischarten wurden 41 an der Küste und 15 im Binnenland identifiziert. Die Subsistenzwirtschaft basierte auf der saisonalen Nutzung mariner Ressourcen. Am Fundplatz „Timmendorf-Nordmole“, einem Siedlungsplatz der Ertebølle-Kultur an der Küste der Insel Poel weisen Aalstechersprossen, Reste von Fischzäunen, Geweihharpunen, Paddel sowie Fragmente eines Einbaums darauf hin.

Im Arendsee in Sachsen-Anhalt und bei Neustadt in Holstein wurden die Überreste von langen Fischzäunen aus dem Neolithikum gefunden.

 
Modell eines Fischgartens im Wattenmeer

Im Watt bei Ehst, östlich von Sankt Peter-Ording wurden 1988 Fischzäune entdeckt. Die Zäune, mit einem Flechtwandkorb am Ende, wurden 2002 dokumentiert. Nach Radiokarbondaten gehören sie in das 16. oder 17. Jahrhundert. Ähnliche Konstruktionen sind aus dem englischen Wattenmeer, u. a. dem „Severn Estuary“ und dem irischen Fergus Estuary bekannt (Boarland Rock 2 im Norden von Coney Island).

Im Wattenmeer wurden Fischzäune bis ins 20. Jahrhundert verwendet. Meist wurden sie als "Fischgärten" bezeichnet. Sie wurden so in den Prielen aufgestellt, dass die Fische bei ablaufendem Wasser in die Reusen am Ende des Zaunes geleitet wurden. Auf diese Weise wurden meist Plattfische und Hornhechte gefangen. Bei Föhr gab es solche Fischgärten bis Ende des 20. Jahrhunderts.[1]

KappelnBearbeiten

 
Heringszaun von Kappeln
 
Écluses a poissons in Saint-Denis-d'Oléron

Der über 600 Jahre alte Heringszaun von Kappeln in Angeln bzw. Schwansen ist der letzte erhaltene von einst mehr als 40 an der Schlei. Er gilt als der letzte in Deutschland, wahrscheinlich sogar in Europa. Die Rechte am Zaun wurden 1977 vom Herzog zu Schleswig-Holstein auf die Stadt übertragen. Heute ist der Heringszaun in Kappeln voll funktionstüchtig und wird vom Verschönerungsverein unterhalten. An den Kappelner Heringstagen wird am Zaun wieder Hering gefangen.

FrankreichBearbeiten

Eine im Jahre 1738 vom Abbé Delagrive (1689–1757) erstellte Karte der Seine und ihrer Nebenflüsse verzeichnet auf einem sechs Kilometer langen Teilstück der Oise sieben Fischzäune (französisch pêcherie en bois oder Écluses a poissons - Fischmauern). Am Strand von Hauteville-sur-Mer im Département Manche in der Normandie ist eine Jahrhunderte alte Fischfalle aus Holz in Betrieb. Es gibt nur noch fünf aktive Holzfischereien in Europa.

GroßbritannienBearbeiten

In Großbritannien war die traditionelle Form eines oder mehrerer Felswehre in Gezeitenrinnen oder an einem Sandstrand, mit einer kleinen Lücke, die durch Zäune aus Flechtwerk blockiert werden konnte. Beispiele, die aber nicht mehr in Gebrauch sind, liegn in der Menaistraße (Fischzäune von Aberlleiniog) in Wales sehen. Andere Beispiele sind Rhos Fynach in Nordwales und Scotland’s Haven in Caithness. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts fielen in ganz Wales zahlreiche feste Wehre, die zum Fischfang installiert waren, aus. Neben festen Fallen verfügte Wales jedoch über eine Anzahl herausnehmbarer Fallen, die als "Crucks", "Cribs", "Inscale" und "Mist", bezeichnet werden. Die bei Goldcliff und Porton in der Severn-Mündung verwendeten Korbfallen werden als "Putchers" bezeichnet. Finiskaig ist ein fragmentarischer Steinbogen in den Untiefen am Ende des Loch Nevis bei Glenelg in den Highlands.

IrlandBearbeiten

Einer von Europas besterhaltenen mittelalterlichen Fischzäune befindet sich im Fergus Estuary im County Clare in Irland. Eine 9.000 Jahre alte neolithische Fischfalle wurde 2009 bei Ausgrabungen entlang M3 in Clowanstown bei Dunsany im County Meath in der Nähe des Hill of Tara gefunden. Unter fünf künstlichen Hügeln neben einem antiken See wurden Siedlungsreste landwirtschaftlicher, industrieller und ritueller Natur entdeckt. Steinäxte, Schmuck und ein kleines hölzernes Kanu wurden ausgegraben.

USABearbeiten

Das „Boylston Street Fishweir“ im Stadtteil Back Bay von Boston, Massachusetts, ist eine archäologisch gut untersuchte vorzeitliche Fischfalle in den USA.

LiteraturBearbeiten

  • Inge Bødker Enghoff: Fishing in Denmark during the Ertebølle periods. In: International Journal of Osteoarchaeology. Bd. 4, Nr. 2, 1994, ISSN 1047-482X, S. 65–96, doi:10.1002/oa.1390040203.
  • Nigel Bannerman, Cecil Jones: Fish-trap types: a component of the maritime cultural landscape In: International Journal of Nautical Archaeology. Bd. 28, Nr. 1, 1999, ISSN 1057-2414, S. 70–84, doi:10.1111/j.1095-9270.1999.tb00823.x.
  • J. G. Jenkins: Commercial Salmon Fishing in Welsh Rivers. Folk Life - Journal of the Society of Folk Life Studies, Bd. 9, 1971
  • Jutta Kollbaum-Weber: Historische Jagd- und Fangmethoden auf der Insel Föhr und in den Uthlanden (= Begleitheft zur Naturkundlichen Abteilung des Dr.-Carl-Haeberlin-Friesen-Museums. Bd. 1 = Schriftenreihe des Dr.-Carl-Haeberlin-Friesen-Museums, Föhr. NF Heft 22). Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 2007, ISBN 978-3-89876-343-1, S. 69–74.
  • Paul Montgomery: Intertidal Fish Traps from Ireland: Some Recent Discoveries in Lough Swilly, Co. Donegal In: Journal of Maritime Archaeology 10(2) 2015
  • Martin Rheinheimer: Der Kojenmann. Mensch und Natur im Wattenmeer. 1860–1900 (= Nordfriesische Quellen und Studien. Bd. 7). Wachholtz, Neumünster 2007, ISBN 978-3-529-02776-5, S. 154–163.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Martin Rheinheimer: Der Kojenmann. Mensch und Natur im Wattenmeer. 1860–1900 (= Nordfriesische Quellen und Studien. Bd. 7). Wachholtz, Neumünster 2007, ISBN 978-3-529-02776-5, S. 154–163; Jutta Kollbaum-Weber: Historische Jagd- und Fangmethoden auf der Insel Föhr und in den Uthlanden. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 2007, ISBN 978-3-89876-343-1, S. 69–74.