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Jüdische Soldaten in der deutschen Armee begehen Yom Kippur, am 23. September 1870 während des Deutsch-Französischen Krieges. The Feuchtwanger Collection, Israel-Museum, Jerusalem.
Jüdische Soldaten an Rosch ha-Schana (Neujahrfest) während des 1. Weltkriegs, 1914–1918
Aron Tänzer aus Göppingen als deutscher Feldrabbiner im Ersten Weltkrieg mit dem EK II am Bande im zweiten Knopfloch der Uniformjacke und Davidstern an der Halskette

In vielen Ländern bieten Militärrabbiner religiöse Dienstleistungen für jüdische Soldaten an. Die Bundeswehr ist dabei, Militärrabbiner für die etwa 300 Soldaten jüdischen Glaubens (Stand 4/2019) einzuführen.

Feldrabbiner waren Rabbiner in der Seelsorge des Militärs. Feldrabbiner wurden unter anderem in den Streitkräften Österreich-Ungarns und des deutschen Kaiserreiches eingesetzt.

Inhaltsverzeichnis

HistorieBearbeiten

Im deutschsprachigen Raum wurde das Feldrabbinat zuerst 1875 bei der Militärseelsorge der Österreichisch-Ungarischen Landstreitkräfte eingeführt. Beim deutschen Heer wurde das Feldrabbinat erst zu Beginn des Ersten Weltkrieges eingeführt. Bekanntester Feldrabbiner des Deutschen Heeres wurde Leo Baeck. Insgesamt sind heute um die dreißig deutsche Feldrabbiner aus der Zeit des Ersten Weltkrieges bekannt. Der Verband der Deutschen Juden gab eigens eine besondere Feld-Bibel heraus.[1] Die deutschen Feldrabbiner des Ersten Weltkrieges trugen die feldgraue Heeresuniform mit einer Armbinde mit rotem Kreuz. Der Davidstern wurde dazu an einer Halskette getragen.

BundeswehrBearbeiten

Am 2. April 2019 erklärte das Bundesministerium der Verteidigung, dass die Bundeswehr Militärrabbiner für die etwa 300 jüdischen Soldaten einführen wird. Dazu solle ein Staatsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Zentralrat der Juden in Deutschland ausgehandelt werden.[2]

IsraelBearbeiten

 
Insigne des Rabbinatskorps der israelischen Streitkräfte

Das Militärrabbinat (hebräisch חיל הרבנות הצבאית Chail HaRabanut HaTzvait) ist eine Einheit der israelischen Streitkräfte, die religiöse Dienstleistungen für jüdische und nichtjüdische Soldaten anbietet und in religiösen und militärischen Angelegenheiten entscheidet. Das Militärrabbinat wird vom Obersten Militärrabbiner geleitet, der den Rang eines Brigadegenerals bekleidet.

In jeder Einheit oder Militärbasis gibt es Militärrabbiner, die die Verantwortung für die Durchführung oder Koordinierung von Gottesdiensten, die Überwachung der koscheren Küche und die Aufrechterhaltung des Synagogenbetriebs übernehmen. Aktive Militärangehörige können Vertreter des Militärrabbinats bitten, Heiratszeremonien und die Brit Mila (Beschneidungszeremonien) durchzuführen. Die Einheit überwacht auch die rechtliche und religiöse Bestätigung von Ehen und Scheidungen von Soldaten während ihres Militärdienstes.

Das Militärrabbinat ist für die Beisetzung der Leichen von Soldaten gemäß den religiösen Vorschriften verantwortlich, einschließlich der Identifizierung und der Obduktion von Leichen sowie der Durchführung von militärischen Begräbnissen. Das Militärrabbinat koordiniert auch die Bestattung feindlicher Soldaten und das Exhumieren von Leichen in Verbindung mit dem Gefangenenaustausch.

Das Militärrabbinat wurde 1948 von Rabbi Schlomo Goren gegründet, der es bis 1968 leitete. Der derzeitige Oberrabbiner ist Eyal Karim.[3]

USABearbeiten

 
Jacob Fränkel, 1. Militärrabbiner der USA

Erster offizieller Militärrabbiner der USA wurde am 18. September 1862 während des Amerikanischen Bürgerkrieges der aus Deutschland eingewanderte Jacob Fränkel (1808–1887). Während des Ersten Weltkriegs dienten 250.000 Soldaten jüdischen Glaubens in der Amerikanischen Armee. 25 Militärrabbiner betreuten diese Soldaten. Während des Zweiten Weltkriegs gab es 311 jüdische Militärrabbiner für 550.000 Soldaten jüdischen Glaubens, davon gehörten 147 der konservativen Glaubensrichtung an, 96 dem Reformjudentum und 68 gehörten dem orthodoxen Glauben an. Während des Koreakriegs waren 100 Militärrabbiner im Einsatz. Im Jahr 1985 wurde Rabbi Julie Schwartz die erste vollzeitliche jüdische Kaplanin in der US Navy. In allen folgenden kriegerischen Auseinandersetzungen waren Militärrabbiner im Einsatz.[4]

LiteraturBearbeiten

  • Sabine Hank, Hermann Simon, Uwe Hank, Feldrabbiner in den deutschen Streitkräften des Ersten Weltkrieges, Berlin 2013, herausgegeben von der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum und dem Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, ISBN 978-3-938485-76-7, Schriften des Centrum Judaicum, Bd. 7
  • Wilhelm Güde: Rabbiner Dr. Alexander Kisch als k.k. Landwehrrabbiner. Zugleich ein kleiner Beitrag über die Anfänge der jüdischen Militärseelsorge in Österreich-Ungarn. In: Jüdische Soldaten – Jüdischer Widerstand in Deutschland und Frankreich, herausgegeben von Michael Berger und Gideon Römer-Hillebrecht, Paderborn, München, Wien, Zürich 2012, S. 180–196.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Militärrabbiner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Militärrabbiner – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Erster Weltkrieg Feldrabbiner. In: juedisches-lehrhaus-goettingen.de. Abgerufen am 4. April 2019 (Feld-Bibel des Feldrabbis Dr. Italiener aus Danzig).
  2. Pläne von Verteidigungsministerium: Militärrabbiner sollen Bundeswehr unterstützen. In: Spiegel Online. 2. April 2019, abgerufen am 4. April 2019.
  3. Militärrabbinat, IDF, israelischen Streitkräfte. Abgerufen am 4. April 2019.
  4. Seymour “Sy” Brody, Rabbis as Chaplains in America’s Military: A Tradition of Service, Dedication and Bravery. Abgerufen am 5. April 2019.