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Erich Otto Volkmann (* 23. November 1879 in Freistadt; † Dezember 1938 in Potsdam) war ein deutscher Berufsoffizier, Archivar und Autor militaristischer Schriften in der Weimarer Republik und in der Zeit des Nationalsozialismus.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Volkmann begann seine militärische Laufbahn 1898. Im Jahr 1900 wurde er Offizier und nahm ab 1914 als Generalstabsoffizier am Ersten Weltkrieg teil. Nach Kriegsende war er ab 1919 im Grenzdienst beim Ostpreußischen Freiwilligenkorps in Ostpreußen eingesetzt. Er schied als Major aus und ging 1920 als Archivrat ins Reichsarchiv in Potsdam. Dort wurde er 1935 zum Oberarchivrat (Oberregierungsrat) befördert.

Volkmann arbeitete an der vom Parlamentarischen „Untersuchungsausschuss für die Schuldfragen des Weltkriegs“ der Verfassunggebenden Deutschen Nationalversammlung und des Deutschen Reichstages beauftragten Untersuchung zu den „Ursachen des deutschen Zusammenbruchs im Jahre 1918 - Die Dolchstoß-Frage“ mit und veröffentlichte zwei Beiträge zu den Themen Die Annexionsfragen des Weltkrieges sowie Sociale Heeresmissstände als Mitursache des deutschen Zusammenbruchs von 1918. Die Untersuchungen zur Kriegsschuldfrage, zur Dolchstoß-Frage und zur Drückebergerei wurden zwischen 1926 und 1928 veröffentlicht. Den Berechnungen Volkmanns zufolge weigerten sich im Frühjahr 1918 etwa 800.000 bis eine Million Soldaten, den Angriffsbefehlen ihrer militärischen Vorgesetzten zu folgen. Die Militärbürokratie belegte dieses Massenphänomen mit dem abschätzigen Begriff „Drückebergerei“.[1]

Das Buch über seine Kriegserlebnisse bei der Ösel-Besetzung im Ersten Weltkrieg, Die roten Streifen, hatte 1942 eine Auflage von 100.000 Exemplaren.

Die von Volkmann verfassten Schriften Die Sudetendeutschen, Strategischer Atlas zum Weltkrieg, Die unsterbliche Landschaft, Der große Krieg 1914–1918, Strategie des Weltkrieges und Am Tor der neuen Zeit sowie das von ihm mit Bernhard Schwertfeger herausgegebene Die deutsche Soldatenkunde wurden in der Sowjetischen Besatzungszone auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.[2][3] In der Deutschen Demokratischen Republik folgten auf diese Liste noch Der Marxismus und das deutsche Heer im Weltkriege, Unternehmen Ösel und Die roten Streifen.[4]

Ein Sohn Volkmanns war der Journalist und Autor Claus Peter Volkmann, der sich nach 1945 das Pseudonym Peter Grubbe zulegte, angeblich um sich von seinem Vater abzugrenzen, möglicherweise auch um seine eigene Beteiligung am Holocaust zu vertuschen.

WerkeBearbeiten

  • Der Marxismus und das deutsche Heer im Weltkriege. Unter Benutzung amtlicher Quellen. Mit einem Urkundenanhang, Berlin: Reimar Hobbing 1925.
  • Ruhmeshalle unserer alten Armee, Herausgegeben v. Oberregierungsrat Major a. D. Erich Otto Volkmann, Verlag für Militärgeschichte und deutsches Schriftentum. Militär-Verlag 1927 (Reichsarchiv / Potsdam (Hrsg.)).
  • Die Sudetendeutschen, Langensalza: H. Beyer & Söhne, 1929.
  • Die Ursachen des Deutschen Zusammenbruches im Jahre 1918 Bd. 2.: Soziale Heeresmißstände als Mitursache des deutschen Zusammenbruchs von 1918., Berlin Dt. Verlagsges. für Politik und Geschichte 1929.
  • Die Ursachen des Deutschen Zusammenbruches im Jahre 1918 1. Halbbd, Gutachten des Sachverständigen Volkmann: Die Annexionsfragen des Weltkrieges., Berlin Dt. Verlagsges. für Politik und Geschichte 1929.
  • Die Ursachen des Deutschen Zusammenbruches im Jahre 1918 Bd. 6: Die Stellung der oppositionellen sozialdemokratischen Parteigruppen im Weltkrieg zum nationalen Staat und zur Frage der Landesverteidigung., Berlin Dt. Verlagsges. für Politik und Geschichte 1929.
  • Revolution über Deutschland, Oldenburg i.O. : Gerhard Stalling, 1930.
  • Am Tor der neuen Zeit, Oldenburg : Stalling 1933.
  • Bernhard Schwertfeger, Erich Otto Volkmann und Otto Großmann: Die Deutsche Soldatenkunde – Zweiter Band. Bibliographisches Institut, Leipzig., 1937 (auszusondernde 1946: 11213).
  • Der Große Krieg 1914–1918. Kurzgefaßte Darstellung auf Grund der amtlichen Quellen des Reichsarchivs. Berlin 1922 (1938). (online)
  • Strategie des Weltkrieges, 1936.
  • Strategischer Atlas zum Weltkrieg, Bibliographisches Institut: Leipzig 1937.
  • Die roten Streifen. Roman eines Generalstabsoffiziers, Hamburg: Hanseatische Verlagsanstalt 1942.
    • Auszug aus „Die roten Streifen“: Unternehmen Ösel Hamburg: Hanseatische Verlagsanstalt 1940.
  • Was wir von der Zermürbung der Zivilbevölkerung durch die kriegsfeindliche Propaganda nicht wissen, in: Walter Jost, Friedrich Felger (Hrsg.): Was wir vom Weltkrieg nicht wissen H. Fikentscher Verlag : Leipzig 1936.
  • Albrecht Philipp: Ursachen des deutschen Zusammenbruchs im Jahre 1918. Gutachten der Sachverständigen von Kuhl, Schwertfeger, Delbrück, Katzenstein, Herz, Volkmann zur 'Dolchstoß'-Frage.

LiteraturBearbeiten

  • Kürschners Deutscher Literatur-Kalender. Nekrolog 1936–1970. Walter de Gruyter : Berlin, New York, 1973, S. 701.
  • Kürschners Deutscher Literatur-Kalender 1937/38. Walter de Gruyter : Berlin, Leipzig, 1937, Spalte 835.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Eine Untersuchung des Freiburger Historikers Wilhelm Deist verweist dagegen auf die politische Dimension des massenhaften Nicht-mehr-Mitmachens und spricht präziser von einem „verdeckten Militärstreik“. Wolfram Wette, Die Drückeberger, in : Die Zeit, 31. Mai 1991
  2. Deutsche Verwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone, Liste der auszusondernden Literatur
  3. http://www.polunbi.de/bibliothek/1946-nslit-s.html
  4. http://www.polunbi.de/bibliothek/1953-nslit-v.html