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Erevan ist ein Steinmeteorit von 107,2 Gramm Gewicht, der in Armenien gefunden wurde und zu den seltenen Howarditen[1] gezählt wird.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Der Meteorit fiel 1911 oder 1912[1] in ein Gebiet wenige Kilometer nördlich der armenischen Hauptstadt Jerewan und wurde kurze Zeit später gefunden.

Seit 1898 gab es im zaristischen Russland ein Gesetz, dass alle gefundenen Meteoriten Staatsbesitz seien und einem Museum übergeben werden müssten. Für die Überbringer gab es eine Belohnung. In der Sowjetunion wurde das Gesetz zwar nicht übernommen, es wurde jedoch beibehalten, dass für Meteoriteneinreichungen durch die Russische Akademie der Wissenschaften eine Belohnung ausgezahlt werde. In dem gesamten Zeitraum von 1898 bis 1992 gibt es nur drei Fälle, in denen die Finder auf die Belohnung aus Prinzip verzichtet haben: A. Z. Fedorov, ein Geograph, der 1916 eine Expedition in die Region Primorje zum Meteoriten Boguslavka leitete, Pjotr Ludowikowitsch Drawert, ein Dichter und Professor der Universität Omsk, der in den 1930er-Jahren in Sibirien fünf Meteoriten fand, und V. A. Petrosyan, ein Ingenieur, der 1975 den Erevan-Meteoriten ablieferte.[2]

Bisher haben zwei auf armenischem Gebiet gefundene Meteoriten einen Eigennamen erhalten. Nach dem H6-Chondriten Kulp, der 1906 im Nordosten des Landes niedergegangen ist, ist Erevan das zweite benannte Objekt. Weltweit existieren 15 weitere Howarditenfunde.[1]

Die Akademie der Wissenschaften der UdSSR veröffentlichte schon 1978 eine Untersuchung des Erevan-Meteoriten mit einer mikro- und makroskopischen Analyse, einer chemischen Analyse und einer Bestimmung der Edelgase. Das Alter des Meteoriten wurde auf 22 Millionen Jahre bestimmt, zumindest scheint er so lange kosmischer Strahlung ausgesetzt worden zu sein.[3]

Aussehen und KlassifizierungBearbeiten

Bei Howarditen wird vermutet, dass es sich um Bruchstücke der Oberfläche des Asteroiden (4) Vesta handelt.

Hauptsächlich ist Erevan ein Gemisch aus Pigeonit-Plagioklasen mit Orthopyroxenen, wie andere Howarditen auch. Zusätzlich findet man in Erevan jedoch noch Olivine sowie außergewöhnliche Klasten mit Kohlenstoff, Glas und Basalt und – eher untypisch für Howarditen – Carbonate und Schichtsilikate. Erevan und der in Litauen gefundene Meteorit Jodzie sind die beiden kleinsten gefunden Howardite, gehören jedoch zu den vier Howarditen mit der größten mineralogischen Vielfalt.

Folgende Minerale und Varietäten wurden in dem Meteoriten gefunden:[4]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c MinDat – Erevan meteorite (englisch).
  2. Gerald Joseph Home McCall, Alan John Bowden, Richard John Howarth (Hrsg.): The History of Meteoritics and Key Meteorite Collections: Fireballs, Falls and Finds (= Geological Society Special Publication. 256). Geological Society, London 2006, ISBN 1-86239-194-7, S. 225 f. (englisch, sp.lyellcollection.org).
  3. L. G. Kvasha, A. Ia. Skripnik, M. I. Diakonova, V. Ia. Kharitonova, L. K. Levskii: The Erevan meteorite. In: Meteoritika. Band 37, 1978, ISSN 0369-2507, S. 80–86, 257–260 (russisch adsabs.harvard.edu).
  4. Mineralienliste Erevans bei MinDat (englisch).

Koordinaten: 40° 18′ 0″ N, 44° 30′ 0″ O