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Logo zum nächsten Equal Care Day am 29. Februar 2020

Der Equal Care Day ist ein Aktionstag, der auf die mangelnde Wertschätzung und unfaire Verteilung von Fürsorgearbeit aufmerksam macht.

Die Festlegung auf den 29. Februar, der als Schalttag nur alle 4 Jahre stattfindet und in den Jahren dazwischen übergangen wird, weist darauf hin, dass Care-Arbeit als weitgehend „unsichtbare Arbeit“ gilt, die oft nicht wahrgenommen und nicht bezahlt wird.[1] Der Tag symbolisiert außerdem das Verhältnis von 4:1 bei der Verteilung von Care-Arbeit und ruft in Erinnerung, dass Männer rechnerisch etwa vier Jahre bräuchten, um so viel private, berufliche und ehrenamtliche Fürsorgetätigkeiten zu erbringen wie Frauen in einem Jahr. Das Anliegen der Initiative ist es, die Aufgaben der Fürsorge und Pflege gleichmäßiger auf beide Geschlechter zu verteilen, sie generell aufzuwerten und ihre arbeitsrechtlichen sowie gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen zu verbessern.

GeschichteBearbeiten

Der Equal Care Day wurde 2016 von Almut Schnerring und Sascha Verlan ins Leben gerufen. Er entstand in Anlehnung an den Equal Pay Day, der daran erinnert, dass Frauen im Durchschnitt deutlich weniger verdienen als Männer.[2] Seit 2018 wird der Equal Care Day von klische*esc e.V. veranstaltet und seit 2019 von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert. Die Initiative Equal Care Day ist Mitglied im Netzwerk Care Revolution. Sie wird unterstützt von Vertreterinnen und Vertretern politischer Parteien (Katja Dörner, Elke Ferner, Anja Hagenauer, Katja Kipping, Maria Noichl, Lisa Paus), Verbänden (DBB Beamtenbund und Tarifunion, Deutscher Hebammenverband, DGB-Bezirk Bayern, Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands) sowie Personen aus Literatur und Journalismus (Sibylle Berg, Ulrike Draesner, Mareice Kaiser, Barbara Sichtermann, Margarete Stokowski), Wissenschaft (Karin Jurczyk, Antje Schrupp, Gabriele Winker), Wirtschaft (Henrike von Platen), Politik (Anke Domscheit-Berg, Herr und Speer, Stevie Schmiedel) und Musik (Judith Holofernes, Sookee).[3]

Equal Care Day und Equal Pay DayBearbeiten

Während der Fokus des Equal Pay Day auf der Entgeltgleichheit bezahlter Erwerbsarbeit liegt, nimmt der Equal Care Day auch die unbezahlte Sorgearbeit in den Blick, die in der Familie und als Ehrenamt erbracht wird. Er macht darauf aufmerksam, dass sich die Konditionen bezahlter und unbezahlter Leistungen gegenseitig bedingen, voneinander abhängen und teilweise auch in Konkurrenz zueinander stehen: „Von der Arbeit in der Familie behaupten viele PolitikerInnen und ÖkonomInnen, sie sei unbezahlbar – und zwar im doppelten Sinne [...]. Da ist vor allem die Rede von der ‚aus Liebe’ zur Familie erbrachten Betreuungsleistung oder vom Ehrenamt für die ‚Rettung der Menschheit’ und, meist etwas leiser, auch davon, dass die Milliarden unbezahlter Arbeitsstunden, wollte man sie tatsächlich bezahlen, unfinanzierbar seien. Die geschlechtsspezifische Entgeltlücke rührt zum Teil daher, dass so eine Konkurrenz der unbezahlten zur bezahlten Arbeit entsteht, in deren Folge die professionelle Sorgearbeit zu gering bewertet wird. Geringschätzung von Frauen und ihrer Arbeitsleistung führt zu Entgeltdiskriminierung, dem Gender Pay Gap [...]“, so Hannelore Buls.[4] Neben den geschlechts- und den daraus resultierenden branchenspezifischen Lohnunterschieden macht der Equal Care Day auch auf die unbezahlte Arbeit aufmerksam, deren Umfang bei 4,5 Stunden pro Tag liegt, die Frauen in Deutschland durchschnittlich erbringen, ohne dafür bezahlt zu werden (Stand 2019).[5]

Gender Care GapBearbeiten

Der Gender Care Gap gilt als Indikator für die Gleichstellung der Geschlechter. Er beziffert die geschlechtsspezifische Differenz des Zeitaufwands, der für unbezahlte Sorgearbeit aufgebracht wird. Aus dem 2019 veröffentlichten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung[6] geht hervor, dass sich Frauen beim Thema Care in größerem Maß engagieren als Männer. Der Gender Care Gap beträgt ihm zufolge 52,4 Prozent und wurde auf Basis einer Zeitverwendungserhebung des Statistischen Bundesamtes von 2012 und 2013[7] berechnet. Der Gender Care Gap variiert je nach Alter und Lebenssituation. Seinen Höchstwert erreichte er mit 110,6 Prozent in der Gruppe der 34-Jährigen und verringerte sich mit zunehmendem Alter. In Familien mit Kindern war die Care-Lücke mit 83,3 Prozent besonders hoch, aber auch alleinlebende Frauen wendeten mehr Zeit für Care-Tätigkeiten auf als alleinlebende Männer.[8]

RezeptionBearbeiten

Medien wie Emma,[9] Taz,[10] Süddeutsche Zeitung[11] und Die Zeit[12] berichteten über die Einführung des Aktionstags. In den Folgejahren wurde das bewusste Übergehen des Equal-Care-Day zwischen den Schaltjahren als Aufhänger für Veranstaltungen,[13] Fernsehberichte,[14][15] Social-Media-Aktionen[16] und politische Aufrufe[17][18][19] genutzt. Unter dem Hashtag #equalcareday werden seit 2016 Tweets[20] und Blogbeiträge zum Thema verfasst. 2018 riefen die Organisatorinnen und Organisatoren zu einer deutschlandweiten Briefaktion auf. In Form persönlicher Briefe an ein Kind der nächsten oder übernächsten Generation sollten Wünsche und Gedanken zur Situation der Care-Arbeit formuliert werden.[21]

WeblinksBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ursula Apitzsch, Marianne Schmidbaur: Care, Migration und Geschlechtergerechtigkeit. In: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Frauen in Europa (= Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ)). Nr. 37-38, 7. September 2011 (bpb.de [abgerufen am 17. November 2019]).
  2. Pressemitteilung Nr. 099 des Statistischen Bundesamtes vom 15. März 2018: Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern in Deutschland 2017 bei 21%
  3. Unterstützer*innen. In: Internetseite das Equal Care Day. Abgerufen am 16. November 2019.
  4. Deutscher Frauenrat und Bundesforum Männer: Pressemitteilung zum Equal Pay Day 2016. Zitat von Hannelore Buls. 16. März 2016, abgerufen am 16. November 2019.
  5. Frauen arbeiten täglich 4,5 Stunden unbezahlt. In: Zeit Online. 6. Mai 2019, abgerufen am 16. November 2019.
  6. Zweiter Gleichstellungsbericht der Bundesregierung. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 24. Januar 2019, abgerufen am 16. November 2019.
  7. Arbeitszeit von Frauen: ein Drittel Erwerbsarbeit, zwei Drittel unbezahlte Arbeit. Pressemitteilung Nr. 179. Statistisches Bundesamt, 18. Mai 2015, abgerufen am 16. November 2019.
  8. Gender Care Gap – ein Indikator für die Gleichstellung. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 27. August 2019, abgerufen am 16. November 2019.
  9. Gute Idee: Der Equal Care Day, Emma 17. Februar 2016
  10. Vier Jahre nacharbeiten, die Herren! von Simone Schmollack, taz 28. Februar 2016
  11. Ein Schalttag für die Care-Arbeit von Sarah Schmidt, Süddeutsche, 29. Februar 2016
  12. Ein Tag für die Gleichberechtigung im Haushalt von Tina Groll, Zeit online 1. Februar 2016
  13. Ihr nennt es Liebe, wir nennen es unbezahlte Arbeit. Abendveranstaltung zum Equal Care Day im Museum für Moderne Kunst, 28. Februar 2017, Frankfurt a. M.
  14. Equal Care Day - Briefe an die nächste Generation, WDR, frautv, 1. März 2018 (in der Mediathek bis 1.3.19)
  15. Vorstellung des Equal-Care-Day-Aktionstages in der Sendung scobel: Geschäfte mit der Hausarbeit, 3sat, 26. April 2018. Einspieler: Am Ende klafft eine große Lücke und Unser Leben besteht auch aus Fürsorge
  16. Straßeninterview: Girls'Day fragt nach: Care-Arbeit. In: Youtube. Girls'Day, abgerufen am 1. März 2018 (2018-09-29).
  17. Elke Ferner: ASF-Bundesvorsitzende Elke Ferner fordert mehr Anerkennung für Sorgearbeiten. 1. März 2017, abgerufen am 29. September 2018.
  18. Birgit Strahlendorff: Jeder Tag sollte ein Equal Care Day sein. In: vdl-hessen.info. dbb bundesfrauenvertretung, 28. Februar 2018, abgerufen am 29. September 2018.
  19. Kordula Schulz-Asche, Sprecherin für Pflegepolitik: Equal Care Day: Care-Arbeit endlich attraktiver machen. Bundestagsfraktion Bündnis 90 – Die Grünen, 1. März 2018, abgerufen am 29. September 2018.
  20. Hashtag #equalcareday auf Twitter. Abgerufen am 22. September 2018.
  21. Briefe zum Equal Care Day 2018. 28. Februar 2018, abgerufen am 16. Oktober 2018.