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Enrico Rava

italienischer Jazztrompeter und Flügelhornist
Enrico Rava
Enrico Rava in Aarhus Dänemark 2017

Enrico Rava (* 20. August 1939 in Triest) ist ein italienischer Jazztrompeter und Flügelhornist.

Inhaltsverzeichnis

Leben und WirkenBearbeiten

Rava lernte durch Platten seines Bruders den Hot Jazz kennen. Nach ersten Auftritten als Posaunist in traditionellen Jazzcombos wechselte er unter dem Einfluss von Miles Davis und Chet Baker zur Trompete.[1] Bereits 1960 leitete er ein eigenes Quartett. 1964 gehörte er zum Quintett von Gato Barbieri, zwischen 1965 und 1968 spielte er in der Gruppe von Steve Lacy, u. a. mit Johnny Dyani und Louis Moholo. Von 1969 bis 1972 arbeitete er in New York City und spielte unter anderem mit Bill Dixon und im Jazz Composer’s Orchestra sowie in Escalator over the Hill und gehörte zur Gruppe von Roswell Rudd. Große Beachtung fanden auch seine Einspielungen mit Dollar Brand, Archie Shepp oder Dino Saluzzi. In seinen eigenen Bands spielen u. a. John Abercrombie, Jeanne Lee, Roswell Rudd, Jean-François Jenny-Clark und Aldo Romano, aber auch argentinische Musiker, da er zeitweilig in Buenos Aires lebte, wo seine Frau Graciela als Filmemacherin arbeitete. In den 1970ern komponierte er auch Filmmusiken – unter anderem für Bernardo Bertolucci.

In den 1980er Jahren spielte er auch mit Gil Evans und Cecil Taylor, hatte aber auch immer eigene Gruppen, die zunächst noch im Jazzrock-Idiom spielten. Mehr und mehr galt sein Interesse der Komposition und der italienischen Tradition. In seinen Plattenprojekten Rava, L'Opera Va und Carmen beschäftigte er sich intensiv mit der Umsetzung von Opernarien in den Jazz. Mit dem Trompeter Paolo Fresu hat Rava mehrere Platten aufgenommen, auf denen er sich mit den Trompetern in der Geschichte des Jazz beschäftigt (z. B. Bix, Shades of Chet, Play Miles Davis). Der Pianist Stefano Bollani ist zuerst in seinen Gruppen bekannt geworden. Seit 1997 ist der Posaunist Gianluca Petrella Mitglied seines Quintetts; er spielte auch länger mit Schlagzeuger Emanuele Maniscalco. Mit Gianluca Petrella, Eberhard Weber und Reto Weber war er auch im Trio bzw. Quartett The Europeans unterwegs.

2011 erschien beim italienischen Verlag Feltrinelli Enrico Ravas Autobiografie unter dem Titel Incontri con musicisti straordinari. La storia del mio jazz. Darin schildert er auch seine vielen Begegnungen mit internationalen Größen des Jazz wie Gato Barbieri, Carla Bley, Don Cherry, Steve Lacy, Cecil Taylor und vielen anderen.

AuszeichnungenBearbeiten

2002 wurde Rava mit dem dänischen Jazzpar-Preis ausgezeichnet. Für seinen europäischen Beitrag zum zeitgenössischen Jazz erhielt er außerdem den französischen Orden Chevalier des Arts et des Lettres.

Diskografie (Auswahl)Bearbeiten

  • 1972: Enrico Rava Il Giro Del Giorno In 80 Mondi
  • 1973: Katcharpari Rava[2][3]
  • 1975: Enrico Rava The Pilgrim and The Stars
  • 1976: Enrico Rava The Plot
  • 1976: Enrico Rava Quotation Marks (JAPO)
  • 1984: Andrea Centazzos Mitteleuropa Orchestra Doctor Faustus mit Albert Mangelsdorff, Theo Jörgensmann, Gianluigi Trovesi, u. a.
  • 2000: Barbara Casini & Enrico Rava Vento
  • 2002: Enrico Rava Paolo Fresu Play Miles Davis
  • 2005: Enrico Rava Tati
  • 2007: Enrico Rava Quintet The Words And The Days
  • 2008: Enrico Rava New York Days, ECM 2064[4]
  • 2011: Enrico Rava Quintet Tribe, ECM 2218
  • 2012: Enrico Rava On the Dance Floor, ECM 2293
  • 2015: Enrico Rava Quartet featuring Gianluca Petrella Wild Dance, ECM 2456

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. vgl. Enrico Rava Wir waren radikal, bevor es modern wurde. Jazzthing 109 (2015): 80f. Dort verneint Rava, dass er Klavier gelernt habe; allerdings spielte seine Mutter sehr gut Piano.
  2. Andrey Henkin auf AllAboutJazz vom 5. Januar 2004: Trumpeter Enrico Rava: „A recording, Katcharpari (BASF, 1973) was released and won best jazz album in Germany. This attracted Manfred Eicher of ECM to offer him a recording contract.“
  3. Katcharpari Rava auf Discogs
  4. John Kelman auf AllAboutJazz vom 22. Januar 2009: Rezension zu Enrico Rava: New York Days (2008)