Emanuele Paternò

italienischer Chemiker
Emanuele Paternò

Emanuele Paternò di Sessa (* 12. Dezember 1847 in Palermo; † 18. Januar 1935 ebenda) war ein italienischer Chemiker, der unter anderen die Paternò-Büchi-Reaktion entdeckte.[1]

Leben und WerkBearbeiten

Paternò wurde als Marchese di Sessa geboren und studierte Chemie an der Universität Palermo bei Stanislao Cannizzaro. Im Jahr 1871 wurde er Dozent an der Universität Turin. Im folgenden Jahr ging er jedoch als Nachfolger von Cannizzaro zurück nach Palermo. 1892 wurde er Professor an der Universität Rom, wo er an photochemischen Aufgabenstellungen arbeitete und 1909 die Paternò-Büchi-Reaktion entdeckte. Diese wurde durch George Hermann Büchi im Jahre 1954 wesentlich verbessert.[2][3] In seiner Zeit in Rom entdeckte er auch die Reaktion von Chlorgas und Kohlenmonoxid zu Phosgen an Aktivkohle.[4]

Gemeinsam mit Stanislao Cannizzaro gründete er die Fachzeitschrift Gazzetta Chimica Italiana.[5] 1910 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ernannt.[6] Seit 1919 war er korrespondierendes und seit 1923 auswärtiges Mitglied der Académie des sciences.[7]

Im Ersten Weltkrieg war er Präsident der vom italienischen Kriegsministerium instituierten Stickgaskommission. Auf Anregung der von Paternò vom August 1915 bis Juli 1916 angeführten Kommission, wurde Phosgen als Hauptkampfstoff des italienischen Heeres im Ersten Weltkrieg eingesetzt.[8]

Paternò war auch politisch aktiv. Er war Bürgermeister von Palermo zwischen 1890 und 1892 und Mitglied des Regionalparlaments zwischen 1898 und 1914. Er war auch Mitglied und Vizepräsident des Senats.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Namen- und Schlagwort-reaktionen der organischen Chemie, von Thomas Laue, Andreas Plagens. books.google.de. Abgerufen am 19. Oktober 2009.
  2. E. Paterno, G. Chieffi: .. In: Gazz. Chim. Ital.. 39, 1909, S. 341.
  3. G. Büchi, Charles G. Inman, and E. S. Lipinsky: Light-catalyzed Organic Reactions. I. The Reaction of Carbonyl Compounds with 2-Methyl-2-butene in the Presence of Ultraviolet Light. In: Journal of the American Chemical Society. 76, Nr. 17, 1954, S. 4327–4331. doi:10.1021/ja01646a024.
  4. The chemical industry in Europe, 1850–1914, von Ernst Homburg,A. S. Travis,Harm G. Schr. books.google.de. Abgerufen am 19. Oktober 2009.
  5. Leonello Paoloni und Giovanni Paoloni: La fondazione della Gazzetta Chimica Italiana (1870–1871), Rom, Accademia Nazionale delle Scienze, 1990.
  6. Hans Fischer: Emanuele Paternò (Nachruf). In: Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Abteilung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften zu München. Heft 1, 1940, S. 64–65 (online [PDF; abgerufen am 20. März 2017]).
  7. Verzeichnis der Mitglieder seit 1666: Buchstabe P. Académie des sciences, abgerufen am 31. Januar 2020 (französisch).
  8. Franco Calascibetta: Paternò e la scelta del fosgene. In: La chimica e l’industria. N. 6 Novembre/Dicembre 2015, 2015, S. 14–15 (italienisch).