Eisheilige

Gedenktage im Mai mit Bauern- und Wetterregeln

Zu den Eisheiligen, auch Gestrenge Herren, Eismänner oder Maifröste genannt,[1] zählen mehrere Gedenktage von Heiligen im Mai, an denen Bauernregeln zufolge die letzten Frostnächte des Frühjahrs möglich sind. Wegen der Verschiebung durch die gregorianische Kalenderreform 1582 liegen diese Tage eigentlich, je nach Bezugsjahr der Umrechnung, etwa 10 Tage nach den Namenstagen,[2] da sich diese auf den julianischen Kalender (jK) beziehen.[3] Die Eisheiligen zählen zu den Wetterheiligen; sie waren Bischöfe und Märtyrer im 4. oder 5. Jahrhundert.

Die Eisheiligen und ihre GedenktageBearbeiten

  1. Mamertus, Bischof von Vienne – 11. Mai (jK)
  2. Pankratius, frühchristlicher Märtyrer – 12. Mai (jK)
  3. Servatius, Bischof von Tongeren – 13. Mai (jK)
  4. Bonifatius, frühchristlicher Märtyrer – 14. Mai (jK)
  5. Sophia, frühchristliche Märtyrerin und Mutter dreier geweihter Jungfrauen – 15. Mai (jK)

In Norddeutschland gilt Mamertus als erster Eisheiliger, in Süddeutschland, der Deutschschweiz und Österreich Pankratius. „Eismänner“ bezeichnet meist nur Pankraz, Servaz und Bonifaz, die „Kalte Sophie“ wurde beigefügt. Dies kann damit erklärt werden, dass die von Norden her kommende Kaltluft in Süddeutschland etwa einen Tag später eintrifft.

Landwirtschaftlicher Hintergrund der BauernregelBearbeiten

Ab Anfang Mai sind die Temperaturen in Mitteleuropa meistens bereits recht hoch. Diese hohen Temperaturen werden aber immer wieder durch Wetterlagen unterbrochen, bei denen kalte Polarluft nach Mitteleuropa strömt. Ist dann der Himmel klar, so kann die nächtliche Abstrahlung zu Bodenfrost führen. Laut der Bauernregel wird das milde Frühlingswetter erst mit Ablauf der „Kalten Sophie“ stabil. Die Bauernregel war wichtig, da Bodenfrost eine Saat vernichten kann. Die Aussaat durfte also erst nach der Kalten Sophie erfolgen.

In der Kleinen Eiszeit traten häufig sehr kalte, lang andauernde Winter und niederschlagsreiche kühle Sommer auf. Mitte des 17. Jahrhunderts und noch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts drangen in den Alpen zweimal die Gletscher vor und zerstörten Gehöfte und Dörfer. In vielen Landstrichen kam es nicht selten zu Hungersnöten. Die durchschnittliche Vegetationsperiode war kürzer als heute; dies stellte die Bauern (gerade in kühlen Landesteilen, z. B. im Osten Deutschlands und in den Mittelgebirgen) jedes Jahr vor ein Dilemma: Wenn sie spät aussäten, war die Ernte gering; wenn sie früh aussäten, waren die jungen Pflanzen von Frühlingsfrost bedroht.

Klimatologischer BefundBearbeiten

In der Meteorologie stellen die Eisheiligen eine sogenannte Singularität dar.

Bei der Beurteilung der Bauernregel muss man auch Klimaveränderungen berücksichtigen: Die Regel mit den Eisheiligen wurde wahrscheinlich während einer mittelalterlichen Kälteperiode aufgestellt.

In der Klimageschichte wechselten sich Warmzeiten und Kaltzeiten immer wieder unregelmäßig ab. So gab es von 950/1000 bis 1200/1300 die mittelalterliche Warmzeit; sie begünstigte die Besiedlung kälterer Teile Europas sowie Ackerbau und Viehzucht. Dieser Periode folgte die sogenannte Kleine Eiszeit (Anfang des 15. bis in das 19. Jahrhundert hinein). Auch in der Kleinen Eiszeit gab es erhebliche Klimaschwankungen; zum Beispiel waren die Zeiträume von 1570 bis 1630 und von 1675 bis 1715 besonders kalte Zeitabschnitte.

Seit dem Ende der Kleinen Eiszeit und insbesondere gegen Ende des 20. Jahrhunderts sind die Vegetationsperioden zunehmend länger und Frosteinbrüche im Frühjahr seltener und kürzer und auch weniger streng als früher.

Das Klima in Deutschland ist regional sehr unterschiedlich; großräumige Wetterphänomene werden von lokalen Wetterereignissen überlagert (sowohl abgeschwächt als auch verstärkt). So wurden beispielsweise in Trier im Zeitraum von 1951 bis 1961 durchschnittlich 0,4 Frosttage im Mai gemessen (das sind vier Tage innerhalb von zehn Jahren), von 1991 bis 2006 dagegen keine. Der Frühlingsbeginn liegt offenbar einige Tage früher als vor Jahren.[4] Einige Quellen berichten, ein tatsächlicher Rückgang der Temperaturen sei wissenschaftlich bestätigt.[5]

Langjährige Messreihen in Payerne (Schweiz) zeigen keine Häufung von Frost während der Eisheiligen (weder nach julianischem noch nach gregorianischem Kalender). Doch tritt in der überwiegenden Mehrheit der Jahre mindestens ein- oder zweimal im Mai Bodenfrost auf, in knapp der Hälfte der Jahre gibt es im Mai mehr als zwei Tage mit Bodenfrost.[3]

50-jährige Messreihen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geophysik zeigen für verschiedene Orte in Österreich einen deutlichen Temperatureinbruch zur Zeit der durch die Gregorianische Kalenderreform verschobenen Eisheiligen,[6] was in hohen Lagen durch die generell niedrigere Temperatur auch zu Frost führen kann.

SonstigesBearbeiten

Ein weiterer Kälteeinbruch im Juni ist unter dem Namen Schafskälte bekannt.

Bauernregeln und SprichwörterBearbeiten

Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Bauernregeln und Sprichwörter entwickelt, die auf die Eisheiligen Bezug nehmen:

  • Pankraz, Servaz, Bonifaz
    machen erst dem Sommer Platz.
  • Vor Bonifaz kein Sommer,
    nach der Sophie kein Frost.
  • Vor Nachtfrost du nie sicher bist,
    bis Sophie vorüber ist.
  • Servaz muss vorüber sein,
    will man vor Nachtfrost sicher sein.
  • Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei frostige Bazi.
    Und zum Schluss fehlt nie die Kalte Sophie.
  • Pankraz und Servaz sind zwei böse Brüder,
    was der Frühling gebracht, zerstören sie wieder.
  • Pflanze nie vor der Kalten Sophie.
  • Mamerz hat ein kaltes Herz.
  • Die Kalte Sophie macht alles hie. (bairisch: hie = hin, kaputt)
  • Mamertius, Pankratius, Servatius bringen oft Kälte und Verdruss.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Maifröste. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Band 13, Bibliographisches Institut, Leipzig/Wien 1908, S. 120.
  2. Kalender umrechnen. 10 Tage differenz ab dem Jahr 1582. Abgerufen am 11. Mai 2020.
  3. a b Die Eisheiligen. Meteo Schweiz, 10. Oktober 2017, abgerufen am 18. Mai 2019.
  4. Die Rückkehr der Zugvögel, auf vogelwarte.ch
  5. Ist das schon der Überfall der eiligen Eisheiligen?, Die Welt vom 2. Mai 2014.
  6. siehe ZAMG: Die Eisheiligen: verlässlich, aber nicht pünktlich, https://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/news/die-eisheiligen-verlaesslich-aber-nicht-puenktlich (Artikel vom 9. Mai 2017)