Effektive Stücke

Als effektive Stücke (auch Tafeln) werden im Bankwesen physisch vorhandene, also tatsächlich gedruckte Effekten bezeichnet.

Aktie von Barnum & Bailey Limited

AllgemeinesBearbeiten

Der Fachausdruck „effektive Stücke“ betrifft zwar Effekten, ist hiervon jedoch nicht abgeleitet. Vielmehr betrifft er effektiv (tatsächlich und körperlich) vorhandene Wertpapiere im Gegensatz zu Wertrechten im Rahmen der Girosammelverwahrung, die lediglich noch buchmäßig vorhanden und deshalb nicht auslieferbar sind. Effektive Stücke werden von Emittenten heute aus Kostengründen nur selten angeboten. Frühere Nonvaleurs genießen heute unter Sammlern hohe Sammlerwerte.

AufbauBearbeiten

Ein effektives Stück besteht in der Regel aus Mantel und Bogen.

MantelBearbeiten

Der Mantel verbrieft das Forderungs- oder Mitgliedschaftsrecht.

BogenBearbeiten

Der Bogen verbrieft das Recht auf Ertrag. Er besteht aus Kupons (Zinsscheine) sowie einem Talon.

KuponsBearbeiten

Die Kupons (Gewinnanteilsscheine) berechtigen zum Bezug von Dividenden oder Zinsen. Sie werden bei einer Depotverwahrung zentral eingereicht; bei Eigenverwahrung muss man selbst den jeweils aufgerufenen Kupon abschneiden und bei einer Bank einreichen. Ebenso muss bei Eigenverwahrung auch auf Veränderungen wie Aktiensplitting oder Kapitalerhöhungen geachtet werden. Bei letzteren wird ein Kupon zur Ausübung des Bezugsrechts aufgerufen.

TalonBearbeiten

Der Talon (Erneuerungsschein) dient dazu, einen neuen Bogen zu beziehen, falls alle Kupons aufgebraucht sein sollten.

ArtenBearbeiten

Im Wertpapierrecht werden folgende Verbriefungsformen unterschieden:[1]

  • Effektive Stücke bestehen aus dem Mantel und dem Bogen, der maximal 20 Kupons enthält. Der Druck unterliegt strengen Druckrichtlinien der Börsen.
  • Globalurkunden werden bei Emissionen mit kurzfristiger Laufzeit oder Fälligkeit ausgegeben wie beispielsweise deutsche Anleihen. Technische Globalurkunden ermöglichen effektive Stücke auf Verlangen eines Anlegers. Die häufigeren Dauerglobalurkunden schließen effektive Stücke jedoch aus.[2]
  • Schuldbucheintragungen im Bundesschuldbuch schließen eine Verbriefung in effektiven Stücken gemäß § 6 Abs. 3 Bundesschuldenwesengesetz (BSchWG) aus.

GestaltungBearbeiten

Wertpapiere, die an Wertpapierbörsen gehandelt werden, müssen im DIN A4-Format gedruckt sein.[3] Bei Stammaktien und Investmentanteilen ist der Mantel im Querformat, bei Vorzugsaktien, Genussscheinen oder Anleihen im Hochformat zu drucken; Bögen werden stets im Hochformat gedruckt.

EinlieferungBearbeiten

Bei der Einlieferung effektiver Stücke aus der Eigenverwahrung durch Kunden müssen Kreditinstitute besondere Sorgfalt wahren:[4]

Grund für diese Strenge ist § 367 HGB, wonach Kreditinstitute selbst bei Inhaberpapieren nicht gutgläubig Eigentum bei gestohlenen, verlorengegangenen oder sonst abhanden gekommenen Inhaberpapieren erwerben können, wenn zur Zeit der Veräußerung oder Verpfändung der Verlust des Papiers im Bundesanzeiger bekanntgemacht und seit dem Ablauf des Jahres, in dem die Veröffentlichung erfolgt ist, nicht mehr als ein Jahr verstrichen war.

Außerdem sind Kreditinstitute nach § 10 Abs. 3 GWG zur Vermeidung der Geldwäsche verpflichtet, ab einem Kurswert von mehr als 15.000 Euro eine Identitätsfeststellung des Einlieferers vorzunehmen.

BedeutungBearbeiten

Effektive Stücke haben heute kaum noch eine Bedeutung am Markt, weil die Aktien und Anleihen in Globalurkunden verbrieft werden. Allerdings werden immer noch effektive Stücke als Schmuck und Andenken gedruckt, die die gleichen Rechte wie globalbeurkundete Aktien verbriefen.

Darüber hinaus werden effektive Stücke als historische Wertpapiere gesammelt.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Reinhold Adrian, Thomas Heidorn (Hrsg.): Der Bankbetrieb. 2000, S. 262.
  2. Reinhold Adrian, Thomas Heidorn (Hrsg.): Der Bankbetrieb. 2000, S. 263.
  3. Deutsche Börse vom 17. April 2000: Gemeinsame Grundsätze der deutschen Wertpapierbörsen für den Druck von Wertpapieren. Abgerufen am 29. November 2019.
  4. Deutsches Institut für Interne Revision e. V. – Arbeitskreis Revision des Wertpapiergeschäftes (Hrsg.): Prüfung des Wertpapierdienstleistungsgeschäfts. 2005, S. 127 f.