Die EMD E5 ist eine Baureihe von Diesellokomotiven mit elektrischer Leistungsübertragung für den schweren Schnellzugdienst, die von 1940 bis 1941 bei General Motors Electro-Motive Division in den Vereinigten Staaten für die Chicago, Burlington and Quincy Railroad und ihre Tochtergesellschaften gebaut wurde.

EMD E5
EMD E5A und mehrere E5B der Chicago, Burlington and Quincy Railroad mit Güterzug in Colorado (Oktober 1967)
EMD E5A und mehrere E5B der Chicago, Burlington and Quincy Railroad mit Güterzug in Colorado (Oktober 1967)
Nummerierung: CBQ: 9909, 9910A–9912A, 9913, 9914A–9915A, 9914B–9915B (E5A)
9910B–9912B (E5B)[1]
Anzahl: 11 (E5A)
5 (E5B)[2]
Hersteller: Electro-Motive Division
Baujahr(e): 1940–1941 (E5A)
1940 (E5B)
Ausmusterung: um 1965[1]
Achsformel: (A1A)(A1A)
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Kupplung: 21.440 mm (Zugflächen)
21.680 mm (gesamt)
Höhe: 4570 mm
Breite: 3120 mm (Lokkasten)
3230 mm (Griffstangen)
Drehzapfenabstand: 13.110 mm
Drehgestellachsstand: 4290 mm
Gesamtradstand: 17.400 mm
Kleinster bef. Halbmesser: 80 m
Leermasse: 133 t (E5A)
127 t (E5B)
Dienstmasse: 143 t (E5A)
132 t (E5B)
Reibungsmasse: 95 t (E5A)
88 t (E5B)
Radsatzfahrmasse: 24 t (E5A)
22 t (E5B)
Höchstgeschwindigkeit: 185 km/h (115 mph)
Installierte Leistung: 1490 kW (2030 PS)
Anfahrzugkraft: 260 kN
Dauerzugkraft: 140 kN bei 18 km/h[2]
Leistungskennziffer: 10,5 kW/t (E5A)
11,3 kW/t (E5B)
Treibraddurchmesser: 910 mm
Laufraddurchmesser: 910 mm
Motorentyp: EMD 12-567
Motorbauart: 2 × Zwölfzylinder-V-Dieselmotor mit Roots-Lader, 2-Takt, wassergekühlt,
112 l Hubraum
Nenndrehzahl: 275–800 min-1
Leistungsübertragung: elektrisch
Tankinhalt: 4540 l Dieselkraftstoff
Anzahl der Fahrmotoren: 4 × GM D7[1]
Antrieb: zwei Zwölfzylinder-Dieselmotoren in V-Bauform (EMD 12-567) treiben jeweils einen Gleichstromgenerator
(GM D4) an, der jeweils zwei elektrische Gleichstromfahrmotoren
(GM D7) versorgt
Übersetzungsverhältnis: 3,47 : 1[2]
Lokbremse: Druckluftbremse, Handbremse, bei E5A zusätzlich Widerstandsbremse[2]
Zugbremse: Druckluftbremse
Zugheizung: Dampf
(Dampfmenge 540 kg/h)
Steuerung: elektropneumatische Mehrfachtraktionssteuerung
Kupplungstyp: Janney

Entwicklung und EinsatzBearbeiten

Von 1937 bis 1963 baute Electro-Motive Corporation (EMC) und später General Motors Electro-Motive Division (EMD) in La Grange im US-Bundesstaat Illinois eine große als E-Serie bezeichnete Reihe sechsachsiger dieselelektrischer Stromlinienlokomotiven mit der Achsfolge (A1A)(A1A). Diese wurden als A-Variante mit Führerstand als eigenständiges Triebfahrzeug und als ferngesteuerte B-Variante ohne Führerstand zur Unterstützung von A-Lokomotiven hergestellt.

Von der Reihe EMD E5 entstanden von Februar 1940 bis Juni 1941 nur 11 Maschinen in Normalausführung und von Februar bis März 1940 zusätzlich 5 führerstandslose B-Einheiten für die Chicago, Burlington and Quincy Railroad, die 12 Loks abnahm, die Colorado and Southern Railway mit zwei und die Fort Worth and Denver Railway mit ebenfalls zwei Maschinen.[1] Da die CS und die FWD zur Chicago, Burlington and Quincy Railroad gehörten, kann diese als Eigentümer aller 16 E5-Lokomotiven angesehen werden. Die E5 war nahezu baugleich mit der EMD E6 und unterschied sich lediglich durch das den „Burlington Zephyr“-Zügen angeglichene äußere Erscheinungsbild.[1]

Eine E5A-Lokomotive, die 9911A der Chicago, Burlington and Quincy Railroad, ist im Illinois Railway Museum in Union betriebsfähig erhalten.[1]

Technische BeschreibungBearbeiten

Der geschweißte Stahlrahmen liegt über Elliptikfedern auf zwei dreiachsigen Drehgestellen auf, die die Antriebs- und Bremskräfte über Drehzapfen auf den Grundrahmen übertragen. Die Dienstmasse von 143 Tonnen, 132 Tonnen bei der führerstandslosen B-Variante, wird auf die sechs Radsätze aufgeteilt, sodass die Achslast 24 beziehungsweise 22 Tonnen beträgt.[2] Nur vier der sechs Radsätze der Lokomotive werden angetrieben, der jeweils mittlere im Drehgestell ist als Laufradsatz ausgeführt. Der Lokomotivkasten hat mit poliertem Edelstahl verkleidete Blechwände zur Anpassung an das Aussehen der Zephyr-Züge, einen Vorbau in Form einer großen abgerundeten Frontnase sowie eine senkrechte Rückwand. Wie die Reihen E3, E4 und E6, hat auch die E5 eine schräg ansteigende Frontnase, was zum Spitznamen „Slant nose“ (deutsch „Schrägnase“) führte.[1] Die Seitenumläufe liegen innerhalb des Maschinenraums. In der Frontnase befindet sich ein Teil der Bremsausrüstung. Hinter der Frontnase ist der Führerstand angeordnet, an dessen Rückwand der Hauptschaltschrank eingebaut ist. Bei der E5B entfallen Frontnase und Führerstand, stattdessen ist an beiden Stirnseiten eine senkrechte Wand mit einer Übergangstür vorhanden.

Um die benötigte Leistung zu erreichen, besitzt die EMD E5 zwei baugleiche Antriebseinheiten mit jeweils einem Dieselmotor und einem Hauptgenerator. Dabei befinden sich die beiden Motoren hintereinander, während die Generatoren an den Enden des Maschinenraums angeordnet sind. Die Motoren des Typs EMD 12-567 sind wassergekühlte Zwölfzylinder-V-Motoren mit Roots-Lader, arbeiten nach dem Zweitaktprinzip und erreichen bei einer Drehzahl von 800 Umdrehungen pro Minute eine Leistung von 750 kW (1010 PS). Die Zylinder haben einen Innendurchmesser von 216 mm und einen Kolbenhub von 254 mm. Daraus ergibt sich ein Hubraum von 9,3 Litern pro Zylinder und 111,6 Litern des gesamten Motors. Die vom Dieselmotor angetriebenen Gleichstromgeneratoren des Typs GM D4 versorgen jeweils zwei elektrische Gleichstromfahrmotoren des Typs GM D7. Zwei Hilfsgeneratoren versorgen das Bordnetz für die fahrzeugeigenen Verbraucher wie Pumpen, Lüfter und Lampen. Neben dem Motorzubehör und der Druckluftversorgung befinden sich bei der E5A zwischen den beiden Dieselaggregaten auch die Heizwiderstände der Widerstandsbremse. Die Lokomotive besitzt aus Platzgründen keine gesonderte Kühlanlage, sondern mehrere Lüfter im Maschinenraumdach. Hinter der Antriebstechnik, am hinteren Ende des Maschinenraums, ist der Dampfheizkessel mit einer verfügbaren Dampfmenge von 540 Kilogramm pro Stunde untergebracht.[2] Unter dem Lokkasten zwischen den Drehgestellen sind der Dieselkraftstofftank mit einem Fassungsvermögen von 4540 Litern, die Batteriekästen und der Vorratsbehälter für die Dampfheizanlage montiert.

Das Fahrzeug kann mit einer direkt wirkenden Druckluftbremse, der indirekt wirkenden Druckluftbremse und einer Handbremse gebremst werden. Die A-Einheiten verfügen zudem über eine elektrodynamische Widerstandsbremse, mit der Schnellzüge aus hohen Geschwindigkeiten verschleißfrei abgebremst werden können. Alle notwendigen Funktionen der Lokomotive können über die elektropneumatische Mehrfachtraktionssteuerung ferngesteuert werden, was besonders für den Einsatz der führerstandslosen B-Einheiten zur Unterstützung der Maschinen mit Führerstand nötig ist.[1] Die Lokomotiven haben eine Anfahrzugkraft von 260 kN und erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 185 km/h (115 mph).[2]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g h EMD E5 Locomotives. Abgerufen am 23. November 2022 (englisch).
  2. a b c d e f g EMC E5A and E5B Data Sheet. Abgerufen am 23. November 2022 (englisch).