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Dogaressa

Titel der Ehefrau des Dogen von Venedig
Grabmal der Agnesina da Mosto Venier in San Zanipolo, ebenso wie ihrer Töchter Orsola Venier († 1471) und Petronilla de Toco, Arbeit des Bildhauers Filippo di Domenico (bl. 1394–1423)
Die Hertzogin von Venedig, aus dem Frauen-Trachtenbuch des Jodocus Amman (1539–1591), Sigmund Feyrabends, Frankfurt 1586 („Man findt in Teutscher Nation / Kein so wol geziert Weibs person“)
Darstellung des späten 16. Jahrhunderts von Cesare Vecellio: Costumes anciens et modernes – Habiti antichi et moderni di tutto il Mondo, Firmin Didot Frères Fils & Cie, Paris 1859 (Digitalisat)
Die Ausfahrt der Dogaressa Morosina Morosini von San Marco, Andrea Vicentino (ca. 1542–1618)
Morosina Morosini, Dogaressa von 1595 bis 1606, porträtiert von Jacopo Tintoretto: la Dogaressa
Elisabetta Querini, Dogaressa von 1694 bis 1700, Niccolò Cassana (1659–1714), 1694

Dogaressa war der Titel der Ehefrauen der venezianischen Dogen, wobei die frühen Dogengattinnen als coniunx, dann ducissa oder duchessa bezeichnet wurden[1], später auch Principessa[2]. Der Chronist Johannes Diaconus nannte sie ductrix.[3] Die erste namentlich bekannte Ehefrau eines Dogen war angeblich eine „Carola“, die fränkische Frau des Obelerio Antenoreo, im frühen 9. Jahrhundert, die jedoch kaum als Dogaressa bezeichnet werden kann, und deren Name auch nicht überliefert ist. Die letzte amtierende Dogaressa war gegen Ende der Republik Elisabetta Grimani († 1792). Ähnlich wie der Doge wurde die Dogaressa gekrönt, hatte Anspruch auf einen feierlichen Einzug und einen kleinen Hofstaat. Ihr Symbol war ein goldener Schleier und eine Krone in ähnlicher Form wie die Mütze des Dogen. Für die dominierenden Adelsfamilien, die sich bei den Dogenwahlen nicht hatten durchsetzen können, war die Position einer Dogaressa eine Möglichkeit der informellen Einflussnahme.

Geschichte, Rechtsrahmen, gesellschaftliche VerankerungBearbeiten

Zunächst regelten einzelne Verbote und Beschränkungen ihren Aufgabenbereich, später detailreiche Gesetze. Formal hatte sie keine politischen Rechte, sondern sie sollte den Ruhm des Staates und seine Tugenden repräsentieren. Daher wurde im Falle der Verwitwung erwartet, dass sie ins Kloster ging. Sie war darüber hinaus Schutzherrin verschiedener Scuole, also der geistlichen und karitativen Korporationen, Handwerker- und Händlergilden der Republik Venedig. Für Zilia Dandolo (1556–1559, † 1566), die 1556 Lorenzo Priuli ehelichte, errichtete die ungemein vermögende Arte dei Beccai, die Metzgerzunft, 1557 für ihren Einzug einen Triumphbogen auf der Piazzetta beim Markusdom.[4]

Ab dem 13. Jahrhundert durfte die Dogaressa keine ausländischen Würdenträger mehr empfangen, ähnlich wie der Doge, der diese nur in Gegenwart seiner Berater sprechen durfte. Ab 1342 durfte die Dogaressa keine wirtschaftlichen Geschäfte mehr führen.

Die Kinder der Dogaresse stiegen oftmals in die höchsten Staatsämter auf, umgekehrt nutzten die Familien die Verehelichungen zur Einflussnahme auf die Politik. So waren zwei Frauen der Familie Dandolo mit Dogen verheiratet. Giovanna Dandolo, von der das einzige Porträt einer Dogaressa des Mittelalters und der Renaissance überliefert ist,[5] und die als Ehefrau von Pasquale Malipiero Dogaressa von 1457 bis 1462 war, sowie die besagte Zilia Dandolo.

Ähnlich wie im Falle des Dogen, wo die Gegner einer Entwicklung zu königgleicher Stellung die Möglichkeit sahen, durch einen Amtseid (promissio) die Macht des Staatsoberhauptes zu kontrollieren, wurden die darin enthaltenen Beschränkungen auch für die Dogaressa festgesetzt. Die promissio des Dogen enthielt seit dem 12. Jahrhundert allerlei Verpflichtungen, aber auch Amtsbeschränkungen. Sie musste seit Enrico Dandolo in schriftlicher Form vorliegen und öffentlich beeidet werden. Offenbar wurde auch die ducissa, die in den Eiden immer mit dem lateinischen Titel angesprochen wird, niemals mit der Bezeichnung mulier oder uxor (Ehefrau), als einzubindender Teil des Machtapparates und als potentielle Gefahr für das fragile Machtgleichgewicht in der Stadt gesehen. Daher kam ihr auch im zeremoniellen Rahmen der hochentwickelten Staatsinszenierung im öffentlichen Raum größte Bedeutung zu. Andererseits hing ihre Rolle ausschließlich von der Autorität ihres Ehemannes ab, der sie formal zum Eid veranlasste, und vom Staat. Die erste Nennung einer Dogaressa in einem solchen Amtseid erfolgte im Eid Jacopo Tiepolos von 1229, und zwar im Zusammenhang mit Geschenken.

Zu dieser Zeit durfte sowohl der Doge als auch seine Frau Venedig noch verlassen, ohne vorher um Genehmigung zu fragen. Während jedoch der Doge ab 1289 noch nicht einmal ohne Erlaubnis nach Torcello fahren durfte, geschweige denn das venezianische Herrschaftsgebiet zu verlassen, durfte die Dogaressa Venedigs Herrschaftsgebiet durchaus verlassen – vielleicht eine Reminiszenz an frühere Dogaresse, die ja vielfach aus dem Ausland stammten und von ihrem Stand her Anspruch auf Geschenke hatten.[6] So hatten seit Doge Renier Zen zwei Paduaner Orte, nämlich Piove di Sacco und Corte, die Pflicht, der Dogaresse Leinen im Wert von 100 Libra zu „schenken“. Spätestens ab 1312 musste die dortige Zunft alljährlich zu Ostern der Dogaressa „ein schönes Stück Tuch“ zukommen lassen. Ab dem 14. Jahrhundert kamen gegerbte Kuh- oder Schafhäute hinzu, ab 1462 mussten die Stoffhändler der Dogaressa eine in Gold gewirkte Tasche im Wert von vier Dukaten zukommen lassen, in der sich acht Soldi novi zu finden hatten. Die Dogaressa ihrerseits verteilte derartige Taschen an die Ratgeber ihres Mannes und den Großkanzler. Diese vier Geschenke wurden als regalie bezeichnet. Dies spiegelte und förderte zugleich eine enge Beziehung der Dogaressa zu den Zünften und Gilden, insbesondere zu den zahlreichen Zünften der Tuchverarbeitung und des Handels, sowie einigen Orten des Herrschaftsgebietes.

Ähnliches galt innerhalb Venedigs. Das Kloster San Zaccaria, dessen Nonnen immerhin die Dogenmütze herstellten, und das der Doge jedes Jahr zu Ostern besuchte – zumal sein Herrschaftssitz, der Dogenpalast, auf dem Gelände des Klosters stand –, erhielt vergängliche Geschenke, wie man sie vorzog, um keine symbolischen Dauerhaftigkeiten zu schaffen. Zum Fest des hl. Clemens erhielt die Dogaressa von den Nonnen zwei Schalen mit Mandelkuchen. Sie schenkte im Gegenzug Fisch und drei Amphoren Wein. Ab 1275 durfte die Dogaressa, ähnlich wie ihr Gatte, Geschenke nur noch zu Weihnachten und an bestimmte Kreise vergeben.[7]

Die Zeit vom 16. Jahrhundert bis 1797 kannte offiziell nur zehn Dogaresse.[8] Ihr Krönungszeremoniell war bald umstritten. So wurde es nach Taddea Michiel (1478) bis Zilia Dandolo (1556) nicht mehr durchgeführt. Nach der Krönung der Morosina Morosini am 4. Mai 1597 wurde die Krönung 1645 m.v. (10. Januar 1646) für bedenklich erachtet und untersagt, mit der Begründung, sie stelle zu sehr Luxus zur Schau. Daher wurden die übrigen Zeremonien ebenfalls drastisch reduziert.[9] Die letzte gekrönte Dogaressa, Elisabetta Querini, wurde jedoch – unter Umgebung des besagten Verbotes – 1694 feierlich gekrönt. Ab 1700 durfte die Dogaressa auch keine Krone mehr tragen oder Geschenke von Honoratioren entgegennehmen. 1763 erhielt die Dogaressa Pisana Cornaro als letzte einen feierlichen Einzug.

Verstarb die Dogaressa, so wurde sie in einen goldenen Mantel gehüllt, ihr wurden weiße Handschuhe angezogen, dazu eine Haube. Ihr Gesicht wurde mit einem Schleier bedeckt, nämlich mit dem, den sie bei öffentlichen Zeremonien getragen hatte. Dann wurde ihr Leichnam im größten Raum ihres Hauses zwischen vier Fackeln aufgebahrt. Zu ihren Füßen wurde ein Kreuz aufgestellt. In Begleitung nur eines Priesters und eines Klerikers wurde sie nach Mitternacht nach San Marco gebracht und unter einem Katafalk abgelegt. Am nächsten Tag wurde unter Rezitationen und in Musikbegleitung die Begräbnisfeierlichkeit begangen, um dann in einer feierlichen Prozession die Tote in die Familiengruft zu bringen.[10]

Darstellungen und ForschungBearbeiten

Die erste Studie, die sich der Dogaressa widmete, stammt von Giovanni Palazzi (1633–1713) in seinen Fasti ducales von 1696.[11] Schon 1681 hatte er biographische Informationen über dreizehn Dogaresse des 9. bis 16. Jahrhunderts vorgelegt (La virtù in Giocco), die allerdings nicht sehr verlässlich sind.[12] Noch erzählfreudiger, aber deutlich ungenauer und fehlerbehaftet ist The Dogaressas of Venice von Edgecumbe Staley, das 1910 erschien. Auch die Überblickswerke von Andrea Da Mosto und Pompeo Molmenti entbehren nicht romantisierender und vorurteilsbeladener Darstellungen, die zahlreiche Elemente aus der venezianischen Tradition als tatsächliche historische Vorgänge unkritisch übernehmen. Eine systematische Darstellung mit den rechtlichen und sozialen Hintergründen, der Rolle im venezianischen Staatsapparat, des kulturellen Einflusses etc. besteht bis heute nicht, wenn auch Holly S. Hurlburt mit The Dogaressa of Venice, 1200-1500. Wife and Icon zumindest das spätere Mittelalter genauer untersucht hat.

Liste der überlieferten Namen von Frauen, die zur Herrschaftszeit des jeweiligen Dogen mit diesem verheiratet warenBearbeiten

Die folgende Liste weist, da vielfach die Lebensdaten nicht bekannt sind, die Namen der Dogenfrauen auf, dann Namen und Regierungszeit der Ehemänner, also der Dogen, und damit die tatsächliche Amtszeit der jeweiligen Dogaressa, zudem, wo möglich, die Lebensdaten. Dabei können viele der mehr als 80 Ehefrauen möglicherweise nicht als Dogaresse angesprochen werden (als gesichert können in dieser Hinsicht nur die Dogaresse der Zeit ab 1229 gelten).[13] Ohne klare Kriterien, insbesondere für die frühmittelalterlichen Dogengattinnen, führt Marcello Brusegan insgesamt 62 Dogaresse auf.[14]

Dogaressa Lebensdaten Doge Herrschaftszeit
des Dogen
Eltern
der Dogaressa
Kinder Anmerkung
„Martia d'Este“[15] ? Obelerio Antenoreo 804–810 ? angebliche Ehefrau des Obelerio Antenoreo
Carola[16] bl. 805, 811 Obelerio Antenoreo 804–810 Angeblicher Name der Ehefrau des Obelerio Antenoreo, einer Fränkin, die ihn zum Verrat verführt haben soll.[17] Die Hofdame soll Obelerius am Hof Karls des Großen 805 in Aachen kennengelernt haben, ihr Name ist aber keinesfalls überliefert. In der Historiographie wurde sie gelegentlich als Tochter des Kaisers bezeichnet.[18]
Elena[19] ? Agnello Particiaco 810–827 Particiaco
Felicita[20] ? Giustiniano Particiaco 827–829
Angela Sanudo[21] ? Pietro Tribuno 888–911
Arcielda/Richilde Pietro III. Candiano 942–959
Giovanna Pietro IV. Candiano 959–976 von ihrem Mann, dessen 1. Ehefrau sie war, 966 ins Kloster San Zaccaria gezwungen
Waldrada von Tuszien † 997 Pietro IV. Candiano 959–976 2. Ehefrau Pietro IV. Candiano
Felicita Malipiero Pietro Orseolo 976–978
Marina Candiano Tribuno Memmo 979–991 Tochter Pietros IV. Candiano
Maria Candiano Pietro II. Orseolo 991–1009
Maria[22] Giovanni Orseolo 1002–1007 byzantinische Ehefrau des Mitdogen
Grimelda (?) von Ungarn[23] Ottone Orseolo 1009–1026
Theodora Anna Doukaina verh. 1075–1083 Domenico Selvo 1071–1084 Konstantin X.
Cornelia Bembo (?)[24] Vitale Falier 1084–1096
Felicita Cornaro † 1102 (?) Vitale Michiel I. 1096–1102 beigesetzt in San Marco
Matilde Ordelafo Faliero 1102–1116
Vita Domenico Michiel 1118–1130 die gemeinsame Tochter Adelasa heiratet Pietro Polani
Sofia Domenico Morosini 1148–1156 außer dem Namen und der gemeinsamen Begräbnisstätte ist über sie nichts bekannt
Felicia Maria di Boemondo Vitale Michiel II. 1156–1172
Cecilia Sebastiano Ziani 1172–1178
Contessa Enrico Dandolo 1192–1205 Minotto?
Maria Baseggio † vor 1213 Pietro Ziani 1205–1229 keine 1. Ehefrau Pietro Zianis
Konstanze von Hauteville (1231) Pietro Ziani 1205–1229 2. Ehefrau Pietro Zianis
Maria Storlato † vor 1242 Jacopo Tiepolo 1229–1249 1. Ehefrau Jacopo Tiepolos
Valdrada Altavilla (Hauteville) Jacopo Tiepolo 1229–1249 Tankred von Hauteville, König von Sizilien 2. Ehefrau Jacopo Tiepolos
Romerica (1260) Marino Morosini 1249–1253
Alucia da Prata Renier Zen 1253–1268
Agnese Ghisi Lorenzo Tiepolo 1268–1275 1. Ehefrau des Dogen Lorenzo Tiepolo (bis 1271)
Marchesina Ghisi † vor 1297 Lorenzo Tiepolo 1268–1275 2. Ehefrau des Dogen Lorenzo Tiepolo (1272–1275)
Jacobina Jacopo Contarini 1275–1280
Caterina? Giovanni Dandolo 1280–1289
Tommasina Morosini † vor 1309 Pietro Gradenigo 1289–1311
Agnese † nach 1322 Marino Zorzi 1311–1312 Querini?
Francesca da Molin (1350) Giovanni Soranzo 1312–1328
Elisabetta (1348) Francesco Dandolo 1329–1339
Giustina Cappello Bartolomeo Gradenigo 1339–1342
Francesca Morosini (1373) Andrea Dandolo 1343–1354
Maddalena Contarini * um 1320; (1373) Marino Faliero 1354–1355 1. Ehefrau Marino Faliers, Testament v. 1372
Aluica Gradenigo[25] * < 1310; † 1387 Marino Faliero 1354–1355 2. Ehefrau Marino Faliers ab 1335
Felipa[26] † 1370 Giovanni Gradenigo 1355–1356 1. Ehefrau Giovanni Gradenigos
Caterina Giustinian[27] † vor 1360 Giovanni Dolfin 1356–1359
Maria Giustinian[28] (1370) Lorenzo Celsi 1361–1365
Caterina[29] (1408) Marco Cornaro 1365–1367 2. Ehefrau Marco Cornaros
Costanza Morosini[30] † 1380 Andrea Contarini 1368–1382
Cristina Condulmer † nach 1390 Michele Morosini 1382
Agnese oder Agnesina da Mosto † 1410 Antonio Venier 1382–1400
Marina Gallina † 1422 Michele Steno 1400–1413 ab 1362 mit Steno verheiratet
Marina Nani † 1473 Francesco Foscari 1423–1457 2. Ehefrau des Fr. Foscari ab 1415
Giovanna Dandolo (1462) Pasquale Malipiero 1457–1462
Cristina Sanudo (1471) Cristoforo Moro 1462–1471
Dea Morosini (1478) Niccolò Tron 1471–1473
Contarina Contarini * 1410er; 1493 Nicolò Marcello 1473–1474
Laura Zorzi Pietro Mocenigo 1474–1476 Eltern Kinder ?
Regina Gradenigo * vor 1419; † nach 1479 Andrea Vendramin 1476–1478
Taddea Michiel † 1479 Giovanni Mocenigo 1478–1485 Sie war die erste Dogaressa, die noch zu Amtszeiten ihres Mannes starb.[31]
Lucia Ruzzini 1430er–1496 Marco Barbarigo 1485–1486
Elisabetta Soranzo (?) Agostino Barbarigo 1486–1501
Giustina Giustiniani Leonardo Loredan 1501–1521
Caterina Loredan Antonio Grimani 1521–1523
Benedetta Vendramin Andrea Gritti 1523–1538 verh. seit 1476.
Maria Pasqualigo Pietro Lando 1538–1545
Giovannada Mula Francesco Donà 1545–1553 1. Ehefrau des Dogen Francesco Donà
Alicia Giustiniani Francesco Donà 1545–1553 2. Ehefrau des Dogen Francesco Donà
Zilia Dandolo Lorenzo Priuli 1556–1559
Elena Diedo Gerolamo Priuli 1559–1567
Maria Pasqualigo Pietro Loredan 1567–1570 1. Ehefrau des Dogen Pietro Loredan
Lucrezia di Lorenzo Cappello Pietro Loredan 1567–1570 2. Ehefrau des Dogen Pietro Loredan, seit 1517
Loredana Marcello Alvise Mocenigo I. 1570–1577
Cecilia Contarini[32] Sebastiano Venier 1577–1578
Arcangela Canali Nicolò da Ponte 1578–1585
Laura Morosini Pasquale Cicogna 1585–1595
Morosina Morosini[33] Marino Grimani 1595–1606
Elena Barbarigo Antonio Priuli 1618–1623
Chiara Dolfin Giovanni I. Cornaro 1625–1629
Paolina Loredano[34] Carlo Contarini 1655–1656[35]
Andreana Priuli Francesco Cornaro 17. Mai – 15. Juni 1656
Elisabetta Pisani[36] Bertuccio Valier 1656 – 29. März 1658
Lucia Barbarigo Giovanni Pesaro 9. April 1658 – 30. September 1659 Andrea Barbarigo, ramo di S. Trovaso
Francesca Bernardo (S. Tomà)
Schwester des Prokuratoren von San Marco Giovanni
Elisabetta Querini † 1709 Silvestro Valier 1694–1700 Paolo Querini, Bianca Ruzzini seit 1649 Ehefrau des Dogen
Laura[37] Giovanni II. Cornaro 1709–1722
Elena Badoer[38] Alvise Pisani 1735–1741
Pisana Corner[39] † 10. März 1769 Alvise Mocenigo IV. 1763–1778 feierlicher Einzug am 22. April 1763, verh. 5. Okt. 1739
Polissena Contarini Da Mula † Mai 1833 Alvise Mocenigo IV. 1771–1778 2. Ehefrau des Alvise Mocenigo IV., verh. ab 1771.
Margherita Dalmet (Dalmaz)[40] * 1739; † 11. Januar 1817 Paolo Renier 1779–1789 2. Ehefrau des Paolo Renier
Elisabetta Grimani[41] † 31. August 1792 Ludovico Manin 1789–1792 Giannantonio Grimani verh. seit dem 14. Sept. 1748


Die Figur der Dogaressa in der KunstBearbeiten

 
Die Heiligen Franziskus und Elisabeth präsentieren der Muttergottes den Dogen Francesco Dandolo und die Dogaressa Isabetta Contarini, Paolo Veneziano 1339, Frari-Kirche, Venedig

Links und rechts des Haupteingangs der Markusbasilika befinden sich zwei Nischen, in denen der Doge Vitale Michiel I. und seine Frau Felicia in Gräbern beigesetzt wurden. Es handelt sich damit um das erste Grabmal einer Dogaressa.[42]

In zahlreichen Werken der Kunst taucht die Dogaressa auf, vor allem in der Malerei und in der Musik. Der Historienmaler José Villegas Cordero schuf das Gemälde Triumph der Dogaressa Foscari 1424, Carl Wilhelm Kolbe der Ältere 1816 Doge und Dogaressa. Leandro Bassano um 1595–1596 das Bildnis der Dogaressa Morosina Morosini, das heute in Dresden hängt. In der venezianischen Frari-Kirche befindet sich ein Meisterwerk von Paolo Veneziano, ein Votivbild des Dogen Francesco Dandolo und der Dogaressa Isabetta Contarini mit ihren Schutzheiligen Franziskus und Elisabeth von 1339.

E. T. A. Hoffmann schrieb 1817 die Erzählung Doge und Dogaressa, die sich um die junge Frau des Marino Falier dreht, die nach dem Aufstand von 1355 und der Hinrichtung ihres Gatten mit ihrem Geliebten flieht, jedoch mit diesem zu Tode kommt.

In das Venedig des Jahres 1321 versetzte Jacques Offenbach seine Operette Le pont des soupirs (die Seufzerbrücke), in der Catarina als Dogaressa des Dogen Cornarini auftritt. Ludwig Roselius führte 1928 erstmals Doge und Dogaressa auf, Ignaz Michael Welleminsky schuf das Libretto Die Locke der Dogaressa. Der Komponist August Reuß schuf nach Robert Laurency mit Glasbläser und Dogaressa, op. 46 (1926 München), eine weniger romantische Ballettpantomime.

LiteraturBearbeiten

  • Holly S. Hurlburt: The Dogaressa of Venice, 1200-1500. Wife and Icon, Palgrave Macmillan, 2005.
  • Pompeo Gherardo Molmenti: La dogaressa di Venezia, Turin 1884. (Digitalisat)
  • Fabio Mutinelli: Lessico veneto, Venedig 1851 (ND Bologna 1978), S. 128 f.
  • Edgcumbe Staley: The Dogaressas of Venice (The Wives of the Doges), T. Werner Laurie, London 1910, S. 315–317 (fehlerbehaftet). (Digitalisat)

AnmerkungenBearbeiten

  1. Gino Benzoni: I dogi, Electa, 1982, S. 163.
  2. So etwa bei Francesco Sansovino: Delle cose notabili che sono in Venetia, Francesco Rampazetto, Venedig 1565, S. 9v. Dort erscheinen Doge und Principe, Dogaressa und Principessa.
  3. Holly S. Hurlburt: The Dogaressa of Venice, 1200-1500, Springer, 2006, S. 206, Anm. 13.
  4. Evelyn Korsch: Bilder der Macht. Venezianische Repräsentationsstrategien beim Staatsbesuch Heinrichs III. (1574), Walter de Gruyter, 2013, S. 51.
  5. Peter Humfrey: The Portrait in Fifteenth-Century Venice, in: Dale Tucker, Margret Aspinwall (Hrsg.): The Renaissance Portrait. From Donatello to Bellini, Metropolitan Museum of Art, New York 2011, S. 48–63, hier: S. 61 (Abbildung).
  6. Holly S. Hurlburt: The Dogaressa of Venice, 1200–1500. Wife and Icon, Palgrave MacMillan, 2006, S. 21.
  7. Holly S. Hurlburt: The Dogaressa of Venice, 1200–1500. Wife and Icon. Palgrave MacMillan, 2006, S. 24 f.
  8. Holly S. Hurlburt: The Dogaressa of Venice, 1200–1500. Wife and Icon. Palgrave MacMillan, 2006, S. 5.
  9. Paula Findlen, Wendy Wassyng Roworth, Catherine M. Sama: Italy's Eighteenth Century. Gender and Culture in the Age of the Grand Tour, Stanford University Press, 2009, S. 87.
  10. Fabio Mutinelli: Lessico veneto, Venedig 1851 (ND Bologna 1978), S. 129.
  11. Giovanni Palazzi: Fasti ducales ab Anafesto I. ad Silvestrum Valerium Venetorum ducem. Cum eorum Iconibus, Insignibus, Nummismatibus Publicis & Privatis aere sculptis: Inscriptionibus ex Aula M. Consilii, ac Sepulchralibus. Adiectae sunt Adnotationes ad Vitam cuiusque Principis, rerum quae omissae fuerant, Venedig 1696 (Digitalisat).
  12. Giovanni Palazzi: La virtù in gioco ovvero Dame patritie di Venezia famose per nascita per lettere per armi, per costumi, Venedig 1681.
  13. Die Liste richtete sich in einem ersten Entwurf nach der fehlerbehafteten Liste bei Edgcumbe Staley: The Dogaressas of Venice (The Wives of the Doges), T. Werner Laurie, London 1910, S. 315–317 (Digitalisat), korrigiert durch Angaben von Holly S. Hurlburt: The Dogaressa of Venice, 1200–1500. Wife and Icon, Palgrave MacMillan, 2006, S. 187–192 (bis Lucia Ruzzini Barbarigo).
  14. Marcello Brusegan: I personaggi che hanno fatto grande Venezia, Newton Compton, 2006, S. 457 f.
  15. Mit dieser Namensform bereits in der Discendenza de Principi di Este in Giovanni Battista Pigna: Historia de Principi di Este, Francesco Rossi, Ferrara 1570, o. S. (Digitalisat); nicht bei Brusegan.
  16. Diesen Namen führt noch Marcello Brusegan: I personaggi che hanno fatto grande Venezia, Newton Compton, 2006, S. 457 an. In seiner Liste ist sie die erste Dogaressa.
  17. Pompeo Gherardo Molmenti: La dogaressa di Venezia, Turin 1884, S. 18. Dies führt Molmenti auf Andrea Dandolos Chronik zurück.
  18. Roberto Pesce (Hrsg.): Cronica di Venexia detta di Enrico Dandolo. Origini - 1362, Centro di Studi Medievali e Rinascimentali «Emmanuele Antonio Cicogna», Venedig 2010, S. 21.
  19. In der Liste bei Marcello Brusegan: I personaggi che hanno fatto grande Venezia, Newton Compton, 2006, S. 457 f. nicht aufgeführt.
  20. In der bei Marcello Brusegan: I personaggi che hanno fatto grande Venezia, Newton Compton, 2006, S. 457 f. abgedruckten Liste der Dogaresse trägt sie die Nummer 2.
  21. In der bei Marcello Brusegan: I personaggi che hanno fatto grande Venezia, Newton Compton, 2006, S. 457 f. abgedruckten Liste der Dogaresse trägt sie die Nummer 3.
  22. Johannes Diaconus nennt sie „domna Maria greca ductrix“. Die Bezeichnung „ductrix“ kommt in seiner Istoria Veneticorum nur an dieser Stelle vor.
  23. In der Literatur erscheinen auch die Namen Elena und Gisela/Gisele. Ihr Name ist nicht überliefert.
  24. Andrea Da Mosto: I dogi di Venezia nella vita pubblica e privata, Martello, 1983, S. 56.
  25. Die Namensversion „Alcuina Gradenigo“ führt Marcello Brusegan: I personaggi che hanno fatto grande Venezia, Newton Compton, 2006, S. 458 an. Dort trägt sie die Nummer 35 der Dogaresse. Auch „Aluicha“ und „Alicia“ erscheinen in der Literatur, gelegentlich als Namensvariante von „Luigia“ genannt.
  26. Bei Marcello Brusegan: I personaggi che hanno fatto grande Venezia, Newton Compton, 2006, S. 458 trägt sie die Nummer 36 der Dogaresse.
  27. Bei Marcello Brusegan: I personaggi che hanno fatto grande Venezia, Newton Compton, 2006, S. 458 trägt sie die Nummer 37 der Dogaresse.
  28. Bei Marcello Brusegan: I personaggi che hanno fatto grande Venezia, Newton Compton, 2006, S. 458 trägt sie die Nummer 38 der Dogaresse.
  29. Bei Marcello Brusegan: I personaggi che hanno fatto grande Venezia, Newton Compton, 2006, S. 458 trägt sie die Nummer 39 der Dogaresse.
  30. Bei Marcello Brusegan: I personaggi che hanno fatto grande Venezia, Newton Compton, 2006, S. 458 trägt sie die Nummer 40 der Dogaresse.
  31. Giambattista Gallicciolli: Risposta all'Osservazioni del Signor Abbade Tentori sulle Memorie Venete Antiche Profane ed Ecclesiastiche raccolte da Giambattista Gallicciolli, Venedig 1797, S. 59.
  32. In der bei Marcello Brusegan: I personaggi che hanno fatto grande Venezia, Newton Compton, 2006, S. 458 abgedruckten Liste der Dogaresse trägt sie die Nummer 54.
  33. In der bei Marcello Brusegan: I personaggi che hanno fatto grande Venezia, Newton Compton, 2006, S. 458 abgedruckten Liste der Dogaresse trägt sie die Nummer 55.
  34. In der bei Marcello Brusegan: I personaggi che hanno fatto grande Venezia, Newton Compton, 2006, S. 458 abgedruckten Liste der Dogaresse trägt sie die Nummer 56.
  35. 27. März 1655 – 1. Mai 1656
  36. In der bei Marcello Brusegan: I personaggi che hanno fatto grande Venezia, Newton Compton, 2006, S. 458 abgedruckten Liste der Dogaresse trägt sie die Nummer 57.
  37. In der bei Marcello Brusegan: I personaggi che hanno fatto grande Venezia, Newton Compton, 2006, S. 458 abgedruckten Liste der Dogaresse trägt sie die Nummer 58.
  38. In der bei Marcello Brusegan: I personaggi che hanno fatto grande Venezia, Newton Compton, 2006, S. 458 abgedruckten Liste der Dogaresse trägt sie die Nummer 59.
  39. In der bei Marcello Brusegan: I personaggi che hanno fatto grande Venezia, Newton Compton, 2006, S. 458 abgedruckten Liste der Dogaresse trägt sie die Nummer 60.
  40. Sonia Pellizzer: Dalmet, Margherita, in: DBI 32 (1986).
  41. In der bei Marcello Brusegan: I personaggi che hanno fatto grande Venezia, Newton Compton, 2006, S. 458 abgedruckten Liste der Dogaresse trägt sie die Nummer 62.
  42. Debra Pincus: The Tombs of the Doges of Venice, Cambridge University Press, 2000, S. 168 f.