Dockenkasten ist eine historische, vor allem in Süddeutschland verbreitete Bezeichnung für eine Puppenstube bzw. einen Puppenkasten, den Kinder, besonders kleine Mädchen, als Spielzeug benutzten. Er umfasste in der Regel Spielpuppen und Zubehör, die für die Erziehung und Bildung zur Haushaltung von Bedeutung waren.[1][2][3] Abgeleitet ist das Wort von dem historischen Wort für „Puppe“ im mittelhochdeutschen (tocke = Docke) bzw. althochdeutschen (tocka = Puppe),[4] auf schwäbisch Dock[5] bzw. Docke.[6]

Bei den Puppen handelte es sich in der Regel um weibliche Puppen, vom Wickel- und Wiegenkind bis zum Erwachsenen. Darüber hinaus gehörten aber auch Figuren wie Hampelmann, Reiter, Soldaten, Pferde usw. sowie Gegenstände wie Möbel u. a. dazu. Oft wurde unter einem Dockenkasten auch eine Kiste mit Spielpuppen für ein Puppentheater verstanden, wie sie z. B. auf Marktplätzen zum Einsatz kam.[7]

Bekannt sind Dockenkästen seit dem 16. Jahrhundert. Historisch überliefert sind u. a.:

  • Dockenkasten der Herzogin Maria Jakobäa von Baden (1507–1580)
    Dieser Dockenkasten der Herzogin Jakobäa wurde von 1576 bis 1579 vom Stuttgarter Hofmaler Hans Steiner (vor 1550–1610) bemalt.[8][9] Es wurde am Witwensitz nach Ableben der Herzogin in München gefunden. Unbekannt ist, wann die Herzogin dieses Puppenhaus, das offenbar ihre eigene Hofhaltung darstellt, anfertigen ließ.
  • Ulmer Dockenkasten
    Lotte Rosenbusch (1924–2010) hat in den 1970er und 1980er Jahren den Ulmer Dockenkasten des Museums Ulm nicht nur restauriert, sondern auch in Aquarellen und Zeichnungen dokumentiert.[10]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Christian Jakob Wagenseil: Versuch einer Geschichte der Stadt Augsburg – ein Lesebuch für alle Stände, Vom Jahr 1628, oder Kaiser Ferdinands II. Restitutions-Edikt, bis zu Ende des siebzehnten Jahrhunderts. Band 3, Augsburg 1821
  2. Karl H. Roth von Schreckenstein: Das Patriziat in den deutschen Städten, besonders Reichsstädten: Als Beitrag zur Geschichte der deutschen Städte und des deutschen Adels. Tübingen 1856, S. 452, Textarchiv – Internet Archive
  3. Deutsche vierteljahrs Schrift. J.G. Cotta, Stuttgart 1841, 1. Heft (HathiTrust)
  4. Docke. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Hrsg.): Deutsches Wörterbuch. Band 2: Biermörder–D – (II). S. Hirzel, Leipzig 1860 (woerterbuchnetz.de).
  5. Roland Groner: Dialekt - Was bedeutet „Dock“? In: Stuttgarter Nachrichten, 2. Januar 2012
  6. Johann Christoph von Schmid: Schwäbisches Wörterbuch mit etymologischen und historischen Anmerkungen. Stuttgart 1844, S. 130 (Google-Books)
  7. Eduard Mörike: Das Stuttgarter Hutzelmännlein. Märchen. Stuttgart 1853
  8. Dorothea Diemer, Willibald Sauerländer: Abhandlungen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Ausgabe 129, Teil 3. Verlag der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, 2008.
  9. Werner Fleischhauer: Renaissance im Herzogtum Württemberg. Kohlhammer, 1971.
  10. Zweiter Band Dockenbilder: Das alte Ulm wird im Kleinen wieder lebendig. In: Schwäbische Zeitung, 4. Dezember 1987