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Die drei Zitronen (neapolitanisches Original: Le tre cetra) ist ein Märchen (AaTh 408). Es steht in Giambattista Basiles Sammlung Pentameron als neunte Erzählung des fünften Tages (V,9).

Inhaltsverzeichnis

InhaltBearbeiten

Ein Prinz will zum Kummer des Vaters nie heiraten. Doch einmal schneidet er sich in den Finger, Blut tropft auf weißen Ricottakäse, da sucht er eine Frau, die so aussieht. In Frankreich muss er seine Diener zurücklassen, schifft über Gibraltar nach Indien. Zwei alte Frauen schicken ihn weg, bevor ihre drei Söhne und drei Töchter ihn fräßen. Die dritte gibt ihm drei Zitronen, die er aufschneiden soll, der erscheinenden Fee soll er sofort Wasser geben. Zweimal ist er zu langsam, mit der dritten hat er die Geliebte im Arm. Er versteckt sie in einer Eiche, reitet voraus und holt Kleider. Eine Mohrin, die am Brunnen Wasser holt, hält das Spiegelbild erst für ihres. Sie sticht die Fee in den Kopf, die als Taube entfliegt, und belügt den Prinzen, sie sei die verwandelte Fee. Bei den Hochzeitsvorbereitungen hört der Koch die Taube singen, kocht sie auf Befehl der Mohrin, doch aus den Federn wächst ein Baum mit drei Zitronen, worin der Prinz die Fee wiederfindet. Die Böse wird nach eigenem Urteil verbrannt.

BemerkungenBearbeiten

Das Märchen bereitet die folgende Entlarvung der Betrügerin in der Rahmenhandlung des Pentameron vor. Vgl. zur Farbmotivik Basiles IV,9 Der Rabe, sonst V,4 Der goldene Stamm. Er kontrastiert mehrfach weiße Unschuld und listigen „Schwarzarsch“, die in gebrochenem Italienisch denkt, „so schön sein und Herrin sie schicken Wasser holen“ und den Krug zerbricht. Die Eltern sehen bestürzt, wie ihr Sohn eine „weiße Taube“ gesucht und „eine schwarze Krähe aufgeladen“ hat. Das Lied der Taube lautet: „Du Koch, du Koch in der Küche drin, schau: Was macht der König mit der Sarazenenfrau?“. Die Farben Weiß und Rot parodieren in verbreiteter Weise das Hohelied (Hld 1,1 EU), in Eschenbachs Parzival fällt Blut auf Schnee.[1]

Vgl. später in Grimms Märchen zur falschen Braut Nr. 13 Die drei Männlein im Walde, Nr. 135 Die weiße und die schwarze Braut, zu den Farben Nr. 53 Schneewittchen, zur Taube auch Nr. 88 Das singende springende Löweneckerchen. Vgl. Die Jungfrau aus der Orange in der modernen Sammlung Sandmännchens Reise durchs Märchenland.[2]

Walter Scherf zufolge ist das Märchen reichhaltig in europäischen Fassungen vertreten, oft kommt die Besessenheit des Prinzen vom Fluch einer alten Frau, die er beim Kochen störte (vgl. Basiles II,7 Die Taube). Auf Deutsch kenne man es nur durch Zingerles Vom reichen Grafensohne und Schnellers Die Liebe der drei Pomeranzen, die vielleicht von Gozzis Theaterstück abhängen.[3]

TheaterBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Giambattista Basile: Das Märchen der Märchen. Das Pentamerone. Herausgegeben von Rudolf Schenda. C.H. Beck, München 2000, ISBN 3-406-46764-4, S. 464-473, 568-570, 616-617 (nach dem neapolitanischen Text von 1634/36, vollständig und neu übersetzt).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Giambattista Basile: Das Märchen der Märchen. Das Pentamerone. Herausgegeben von Rudolf Schenda. C.H. Beck, München 2000, ISBN 3-406-46764-4, S. 616-617 (nach dem neapolitanischen Text von 1634/36, vollständig und neu übersetzt).
  2. Heinz Görz (Hrg.): Sandmännchens Reise durchs Märchenland. Bertelsmann. Gütersloh. S. 232-235.
  3. Walter Scherf: Das Märchenlexikon. Band 1. C. H. Beck, München 1995, ISBN 978-3-406-51995-6, S. 233-237.