Hauptmenü öffnen

Die Wurzeln des Lebens

Zwölfter Roman des US-Schriftstellers Richard Powers

Die Wurzeln des Lebens (Originaltitel: The Overstory) ist der zwölfte Roman des US-amerikanischen Schriftstellers Richard Powers. Er ist 2018 erschienen und erzählt, vorwiegend im Westen der Vereinigten Staaten handelnd, von neun Protagonisten, deren Leben in besonderer Weise mit Bäumen verbunden ist und von denen manche als Aktivisten mit Baumbesetzungen für den Schutz der Bäume vor Abholzung protestieren.

Inhaltsverzeichnis

InhaltBearbeiten

Der Roman ist in vier Teile gegliedert, deren Namen sich auf die Bestandteile eines Baums beziehen.

WurzelnBearbeiten

Dieser Teil stellt in acht Kapiteln die neun Protagonisten vor, von denen der Roman handelt.

Nicolas Hoeg ist Nachfahre eines norwegischen Einwanderers, der auf seiner Farm in Iowa im 19. Jahrhundert eine Handvoll Kastanienbäume gepflanzt hat. Nur eine der Pflanzen übersteht die Jahrzehnte, in denen, ausgelöst durch Parasiten aus Asien, nahezu der komplette Bestand an Kastanienbäumen in Nordamerika abstirbt. Eines Tages findet er seine Eltern und seine Großmutter tot vor, gestorben an einer Kohlenmonoxidvergiftung. Mimi Ma ist Keramikingenieurin und Tochter eines chinesischen Einwanderers, der mittlerweile Winston Ma heißt und einen kränker werdenden Maulbeerbaum besitzt, und lebt mit ihrer Familie in Portland. Eines Tages begeht Winston aus Verzweiflung über seine schlechter werdenden Geschäfte Suizid. Adam Appich ist im Alter von 5 Jahren eines von vier Kindern, deren Mutter 1968 ein fünftes Kind erwartet. Ihr Vater pflanzt für jedes Kind einen Baum, für Adam einen Ahorn. Im Gegensatz zu seinen Geschwistern entwickelt er sich als Einzelgänger. Nachdem er ein Buch eines Psychologen gelesen hat, empfindet er sich als bekehrt von seinem aus der Bahn geratenen Leben und möchte Psychologie studieren. Der Jurist Ray Brinkman und die Gerichtsstenografin Dorothy Cazaly arbeiten 1974 in der Stadt St. Paul und führen mehrfach für jeweils einige Monate eine gemeinsame Beziehung, ehe sie sich wieder trennen. Erst nachdem Dorothy bei der Kollision ihres Autos mit einem Baum leicht verletzt wurde, willigt sie in seinen Vorschlag für ihr gemeinsames Hochzeitsgeschenk ein, etwas in ihrem Garten anzupflanzen. Der mit 17 Jahren Waise gewordene Douglas Pavlicek, Ex-Häftling, ist im Vietnamkriegsgebiet als Lademeister bei Frachtflügen der US-Armee im Einsatz. Nach einem Fallschirmsprung bewahrt ihn ein Feigenbaum lebensrettend vor dem tödlichen Aufprall. Als am Bein verletzter Invalide und Veteran lebt er später in Idaho. Nachdem er dort großflächige Waldrodungen entdeckt hat, pflanzt er auf den gerodeten Flächen Douglasien-Stecklinge an.

Der indischstämmige Neelay Mehta ist, seitdem er im Kindesalter von einer Steineiche gestürzt ist, querschnittgelähmt. Seit seiner Kindheit im Programmieren geübt, studiert er an der Stanford University und entwickelt privat Freeware-Computerspiele. Der Besuch einer Ausstellung exotischer, ungewöhnlich geformter Bäume auf dem Campus inspiriert ihn zur Entwicklung eines Computerspiels, für die er sein Studium abbrechen möchte. Patricia Westerford hat seit ihrer Kindheit in den 1950er jahren Hör- und Sprechprobleme. Als Kind begleitet sie ihren Vater, einen landwirtschaftlichen Berater, bei seinen Touren zu Farmen und lernt dabei viel über Pflanzen. Dieses Wissen hilft ihr bei ihrem Botanikstudium in Kentucky. Promoviert mit einer Arbeit über Tulpenbäume, arbeitet sie als Dozentin und Forscherin und veröffentlicht als solche ein Paper über ihre Erkenntnis, dass Bäume über ein drahtloses Netzwerk miteinander kommunizieren. Durch deutliche Kritik von Professoren an dieser Theorie leidet ihre Reputation erheblich, sodass sie ihre Arbeit verliert und sich fortan mit Gelegenheitsjobs durchschlägt, sogar eine Zeitlang ohne feste Wohnung im Wald lebt. Später trifft sie zufällig auf Wissenschaftler, die ihre einstige Theorie akzeptieren, sodass sie beruflich rehabilitiert wird und wieder als Forscherin zu arbeiten beginnt. Olivia Vandergriff steht 1989 kurz vor dem Ende ihres Studiums der Versicherungsmathematik, als die Scheidung von ihrem Mann rechtskräftig wird. Unter dem Einfluss von Drogen stehend, hat sie im Haus ihrer studentischen WG bei einem Stromunfall einen Herzstillstand.

StammBearbeiten

Nach dem Abschluss seines Psychologiestudiums erhält Adam einen Platz in einem Graduiertenstudiengang für Sozialpychologie. Als Thema für seine Promotion wählt er Identitätsbildung und klassische Persönlichkeitsmerkmale bei Pflanzenrechtsaktivisten.

Olivia überlebt den Stromunfall und hat eine Nahtoderfahrung, in deren Folge sie ihr Leben radikal ändert: Sie bricht ihr Studium ab, hört mit dem Drogenkonsum auf und fährt mit dem Auto westwärts. Unterwegs auf einer Straße in Iowa, fällt ihr der Kastanienbaum von Nicholas Hoels Farm auf und sie hält an. Sie lernt Nicholas kennen, der ihr zeigt, dass der Baum langsam abzusterben droht. Da es Nicholas wirtschaftlich nicht besonders gut geht, muss er die Farm aufgeben. Er begleitet Olivia in Richtung Kalifornien. Dort schließen sich beide einer Gruppe Aktivisten an, die spartanisch im Wald leben und zur Bewegung Life Defense Force gehören. Mit medienwirksamen Protestaktionen wollen sie auf Naturzerstörung aufmerksam machen, insbesondere auf die profitgetriebene Rodung von Mammutbäumen durch die Firma Humboldt Timber. Im Rahmen dieses Protests beziehen Olivia und Nicholas – mit den Decknamen Mädchenhaar und Wächter – Stellung in der Krone eines Mammutbaums und bleiben dort – auch wegen fehlender Ablösung – über Monate hinweg. Die Rodung der Mammutbäume in dem umgebenden Wald können sie dadurch nicht verhindern. Nach zehn Monaten in 60 Metern Höhe lebend, kommt Adam zu ihnen, um sie für seine Forschungsarbeit zu befragen. Ein Hubschrauber, der ganz dicht an den Baum fliegt und dadurch Wind und erhebliches Schwanken verursacht, werden die drei dazu gezwungen, den Baum zu verlassen, ehe sie in Untersuchungshaft kommen.

Ray und Dorothy trennen sich nach einem Streit und erfolgloser künstlicher Befruchtung, finden später aber trotzdem wieder zusammen. Allerdings betrügt Dorothy ihn, indem sie unter Vorwänden die Wohnung verlässt und heimlich Drogen konsumiert und fremdgeht. Als der Betrug für Ray offensichtlich wird, erleidet er einen Schlaganfall und kommt ins Krankenhaus. Dort wird ihm operativ ein Teil seines Gehirns entfernt.

Patricia ist dabei, ihr Buch über die Vernetzung der Bäume zu veröffentlichen und sich damit beruflich zu rehabilitieren. Später wird sie aufgrund ihrer fachlichen Reputation als Gutachterin in einem Gerichtsprozess geladen, in dem sie für zusammenhängende Urwälder mit Totholz und gegen Monokulturen ohne Totholz argumentiert, sodass das Gericht urteilt, dass geplante Rodungen ausgesetzt werden müssen. Später wird die entsprechende einstweilige Verfügung aber wieder aufgehoben, sodass die Rodungen zur Erschütterung von Patricia und ihrem Freund Dennis dennoch stattfinden.

Mimi hat mittlerweile eine gut dotierte Arbeitsstelle. Eines Tages entdeckt sie, dass zahlreiche Kiefern in der Nähe ihrer Arbeitsstelle wegen Brandgefahr gefällt werden sollen. Ein Bürgerprotest gegen die Abholzung ist vergeblich, da die Stadt die Bäume nachts unter Polizeischutz fällen lässt. Dies möchte Douglas verhindern, er wird deshalb juristisch bestraft. Am Schauplatz der Rodung lernt er zufällig Mimi kennen. Zusammen schließen sie sich einer Demonstration von Aktivisten gegen maschinelle Baumrodungen in einem nahen Staatsforst an. Die Demonstration wird von der Polizei aufgelöst und die Beiden kommen vorübergehend in Haft. Später beteiligen sie sich abermals an Demonstrationen gegen Baumrodungen, wobei Douglas durch Gewalt von Polizei und Holzfällern verletzt wird.

Bei einer weiteren Demonstration, an der sich Douglas und Mimi beteiligen, setzt die Polizei zielgerichtet Pfefferspray gegen sie ein. Videoaufnahmen davon gelangen auch ins Fernsehen und machen dadurch auch Patricia und Dennis aufmerksam. Dies hat auch Einfluss auf Patricias Meinung, dass der Schutz der Bäume vor Ort nicht funktioniert und auch nie funktionieren wird. In ihr reift daher die Überzeugung, so etwas wie eine Arche aufzubauen, in der die Samen der Bäume für die Zukunft bewahrt werden. Jene Arche wird auf Patricias Veranlassung durch ein Konsortium aus vier Universitäten gegründet, und zwar unter dem Namen Globales Gen-Archiv zur Erhaltung der Artenvielfalt der Pflanzen. Wegen Mimis Beteiligung an den Demonstrationen verliert sie ihre Arbeitsstelle.

Neelay gründet eine kleine Firma namens Sempervirens, die sein Spiel Mastery, welches ähnlich dem Second Life eine Parallelwelt beinhaltet, entwickelt und mit großem Erfolg veröffentlicht. Die Firma bringt mehrere Nachfolger des Spiels auf den Markt, sodass sie erheblich an Wert gewinnt und Neelay immer vermögender wird. Neelays gelähmter Körper verfällt allerdings zunehmend, er erleidet Knochenbrüche und arbeitet von einem Bett in seinem Büro aus. Von dort aus gibt er seinen Mitarbeitern zum Beispiel Anweisungen für Mastery 8, zu denen auch gehört, den Spielern online ein Leben zu bieten, das viel reichhaltiger sein soll als ihr Offline- bzw. reales Leben.

Nach dem Gefängnisaufenthalt reist Adam zu einem Protestcamp in Oregon, um zu erfahren, wie weit der Widerstand der Baumschützer geht. Das Camp wird von etwa 100, überwiegend jungen Aktivisten betrieben, darunter auch Olivia, Nicholas, Douglas und Mimi. Auch Adam hilft beim Aufbau des festungsartigen Camps. Journalisten und Kongressabgeordnete besuchen das Camp, letztere versprechen, den Protest gegen wiederholte Notverkäufe insbesondere durch Brandstiftung beschädigter Staatswälder auch in Washington vorzutragen. Die Polizei löst das Camp gewaltsam auf, wodurch manche Demonstranten teils schwer verletzt werden. In den Wochen danach verüben Douglas, Mimi, Olivia und Nicholas Brandanschläge, unter anderem auf einen Maschinenschuppen und ein Sägewerk.

Gemeinsam beschließen Douglas, Mimi, Olivia, Nicholas und Adam, einen letzten Anschlag zu verüben, um gegen Waldrodungen zu protestieren. Nachdem sie davon erfahren haben, dass die Forstbehörde in mehreren US-Bundesstaaten Staatswald an private Spekulanten und Investoren verpachtet, reisen sie in die Bitterroot Mountains in Idaho, wo sich die Baustelle für eine geplante Ferienhausanlage befindet. Während sie eines Nachts die Brandsätze mit elektrischem Zeitzünder platzieren, explodiert ein Brandsatz vorzeitig, wodurch Olivia tödlich verletzt wird.

KroneBearbeiten

Die Ereignisse dieses Teils erstrecken sich über mehrere Jahrzehnte.

Adam, Nicholas, Douglas und Mimi verbrennen Olivias Körper und flüchten per Auto, ehe sie sich trennen, um die Gefahr ihrer Ergreifung zu minimieren. Nick lebt eine Zeitlang in einer Blockhütte am Fuße abgeholzter Berge, ehe dieses rodungsbedingt durch einen großen Hangrutsch zerstört wird und er nur knapp dem Tod entgeht. Douglas fährt bis zu einem Wanderparkplatz in Montana, von wo aus er sich zu Fuß in die Natur aufmacht. Mimi erfährt zufällig, dass ihr mit einem Jadebaum verzierter Ring, den sie von ihrem Vater geerbt hat, äußerst wertvoll ist und dass sie durch ihren Verkauf für den Rest ihres Lebens finanziell ausgesorgt haben dürfte.

Neelay erfährt von einem Mastery-Spieler, dass dieser das Leben in dem Spiel schlimmer findet als das reale Leben, weil stets, nachdem man sich im Spiel etwas aufgebaut habe, jemand anders kommen und alles kaputt machen könne. Daraufhin möchte er die Ausrichtung des Spiels ändern. Nicht mehr die Grenzenlosigkeit wie etwa das Erschaffen neuer Kontinente oder die Wiederauferstehung von Lebewesen von den Toten soll im Vordergrund stehen, sondern die Begrenztheit der Ressourcen, die den Spielern zur Verfügung stehen, auch mit Blick auf Umweltfreundlichkeit. Seine Mitarbeiter sind davon zunächst nicht begeistert, weil sie Umsatzeinbußen befürchten.

Adam, mittlerweile außerplanmäßiger Professor und wohnhaft in Columbus, erfährt von einem Bombenanschlag auf ein Forschungslabor in Washington, das an der Entwicklung genmanipulierter Pappeln arbeitet, und liest auf einer Wand am Tatort den Slogan „Herrschaft tötet, Gemeinschaft heilt“, den er einst mit seinen Aktivistenkollegen formuliert hatte. Drei Monate später gibt es einen Anschlag auf einen Maschinenschuppen eines Holzlagers. Auch Mimi erkennt ihr bekannte Slogans in der Zeitung wieder. Nicholas lebt inzwischen in Bellevue, Washington, und versieht nachts unerlaubt öffentliche Orte in der Stadt mit Slogans, die sich für den Erhalt von Bäumen aussprechen. Später kehrt er kurzzeitig auf seine frühere Farm zurück und gräbt einige Kartons mit Erinnerungsstücken aus.

Unterdessen pflegt Dorothy ihren Mann Ray, der wegen des Schlaganfalls nun halbseitig gelähmt ist und kaum sprechen kann, zu Hause, während ihre Scheidung im Gange ist und sie schon einen neuen Partner hat, Alan. Zwei Jahre später trennt sich Alan wieder von ihr, weil sie es nicht übers Herz bringt, sich von Ray zu trennen. Später lassen Ray und Dorothy den Garten ihres Hauses – sehr zum Ärger von Passanten und Nachbarn – absichtlich verwildern, um damit ein privates Waldrenaturierungsprojekt durchzuführen.

Douglas lebt als Winteraufseher in einer Hütte der Forstverwaltung in einem Gebirge in Montana. An einem stark verschneiten Berghang hat er einen beinahe tödlichen Unfall. Zehn Jahre danach lebt er nach wie vor als Aufseher in der Forsthütte. Nachdem er einer Touristin vorübergehend Unterschlupf gewährt hat, wird er von Beamten verhaftet. Aus seinem Tagebuch werden die Straftaten deutlich, die er früher mit seinen Aktivistenfreunden durchgeführt hat.

Patricia, mittlerweile im Rentenalter, reist um die ganze Erde und sammelt dabei Samen von Pflanzen, auch den vom Aussterben bedrohten. Im brasilianischen Amazonas-Dschungel erfährt sie von Umweltschützern, dass die Abnehmer des von Holzdieben gestohlenen Holzes vor allem aus den USA kommen. Später bereitet sie ein zweites Buch zur Veröffentlichung vor, in dem sie die Welt der Bäume erklärt. Sie lebt in einer Forschungsstation in den Great Smoky Mountains. In Kalifornien hält sie auf einer Konferenz einen Vortrag über den alarmierenden Zustand der Erdatmosphäre. Bei dem Vortrag sind im Publikum auch Mimi und Neelay anwesend.

Douglas wird vom FBI als Spitzel zur Ergreifung seiner früheren Aktivistenfreunde eingesetzt. In New York City begegnet er bei einer Demonstration von Occupy Wall Street Adam, der an der dortigen Universität Psychologie lehrt. Kurz darauf verhaftet das FBI Adam am Ende einer Vorlesung vor Studenten wegen Mordverdachts. Adam darf vorübergehend die Haft verlassen und mit einer elektronischen Fußfessel zu Hause in Hausarrest leben. Ein Gericht spricht ihn unter anderem der Brandstiftung und des Totschlags schuldig und verurteilt ihn zu 2-mal 70 Jahren Gefängnis.

SamenBearbeiten

Mimi lebt seit Jahren in San Francisco unter dem falschen Namen Judith Hanson und denkt an Adam, der im Gefängnis sitzt. Douglas hört in seiner Gefängniszelle einen Audiokurs über die Dendrologie an, der von einer Professorin durchgeführt wird. Neelay hat mit Kollegen ein neues Spiel entwickelt und auf den Markt gebracht, dessen Ziel es ist herauszufinden, „wie groß das Leben ist, wie sehr alles mit allem verbunden und was für Möglichkeiten es für ein Ende des Selbstmords geben kann.“[1] Ray stirbt im Beisein Dorothys. Nicholas lebt in der Natur und baut im Wald Gebilde aus gefallenen Baumstämmen und anderen Naturmaterialien, wobei sich ihm bald andere Menschen anschließen. Nahe der Tundra schreiben sie mit Baumstämmen das Wort „DENNOCH“ auf den Boden.

RezeptionBearbeiten

KritikBearbeiten

Zu den lobenden Kritiken gehört etwa die von Volker Weidermann im Literatur Spiegel, einer Beilage des Magazins Der Spiegel. Er befand den Roman als ein „Buch von ungeheurer Sanftmut, Klugheit und Schönheit“. Man merke dem Roman das Besondere an Powers an, nämlich „die Kombination aus umfassendem Wissen und der Gabe, loslassen zu können“, der Autor sei „offenbar auf dem letzten Stand der Forstforschung, Waldbiologie.“[2] Im WDR 2 hob die Literaturkritikerin Christine Westermann es an dem Roman als besonders und wertvoll hervor, dass er „ein hohes Maß an Freundlichkeit“ atme und „nicht belehren, nicht indoktrinieren“ wolle. Zwar habe das Werk „erhebliche Längen“, „manchmal zuviel“ Pathos und sei teilweise „mittendrin“ im Kitsch, aber das könne man als Leser gut aushalten. Denn es sei „faszinierend“, wie der Autor die Natur lebendig machen und mit dem Roman belegen könne, „dass wir verloren sind, wenn wir die Bäume vernichten.“[3] Ähnlich die Meinung des Kritikers im britischen Magazin New Scientist: Es handele sich um einen Roman, dem es auf spannende und berührende Weise gelinge, die Natur sowohl zu feiern als auch wegen ihr zu warnen. Das Wundern über die Natur und eine außerordentliche Tiefe an ökologischem Einblick ergäben zusammen einen profunden, dringenden Roman.[4]

In der New York Times befand die Schriftstellerin Barbara Kingsolver den Roman als „reizvoll choreografiert“ und als „monumental“. Er schaffe, was wenige lebende Schriftsteller versuchten hätten, und ziehe die Leser mit dem Herzen zuerst in eine Perspektive, die so viel langlebiger und tiefer entwickelt sei als der menschliche Aufgabenbereich, dass „wir flüchtige Einblicke in eine enorme, ursprüngliche Empfindsamkeit erhalten, während wir unsere eigene Art nach und nach kleiner werden sehen.“[5]

Bei Spiegel online war die Kritikerin Anne Haeming weniger überzeugt. „Am unbegreiflichsten“ sei, dass Powers „eine Aktivismus-Story von Gestern, von den Redwood-Naturschützern, die schon in den Achtzigern Bäume besetzten“ und „die in seinem Heute nur noch privaten Zwist austragen“, erzähle. Powers scheitere an dieser „Nostalgie“, welche „bizarr“ wirke „angesichts der omnipräsenten Naturzerstörung in Nord- und Südamerika“.[6] Auch Publishers Weekly urteilte tendenziell negativ: Das Werk sei „ein leidenschaftlicher, aber unbefriedigender Lobgesang auf das Wunder von Bäumen.“ Die wenigsten der ernsthaftesten Figuren würden aufleben. „Während der Roman vor Menschen, Informationen und Ideen nur so wimmelt, wirkt er seltsam öde.“[7]

AuszeichnungenBearbeiten

AusgabenBearbeiten

Englische Originalausgabe:

Deutsche Übersetzung:

RezensionenBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Dt. Ausgabe, S. 594
  2. Volker Weidermann: Tolstoi für Hippies, in: Literatur Spiegel, November 2018, S. 3
  3. Christine Westermann: Richard Powers – Die Wurzeln des Lebens, in: WDR 2 vom 18. Nov. 2018
  4. Rowan Hooper: The Overstory review – Richard Powers eco epic provokes awe, in: New Scientist vom 16. Okt. 2018, abgerufen am 14. März 2019
  5. Barbara Kingsolver: The Heroes of This Novel Are Centuries Old and 300 Feet Tall, in: The New York Times vom 9. April 2018, abgerufen am 14. März 2019
  6. Anne Haeming: Zwischen Kitsch und Borke, in: Spiegel online vom 6. Okt. 2018
  7. The Overstory, in: Publishers Weekly, abgerufen am 14. März 2019, Originalzitate: “an impassioned but unsatisfying paean to the wonder of trees.”, “While it teems with people, information, and ideas, the novel feels curiously barren.”