Deutsche Gesellschaft für Materialkunde

Die Deutsche Gesellschaft für Materialkunde (DGM) ist eine technisch-wissenschaftliche Gesellschaft auf dem Gebiet der Materialwissenschaft und Werkstofftechnik in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins. Sie wurde 1919 in Berlin als gemeinnütziger Verein mit dem Namen Deutsche Gesellschaft für Metallkunde gegründet.[1]

Deutsche Gesellschaft für Materialkunde
(DGM)
Zweck Technisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft
Vorsitz: Präsidentin/President: Martina Zimmermann, Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS und Technische Universität Dresden; Präsident/President: Gerhard Schneider, Hochschule Aalen
Gründungsdatum: 27. November 1919
Mitgliederzahl: 2466 (2020)
Sitz: Sankt Augustin
Website: www.dgm.de

GeschichteBearbeiten

1917 wurde das Kaiser-Wilhelm-Institut für Eisenforschung gegründet, 1919 die Deutsche Gesellschaft für Metallkunde,[2] 1921 das Kaiser-Wilhelm-Institut für Metallforschung und 1922 die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft. Planmäßige wissenschaftliche Forschung wurde nach dem Ersten Weltkrieg als dringende Notwendigkeit erkannt. Immer wieder wurde betont, dass die Bedeutung einer Industrie, ihre Geltung auf den Weltmärkten, vom Stande der wissenschaftlichen Erkenntnis abhängig ist. In der Denkschrift der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft wurde in dem Forschungsprogramm an erster Stelle auf die ausschlaggebende Bedeutung der Metallindustrie für Deutschland hingewiesen und bemerkt, dass das Wissen von metallischen Werkstoffen wesentlich weniger entwickelt war, als es dem wirtschaftlichen Bedürfnis entsprach. Es wurde deshalb gefordert, das Wesen des metallischen Zustandes bis hin zu atomphysikalischen Betrachtungen aufzuklären, den Zusammenhang zwischen den physikalischen und chemischen Eigenschaften der Metalle und Legierungen zu erforschen sowie Untersuchungen über die Probleme der Festigkeit, Plastizität und Formgebung herzuleiten.

Hier werden die drei Sparten schon genannt, die sich bis zum heutigen Tag mit zeitlich wechselndem Schwergewicht entwickelt haben, Metallphysik, Metallkunde, Metalltechnik. Von der Notwendigkeit der Förderung dieser drei Arbeitsbereiche waren die Gründer der Gesellschaft überzeugt, wie aus den Ansprachen hervorgeht, die auf der Gründungsversammlung am 27. November 1919 gehalten worden sind. Emil Heyn leistete gemeinsam mit William Guertler und dem Oberingenieur Johan Czochralski die entscheidende Vorarbeit zur Gründung der Deutschen Gesellschaft für Metallkunde und zur Errichtung des Kaiser-Wilhelm-Institutes für Metallforschung. Er war der erste Vorsitzende der Gesellschaft und der erste Direktor des Instituts. Dem Vorstand und seinem Beirat gehörten führende Metallurgen an.[3]

ProfilBearbeiten

Die Deutsche Gesellschaft für Materialkunde e.V. (DGM) vertritt die Interessen ihrer Mitglieder – als Garant für eine kontinuierliche inhaltliche, strukturelle und personelle Weiterentwicklung des Fachgebiets der Materialwissenschaft und Werkstofftechnik. Die Vernetzung steht dabei im Zentrum. Hierzu organisiert die DGM ein breites Spektrum an Veranstaltungen, wie Tagungen, Ausstellungen, Fortbildungen und Nachwuchsevents.

Die technisch-wissenschaftlichen Vereine, denen die DGM angehört, bieten ein Forum, auf dem sich unterschiedliche Interessengruppen zwischen Staat und Privatwirtschaft begegnen und miteinander kommunizieren. Sie unterstützen damit die Vernetzung von Wissenschaft und Praxis. Ihre Fachgremien bilden den vorwettbewerblichen Rahmen für die erfolgreiche Umsetzung der gemeinschaftlich erarbeiteten Forschungsergebnisse.[4]

Im Vorstand[5] sind sowohl Personen aus der Industrie als auch der Wissenschaft vertreten. Ein wissenschaftlicher Beirat untermauert die Forschungs- und Technik-Kompetenz der Gesellschaft.[6]

Stefan Klein ist seit August 2020 Geschäftsführer der DGM.[7]

Fachausschüsse und ArbeitskreiseBearbeiten

Die Fachausschüsse der Deutschen Gesellschaft für Materialkunde e.V. bieten Fachleuten aus den verschiedenen technischen und wissenschaftlichen Bereichen der Werkstoffe Gelegenheit zum Austausch und fördern die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis. Das Ziel dieser Gemeinschaftsarbeit besteht nach eigenen Angaben der Gesellschaft darin, technische und wissenschaftliche Erkenntnisse zum Vorteil der Mitglieder und der durch sie vertretenen Firmen und Forschungseinrichtungen zu nutzen.

Die Fachausschüsse der DGM decken nahezu alle Materialklassen, Prozesstechniken zur Materialherstellung und -verarbeitung, Erkenntnis- und Anwendungsfelder im Bereich der Materialwissenschaft und Werkstofftechnik ab. Die DGM trägt so unmittelbar zum Erkenntnisfortschritt und damit zur Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie bei. Die Fachausschuss- und Arbeitskreissitzungen der DGM sind öffentlich zugänglich. Jährlich treffen sich mehr als 2.000 Experten aus Wissenschaft und Industrie in mehr als 70 Fachausschüssen und Arbeitskreisen.[8]

Ehrungen und PreiseBearbeiten

Mit ihren persönlichen Ehrungen und Auszeichnungen will die DGM dazu beitragen, exzellente Leistungen im Fachgebiet der Materialwissenschaft und Werkstofftechnik sichtbar zu machen, aber auch Einzelpersonen zu ehren und den Nachwuchs zu fördern.[9]

Im Einzelnen werden folgende Ehrungen und Auszeichnungen[10] verliehen:

  • Heyn-Denkmünze
  • DGM-Ehrenmitgliedschaft
  • Tammann-Gedenkmünze
  • DGM-Preis
  • DGM-Pionier
  • Masing-Gedächtnispreis
  • Georg-Sachs-Preis
  • DGM-Nachwuchspreis
  • Werner-Köster-Preis

Darüber hinaus werden folgende Preise im Rahmen von Veranstaltungen verliehen

  • Materialographie-Preis
  • Roland-Mitsche-Preis
  • Galileo-Preis

WirkungsbereicheBearbeiten

Als Gründungsmitglied der Europäischen Dachorganisation FEMS[11] ist die DGM auch international vernetzt.

Kontakte zu anderen GesellschaftenBearbeiten

Enge Kontakte unterhält die DGM zur Deutschen Forschungsgemeinschaft – DFG,[12] zur Bundesvereinigung Materialwissenschaften und Werkstofftechnik – MatWerk,[13] zum Themennetzwerk Materialwissenschaft und Werkstofftechnik – acatech,[14] zum Studientag Materialwissenschaft und Werkstofftechnik,[15] zu den Technisch-Wissenschaftlichen Fachgesellschaften, zu Zweckvereinigungen und zu regionalen Fachvertretungen und Wirtschaftsverbänden.[16]

Bekannte MitgliederBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

WeblinkBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Vereinsgeschichte der DGM e. V. (Memento vom 3. Februar 2012 im Internet Archive)
  2. Doris Kuhlmann-Wilsdorf: Zur Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Metallkunde. Vortrag im Rahmen der Tagung „Geschichte der Materialforschung“, März 2009 in Göttingen (PDF; 220 kB)
  3. Helmut Maier (2007): Forschung als Waffe. Rüstungsforschung in der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und das Kaiser-Wilhelm-Institut für Metallforschung 1900–1945/48, Band 1. Wallstein Verlag. ISBN 978-3835301092
  4. Wolfgang Weißbach (2010): Werkstoffkunde – Strukturen, Eigenschaften, Prüfung. Springer Verlag. ISBN 978-3834807397
  5. https://www.dgm.de/dgm/gremien/vorstand/
  6. Satzung der DGM e. V. (Memento vom 10. November 2011 im Internet Archive) (PDF; 70 kB)
  7. Geschäftsstelle der DGM e. V. (Memento vom 1. April 2010 im Internet Archive)
  8. IJMR (International Journal of Materials Research) 101 (2010) 11, ISSN 1862-5282, S. 1451.
  9. Ehrungen der DGM e.V. (Memento vom 7. Februar 2011 im Internet Archive)
  10. https://dgm.de/de/die-dgm/ehrungen-auszeichnungen
  11. Welcome to FEMS - the Federation of European Materials Societies. Abgerufen am 20. Januar 2018 (englisch).
  12. DFG- und AiF-Fördermittel erfolgreich einwerben. Abgerufen am 20. Januar 2018.
  13. BV Matwerk. Abgerufen am 20. Januar 2018 (deutsch).
  14. acatech: Website. Abgerufen am 20. Januar 2018 (englisch).
  15. Studientag Materialwissenschaft und Werkstofftechnik - StMW e.V. Abgerufen am 20. Januar 2018.
  16. Kontakte der DGM e. V. zu anderen Gesellschaften (Memento vom 3. Februar 2012 im Internet Archive)