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Der zweite Mann (1963)

Film von Carol Reed (1963)

Der zweite Mann ist ein 1962 entstandener, britischer Thriller um einen aufwändigen Versicherungsbetrug. Unter der Regie von Carol Reed spielen Laurence Harvey, Lee Remick und Alan Bates die Hauptrollen. Die Romanvorlage The Ballad of the Running Man lieferte Shelley Smith.

Filmdaten
Deutscher TitelDer zweite Mann
OriginaltitelThe Running Man
ProduktionslandVereinigtes Königreich
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr1963
Länge104 Minuten
AltersfreigabeFSK 16
Stab
RegieCarol Reed
DrehbuchJohn Mortimer
ProduktionCarol Reed
MusikWilliam Alwyn
KameraRobert Krasker
SchnittBert Bates
Besetzung

Finale kurz vor der Grenze Spaniens zu Gibraltar

HandlungBearbeiten

Stella Black ist zutiefst betrübt. Die junge Frau ist seit kurzem verwitwet und lebt ihre Trauen ganz öffentlich aus. Ihr Mann Rex kam vor einigen Monaten ums Leben, als er mit seinem Segelflieger über der offenen See abstürzte. Seine Leiche wurde jedoch nie gefunden. Dies ruft das Misstrauen bei der Versicherungsgesellschaft, bei der Rex seine Lebensversicherung abgeschlossen hatte, hervor. Stella muss ihre Rolle unbedingt glaubhaft spielen, denn nur sie weiß, dass Rex noch lebt und sich seit drei Monaten unter dem Namen Erskine in einer kleinen englischen Pension am Meer versteckt hält. Rex und Stella erhoffen, die Versicherungsgesellschaft um 50.000 Pfund Sterling erleichtern zu können. Jetzt, wo die Beerdigungsfeierlichkeiten hinter ihr liegen, ist Rex klammheimlich zu seiner Stella ins Haus zurückgekehrt. Rex hat, neben schnöder Raffgier, noch einen weiteren Grund, weshalb er die Excelsior Insurance Company, wo er seine Lebensversicherung abgeschlossen hatte, unbedingt erleichtern will: Er hat sich maßlos darüber geärgert, dass die Excelsior vergangenes Jahr nicht die 20.000 £-Versicherungssumme ausgezahlt hatte, auf die der Geschäftsmann nach dem Absturz seines Transportfliegers während eines Schlechtwetterfluges von England nach Hamburg glaubte, ein Anrecht zu haben. Fakt ist jedoch, dass zum Zeitpunkt des Absturzes die Versicherungspolice nicht mehr gültig war, weil Rex es versäumt hatte, die letzte Beitragssumme zu bezahlen. Damit war er geschäftlich ruiniert.

Da es sich bei dem Tod ihres Klienten um eine außerordentlich hohe Versicherungssumme handelt, beauftragt die Excelsior Insurance ihren Schadensfallermittler Stephen Maddox damit, vor Ort Nachforschungen anzustellen, um auf jeden Fall einen Versicherungsbetrug ausschließen zu können. Maddox taucht, um Details zu sprechen, unerwartet im Haus Stellas auf und wäre dabei beinahe über Rex gestolpert. Maddox will zugleich ausschließen können, dass es sich bei Rex’ Tod um einen Selbstmord infolge des Geschäftsbankrotts handelt, denn in diesem Fall würde die Excelsior nicht zahlen. Rex hat die folgenden Schritte bereits minutiös geplant: Er will zunächst nach Paris fliegen, während Stella das (hoffentlich) ausgezahlte Geld auf ein Bankkonto im spanischen Málaga überweist. In einer Anzeige im Daily Telegraph soll sie mit einem Codesatz signalisieren, dass alles wie geplant gelaufen ist. Drei Tage darauf, so ist der Plan, wollen sich Rex und Stella in der südostspanischen Küstenstadt treffen. In Malaga kann Rex derweil einem betrunkenen australischen Schafzüchter namens Jim Jerome den Reisepass entwenden, sodass er endlich auch eine neue Identität annehmen kann. Sein Äußeres gleicht er dem Passbild des Australiers an, und er nimmt auch einen australischen Akzent an.

Wie besprochen, fliegt Stella drei Tage nach Erhalt der Versicherungssumme in die spanische Stadt und trifft auf Rex alias Jim, der sich hier, um die Tarnung zu perfektionieren, bereits einen hiesigen Freundeskreis aufgebaut hat. Jedermann kauft ihm den australischen Schaffarmer ab. Stella wird “Jims” Bekannten als lockere Freundin vorgestellt, die er von Geschäftsreisen nach London her kenne. Das vor Ort eingetroffene Geld aus England wird in Bankwechsel umgetauscht, mit denen man überall in der Welt zahlen kann. Zwischen dem Ehepaar beginnt es ganz allmählich zukriseln: Rex beginnt, das Geld mit vollen Händen heraus zu werfen und verhält sich, nach Stellas Meinung, viel zu auffällig. Auch sonst, findet sie, macht er eine Wesensveränderung durch, aber nicht eine zum besseren. Am wenigstens aber gefällt Stell Rex’ Idee, einen weiteren Versicherungsbetrug zu begehen, um in den Besitz von noch mehr Geld zu kommen Nun plant Rex, seinen Tod – diesmal als Jim Jerome – ein zweites Mal zu Geld zu machen. Auch Jerome wird sicherlich eine Lebensversicherung abgeschlossen haben.

Eine Katastrophe bahn sich an, als Stella in Malaga Stephen Maddox wiederbegegnet, der behauptet, er befinde sich hier gerade auf einer Urlaubsreise. Er lädt sie zum Essen ein, doch Stella erscheint diese Situation zu heiß und lehnt daher ab. Während Stella an einen Zufall glaubt, gehen bei Rex sämtliche Alarmlämpchen an. Er ist der festen Überzeugung, dass Maddox im Auftrag der Excelsior angereist sei und versuche, Stella des Versicherungsbetruges zu überführen. Darüber kommt es zwischen den beiden Eheleuten zu einer Auseinandersetzung. Man entscheide sich, Malaga für eine Woche zu verlassen und in einem kleinen spanischen Ort darauf zu warten, bis die spanische Bank das aus England überwiesene Geld in Bankwechsel transferiert hat. Doch auch dort spürt Maddox die beiden auf. Aufgrund der optischen Verwandlung des nunmehr erblondeten und bärtigen Rex alias Jim Jerome kann Maddox Rex nicht als selbigen identifizieren, nur er findet es merkwürdig, dass dieser Australier plötzlich dasjenige Auto fährt, das bislang Stella gefahren hatte. Stella stellt Rex Maddox gegenüber als "Jim Jerome" vor. Rex geht nun ein riskantes Spiel ein. Er will, dass Stella und er in der Nähe des Versicherungsdetektivs bleiben, um herauszubekommen, wie viel Maddox bereits weiß oder doch zumindest erahnt. Da Rex befürchtet, dass Maddox bei allzu großer Nähe von “Jim” und Stella misstrauisch werden könnte, versucht er Stella davon zu überzeugen, auch weiterhin so zu tun, als sei die Beziehung zwischen ihr und ihm nur oberflächlicher Natur. Dies geht Stella entschieden gegen den Strich, denn eigentlich will sie mit ihrem Mann doch einfach nur zusammen sein.

Stella und Rex müssen feststellen, dass Maddox, der ihnen kaum mehr von der Seite weicht, viele Fragen über sie beide und ihr Leben stellt. Ihre Antworten notiert er sich sofort. Als Maddox dann auch och angebliche Urlaubsfotos der beiden schießt, von denen Rex annimmt, dass er sie anschließend sofort an seinem Arbeitgeber nach England schicken wird, geht dies Rex entschieden zu weit. Ganz “zufällig” lässt er Maddoxs Kamera ins Wasser plumpsen. Rex bittet seine Frau, bei Gelegenheit einen Blick in Stephens kleines Notizbuch zu werfen, wo dieser alleine Anmerkungen zu Stella und “Jim Jerome” aufgeschrieben hat. Stellas Doppelspiel führt dazu, dass sie in ihrer Überforderung, die doppelten Identitäten ihres Mannes nicht zu vergessen, beinah Stephen gegenüber ausplappert, dass Jim und Rex ein- und dieselbe Person sind. Als Stella dem Auftrag ihres Mannes nachkommt, und in Stephens Hotelzimmer eindringt, um dessen Notizbuch zu suchen und zu lesen, wird sie dabei von Maddox überrascht. Sie schaltet blitzschnell und tut so, als habe sie auch den Landsmann gewartet, um ihn verführen zu können. Tatsächlich kommt es daraufhin zum Äußersten zwischen den beiden. Nach dem Sex gesteht Stephen Stella, dass er nicht mehr für die Versicherung arbeite und in seinem kleinen Notizbuch lediglich Gedanken niederschreibe, die ihm hier während des Urlaubs durch den Kopf gingen. Zum Beweis zeigt Maddox ihr das Büchlein. Stella ist sehr erleichtert darüber und verplappert sich nun tatsächlich bezüglich Rex und “Jim”, kann aber ihren Versprecher einigermaßen vertuschen.

Rex, der zur Klärung der finanziellen Angelegenheiten, in Malaga war, kehrt in den kleinen Ort zurück, wo er Stella mit Maddox zurückgelassen hatte. Der angeblich ehemalige Versicherungsdetektiv lässt durchblicken, dass er den Versicherungsbetrug des Ehepaars Black durchschaut habe, ohne dies expressis verbis zu behaupten. Stephen wird dies zu heiß und erklärt Stella, dass er unter diesen Umständen seinen Plan fallen gelassen habe, einen erneuten Versicherungsbetrug zu begehen. Beide planen, am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe den Ort zu verlassen und sich nach Gibraltar zu begeben. Angesichts dieser Planänderung sieht es Stella nicht mehr für nötig an, Rex darüber zu informieren, was sie über Stephen herausgefunden hat. Stephen entdeckt am nächsten Morgen Stellas wertvolle Ohrringe im Bett, die Stella bei Liebesspiel verloren hatte. Maddox geht an sein Hotelzimmerfenster und sieht, wie Rex und Stella mit dem Auto fortfahren. Er läuft den beiden nach, um Stella ihre Ohrringe zurückzugeben. Dies bringt Stella, die glaubt, Maddox wäre ihr zuliebe nachgelaufen, in einige Verlegenheit, denn natürlich weiß Rex nichts davon, dass sie ihn mit Stephen betrogen hat. Rex ahnt nicht die Zusammenhänge und glaubt, dass Maddox noch immer hinter ihm her sei, weil Stella ihm ja nicht erzählt hat, dass dessen Notizbuch vollkommen harmlose Anmerkungen enthält. Da Rex sich aber nicht allzu auffällig verhalten will, lädt er Maddox weiter oben in den Bergen zu einem Drink ein. Stephen fährt dem Ehepaar mit seinem eigenen Wagen nach. Rex will den lästigen Verfolger jetzt ein für allemal loswerden und versucht, mit seinem Auto das Fahrzeug von Maddox abzudrängen, auf dass dieser über eine Klippe in die Tiefe stürzt. Tatsächlich kommt Maddox von der Straße ab, und Stella ist entsetzt, was ihr Mann soeben getan hat. Doch Stephen kommt noch einmal mit dem Schrecken davon. Zwei spanische Straßenarbeiter wurden Zeuge des Vorgangs und können Maddox retten. Stephen glaubt, dass Rex ihn aus Eifersuchtsgründen vom Weg abgedrängt habe, da er annimmt, dass Stella “Jim” vom tête à tête mit ihm erzählt hat.

Rex fährt mit Stella, die sich gar nicht mehr beruhigen will, weiter in Richtung Gibraltar. An der Grenze steht eine lange Autoschlange vor ihnen. Die Polizei kontrolliert jedes Fahrzeug genau, denn man hat inzwischen die Polizei von “Jims” Tötungsversuch benachrichtigt. Während das Fahrzeug im Stau steht, springt Stella mit den Bankwechseln aus dem Auto und verschwindet in der Menge. Rex will sie nicht entkommen lassen und führt mit dem Auto durch die Menge. Die Leute springen nach rechts und links, um nicht überrollt zu werden. In einer Kirche, in der er ihr nachrennt, kann Rex Stella endlich festhalten. Er versucht, ihr die Bankwechsel zu entreißen. Stella schreit ihn an, dass er niemals die Bankwechsel zu Geld machen könne, da nach ihm sicherlich schon wegen des Mordes an Stephen gefahndet werden würde. Außerdem sei Maddox im Besitz ihrer kostbaren Ohrringe. Rasend vor Eifersucht, versucht Rex Stella zu erwürgen, hält aber im letzten Moment inne, als er erkennt, was er da eigentlich tut. Angesichts dieser Turbulenzen erscheint die Polizei, nimmt Stella fest und jagt Rex nach, der zu fliehen versucht. Auf der Polizeistation sieht Stella zu ihrer Überraschung, dass Stephen noch lebt. Dieser verzichtet auf eine Anzeige, da er noch immer glaubt, dass es sich bei “Jims” Aktion um eine Eifersuchtstat gehandelt habe.

 
Blick auf den Strand Málaga, einem der zentralen Drehorte

Rex ist mit seinem Fahrzeug zu einem Flugplatz entkommen. Er will dort ein Kleinflugzeug stehlen, um sich allein abzusetzen. Tatsächlich bekommt er ein Flugzeug in seine Hände und steigt auf. Über der offenen See muss er erkennen, dass die Benzinleitung des Fliegers defekt ist und er massiv Kerosin verliert. Und so geschieht genau dass, was schon zweimal sein Leben maßgeblich getroffen hat: Er stürzt ab, und wieder ins Wasser. Doch Rex wird gerettet und aus dem Meer gezogen. Er ist schwer verletzt, als man ihn ans spanische Festland zurückbringt, wo die Polizei und Stella bereits warten. Als Rex im Sterben liegt, bleibt Stella bei der Version, dass es sich bei ihrem Bekannten um einen australischen Schaffarmer namens Jim Jerome handele, den sie kaum kennen würde. Rex flüstert sie derweil zu, dass Stephen zu keiner Zeit hinter ihm her gewesen sei und längst einen Berufswechsel vorgenommen hatte. All seine Bemühungen, so macht Stella ihrem sterbenden Ehemann klar, seien damit komplett umsonst gewesen.

ProduktionsnotizenBearbeiten

Der zweite Mann, ein vergleichsweise unbekanntes Nebenwerk Reeds, wurde im Sommer 1962 vor Ort in Spanien (Außendrehs, siehe Foto links) und in den irischen Ardmore Studios (Innenaufnahmen) gedreht und am 1. August 1963 uraufgeführt. Die deutsche Premiere fand am 13. September desselben Jahres statt. Am späten Samstagabend des 26. Februar 1972 wurde Der zweite Mann erstmals im deutschen Fernsehen (ARD) gezeigt.

Die Filmbauten entwarf John Stoll. Ron Grainer komponierte die Titelmusik, Muir Mathieson dirigierte. Maurice Binder gestaltete die Titelsequenz.

KritikenBearbeiten

Im Lexikon des Internationalen Films heißt es: „Der von Carol Reed produzierte Film ist zwar stilsicher inszeniert, aber sein Drehbuch weist für einen abendfüllenden Spielfilm zuwenig Substanz auf.“[1]

„Unterhaltsam aber nicht spannend genug.“

Leonard Maltin: Movie & Video Guide, 1996 edition, S. 1120

Halliwell‘s Film Guide fand, der Film sei „ein schlaffer, teurer Thriller.“[2]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Der zweite Mann. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins, abgerufen am 21. Februar 2019.Vorlage:LdiF/Wartung/Zugriff verwendet 
  2. Leslie Halliwell: Halliwell‘s Film Guide, Seventh Edition, New York 1989, S. 872

WeblinksBearbeiten