Hauptmenü öffnen

Der Menschen Hörigkeit

Roman von William Somerset Maugham

Der Menschen Hörigkeit (englisch Of Human Bondage) ist ein Entwicklungsroman von William Somerset Maugham, der 1915 bei Heinemann[1] in London und im selben Jahr bei George H. Doran[2] in New York City erschien[3]. Die Übertragung ins Deutsche kam 1939 heraus. Erzählt wird der Werdegang des 1876 geborenen englischen Mediziners Philip Carey von seinem neunten bis zu seinem dreißigsten Lebensjahr[4]. Philip setzt sich trotz seiner angeborenen Behinderung, einem Klumpfuß, durch. Der Text trägt autobiographische Züge.

Der Romantitel greift Spinozas Postulat von der menschlichen Knechtschaft (De servitute humana) auf, wie es im vierten Buch seiner Ethik geschrieben steht: Philip ist der Geliebten Mildred wider besseres Wissen hörig.[A 1]

Inhaltsverzeichnis

InhaltBearbeiten

Als 1885 die Mutter Helen Carey stirbt, wird Philip von Onkel William und Tante Louisa in Blackstable[5], einem Fischerdorf im Osten der Grafschaft Kent, aufgenommen. Das kinderlose Ehepaar ermöglicht dem inzwischen 13-jährigen Jungen die schulische Ausbildung in der King's School im nahe gelegenen Tercanbury. Vikar William Carey ist der Bruder von Philips Vater, des bereits früher an einer Blutvergiftung verstorbenen Chirurgen Stephen Carey.

Als 18-Jähriger soll Philip nach Oxford gehen. Er soll Geistlicher werden. Daraus wird nichts. Der junge Mann zweifelt an seinem Glauben und begibt sich nach Heidelberg. Dort in Deutschland freundet er sich mit dem 26-jährigen G. Etheridge Hayward, einem angehenden Advokaten, an. Nach dem Tode seines Vaters, eines Landrichters, ermöglicht dem halbgebildeten Literaten Hayward die Erbschaft ein sorgloses Leben auf dem Kontinent. Als 19-Jähriger hört Philip bei Kuno Fischer Vorlesungen über Schopenhauer.

Wieder daheim in Blackstable, verliebt sich Philip in Miss Emily Wilkinson. Die weit über 30-Jährige weilt zu Besuch im Hause des Pfarrers. Der junge Mann schläft mit dem Fräulein. Das ist ein Fehler. Miss Wilkinson erweist sich als anhänglich. Schließlich aber muss sie abreisen. Philip beantwortet die Briefflut nachlässig-schleppend. Die Lehre bei dem Londoner Buchprüfer Herbert Carter steht er nicht durch. Als Büromensch völlig fehl am Platze, sucht Philip lieber die Nationalgalerie auf. Mr. Carter hat dienstlich in Paris zu tun und nimmt den Lehrling mit. Philip fühlt sich zum Maler berufen. Paris muss es sein. Gegen den Willen des Onkels steigt er in einem schäbigen Hotel im Quartier Latin in der Nähe der Malschule Armitrano ab. Die 26-jährige Fanny Price hat in England ihren Beruf als Erzieherin aufgegeben und will ebenfalls in Paris Malerin werden. Das Fräulein nimmt den Ankömmling unter die Fittiche. Der alte Mal-Professor Foinet bescheinigt Fanny Talentlosigkeit. Fanny hungert und erhängt sich in ihrem Zimmer. Zusammen mit dem jungen aufstrebenden Maler Frederik Lawson mietet Philip ein billiges Atelier am Boulevard Raspail[6]. Im Freundeskreis lauscht man abends den Philosophien des Alkoholikers Cronshaw, eines heruntergekommenen Dichters, der sich mit Übersetzungen et cetera mühsam über Wasser hält. Nach ein paar Monaten erkennt Philip sein Mittelmaß als Maler. Nach anderthalbjährigem Paris-Aufenthalt streicht er die Segel. Überdies hatte ihn Prof. Foinet auf Befragen vom Maler-Beruf abgeraten. Der Tod Tante Louisas ist äußerer Anlass zur neuerlichen reuigen Rückkehr Philips nach Blackstable. Er will Medizin studieren. Onkel William, merklich gealtert, befürwortet diese Entscheidung. Der Student tritt in die Fußstapfen des Vaters; geht wie einstmals dieser ans Londoner St.-Luke-Krankenhaus[7]. Die Patienten dort kommen „aus der Arbeiterklasse: Dockarbeiter, Rollkutscher, Fabrikarbeiter, Kellner...“[8] Philip bewohnt ein winziges Zimmer. Über ihm wohnt Harry Griffith, ein Medizinstudent im fünften Ausbildungsjahr, dessen Vater als Arzt in Leeds praktiziert. Die beiden Studenten werden Freunde. Es wird nicht nur studiert. Griffith hat manchmal mehrere Freundinnen zugleich. Von der Bekanntschaft mit dem großsprecherischen Börsianer Macalister erhofft sich Philip die gewinnbringende Anlage seines ererbten Vermögens. In einer Teestube in der Parliament Street verliebt sich Philip in die junge Kellnerin Mildred Rogers. Die tiefe – fast über den ganzen restlichen Roman hinweg eindringlich beschriebene – Zuneigung wird nicht erwidert. Er hasst Mildred, weil er sie liebt und kein Mittel gegen die einseitige Liebe findet.[9] Nun ahnt er, welche Qualen Emily Wilkinson und Fanny Price ausgestanden haben müssen, als er beide nacheinander links liegen ließ. Mildred, die das Sparen nie erlernt, nutzt Philip schamlos aus. Zögerlich-kalt lässt sie sich mit dem hartnäckigen Liebhaber ein und überrascht ihn sodann mit der Hiobsbotschaft, sie erwarte von dem verheirateten Emil ein Kind. Während jener Vater von drei Kindern Mildred im Stich lässt, hält Philip zu der werdenden Mutter; bezahlt den Unterhalt sowie die gemeinsame Wohnung in der Vauxhall Bridge Road[10] und später in der Kennington Road[11]. Das kleine Mädchen wird geboren. Philip liebt es wie ein Vater. Diese Liebe wird erwidert. Das Kind stirbt später.

Das Beisammensein ist nicht von Dauer. Einmal tröstet sich Philip mit der 25-jährigen Norah Nasbit, die sich als Verfasserin von Dreigroschenromanen Courtenay Paget nennt. Er hatte die treu liebende Frau über Lawson, der nach London zurückgekehrt war, kennengelernt. Als Mildred wieder einmal vor lauter Geldsorgen nicht ein noch aus weiß, kehrt sie – scheinbar reumütig – zu Philip zurück. Er empfängt sie mit offenen Armen, zahlt fleißig und gibt der Autorin den Laufpass. Mildred verliebt sich in Harry Griffith. Philip leidet, bekommt die liederliche Treulose aber wieder, als der Freund der schlampigen Frau überdrüssig ist.

Die restlichen paarhundert Pfund investiert Philip in eine rhodesische Goldmine. Macalister übertölpelt den in Börsenangelegenheiten völlig unbedarften Studenten. Philip verspekuliert sich unglücklich und steht mittellos da, muss das Medizinstudium abbrechen und seine minderwertige Bleibe aufgeben. Hungernd nächtigt er sommers auf der Londoner Parkbank. Lawson sucht er nicht auf, weil er ihm fünf Schilling schuldet. Unterschlupf findet Philip bei dem 48-jährigen Journalisten Thorpe Athelny, einem ehemaligen Gelbsucht­patienten. Athelny, Vorstand einer elfköpfigen Familie, schlägt sich als Presseagent im Weißwarengeschäft Lynn & Sedley durch. Er bringt den Gast dort als Aufseher unter. Philip freundet sich mit Athelnys ältester Tochter Sally an. In der Textilbranche besinnt sich Philip seiner zeichnerischen Versuche aus Pariser Zeiten und betätigt sich als Modedesigner für Damenoberbekleidung. Als Onkel William stirbt, tritt er sofort dessen Erbe an, kündigt bei Lynn & Sedley und schließt das Medizinstudium ab. Als frisch approbierter Arzt übernimmt Philip eine Vertretung beim alten Dr. South in Farnley/Dorsetshire. Der alte Arzt bietet dem Berufsneuling die Teilhaberschaft in seiner Praxis an. Es sieht so aus, als würde der 29-jährige Philip seine 19-jährige Sally heiraten und Dr. Souths großzügige Offerte annehmen.

VerfilmungenBearbeiten

Ausgaben in deutscher SpracheBearbeiten

ErstausgabeBearbeiten

  • Der Menschen Hörigkeit. Roman. Aus dem Englischen von Renate Seiller. Rascher Verlag, Zürich und Leipzig 1939. 676 Seiten, Hardcover in Leinwand

Verwendete AusgabeBearbeiten

  • Der Menschen Hörigkeit. Roman. Berechtigte Übertragung aus dem Englischen von Mimi Zoff. Bertelsmann Lesering, Gütersloh, Buch Nr. 184 (ohne ISBN und ohne Erscheinungsjahr). 702 Seiten (Lizenzgeber: Rascher Verlag, Zürich)

AnmerkungBearbeiten

  1. Da der Roman nicht „Des Menschen Hörigkeit“ heißt, wird vermutlich zusätzlich auf das Inverse verwiesen: Unerwidert bis an die Grenze der Hörigkeit lieben außer Philip noch Emily Wilkinson, Fanny Price, Norah Nasbit und anfangs Sally Athelny (siehe auch Artikel).

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. eng. Heinemann
  2. eng. George H. Doran
  3. eng. W. Somerset Maugham bibliography
  4. Verwendete Ausgabe, S. 8, 1. Z.v.o. sowie S. 9, 3. Z.v.o. und S. 654, 15. Z.v.u.
  5. eng. Blackstable
  6. frz. Boulevard Raspail
  7. eng. St.-Luke-Krankenhaus
  8. Verwendete Ausgabe, S, 451, 16. Z.v.u.
  9. Verwendete Ausgabe, S. 316, 13. Z.v.o. und zum Beispiel auch S. 335,12. Z.v.u.
  10. eng. Vauxhall Bridge Road
  11. eng. Kennington Road
  12. eng. Of Human Bondage (1946 film)
  13. eng. Of Human Bondage (1964 film)