Calvaire (Kruzifix)

lebensgroße Nachbildungen der Kreuzigungsszene

Ein Calvaire ist ein Kruzifix, um das mehrere biblische Personen dargestellt sind. Es handelt sich um mehr oder minder komplexe, hochragende Kreuzigungsgruppen, die nicht nur Christus zwischen den beiden Schächern, seine Mutter und Johannes zeigen, sondern auch Szenen der Heilsgeschichte von der Verkündigung bis zur Auferstehung und seltener bis zur Himmelfahrt. Sie gehen gestalterisch zurück auf vielfigurige Schnitzaltäre, Reliefs, Wand- und Tafelbilder und Figurengruppen im Freien, die im Spätmittelalter entstanden und von Passionsliteratur und Mysterienspielen inspiriert waren.[1]

Calvaire in Saint-Thégonnec

Viele der Calvaires wurden auf Friedhöfen errichtet, nahe der Kirche und oft bei einem Beinhaus.

In der Bretagne entstanden vom Ende des 15. bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts zahlreiche Calvaires als „Zeugnisse monumentaler Volkskunst“.[1] Kreuze, die außer Christus am Kreuz nur wenige Personen zeigen, bezeichnet man hier als croix-calvaires. Die grand-calvaires weisen auf einer mächtigen Basis eine große Zahl von Statuen auf.

Altar-calvaires wurden vor der Französischen Revolution von den Eltern eines jungen Priesters zum Andenken an seine Primiz in seinem Heimatdorf aufgestellt. Kanzel-Calvaires waren bei Wallfahrten und Volksmissionen der Ort für Gottesdienste und Predigten.

Auch Kalvarienberge, bei denen die einzelnen Skulpturengruppen der Kreuzwegstationen an einem Berg oder Abhang als Prozessionsweg angeordnet sind, werden im französischsprachigen Raum als Calvaire bezeichnet.

LiteraturBearbeiten

  • Louise-Marie Tillet: Reisewege durch die Bretagne. Calvaires und romanische Kirchen. Echter, Würzburg 1989, ISBN 3-429-01186-8, S. 9–12.

WeblinksBearbeiten

Commons: Calvaire (Kruzifix) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Elisabeth Roth: Kalvarienberg. II. Kunstgeschichtlich. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Auflage. Band 5. Herder, Freiburg im Breisgau 1996, Sp. 1152 f.