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Burg Kost

Die Burg Kost befindet sich im Böhmischen Paradies (Český Ráj) in Podkost bei Libošovice, Okres Jičín, Tschechien. Sie wird derzeit umfassend restauriert und ist bis zur Wiedereröffnung 2021 geschlossen.

GeschichteBearbeiten

 
Burg Kost

Erstmals erwähnt wurde die mittelalterliche Burg Kost 1349 als Burg des Bauherren Beneš von Wartenberg. Fertiggestellt wurde sie durch seinen Sohn Peter. Seither hat sich die Silhouette nicht mehr verändert. Sie erhebt sich wie eine Bastion, aus der Landschaft heraus. Wahrzeichen der Burg ist der „Weiße Turm“. Etwa 1414 wurden die Zajíc von Hasenburg Eigentümer der Burg. In den Jahren 1497–1524 bewohnten die mit ihnen verwandten Schellenberg (z Sselmberka), die den westlichen Flügel anbauten, Kost. Bis Mitte des 16. Jahrhunderts wurde auf dem Weg zur Burg noch der Biberstein-Palas angebaut. Unter den Lobkowicz (bis 1576) entstanden die Gebäude vor der Burg, die befestigt und in die Burg eingegliedert wurden. Ende des 17. Jahrhunderts gelangte die Burg an die Familie Czernin von und zu Chudenitz.

Mitte des 18. Jahrhunderts kaufte sie Wenzel Kasimir Graf Netolitzky von Eisenberg[1] (1700–1760), auf Lochovice und Kost, Kreishauptmann des Bechiner Kreises, Burggraf von Königgrätz, Oberstlandhofrichter und Generalkriegskommissär. Durch Erbschaft kam die Grundherrschaft Kost an dessen Tochter Theresia Netolitzky von Eisenberg, verstorben 1760, verehelicht 1754 mit Franz Wenzel Graf Wratislaw von Mitrowitz aus dem Hause Kost, verstorben 1779. Deren Tochter Theresia Gräfin Wratislaw-Netolitzky; verehelicht 1810 mit Joseph Graf Pozzo di Borgo, k. k. Kämmerer, wurde Erbin von Burg Kost und nach ihr deren Sohn Flaminio cavaliere Dal-Borgo-Netolitzky.[2] Die Burg Kost überstand den Zweiten Weltkrieg unbeschädigt und war 1945 Besitz des Grafen Pio Paolo dal Borgo-Netolitzky.[3] Die Burg Kost war während der nachfolgenden Tschechoslowakei für öffentliche Besichtigung freigegeben.

Nach Beginn des Staates Tschechien gelangte sie 1993 durch Restitution an die Grafen Kinsky dal Borgo.

Die Burg ist gut erhalten und diente 2007 als Kulisse für den Kinofilm Hannibal Rising – Wie alles begann, sowie 2016 für die TV-Verfilmung von Das Geheimnis der Hebamme.

BesonderheitenBearbeiten

Nach der Schlacht bei Königgrätz 1866 im Deutschen Krieg kam eine Vielzahl von Besuchern nach Kost. Unter diesen auch Kronprinz Rudolf von Österreich-Ungarn.

Eine Besonderheit ist der Turm, der eine trapezähnliche Form aufweist. Solche unregelmäßigen Formen wurden bei manchen Burgen verwendet, um die Bauten vor Kanonenbeschuss zu schützen. Die Kugeln konnten ohne einen Schaden anzurichten abprallen, wenn sie die Wand nicht im rechten Winkel trafen.

ForschungBearbeiten

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verfasste der Historiker Josef Pekař eine umfangreiche Abhandlung über die Burg und die Grundherrschaft Kost mit Schwerpunkt auf dem 17. und 18. Jahrhundert. Er verwendete dazu Archivmaterial, das sich im Besitz der Familie Czernin von und zu Chudenitz erhalten hatte. Die Czernin besaßen Kost von 1637 bis 1738. Das Werk behandelt im ersten Teil die Geschichte der Burg und der adligen Besitzer, im zweiten Teil schildert es die Herrschaft und die Lebens- und Besitzverhältnisse der bäuerlichen Untertanen vor dem Revolutionsjahr 1848. Die beiden Bände des „Buches über Kost“ erschienen 1910/1911 im Selbstverlag, 1935 in zweiter Auflage bei Melantrich in Prag.

2019 wurden Reste eines Sudhauses freigelegt, das zu Zeiten der Renaissance und des Barock hier betrieben wurde.[4]

LiteraturBearbeiten

  • Hans-Ulrich Engel: Burgen und Schlösser in Böhmen (= Burgen, Schlösser, Herrensitze. Bd. 17). Nach alten Vorlagen. 2. Auflage. Wolfgang Weidlich, Frankfurt am Main 1978, ISBN 3-8035-8013-7, S. 56 f., Abb. S. 181.
  • Josef Pekař: Kniha o Kosti. Kus české historie. 2 Bände. Nákladem vlastním v komisi Klubu historického, Prag 1910–1911.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Burg Kost – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Freiherr 1741 und Graf 1759 (Böhmische Landtafel Saalbücher CCIX, S. 220–226).
  2. Österreichische Namens- und Wappenvereinigung d.d. 22. Dezember 1878, Diplom 20. April 1876.
  3. vgl. Roman von Procházka: Genealogisches Handbuch erloschener böhmischer Herrenstandsfamilien. Degener, Neustadt an der Aisch 1973, ISBN 3-7686-5002-2, dort: Netolitzky von Eisenberg, S. 207 und 208.
  4. Radio Prag vom 16. August 2019

Koordinaten: 50° 29′ 25″ N, 15° 8′ 6″ O