Hauptmenü öffnen

Bristol 405

Sportwagen des britischen Automobilherstellers Bristol Aircraft Company

Der Bristol 405 war ein Sportwagen des britischen Automobilherstellers Bristol Aircraft Company (später: Bristol Cars), der als viertürige Limousine und als zweitüriges Cabriolet angeboten wurde. Der 405 trat im Herbst 1954 neben das zweitürige Sportcoupé 404, den „Gentleman’s Express“, und wurde noch einige Monate parallel zum etablierten Gran Tourismo 403 produziert, bevor er ab 1956 zum einzigen Modell der Marke wurde.[2]

Bristol
Bristol 405 Sports Saloon. Links im Hintergrund: Ein Bristol 404
Bristol 405 Sports Saloon. Links im Hintergrund: Ein Bristol 404
405[1]
Produktionszeitraum: 1954–1958
Klasse: Oberklasse
Karosserieversionen: Limousine, Cabriolet
Motoren: Ottomotor:
2,0 Liter (78 kW)
Länge: 4810 mm
Breite: 1727 mm
Höhe: 1460 mm
Radstand: 2896 mm
Leergewicht: 1230 kg
Vorgängermodell Bristol 403
Nachfolgemodell Bristol 406
Bristol 405 Sports Saloon; Heckpartie.

ModellgeschichteBearbeiten

Der 405 basierte auf Bristols ungekürztem Standard-Chassis, das mit Ausnahme des 404 bei allen bisherigen Modellen der Marke verwendet worden war. Darauf ruhte eine von einem Holzgerüst getragene Karosserie, die bis zur A-Säule der des Bristol 404 entsprach. Wie beim Coupé war auch hier das Reserverad seitlich stehend in einem Abteil zwischen linkem Vorderrad und der Beifahrertür untergebracht.

Die AntriebstechnikBearbeiten

Die Antriebstechnik entsprach weitestgehend der des Bristol 404. Das Auto wurde von dem bekannten, 2,0 Liter großen Sechszylinder vom Type 100B (405 Drophead Coupé und 404) bzw. 100B2 (405 Sports Saloon) mit einer Verdichtung von 8,5:1 angetrieben, der in beiden Varianten 105 bhp (106 PS, 78 kW) bei 5000 Umdrehungen pro Minute leistete; das maximale Drehmoment lag bei 167 Newtonmeter bei 3750 Umdrehungen pro Minute.[3]

Der höher verdichtete, 125 hp (127 PS, 93 kW) starke Motor Type 100C, der im 404 wahlweise zur Verfügung stand, wurde im 405 werksseitig nicht angeboten.[4] Allerdings war das per Hand zu schaltende Vierganggetriebe nun serienmäßig mit einem Overdrive von Laycock-de Normanville ausgestattet, das über einen Schalter am Armaturenbrett zu bedienen war.[5] Der Benzintank war über der Hinterachse angeordnet. Dies half dabei, die Gewichtsverteilung des Fahrzeugs zu verbessern wie auch das Volumen des Kofferraums zu vergrößern. Zudem war der Tank hier im Falle eines Unfalls vergleichsweise sicher untergebracht.

Der 405 Sports SaloonBearbeiten

Volumenmodell der 405-Reihe war der viertürige Sports Saloon. Sein Aufbau war, beginnend mit der A-Säule, eigenständig. Er wurde von einem Gerüst aus Eschenholz getragen, das an der B-Säule durch eine Stahlkonstruktion verstärkt war.[6] Die vier vorne angeschlagenen Türen waren schmal, konnten aber beinahe im Winkel von 90 Grad geöffnet werden. Die Dachlinie ging fließend in die Kofferraumhaube über. Die Heckscheibe war stark gebogen und sollte den Eindruck einer Panoramascheibe erwecken. Tatsächlich handelte es sich aber nicht um eine einteilige Scheibe; vielmehr war sie aus drei Elementen zusammengesetzt. Im Gegensatz zum 404 hatte der 405 einen separaten, von außen zugänglichen Kofferraum, der mit einem Volumen von über 501 Litern ungewöhnlich groß ausgefallen war.[7] Über den hinteren Kotflügeln trug der 405 Saloon kleine Heckflügel, die die Gestaltung des Bristol 404 wieder aufgriffen.

Die Sitze waren mit Leder bezogen. Im Fußraum war ein Wollteppich verlegt; das Armaturenbrett bestand aus poliertem Wurzelholz.

Der Motor vom Type 100B2 unterschied sich vom Modell 404 im Wesentlichen durch zwei dreiflutige Abgaskrümmer (anstelle eines sechsflutigen), die in zwei separaten Auspuffrohren mit relativ geringem Durchmesser mündeten (anstelle eines einzelnen Auspuffrohres mit größerem Durchmesser).[3]

Der 405 Sports Saloon wog fahrfertig 1330 kg. Mit der aerodynamisch günstigen Karosserie erreichte er eine Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h.[8]

Der Verkaufspreis des 405 Sports Saloon betrug im Oktober 1954 2250 £ zuzüglich einer nahezu fünfzigprozentigen „purchase tax“. Damit lag er preislich zwischen dem 100 £ günstigeren 403 und dem 100 £ teureren 404. Auf ähnlichem Preisniveau lag etwa der Alvis TC 108/G.

Bis 1958 entstanden 265 Exemplare des Sports Saloon.

Das 405 Drophead CoupéBearbeiten

 
Bristol 405 Drophead Coupé

Gleichzeitig mit dem Sports Saloon stellte Bristol im Herbst 1954 ein zweitüriges, knapp viersitziges 405 Cabriolet („Drophead Coupé“) vor, das das britische Karosseriewerk Abbott of Farnham mit Werksunterstützung[9] konstruierte. Anders als bei dem 404 Drophead Coupé, das Abbott 1953 auf der Basis des kurzen Sportwagens als Einzelstück produziert hatte, hatte das 405 Cabriolet den unverkürzten Standardradstand. Dadurch konnten die Türen breiter gestaltet werden. Stilistisch war auch das Heck des 405 Cabriolets eigenständig: Es war ein Stufenheck mit angedeuteten kleinen Heckflossen auf den hinteren Kotflügeln, sowie einen großen Kofferraumdeckel. Im geschlossenen Zustand schloss das Stoffverdeck unmittelbar an die Türen an; es gab keine hinteren Seitenscheiben. Der Antrieb des Drophead Coupé, der 100B-Motor, entsprach dem des Saloon.[10]

Der Verkaufspreis des Drophead Coupé war der gleiche wie der des Saloon.[11] Bis 1958 entstanden 43 Exemplare des 405 Drophead Coupé. In der Literatur wird bezweifelt, dass die Autos tatsächlich bei Abbott aufgebaut wurden. Stattdessen wird davon ausgegangen, dass Abbott nur das Auto konstruierte und den Prototyp herstellte, während die Serienfertigung an Tickford als Subunternehmer ausgelagert wurde.[12]

Wiederbelebung 2010Bearbeiten

2010 stellte Bristol auf Kundenwunsch ein 405 Drophead Coupé mit einem Stahlgerüst für die Karosserie her – anders als beim Originalfahrzeug der 1950er Jahre. Für das technisch modernisierte Fahrzeug verwendete Bristol unter anderem einen stark überarbeiteten Sechszylindermotor. Im gleichen Jahr entstand eine zweitürige Coupé-Version des 405 mit fest stehendem Metalldach. Eine solche Version hatte es während der Serienproduktion des 405 nicht gegeben.[13]

LiteraturBearbeiten

  • A four door saloon from Bristol: Vorstellung und technische Beschreibung in: Motor vom 6. Oktober 1954.
  • Next in Sequence: The Bristol 405. Vorstellung in technische Beschreibung in: Autocar vom 8. Oktober 1954.
  • Dean Bachelor, Chris Poole, Graham Robson: Das große Buch der Sportwagen; Erlangen 1990 (keine ISBN)
  • Simon Taylor: Soul Survivors. Markengeschichte zum 60. Firmenjubiläum von Bristol Cars mit kurzer Beschreibung der 405-Modelle in: Classic and Sports Car, Heft August 2006, S. 132 ff.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Bristol 405 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Technische Daten anhand des Portals Carfolio (englisch), abgerufen am 10. September 2010
  2. Motor vom 6. Oktober 1954.
  3. a b Motorenübersicht zu den Bristol-Sechszylinder-Modellen auf der Website des Bristol Owners Club (Memento des Originals vom 14. Mai 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.boc.net (englisch), abgerufen am 10. September 2010
  4. Motor vom 6. Oktober 1954.
  5. Autocar, 8. Oktober 1954.
  6. Autocar, 8. Oktober 1954.
  7. Im Verkaufsprospekt von 1955 wird das Volumen mit 17,7 Kubikfuß angegeben (1 Kubikfuß = 28,31 Liter).
  8. Bachelor, Robson, Poole, S. 99.
  9. Classic and Sports Car 8/2006, S. 139.
  10. Sports Car Annual 1956.
  11. Motor vom 6. Oktober 1954.
  12. Michael Palmer: Bristol Cars Model by Model, Crowood, 2015, ISBN 978-1-78500-077-5, S. 81.
  13. Kurze Beschreibung beider Fahrzeuge auf der Internetseite www.bristolcars.co.uk (abgerufen am 18. November 2010).