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Bröhan-Museum

Landesmuseum für Jugendstil, Art Deco und Funktionalismus (1889–1939)
Bröhan-Museum, Februar 2006

Das Bröhan-Museum – Berliner Landesmuseum für Jugendstil, Art déco und Funktionalismus – befindet sich im Berliner Ortsteil Charlottenburg. Es trägt den Namen seines Gründers, des Unternehmers und Kunstsammlers, Karl H. Bröhan (1921–2000). Anlässlich seines 60. Geburtstags schenkte Bröhan die Sammlung dem Land Berlin. 1983 wurde das Bröhan-Museum in den heutigen Räumen eröffnet, die zum Ensemble des Schloss Charlottenburg gehören und ursprünglich für das Garderegiment errichtet wurden. Seit 1994 ist es ein Landesmuseum.

Das Museum beherbergt eine einzigartige Sammlung von Jugendstil, Art Déco und Funktionalismus und der Kunst der Berliner Secession. Diese Kernkompetenzen werden in den Wechselausstellungen durch Themen der bildenden Kunst, der angewandten Kunst und des Designs von 1950 bis in die Gegenwart ergänzt.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Das Museum trägt den Namen seines Gründers Karl H. Bröhan. Der ausgebildete Großhandels- und Exportkaufmann sowie Inhaber einer zahnmedizinischen Großhandlung begann in den frühen 1960er Jahren Porzellane der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin des 18. Jahrhunderts zu sammeln. Diese bildet heute den Grundstock der Porzellansammlung des Belvedere im Schlosspark Charlottenburg.[1] Mitte der 1960er Jahre verlagerte sich sein Sammlungsinteresse auf die in Vergessenheit geratenen Kunstwerke des Jugendstils:

„Ich hatte bemerkt, dass in der Epoche um 1900 ein kaum bekannter Schatz lag, der nur darauf zu warten schien, gehoben zu werden.“[2]

Daraus entwickelte sich eine stetig wachsende Sammlung angewandter und bildender Kunst des Jugendstils, die später auch Werke des Art déco und Funktionalismus sowie Gemälde der Berliner Secession beinhaltete. 1973 eröffnete er in einer extra für seine Sammlung erworbenen Villa im Berliner Ortsteil Dahlem ein Privatmuseum und machte so die Sammlung erstmals der Öffentlichkeit zugänglich. Anlässlich seines 60. Geburtstags schenkte er die Sammlung dem Land Berlin. Am 14. Oktober 1983 bezog das Museum seinen heutigen Standort in der Schloßstraße 1a, ein zum Ensemble des Schloss Charlottenburg gehörendes ehemaliges Kasernengebäude. 1994 wurde das Bröhan-Museum ein Berliner Landesmuseum.

Wie zuvor sein Privatmuseum, leitete Karl H. Bröhan auch das Museum in Charlottenburg. Er erweiterte den Sammlungsbestand bis zu seinem Tod im Jahr 2000. Durch unerlässliche wissenschaftliche Dokumentation, Bearbeitung und Publikation in umfangreichen Bestandskatalogen ist der Sammler maßgeblich an der Wiederbelebung der Epoche zwischen 1889 und 1939 beteiligt.

Nach seinem Tod übernahm seine Frau Margrit Bröhan für drei Jahre die Leitung bis sie von der Kunsthistorikerin Ingeborg Becker abgelöst wurde. Seit 2013 ist Tobias Hoffmann Direktor des Bröhan-Museums. Zuvor leitete er das Museum für Konkrete Kunst in Ingolstadt. Mit dem Direktionswechsel wurde eine Modernisierung des Museumsprogramms angestrebt, das seither mit Ausstellungen wie zum Beispiel „Do It Yourself Design“ (2016) und „Kuss. Von Rodin bis Bob Dylan“ (2017) versucht, den historischen Sammlungsbestand mit Themen der Kunst und Gestaltung bis in die Gegenwart zu verbinden.

SammlungBearbeiten

Die Sammlung umfasst hauptsächlich Werke aus der Zeitspanne von 1889 bis 1939 und lässt sich in drei Bereiche einteilen: Jugendstil, Art déco/Funktionalismus und die Berliner Secession. Zum Sammlungsbestand gehören Porzellan, Glas, Keramik, Silber, Metall, Möbel, Teppiche, und Leuchten sowie Grafik und Gemälde.

Dem Museum stehen drei Geschosse für die Ausstellungspräsentation zur Verfügung. Neben Werken der Sammlung werden hier auch Leihgaben im Rahmen von Wechselausstellungen gezeigt. Die Geschosse und Räume werden regelmäßig, je nach Ausstellung, Themenkomplex und Raumbedarf, umgestaltet.

JugendstilBearbeiten

Die international bedeutende Jugendstilsammlung ist das Herzstück des Bröhan-Museums. Sie umfasst verschiedene nationale Ausprägungen der Stilrichtung, einschließlich der englischen Arts and Crafts Bewegung, dem französischen Art nouveau, dem deutschen und skandinavischen Jugendstil sowie der Wiener Secession. In der Sammlung vertretene Künstler sind zum Beispiel Hector Guimard, Henry van de Velde und Peter Behrens.

Besonders reich ist die Porzellansammlung mit Werken der wichtigsten Manufakturen aus Deutschland, Frankreich und Skandinavien, wie etwa die Königlichen Porzellan-Manufakturen Berlin, Meißen, Nymphenburg und Kopenhagen sowie die Manufacture nationale de Sèvres und den Porzellanfabriken Rörstrand und Bing & Grøndahl.

Die Glaskunst des Jugendstils ist durch Werke von Émile Gallé, Daum Frères et Cie und Johann Loetz Witwe repräsentiert.

Art déco und FunktionalismusBearbeiten

Die Stilrichtung des Art déco ist unter anderem mit französischen Möbelensembles von Jacques-Émile Ruhlmann, dem Hause Dominique und Süe et Mare in der Sammlung des Bröhan-Museums vertreten. Die Metallkunst findet Ausdruck in Schmiedearbeiten von Edgar Brandt und Silberarbeiten von Jean Puiforcat sowie Tétard Frères. Die Ausprägung des Stils in Deutschland zeigt sich in Keramiken der Haël-Werkstätte und Metallarbeiten der Reimann-Schule.

Führende Vertreter der funktionalistischen Gestaltung aus dem Umfeld des Deutschen Werkbundes – darunter Richard Riemerschmid, Bruno Paul, Hermann Gretsch und Wilhelm Wagenfeld – sind mit Möbeln, Grafik, Keramik-, Glas- und Metallarbeiten in der Sammlung vertreten und schlagen den Bogen vom Jugendstil zum modernen Industriedesign.

Berliner SecessionBearbeiten

Die Maler der Berliner Secession bilden den dritten Schwerpunkt in der Sammlung des Bröhan-Museums. Besonders groß sind die Werkkonvolute der Maler Hans Baluschek, Karl Hagemeister, Walter Leistikow und Willy Jaeckel. Weitere Secessionisten in der Sammlung sind Franz Skarbina, Lesser Ury und Martin Brandenburg. Anhand dieses Bestands lässt sich die Entwicklung vom Impressionismus und Symbolismus zum Expressionismus nachvollziehen. Letztere Stilrichtung ist unter anderem durch Wilhelm Kohlhoff und Bruno Krauskopf vertreten.

LiteraturBearbeiten

  • 30 Jahre Bröhan-Museum Berlin. Kunsthandwerk und Industriedesign. Passage-Verlag, Leipzig 2002, ISBN 3-9807894-2-X.
  • 25 Jahre Bröhan-Museum Berlin. Kunsthandwerk und Industriedesign. Bildergalerie. Passage-Verlag, Leipzig 1998, ISBN 3-932900-09-X.
  • Bröhan-Museum Berlin – Jugendstil – Art Déco – Funktionalismus. Prestel, München/ Berlin/ London/ New York 2006, ISBN 3-7913-3573-1.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. 30 Jahre Bröhan-Museum Berlin. Kunsthandwerk und Industriedesign. Bildergalerie. Passage-Verlag, Leipzig 2002, ISBN 3-9807894-2-X, S. 9.
  2. 25 Jahre Bröhan-Museum Berlin. Kunsthandwerk und Industriedesign. Bildergalerie. Passage-Verlag, Leipzig 1998, ISBN 3-932900-09-X, S. 8.

Koordinaten: 52° 31′ 7,6″ N, 13° 17′ 43,4″ O