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Berzdorfer See

See aus rekultiviertem Braunkohlentagebau

Der Berzdorfer See befindet sich an der südlichen Stadtgrenze von Görlitz in der Oberlausitz. Er besteht aus dem bis Anfang 2013 gefluteten Restloch des ehemaligen Braunkohletagebaus Berzdorf. Der See bildet den südöstlichen Eckpunkt des Lausitzer Seenlandes. Mit seinem Volumen von etwa 330 Mio. Kubikmetern und einer Wassertiefe von max. 72 Metern auf einer Fläche von 960 Hektar ist er einer der größten Seen in Sachsen.[1]

Berzdorfer See
Schönau-Berzdorf - Berzdorfer See (Aussichtsturm Neuberzdorfer Höhe) 05 ies.jpg
Geographische Lage Görlitz, Sachsen (Deutschland)
Zuflüsse künstlich durch Überleitungen aus der Lausitzer Neiße, Pließnitz und weiteren kleinen Zuflüssen
Abfluss künstlich durch Überleitung in die Lausitzer Neiße
Orte oder Städte am Ufer Görlitzer Ortsteile Hagenwerder, Klein Neundorf, Tauchritz sowie die Gemeinden Jauernick-Buschbach, Schönau-Berzdorf
Orte oder Städte in der Nähe Görlitz
Daten
Koordinaten 51° 5′ 24″ N, 14° 57′ 36″ OKoordinaten: 51° 5′ 24″ N, 14° 57′ 36″ O
Berzdorfer See (Sachsen)
Berzdorfer See
Höhe über Meeresspiegel 186 m ü. NHN
Fläche 960 hadep1
Volumen 330 Mio.dep1
Umfang 18 kmdep1
Maximale Tiefe 72 m

Besonderheiten

gefluteter Braunkohletagebau

GeographieBearbeiten

 
Luftbild des Sees mit Görlitz (links)
 
Berzdorfer See, Luftaufnahme (2019)

Der Berzdorfer See liegt mit etwa fünf Kilometern Länge und zwei Kilometer Breite an der südlichen Grenze der Stadt Görlitz in der Östlichen Oberlausitz. Die Görlitzer Ortsteile Hagenwerder, Klein Neundorf und Tauchritz sowie die Gemeinden Markersdorf und Schönau-Berzdorf auf dem Eigen grenzen an den ehemaligen Tagebau. Der Seewasserstand liegt auf 186 m ü. NHN.[2]

FreizeitangeboteBearbeiten

Das Regierungspräsidium Dresden hat einer saisonalen Nutzung des Tagebaurestgewässers mit Einschränkungen zugestimmt, seit August 2007 kann daher auf dem Berzdorfer See gesegelt werden. Der Zugang für Segler erfolgt über den Hafen Tauchritz und über die Slipbahn am Segelstützpunkt Blaue Lagune.[3][4]

GeschichteBearbeiten

Geschichte des TagebausBearbeiten

Die Lagerstätte ist ein tektonischer Lagerstättentyp. Das Becken ist ein tektonisch nordost-südwest gerichteter Graben, der an den Rändern durch zahlreiche Störungen mit unterschiedlichen Streichrichtungen begrenzt wird. Die Lagerstätte wurde im Pleistozän stark durch das Gletschereis beansprucht, was Auswirkungen auf die geomorphologischen und geologischen Eigenschaften des Beckens hatte.

Das Berzdorfer Kohleflöz weist auf deutscher Seite eine durchschnittliche Mächtigkeit von 80 Metern auf und hat eine Ausdehnung von etwa drei mal acht Kilometern. Im Vergleich dazu besitzen die Flöze der Niederlausitz eine Mächtigkeit von zehn Metern auf etwa hundert Kilometern Länge.

Um das Jahr 1835 begann südlich von Görlitz am Standort der ehemaligen Ortslage Berzdorf der Abbau von Braunkohle, damals noch in Schächten untertage.[5] 1919 wurde auf Tagebau umgestellt. Im Jahr 1927 wurde der Tagebau aus Gründen der Rentabilität geflutet. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1946 erfuhr der Tagebau eine Reaktivierung. Der Grundwassersee wurde trockengelegt und der Braunkohleabbau im Dreischichtsystem stark vorangetrieben.

Im Jahr 1958 wurde zur Nutzung der Braunkohle vor Ort das Kraftwerk Hagenwerder I in Betrieb genommen. Der Flächenbedarf für den Tagebau war groß: 1962 bis 1965 wurde der Ort Berzdorf nach Schönau-Berzdorf umgesiedelt. In diesen Jahren erfolgte bereits die Inbetriebnahme des Werks II, Werk III folgte 1970. So entwickelte sich der Tagebau zum Großtagebau, wobei Fördermengen von bis zu 7 Millionen Tonnen Braunkohle pro Jahr erreicht wurden. Technologisch löste der Förderbandbetrieb den aufwändigen Zugbetrieb ab und moderne Großbagger förderten bis zu 50.000 Tonnen Kohle pro Tag. Der Tagebau war während des Förderhöhepunkts in den 1980er Jahren Arbeitsplatz von rund 7.000 Menschen. 1988 musste auch der Ort Deutsch-Ossig dem Kohleabbau weichen.[6]

Nach über 150 Jahren Braunkohleabbau wurde im Dezember 1997 die Kohleförderung eingestellt. Es verblieb eine förderbare Braunkohlemenge von 60 Millionen Tonnen. Die Menge hätte in den veranschlagten 10 bis 15 Jahren eine Umrüstung des Kraftwerkes auf Entschwefelungstechnik notwendig gemacht. Dies wäre wirtschaftlich nicht tragbar gewesen.

Als technisches Denkmal dieser Zeit kann der Bagger 1452 besichtigt werden.

Entwicklung zum NaherholungsgebietBearbeiten

 
Verbliebener Förderturm am Seeufer
 
Badestrand am See

Durch die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft wurde die Bergbaufolgelandschaft in ein Naherholungsgebiet umgestaltet. Im Jahr 2002 wurde mit dem Fluten des Tagebaulochs mit Wasser aus der Pließnitz begonnen. Das Fluten aus der Neiße mit einer einen Kilometer langen Überleitung durch zwei 1,6 Meter dicke Rohre begann am 18. Februar 2004.[7] Der maximale Durchfluss betrug 10 Kubikmeter pro Sekunde. Abzweigwasser aus der Neiße kann ab einem Mindestdurchfluss der Neiße von 13,3 Kubikmetern pro Sekunde entnommen werden. Am 6. Februar 2013 teilte die LMBV mit, dass das Flutungsziel des Berzdorfer Sees (186 m NHN) erreicht wurde.[8] Als Bewirtschaftungs-Wasserstand gilt der Pegel von 186,2 m üb. NHN.[9]

Der See dient, wie viele andere ehemalige Tagebaurestlöcher, neben der optischen Landschaftsgestaltung der Freizeitnutzung. Im Süden wurde ein Bootshafen mit einer 150 Meter langen Kaimauer angelegt. An dem 18 Kilometer langen Seeuferweg gibt es mehrere Aussichtspunkte mit Informationstafeln, unter anderem bei Deutsch-Ossig und bei Klein Neundorf.

Der Badestrand am nördlichen Ufer (Nordost-Strand) ist seit Ende 2018 zugänglich. Die Badebereiche an der sogenannten Blauen Lagune an der Südseite sowie an der Ostseite in Hagenwerder wurden 2010 freigegeben.[10] Ein Golfplatz und ein Campingplatz befinden sich im Planungsstadium.

Im Jahr 2008 wurde am Westufer auf der Neuberzdorfer Höhe der über zwanzig Meter hohe Aussichtsturm Neuberzdorfer Höhe fertiggestellt.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Aktuelle Flutungsdaten. (Nicht mehr online verfügbar.) berzdorfersee.eu, archiviert vom Original am 26. März 2012; abgerufen am 16. Dezember 2011.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.berzdorfersee.eu
  2. Flutungsdaten. berzdorfersee-info.de, archiviert vom Original am 15. September 2010; abgerufen am 7. Februar 2013.
  3. Segeln am Berzdorfer See. segeln-am-berzdorfer-see.de, abgerufen am 15. April 2016.
  4. Curt Thomas Zimmer: Das erste Segelboot ist auf dem Berzdorfer See unterwegs. In: Sächsische Zeitung. 20. August 2007 (sz-online.de).
  5. Oberflächennahe Böschungssicherung in Tagebaufolge (PDF; 302 kB)
  6. Bewegte Geschichte. (Nicht mehr online verfügbar.) berzdorfersee.eu, archiviert vom Original am 26. März 2012; abgerufen am 16. Dezember 2011.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.berzdorfersee.eu
  7. Anett Böttger: Neiße speist jetzt Berzdorfer See. In: Sächsische Zeitung. 18. Februar 2004 (sz-online.de).
  8. Flutung erfolgreich beendet (Memento des Originals vom 23. Februar 2013 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.oberlausitztv.de, Oberlausitz TV, 6. Februar 2013
  9. Das östlichste, künstliche Revier, der Berzdorfer See erreicht seinen Zielwasserstand. In: Segler-Zeitung, Heft 4/2013, S. 92, Service-Verlag GmbH, Lübeck 2013, ISSN 0930-2891
  10. Ab in den Berzdorfer See! In: Sächsische Zeitung. 28. Juni 2011 (sz-online.de).

WeblinksBearbeiten