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Kirche mit Martinsloch (links oben) und Bergsturzstelle (links des Kirchturms)
Der Bergsturz von Elm, Holzstich von Paweł Boczkowski, 1881
Der Bergsturz von Elm nach Buss und Heim

Der Bergsturz von Elm vom 11. September 1881 war eine Naturkatastrophe im schweizerischen Elm im Kanton Glarus.

Inhaltsverzeichnis

VorgeschichteBearbeiten

Der Bergsturz wurde wesentlich durch den jahrelangen Schieferabbau mitbedingt: Der Elmer Schiefer war weich und eignete sich hervorragend zur Herstellung von Schreibtafeln und Griffeln. Als Mitte des 19. Jahrhunderts die allgemeine Schulpflicht eingeführt wurde, führte dies insbesondere in Deutschland zu einem deutlich höheren Absatz von Schreibtafeln. Der Abbau des Schiefers wurde in der Regel durch konzessionierte Unternehmen durchgeführt; jedoch beschlossen die Bürger Elms im Jahre 1878, den Abbau in die eigenen Hände zu nehmen.[1]

Im Bergbau unerfahrene, verarmte Bauern versprachen sich so schnellen Wohlstand. Durch ihre Tätigkeit wurde der Steilhang unterhalb des Plattenbergkopfes auf einer Breite von 180 Meter ungefähr 65 Meter tief untergraben. Schon im selben Jahr, 1878, hatten sich deshalb zunehmend Bewegungen im Berg bemerkbar gemacht. Eine noch kurz vor der Katastrophe wegen des sich häufenden Steinschlags und anderer massiver landschaftlicher Veränderungen angereiste Kommission konnte keine Veränderungen feststellen, die unmittelbare Gefahren zur Folge hätten.[2]

BergsturzBearbeiten

Das Getöse der Steinschläge, kleinerer Abbrüche und Spaltenbildungen wurden schon am Sonntagmorgen des 11. September 1881 im Gottesdienst der Kirche als störend empfunden. Dennoch verliess fast niemand die Gegend. Viele Menschen begaben sich sogar mit Absicht in das betroffene Gebiet oder bestiegen den gegenüberliegenden Düniberg, um eine noch bessere Aussicht zu haben.

Gegen Spätnachmittag des 11. September brachen nach zwei kleineren Vorstürzen in viertelstündigem Abstand rund 10 Millionen Kubikmeter Schiefergestein ab, stürzten in freiem Fall 400 bis 500 Meter zu Tal,[3] brandeten um die 100 Meter am gegenüberliegenden Düniberg empor[4] – wobei zahlreiche Zuschauer getötet wurden – um sich als zwei Kilometer langer Flachstrom in das Tal von Schwändi zu ergiessen. Dabei kamen 114 Menschen um, 83 Gebäude wurden vernichtet.[5] Insgesamt war eine Fläche von 90 Hektar zerstört und auch das Schieferbergwerk wurde vollständig vernichtet.

Verlauf und mögliche Ursachen des Bergsturzes wurden erstmals noch im selben Jahr vom Pfarrer Ernst Buss und dem Ingenieurgeologen Albert Heim in der Broschüre Der Bergsturz von Elm untersucht.[6]

LiteraturBearbeiten

  • Emil Zopfi: Kilchenstock. Der Bergsturz in den Köpfen. Limmat, Zürich 1996, ISBN 978-3-85791-275-7.
  • Franz Hohler: Die Steinflut. Eine Novelle. DTV, 2000, ISBN 978-3-42312-735-6. Der Roman hat den Bergsturz zum Hintergrund; er schildert die letzten zwei Tage vor der Katastrophe aus der Perspektive der siebenjährigen Katharina Rhyner-Disch (* 1874, † 1959). Sie verlor beim Unglück fünf Geschwister, eine Grossmutter und beide Elternteile.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. "Der Bergsturz von Elm", Webseite von Elm Tourismus. Abgerufen am 11. Oktober 2016.
  2. Karl Josef Witt (Hrsg.): Grundbau-Taschenbuch / Band I / Geotechnische Grundlagen, Verlag für Architektur und technische Wissenschaften GmbH & Co. KG, Berlin, 2008, S. 743
  3. Hans Georg Wunderlich: Einführung in die Geologie, Band I, Exogene Dynamik, Bibliographisches Institut Mannheim/Wien/Zürich, B.I.-Wissenschaftsverlag, Mannheim, 1968, S. 69
  4. Herbert Louis und Klaus Fischer: Allgemeine Geomorphologie, de Gruyter, Berlin, 4. Aufl., 1979, S. 154
  5. Hans Georg Wunderlich: Einführung in die Geologie, Band I, Exogene Dynamik, Bibliographisches Institut Mannheim/Wien/Zürich, B.I.-Wissenschaftsverlag, Mannheim, 1968, S. 69
  6. August Rothpletz: Der Bergsturz von Elm in der Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft, Band 33, Heft 4, 1881, S. 540–564

Koordinaten: 46° 54′ 47″ N, 9° 10′ 53″ O; CH1903: 732748 / 197257