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Bendicht Friedli (2014)

Bendicht Friedli (* 20. Mai 1930 in Bern; † 17. Oktober 2014 in Unterseen) und Bruder von Peter Friedli war ein Schweizer Maler und Arzt. Sein Werk umfasst vor allem Malerei und Zeichnungen.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Bendicht Friedli, auch genannt „Bänz“, wuchs in Bern auf, er besuchte dort die Schulen und die Universität. Der junge Bänz hatte eine aussergewöhnliche Begabung für das Zeichnen. Trotzdem entschied er sich für ein Medizinstudium. Hierbei kamen ihm seine Fähigkeiten des exakten Hinsehens und seine ruhige Hand zu Hilfe. 1955 schloss er das Studium mit dem medizinischen Staatsexamen ab. Während des Studiums lernte er den späteren Kunstsammler und Arzt Hans Suter kennen, der die Kunstsammlung Hans & Marlis Suter aufbaute, die sich heute im Höchhus in Steffisburg befindet. Mit Hans Suter und auch mit dessen Frau Marlis war er lebenslang durch eine tiefe Freundschaft verbunden. 1956 zog Bänz nach der Heirat mit seiner Frau Linette (geb. Richard) nach Unterseen. Von 1959 bis 1988 führte das Paar dort eine Arztpraxis für Allgemeinmedizin. Um 1962 begann ein freundschaftlicher Kontakt mit dem Maler-Paar Marguerite Frey-Surbek und Victor Surbek. Angeregt durch den Maler Hugo Wetli fand 1972 die erste Ausstellung in der Galerie Aarequai in Thun statt.[1]

Schon seit 1962 hatte Bänz ein eigenes Atelier, ab 1972 befand es sich im Alten Schulhaus Felden in Sigriswil. Um diese Zeit beschäftigte er sich auch mit Papierschnitten, die als stilistisches Element vor allem für das Spätwerk einen Einfluss haben sollten. Nach der Aufgabe der Arztpraxis widmete er sich ab 1988 ausschliesslich der Malerei.[2] 1989 erschien die erste Monographie von Peter Killer im Haupt-Verlag.[3] Die zweite Monographie kam 2000 heraus.[1] Zu beiden Büchern erschien eine Sonderedition in einer Auflage von 50 Stück mit einem Original-Gemälde in einer Acrylglas-Kassette.

Ab 1994 baute sich der Maler ein eigenes Atelier an seinem Wohnsitz in Unterseen. Dieser Ort ist heute die Adresse der Stiftung Linette und Bendicht Friedli, die seinen Nachlass verwaltet. Die Kunstsammlung Hans & Marlis Suter erwarb seit ihrem Bestehen mehr als 200 Werke von Bendicht Friedli und zeigte sie in zahlreichen Ausstellungen, zuerst im Wichterheergut in Oberhofen und später im Hochhüs in Steffisburg.[4] Die 18. Kunstausstellung 2009 in Trubschachen präsentierte Werke von Bendicht Friedli. Zu dieser Ausstellung stellte die Firma Kambly SA eine Keks-Schachtel vor, die mit einem Gemälde von Bendicht Friedli verziert war.[5]

Einen grossen Einschnitt stellte der Tod seiner Frau Linette dar. Bendicht verlor nicht nur seine geliebte Ehefrau, sondern auch seine wichtigste Gesprächspartnerin auf seinen zahlreichen Wanderungen in den Bergen. Während er bis dahin seine farbigen Gemälde fast immer auf weissem Papier anfertigte, wählte er danach nur noch schwarzes Papier oder schwarze Grundierungen als Untergrund. Die gemalten Kompositionen erhielten so durch die freigelassenen Flächen schwarze Umrahmungen, anlehnend an seine frühen Arbeiten mit Papierschnitten. Dies veränderte seinen Mal-Stil nochmals entscheidend. 2010 veranstaltete das Kunsthaus Interlaken eine grosse Ausstellung, bei der erstmals diese Bilder der Öffentlichkeit gezeigt wurden. Die letzte Ausstellung zu Lebzeiten fand im Sommer 2014 in Hondrich bei Spiez statt. Sie wurde von Käthi Wäfler-Beutler organisiert, die die Kammermusik-Konzerte in Hondrich viele Jahre leitete und mit der sich Bänz zuletzt angefreundet hatte. Die Kunstsammlung Kulturstiftung Unterseen KSU widmete im Herbst 2015 dem verstorbenen Maler eine Ausstellung. Sein Lebenswerk wird von der Linette und Bendicht Friedli Stiftung in Unterseen verwaltet.

WerkBearbeiten

Ab 1988 entwickelt Bendicht Friedli eine eigene und sehr farbige Bildsprache. Die rechteckigen Wolken oder auch andere stilistische Elemente sind zweifellos von Paul Klee inspiriert. Auch die typischen begrenzenden Umrahmungen der Farbflächen in den Werken von Fred Stauffer haben wohl einen Einfluss ausgeübt. Sein malerisches Werk geht aber immer von der eigenen, persönlichen Zeichnung aus. Der Ateliermaler sah sich nie als Landschaftsmaler, auch wenn die Berge und die Seen immer wieder vorkommen: „Das Atmosphärische hat mich nie sonderlich interessiert. Ich bin kein Plenairmaler und schon gar kein Impressionist...“[6] Bei seinen Werken stehen die individuelle Zeichnung und die expressive Farbgestaltung im Vordergrund und nicht die exakte Landschaftsdarstellung, aber gerade das verleiht der Komposition eine hohe Ausdruckskraft.

Viele Werke sind vom Rechtshänder mit der linken Hand gezeichnet oder gemalt. Sie tragen daher eine Signatur in Spiegelschrift. Sattes Ultramarin bildet gerne einen Farbe-an-sich-Kontrast gegen kräftiges Rot, Gelb, Grün oder Türkis. Einige der Acryl-Zeichnungen in monochromem Ultramarinblau sind manchmal sogar mit Arzt-Spritzen gemalt. Bevorzugte Motive sind Landschaften um den Thuner See mit Niesen oder Stockhorn, aber auch Katzen oder Blumen-Stillleben kommen immer wieder vor. Werke um 1980 wie Op-Art-Niesen erinnern noch an Pop-Art,[7] danach entstehen Farbkompositionen, teilweise als kräftig kolorierte Zeichnungen angelegt oder als farbige Gemälde, in denen sich die Form zugunsten der Farbe auflöst.

Das Acryl-Bild Weisse Wolke (1998) zeigt den Niesen in feurigem Rot, umrahmt von Linien in Ultramarinblau, vor einem violetten Himmel mit weisser Wolke.[8] Farblich ähnlich angelegt ist die Serigraphie „Roter Niesen“, die in einer Auflage von 120 Stück erschienen ist. Ein typisches Bild ist Sarnersee (1999): Der tiefblaue See wird von einer violettblauen Landschaft umrahmt, in der Flecken mit Orange, Grün oder Rot aufblitzen. Das Ultramarinblau bildet umrahmende Linien. Darüber steht ein hellgrüner Himmel mit farbigen Wölkchen. Durch das Kombinieren verschiedener Farbkontraste erreicht der Maler, dass der Betrachter in die Landschaft hineingezogen wird und die Tiefe des Sees schier unergründlich erscheint.[9]

Bendicht Friedli liebte seine Katzen. Das Motiv der auf dem Fensterbrett sitzenden Katze mit Niesenblick kommt immer wieder vor. In Eiger, Mönch und Jungfrau (2010) blitzen zwei türkisblaue Katzenaugen in dem unteren scherenschnittartigen Ornament hervor.[10] Bei den Bildern auf Schwarz in der späten Phase findet man sogar Grosskatzen: In Panther und Stockhorn (2014) sitzt ein schwarz-weiss gefleckter Panther vor dem Stockhorn, in Am Vreneli (2011) sitzt eine Katze vor dem Wetterhorn, das als magischer Berg stilisiert ist. Gezeigt wurden diese Bilder in Hondrich 2014 und posthum in Unterseen 2015. Die Raubkatzen verkörpern die fast unerschöpflichen Motivation, die selbst bei dem stark von der Krankheit gezeichneten Maler noch ungebrochen ist. Selbst in der Stunde des Todes arbeitet Bänz an einem Bild zum Brienzer See, es ist ein letzter Gruss an Victor Surbek.[11]

Ausstellungen (Auswahl)Bearbeiten

  • 1972 Galerie Aarequai, Thun (erste Einzelausstellung, noch mit Papierschnitten)
  • 1975 Galerie Zähringer, Bern (auch 1977, 1979, 1987 und 1992)
  • 1979 Galerie Aarequai, Thun
  • 1980 Château de Villa, Sierre
  • 1982 Teilnahme an der IV. Thuner Ausstellung, Kunstmuseum Thun (u. a. mit Paul Freiburghaus, Werner Fehlmann)
  • 1984 Kunstsammlung Steffisburg (mit Plakat, das vom Thuner Grafiker und Maler Knud Jacobsen gestaltet wurde)
  • 1986 Galerie Aarequai, Thun
  • 1991 Galerie Farb, Worb
  • 1994 1. Hondricher Kunstausstellung (auch an allen nachfolgenden)
  • 1997 Galerie Lotti Michel, Biel
  • 1998 Galerie Kunstsammlung, Unterseen
  • 1999 Teilnahme an der Ausstellung "Niesen", Kunstmuseum Thun [7]
  • 1999 Galerie Ramseyer & Kaelin, Bern (dort mehrere Ausstellungen, zuletzt 2007)
  • 2009 Teilnahme an der 18. Kunstausstellung Trubschachen
  • 2010 Einzelausstellung im Kunsthaus Interlaken [12][13]
  • 2011 Bendicht Friedli und Hans Suter, Wichterheergut Oberhofen[4]
  • 2014 Letzte Ausstellung in Hondrich (mit Käthi Wäfler-Beutler als Kuratorin)
  • 2015 Gedenkausstellung Bendicht Friedli Kunstsammlung Kulturstiftung Unterseen (zusammen mit Ueli Bettler)
  • 2017 Kunstmuseum Thun: "Bilder erzählen"; Gruppenausstellung mit drei Gemälden von Bendicht Friedli, u. a. Titelbild der Ausstellung und Plakat mit Bunte Kuh (1990)
  • 2018 S'Paradiesli in Sigriswil, Berge, Seen und Tiere, eine Ausstellung der Galerie Eulenspiegel (zusammen mit Regula Kaeser-Bonanomi)

Werke in Sammlungen (Auswahl)Bearbeiten

  • Kunstmuseum Thun
  • Kunsthaus Interlaken
  • Kunstverein Frauenfeld [14]
  • Kunstsammlung Hans & Marlis Suter, Steffisburg (mit über 200 Werken)
  • Stiftung Linette und Bendicht Friedli, Unterseen
  • Sammlung Rudi Bindella [15]

WeblinksBearbeiten

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Peter Killer: Bendicht Friedli, Zeichner und Maler, Stämpfli 2000.
  2. Hans Suter: Friedlis Werke strahlen weiter. Nachruf in der Berner Zeitung am 30.10.2016
  3. Peter Killer: Bendicht Friedli oder der Weg entsteht im Gehen, Haupt 1989.
  4. a b Einladung zur Vernissage der Kunstausstellung im Wichterheergut am 14. Mai 2011: Bendicht Friedli und Hans Suter – ein spannendes Gespann
  5. 2010 – Bendicht Friedli (CH) - Leben ist Farbe und Licht, sie leiten meine Arbeit. Künstlerportrait auf http://www.kambly.com/de/geschenke/800/2010-Bendicht-Friedli-CH.htm
  6. Killer, Peter und Stoll, Irene: Kunstsammlung Hans & Marlis Suter, Seiten 46, 48 und 227, Stämpfli 2005.
  7. a b Fischer, Matthias (Hg.): Der Niesen - ein Berg im Spiegel der Kunst, herausgegeben anlässlich der Ausstellung im Thuner Kunstmuseum, S. 74, Benteli 1998.
  8. Weisse Wolke abgebildet in Peter Killer: Bendicht Friedli, Zeichner und Maler, Seite 93, Stämpfli 2000.
  9. Sarnersee abgebildet in Peter Killer: Bendicht Friedli, Zeichner und Maler, Seite 35, Stämpfli 2000.
  10. Das Bild wurde im November 2016 beim Berner Auktionshaus Dobiaschofsky versteigert, abrufbar unter: http://www.artnet.com/artists/bendicht-friedli/eiger-m%C3%B6nch-und-jungfrau-AvVsWz9IGBRbei82gmpcEg2
  11. Ausgangspunkt war eine Lithographie von Victor Surbek, das Motiv wurde in Friedlis Gemälden aufgenommen, beispielsweise beim Bild mit Blick über den Brienzer See zum Niesen in Hommage an Victor Surbek (2006).
  12. Hinweis auf die Kunstausstellung im Archiv des Kunsthauses: http://kunsthausinterlaken.ch/archiv/
  13. Anne-Marie Günter: Die Welt ist Wind, ist Blum und Wellen, Beitrag in der Jungfrauzeitung, am 13.9.2010, abrufbar unter: http://www.jungfrauzeitung.ch/artikel/106230/
  14. Archiv des Kunstvereines, abrufbar unter: http://www.kunstverein-frauenfeld.ch/xml_1/internet/de/application/d25/f49.cfm
  15. Kunst schafft eine stille, wertvolle Energie, Beitrag im Tages-Anzeiger 9. Juni 2015, http://www.tagesanzeiger.ch/leben/essen-und-trinken/Kunst-schafft-eine-stille-wertvolle-Energie/story/11442997
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