Hauptmenü öffnen

Beat P. Kneubuehl

Schweizer Wissenschaftler

Beat Paul Kneubuehl (* 24. Juli 1944) ist ein Schweizer Mathematiker und Ballistiker.

LebenBearbeiten

Der Diplom-Mathematiker (Universität Bern) arbeitete von 1974 bis 2006 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet Ballistik in der Abteilung Ballistik/Schießversuche der Gruppe für Rüstung des Schweizer Verteidigungsministeriums. Hauptarbeitsgebiete: Flugbahnvermessung, Geschossaerodynamik, Außen- und Endballistik, ballistischer Schutz. Daneben interessierte sich Beat Kneubuehl früh für die Wundballistik, hier insbesondere für die physikalischen Vorgänge bei der Entstehung von Schussverletzungen. Als Gegner von Tierversuchen entwickelte er in Zusammenarbeit mit Ärzten des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) synthetische Körpermodelle für die Durchführung experimenteller Simulationen. Seine Arbeiten führten zu nachhaltigen Verbesserungen in der Beurteilung und Behandlung von Schuss- und Splitterverletzungen. Die wundballistischen Ergebnisse und die experimentelle Simulation fanden auch Eingang in die Kriminalistik. 1999 promovierte Kneubuehl zum Doktor der forensischen Wissenschaften (Universität Lausanne).[1]

Von 2007 bis Mitte 2014 leitete Beat Kneubuehl das Zentrum für Forensische Physik/Ballistik des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Bern. Seine Publikationen zählen zu den Standardwerken der Ballistik und der Wundballistik. Weitere Forschungen und Normungstätigkeit leitet er im Rahmen der internationalen Prüfstellenvereinigung VPAM in Zusammenarbeit mit dem Polizeitechnischen Institut der Deutschen Hochschule der Polizei.[2][3][4][5][6]

Im Oktober 2009 wurde der Ig-Nobelpreis für Frieden an Stephan Bolliger, Steffen Ross, Lars Oesterhelweg, Michael Thali und Beat Kneubuehl vergeben. Inhalt der ausgezeichneten Arbeit waren ballistische Untersuchungen über die Differenz von Aufprallwirkungen voller beziehungsweise leerer Bierflaschen.[7]

Im Jahre 2010 erhielt Kneubuehl die Ehrendoktorwürde der medizinischen Fakultät der Universität Bern, in erster Linie wegen des humanitären Potenzials seiner Arbeiten zur Physik der Schussverletzung.[1]

2014 wurde ihm mit Blick auf die forensischen Anwendungen seines Werkes der Konrad-Händel-Stiftungspreis der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin verliehen.[1]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Beat Kneubuehl (Hrsg.), Robin Coupland, Markus Rothschild, Michael Thali: Wundballistik. Grundlagen und Anwendungen. 3. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008, ISBN 978-3-540-79008-2.
  • Beat Kneubuehl: Geschosse. Band 1: Ballistik, Treffsicherheit, Wirkungsweise. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1994, ISBN 978-3-7276-7119-7.
  • Beat Kneubuehl: Geschosse. Band 2: Ballistik, Wirksamkeit, Messtechnik. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-7276-7145-9.
  • Beat Kneubuehl: Geschosse Gesamtausgabe. Ballistik, Messtechnik, Wirksamkeit, Treffsicherheit. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-613-30666-0.
  • Beat Kneubuehl: Das Abprallen von Geschossen aus forensischer Sicht, 1999, ISBN 978-2-940098-15-6.
  • Beat P. Kneubuehl: Ballistik, Theorie und Praxis, Springer Verlag Berlin, Heidelberg, 2018, ISBN 978-3-662-58299-2

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Curriculum Vitae B. P. Kneubuehl (Memento vom 9. Juni 2018 im Internet Archive)
  2. Bettina Jakob: Der Schuss auf den Seifen-Block. In: UniPress. 133/2007, S. 21–23 (Bericht über ballistische Versuche von Beat Kneubühl) (webarchiv, online PDF, eingesehen am 9. März 2018; 353 kB)
  3. Beat P. Kneubuehl: Probleme der Beschussprüfung – Lösungsvorschläge der VPAM (webarchiv, online PDF, eingesehen am 9. März 2018)
  4. VPAM: Über uns / Geschichte (Memento vom 9. Juni 2018 im Internet Archive)
  5. Polizeitechnisches Institut der Deutschen Hochschule der Polizei: Information zur Errichtung des PTI (Polizeitechnisches Institut) (Memento vom 26. April 2005 im Internet Archive)
  6. Beat P. Kneubuehl: Umfassende Publikationsliste (Memento vom 9. Juni 2018 im Internet Archive)
  7. Ig-Nobelpreis: The 2009 Ig Nobel Prize Winners (Peace Price) (Memento vom 7. März 2018 im Internet Archive), 2009 (engl.)