Bavaria Yachtbau

Luxusyachten
Bavaria Yachtbau GmbH

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Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 1978
Sitz Giebelstadt, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung Jens Abromeit COO, Ralph Kudla CRO/CFO, Michael Müller CEO
Mitarbeiterzahl ca. 525 (2019)
Umsatz 124 Mio. Euro (2010/11)[1]
Branche Schiffsbau
Website www.bavariayachts.com

Die Bavaria Yachtbau GmbH ist die größte Sportboot-Werft für Segel- und Motorboote in Deutschland mit Sitz in Giebelstadt, Bayern. Das Unternehmen beschäftigte in Giebelstadt bis zu 600 Mitarbeiter, kämpft aber seit 2008 mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Auf einer Grundfläche der Werft von 200.000 m² mit einer überdachten Hallenfläche für die Produktion von 70.000 m² können jährlich bis zu 1200 Motor- und Segelboote gefertigt werden.

UnternehmensgeschichteBearbeiten

Das Unternehmen wurde 1978 vom Fensterfabrikanten Winfried Herrmann und dem Yachtcharter-Vermittler Josef Meltl gegründet. Im Jahr 2006 beschäftigte es 600 Mitarbeiter und produzierte rund 3500 Segel- und Motoryachten. Damit war die Bavaria Yachtbau eines der größten Yachtbauunternehmen Europas und die größte Serienwerft Deutschlands. Im Bereich Yachten von 30 bis 55 Fuß zählt das Unternehmen zu den drei Weltmarktführern.[2]

Im Juni 2007 übernahm der US-Finanzinvestor Bain Capital das Unternehmen von den Gründern. Über den Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht, laut Presseberichten lag er bei 1,1 bis 1,3 Milliarden Euro und wurde zu Lasten des Unternehmens weitgehend fremdfinanziert. Im Zuge der Wirtschaftskrise ging der Umsatz des Unternehmens in den Jahren 2008 und 2009 von über 250 Millionen Euro auf rund 90 Millionen Euro zurück. Bain Capital gab im Oktober 2009 nach einem Entschuldungsschnitt die Kontrolle an die US-Hedgefonds Anchorage Advisors und Oaktree Capital Management ab, die jeweils 45 Prozent der Anteile übernahmen.[3]

Im Dezember 2010 wurde ein Vertrag zur Übernahme der italienischen Werft Cantiere del Pardo mit den beiden Marken Dufour und Grand Soleil unterzeichnet. Dies sollte zusätzliche Standbeine in Italien und Frankreich schaffen.[4] Trotz neuer Modelle war die Produktionskapazität zu diesem Zeitpunkt nur zu 30 Prozent ausgelastet, als Jahresziel wurde eine Fertigung von 1200 Booten angegeben. Angekündigt wurde auch, die zwei Jahre zuvor übernommene Marke Grand Soleil wieder zu verkaufen.[5] Im Juli 2014 übernahm Bavaria Yachtbau den französischen Katamaranhersteller Nautitech Catamarans. Damit erweiterte der heute zweitgrößte Hersteller der Welt für Segel- und Motoryachten Bavaria sein Produktportfolio von Einrumpf-Yachten auf den wachsenden Markt für Katamarane.[6]

Am 20. April 2018 beantragte das Unternehmen die Insolvenz, wobei die Produktion zunächst im Rahmen einer vorläufigen Eigenverwaltung weiter geführt wurde.[7][8] Im Oktober 2018 übernahm Capital Management-Partners GmbH (CMP) offiziell als neuer Finanzinvestor Bavaria.[9] Seit April 2018 hatte der Insolvenzverwalter einen neuen Investor für die Bavaria Yachtbau GmbH und Bavaria Catamarans Srl. (Rochefort / Frankreich) gesucht. Erst im letzten Moment vor dem endgültigen Aus für die Werft wurden Mitte September 2018 der Kaufvertrag mit CMP unterschrieben.[10]

ModellprogrammBearbeiten

Das Modellprogramm umfasst sowohl Segelyachten, Motorboote als auch seit dem Jahr 2014 Katamarane. Obwohl Bavaria Yachtbau als Segelboothersteller begonnen hat, sind heute auch die Motorboote sehr zahlreich verbreitet. Bavariayachten sind als typische Charteryachten im Segment der Mittelklasse aufgrund ihrer gutmütigen Segeleigenschaften[11] und des kostengünstigen Bereitstellungspreises für Fahrtensegler weit verbreitet.

Kielverlust einer Bavaria Match 42Bearbeiten

Im Jahr 2005 verlor eine Bavaria Match 42 in der Adria den Kiel. Dabei kam eine Person ums Leben. Über die technische Ursache des Unfalls herrscht bis heute Unklarheit. Bavaria Yachtbau ging gegen Teile der Berichterstattung über den Vorfall im Magazin Der Spiegel und in der Fachzeitschrift Yacht gerichtlich vor. Die entsprechenden Verfahren konnte die Werft aber nur zum Teil für sich entscheiden. Zusätzlich wurde die Zeitschrift Yacht mit einem Anzeigenboykott der Werft belegt.[12]

Im Nachgang wurde bei Schiffen des gleichen Typs auf Initiative und Kosten der Werft die Konstruktion der Kielaufhängung verstärkt.

WeblinksBearbeiten

Commons: Bavaria Yachten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Konzernumsatz 2010/11 der Bavaria Holdings GmbH, Giebelstadt; Konzernabschluss bei www.unternehmensregister.de hinterlegt
  2. Florian Langenscheidt, Bernd Venohr (Hrsg.): Lexikon der deutschen Weltmarktführer. Die Königsklasse deutscher Unternehmen in Wort und Bild. Deutsche Standards Editionen, Köln 2010, ISBN 978-3-86936-221-2.
  3. Millionenverzicht: US-Hedge-Fonds entschulden Bavaria Yacht. Presseartikel vom 4. Oktober 2009. FTD, archiviert vom Original am 6. Oktober 2009; abgerufen am 18. April 2013.
  4. Bavaria Yachtbau übernimmt Dufour und Grand Soleil; motorboot24.com, 8. Dezember 2010
  5. Dieter Wanke / Walter Wille: Viel investiert, kräftig verspekuliert, FAZ.net vom 17. August 2013.
  6. Bavaria & Nautitech, yacht.de, 28. Juli 2014.
  7. http://www.yacht.de/aktuell/panorama/bavaria-yachtbau-vor-dem-aus/a116720.html
  8. Fränkischer Bootsbauer Bavaria Yachts beantragt Insolvenz, Süddeutsche Zeitung, 20. April 2018
  9. Die neue Linie bei Bavaria. Abgerufen am 12. Februar 2019.
  10. Insolvenz ist abgewendet. Abgerufen am 16. September 2018.
  11. Testbericht zur Bavaria 50. (pdf) In: Seglerzeitung 4/2005. Archiviert vom Original am 29. September 2007; abgerufen am 18. November 2015.
  12. Bavaria nimmt Stellung zum Kielverlust. 6. Mai 2005. Abgerufen am 14. Januar 2017.