Bandstadt

Stadt mit im Vergleich zur Länge geringer Breite entlang einem Transportweg

Die Bandstadt ist eine Stadtanlage längs eines Transportweges (Schiene, Straße, Wasserweg) mit großer Länge, aber geringer Breite. Entwickelt wurde die Idee 1882 vom Spanier Arturo Soria y Mata als Reaktion auf die gravierenden Probleme, die durch die rasante Stadtentwicklung während der Industrialisierung entstanden waren. Seine Ideen werden häufig als Gegenthese zur Gartenstadt diskutiert, die annähernd zeitgleich in Großbritannien von Ebenezer Howard entwickelt wurde.

Plan einer Bandstadt von Arturo Soria y Mata

Im Grundprinzip ging es ihm um „(d)ie Verländlichung der Stadt und die Verstädterung des Landes“. Wohnsiedlungen, Arbeitsstätten und Zentren der Bandstadt sollten einander so zugeordnet sein, dass keine langen Pendlerwege entstehen, genügend freies Land und Erholungsraum vorhanden sind und überall genügend Dienstleistungen angeboten werden. Dies sollte erreicht werden, indem die einzelnen Stadtbereiche, Erholungsgebiete und Ackerflächen in Streifen parallel zu den Verkehrsadern angeordnet werden.

Seine erste lineare Stadt sollte zunächst die Satellitenstädte um Madrid miteinander verknüpfen. Später, stellte er sich vor, seien alle Städte der Welt miteinander verbunden. Verwirklicht wurde jedoch nur ein 5,2 km langes Teilstück im Osten Madrids. Die weitere Realisierung scheiterte am Mangel finanzieller Mittel.

Der russische Städteplaner Nikolai Alexandrowitsch Miljutin griff den Bandstadt-Gedanken nach Gründung der Sowjetunion wieder auf und verwirklichte ihn z. B. in Wolgograd und Magnitogorsk (Teile der Planung gehen auf den Frankfurter Architekten Ernst May zurück).

Infolge der Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs gab es Planungen, Städte als Bandstädte in aufgelockerten Formen wiederaufzubauen. Derartige Planungen wurden noch unter nationalsozialistischer Herrschaft für Stettin erstellt (entlang des Unterlaufs der Oder). Für das zerstörte Berlin plante Hans Scharoun unter Abriss der verbliebenen Reste den Wiederaufbau im Sinne einer aufgelockerten Stadtlandschaft, die sich als Siedlungsband im Tal der Spree entlangziehen sollte und damit die Gestalt einer Bandstadt angenommen hätte (Kollektivplan).

Als Bandstadt (linear city oder strip city) wird auch die planerische Grundkonzeption städtischer Agglomerationen in den USA bezeichnet, mit der man das Zusammenwachsen mehrerer Städte (Städteband) steuern will.

Typen und BeispieleBearbeiten

Reale Bandstädte unterteilen sich in zwei Typen:

  1. geplante Bandstädte, die recht selten Realität wurden und durch örtliche Bedingtheiten motiviert sein können. Für diesen Typ lässt sich Brasília als Beispiel nennen, allerdings ist die Agglomeration in der Entwicklung vom Ursprungstyp abgewichen. Ein weiteres Beispiel, jedoch durch die Lage bedingt, ist die Stadt Shenzhen in China, die als längliche Freihandelszone am nördlichen Rand der Grenze zu Hongkong als bandartige Agglomeration geplant wurde und in einer hybriden Entwicklung aus zentraler Planung und ungeregeltem Wachstum als ideales Band funktioniert.
  2. gewachsene Bandstädte, die durch natürliche orographische Gegebenheiten bedingt sind und die Qualitäten von Bandstädten gegebenenfalls zufällig aufweisen. Für diesen Typ kann als Beispiel die Talstadt Wuppertal genannt werden. Sie ist innerhalb des topographisch definierenden Talraums als funktionale, historische und soziale Einheit aus mehreren Stadteinheiten, vor allem Barmen und Elberfeld, zusammengewachsen und 1929 fusioniert worden. An diesem Beispiel lassen sich idealtypisch Chancen und Restriktionen der Bandstadt-Typologie ablesen. Freital bei Dresden ist ein kleineres Beispiel.

LiteraturBearbeiten

  • Elke Sohn: Zum Begriff der Natur in Stadtkonzepten: anhand der Beiträge von Hans Bernhard Reichow, Walter Schwagenscheidt und Hans Scharoun zum Wiederaufbau nach 1945. LIT, Münster 2008.
  • Gerhard Fehl, Juan Rodríguez-Lores: Die Stadt wird in der Landschaft sein und die Landschaft in der Stadt. Bandstadt und Bandstruktur als Leitbilder des modernen Städtebaus. Birkhäuser, Basel, Berlin, Boston 1997.
  • Hans Bernhard Reichow: Gedanken zur städtebaulichen Entwicklung des Groß-Stettiner Raumes. F. Hessenland, 1940.
  • Johann Friedrich Geist, Klaus Kürvers: Das Berliner Mietshaus: 1945 - 1989. Prestel, 1989.