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Sandbach (Acher)

rechter Nebenfluss der Acher im baden-württembergischen Landkreis Rastatt
(Weitergeleitet von Bühlot)
Sandbach
Oberlaufname: Bühlot
Sandbach im Mai 2013 in Vimbuch. Im Vordergrund der Sandbach-Flutkanal.

Sandbach im Mai 2013 in Vimbuch. Im Vordergrund der Sandbach-Flutkanal.

Daten
Gewässerkennzahl DE: 235728
Lage Nördlicher Talschwarzwald

Ortenau-Bühler Vorberge

Offenburger Rheinebene

Hardtebenen

Nördliche Oberrheinniederung


Baden-Württemberg

Flusssystem Rhein
Abfluss über Acher → Rhein → Nordsee
Quelle Nahe der Schwarzwaldhochstraße (B500) zwischen Hundseck und Unterstmatt
48° 38′ 22″ N, 8° 12′ 2″ O
Quellhöhe ca. 855 m ü. NN[LUBW 1]
Mündung Bei Iffezheim in die AcherKoordinaten: 48° 49′ 12″ N, 8° 7′ 25″ O
48° 49′ 12″ N, 8° 7′ 25″ O
Mündungshöhe 116 m ü. NN[LUBW 1]
Höhenunterschied ca. 739 m
Sohlgefälle ca. 25 ‰
Länge 29,2 km[LUBW 2]
Einzugsgebiet 120,845 km²[LUBW 3]
Abfluss am Pegel Altschweier[2]
AEo: 30,2 km²
Lage: 23,2 km oberhalb der Mündung
NNQ (1. August 1949)
MNQ 1941–2009
MQ 1941–2009
Mq 1941–2009
MHQ 1941–2009
HHQ (29. Oktober 1998)
26 l/s
121 l/s
743 l/s
24,6 l/(s km²)
13,9 m³/s
46,3 m³/s
Linke Nebenflüsse Grünebächle, Eichwaldbächle, Grautenbach, Kuhbach, Rohrgraben, Hardtgraben
Rechte Nebenflüsse Wiedenbach, Hirschbach, Liehenbach, Steinbach, Grünbach, Sinzheimer Dorfbach, Ooskanal

Der Sandbach ist ein Gewässer im baden-württembergischen Landkreis Rastatt und im Stadtkreis Baden-Baden. Von seiner Quelle läuft er als Bühlot nordwestlich im Nordschwarzwald, dann in der Oberrheinischen Tiefebene zunächst nordnordöstlich und später bis zu seiner Mündung wieder nordwestlich. Seine Mündung liegt gut 29 Kilometer unterhalb seiner Quelle bei Iffezheim, wo er von rechts kommend in den Altrheinzug genannten Unterlauf der Acher einmündet.

GeographieBearbeiten

VerlaufBearbeiten

Das Quellgebiet des Sandbachs liegt in der Nähe der Schwarzwaldhochstraße (B500) zwischen Hundseck und Unterstmatt am Hochkopf auf einer Höhe von circa 855 m ü. NN.

Der Sandbach fließt zunächst unter dem Namen Bühlot mit großem Gefälle nach Norden, wo mehrere kleine Bäche wie das Rotwässerle auf den Sandbach treffen. Bei der Einmündung des von Sand kommenden Wiedenbachs, der auch den Gertelbach mit den bei Wanderern sehr beliebten Gertelbachfällen als Zufluss hat, ändert der Sandbach seine Flussrichtung nach Nordwesten. Hier durchfließt er die Gemeinde Bühlertal, wo die von links kommenden Bäche Grünebächle und Eichwaldbächle sowie der von rechts kommende, Liehenbach und weitere kleine Bäche in ihn einmünden. Außerdem gibt es in Bühlertal das nach dem Lokalnamen des Sandbachs benannte Bühlot-Bad, das er teilweise unterquert.

Durch Altschweier schlägt die Bühlot einen Linksbogen und fließt nun bis an den Rand des geschlossenen Siedlungsbereichs von Bühl südwestlich, dann durch diesen nun unter dem endgültigen Namen Sandbach nach Westen. Am Stadtgarten in Bühl zweigt dabei ein kleiner Graben nach rechts ab, der Kirchgassgraben, der jedoch am Ortsende wieder zurückfließt. Kurz nach diesem Abzweig unterquert der Bach die Rheintalbahn. Hinter der Brücke der Bundesstraße 3 endet die Siedlungszone, der Sandbach wendet sich nach rechts und fließt in nordnordöstlicher Richtung weiter.

In Vimbuch zweigt der Sandbach-Flutkanal ab, der den Sandbach mit dem Scheidgraben verbindet. Bei Ottenhofen mündet der Rittgraben, der das Gewerbegebiet von Bühl sowie die Vorbergzone nördlich der Stadt entwässert. In Weitenung münden von rechts der Steinbach und der Grünbach und ein paar Kilometer weiter bei Kartung der Sinzheimer Dorfbach. Kurz nachdem der linke Teilungsarm Ooskanal der Oos ihn gespeist hat, unterquert er die Bundesautobahn 5 und fließt nach Nordwesten. In dieser Richtung läuft er noch ca. 4,6 km, bis er von rechts in den Altrheinzug genannten Unterlauf der Acher mündet. Kurz vor seiner Mündung wird der Sandbach vom Rheinniederungskanal unterquert.

ZuflüsseBearbeiten

Tabelle der Sandbach-Zuflüsse mit einem Einzugsgebiet über 4 km², des abzweigenden Sandbach-Flutkanals und des Sandbachs selbst. Mit Namen, Fließgewässerkennzahl (GKZ), Mündungsseite, Stationierung der Zuflussstelle (von der Mündung des Sandbachs selbst aufwärts gerechnet), Länge und Einzugsgebiet (EZG) nach den Daten der amtlichen Gewässerkarte. Orte und Höhen nach der amtlichen topographischen Karte. Nachweise für diese Übersicht sind im Hauptartikel.

f1  Karte mit allen Koordinaten der Übersicht: OSM

Bedeutende Zuflüsse und Abzweige des Sandbachs
Name GKZ Seite Stat.
m
Länge
km
EZG
km²
Mündung
 Ort
 
m ü. NHN
Ursprung
 Ort
 
m ü. NHN
Wiedenbach 235728-12 rechts 24.723 ca. 03,2 ca. 06,2 bei Bühlertal-Sickenwald 355 bei Sand 728
Hirschbach 235728-14 rechts 22.636 ca. 03,5 ca. 06,4 bei Bühlertal-Obertal 260 bei Schwanenwasen 635
Sandbach-Flutkanal 23579244 links 12.672 ca. 06,0 ca. bei Vimbuch 129 östlich von Schwarzach 123
Rittgraben 235728-18 rechts 11.402 ca. 03,4 ca. 09,0 bei Weitenung 126 westlich von Bühl 130
Steinbach 235728-2 rechts 10.771 ca. 09,0 ca. 15,1 bei Weitenung 127 beim Sollsberg 496
Grünbach 235728-4 rechts 09.717 ca. 07,5 ca. 12,1 bei Müllhofen 125 An der Lache 392
Stockmattengraben 235728-52 rechts 07.986 ca. 04,1 ca. 04,6 bei Halberstung 124 bei Ebenung 206
Sinzheimer Dorfbach 235728-54 rechts 06.065 ca. 04,5 ca. 04,5 bei Tiefenau 122 bei Vormberg 273
Ooskanal 235728-56 rechts 04.655 ca. 03,3 ca. 08,1 bei Kartung 122 in Oos 129
Schinlingraben 235728-6 links 03.129 ca. 06,7 ca. 17,8 im Hardtwald 122 bei Leiberstung 123
Sandbach 235728 ca. 29,2 ca. 120,8 bei Iffezheim 116 beim Pfrimmackerkopf 855

HochwasserschutzBearbeiten

Die hohe Sedimentfracht des Sandbachs führte beim niedrigen Gefälle des Flusses in der Oberrheinebene zu regelmäßigen Überschwemmungen. 1607 erließ eine vom badischen Markgrafen Georg Friedrich eingesetzte Kommission einen Schiedsspruch, der Streitigkeiten der Anliegergemeinden beenden sollte. Der Schiedsspruch regelte die „Bachputzete“, bei der 250 Menschen aus den Anliegergemeinden den Sandbach in Fronarbeit reinigten. In der Gegenwart wird der Sandbach von einem Abwasserzweckverband gereinigt und unterhalten.[3]

Vor 1934 mündete der Sandbach knapp vier Kilometer nördlich der heutigen Mündung bei Wintersdorf in den Rhein. Die Gemeinde Winterdorf verlor als Folge des Ersten Weltkrieges ihren Grundbesitz im Elsass und strebte seit 1922 eine Verlegung der Sandbachmündung an, um die landwirtschaftlich nutzbare Fläche in der Gemarkung ausweiten zu können. Das mitbetroffene Iffezheim scheute zunächst die hohen Kosten, stimmte jedoch der Verlegung der Mündung zu, nachdem 1931 ein Hochwasser des Sandbachs große Flächen überschwemmt hatte. Die Verlegung der Mündung wurde 1933 und 1934 als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme durchgeführt. Dabei wurde der Sandbach in der Rheinniederung eingedeicht.[4]

Im Lauf der Acher-Rench-Korrektion (Areko) ab 1936 begradigte man den Sandbach von der heutigen Unterquerung der neuen B3 bis zum Abzweig des Sandbach-Flutkanals. Der Sandbach-Flutkanal entstand ebenfalls während der Areko. Der Kanal ist für einen Abfluss von 35 Kubikmeter pro Sekunde dimensioniert und verbindet den Sandbach mit einem Hochwasserrückhaltebecken für 2,2 Millionen Kubikmeter Wasser[LUBW 4] im Abtsmoor.[5] Der Flutkanal überquert den Sulzbach, unterquert den Laufbach und mündet in den Scheidgraben.[LUBW 5]

Im Mai 1978 und im Oktober 1998 verursachten Hochwasser der Bühlot in der Bühler Innenstadt Schäden von mehreren Millionen DM. Die maximalen Abflüsse betrugen 46 und 47 Kubikmeter in der Sekunde. Die Abflusskapazität des Flussbettes in der Bühler Innenstadt konnte durch punktuelle Maßnahmen von 18 auf 31 Kubikmeter pro Sekunde erhöht werden. Der Bau eines Hochwasserrückhaltebeckens im Tal oberhalb von Bühl war aus ökologischen Gründen und wegen der Bebauung nicht möglich. Deshalb wurde zwischen 2009 und 2013 ein 1034 Meter langer Hochwasserentlastungstunnel gebaut, der vom Stadtteil Altschweier längs des Autobahnzubringers zum nördlichen Stadtrand von Bühl verläuft. Der Tunnel kann bei einer Höhe von 3,2 Meter und einer Breite von 3,5 Meter über 35 Kubikmeter pro Sekunde aufnehmen. An den Tunnel schließt sich eine Flutmulde an, die zum Steingraben führt. Der Steingraben entwässert über den Engert- und den Rittgraben in den Sandbach. Zwischen Flutmulde und Steingraben liegt der Einlass zum neuen Hochwasserrückhaltebecken Neumatt, das auf einer Fläche von 30 Hektar rund 437.000 Kubikmeter Wasser aufnehmen kann. Insgesamt wurden 18,5 Millionen Euro investiert, wovon das Land Baden-Württemberg 70 Prozent übernahm. Gleichwohl noch nicht vollständig fertiggestellt, wurde der Tunnel beim Hochwasser im Mai und Juni 2013 genutzt. Dabei war das Hochwasserrückhaltebecken Neumatt zu rund 30 Prozent gefüllt.[6]

NameBearbeiten

Der Name Bühlot (mhd. Bühelat) für den Oberlauf bis Bühl ist keltischen Ursprungs. Um das Jahr 1900 sagte man anstatt Bühlot auch Billot. „Lot“ bedeutet in der keltischen Sprache soviel wie fließendes Wasser und die Vorsilbe „Bil-“ könnte von der aus der nordischen Mythologie entstammenden Zwergin Bil abgeleitet sein. Andere Schreibweisen waren Büchelache, Bühelat, Bluewelbach, Bluwelat und Buhellat.[7]

EinzelnachweiseBearbeiten

LUBWBearbeiten

Amtliche Online-Gewässerkarte mit passendem Ausschnitt und den hier benutzten Layern: Lauf und Einzugsgebiet des Sandbachs
Allgemeiner Einstieg ohne Voreinstellungen und Layer: Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) (Hinweise)

  1. a b Höhe nach dem Höhenlinienbild auf dem Hintergrundlayer Topographische Karte.
  2. Länge nach dem Layer Gewässernetz (AWGN).
  3. Einzugsgebiet aufsummiert aus den Teileinzugsgebieten nach dem Layer Basiseinzugsgebiet (AWGN).
  4. Steckbrief HRB Abtsmoor bei der LUBW (abgerufen am 10. September 2019).
  5. Mündungsverhältnisse und Namen nach dem Layer Gewässernamen des Online-Kartenservers der LUBW.

Andere BelegeBearbeiten

  1. Heinz Fischer: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 169 Rastatt. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1967. → Online-Karte (PDF; 4,4 MB)
  2. Deutsches Gewässerkundliches Jahrbuch Rheingebiet, Teil I 2009 Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg ,S. 89, abgerufen am 22. Januar 2016 (PDF, deutsch, 1,85 MB).
  3. Kurt Hochstuhl: Iffezheim. Die Geschichte eines Dorfes am Rhein. Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2006, ISBN 978-3-89735-465-4, S. 37–39.
  4. Hochstuhl, Iffezheim, S. 39 f, 179.
  5. Josef Riegelsberger: Acher-Rench-Korrektion. In: Innenministerium Baden-Württemberg (Hrsg.): Wasserwirtschaft in Baden-Württemberg. Wasserversorgung, Abwasserbeseitigung, Flussbau, Talsperrenbau, landwirtschaftlicher Wasserbau, Verwaltung, Organisation. Verwaltungs-Verlag, München 1969, S. 146–152, hier S. 150;
    W. Schweinfurth, H. Klüver: Bühl. Naturraum und Siedlung. In: Landesarchivdirektion Baden-Württemberg (Hrsg.): Der Landkreis Rastatt. Thorbecke, Stuttgart 2002, ISBN 3-7995-1364-7, S. 381–400, hier S. 389.
  6. Michael Pfeiffer: Hochwasserschutz an der Bühlot. In: Stadt Bühl, Stadtgeschichtliches Institut (Hrsg.): Bühler Jahrbuch 2014. Seitenweise, Bühl 2014, ISBN 978-3-943874-10-5, S. 93–104;
    Michael Pfeiffer: Hochwasserschutzkonzept Bühlot – Tunnelbau für den Hochwasserschutz. In: WBW Fortbildungsgesellschaft für Gewässerentwicklung mbH (Hrsg.): Sicherheit von Hochwasserrückhaltebecken. Verantwortlichkeiten bei Betrieb und Überwachung, Wasserstands- und Abflussmessung, Stahlwasserbau. (=Erfahrungsaustausch Betrieb von Hochwasserrückhaltebecken in Baden-Württemberg, Band 15), Karlsruhe 2012, S. 88–95 (Download).
  7. Billot, Büllot oder Bühlot?. Abgerufen am 10. Januar 2015.

WeblinksBearbeiten