Angelika Hilbeck

deutsche Agrarökologin

Angelika Hilbeck (* 6. Dezember 1959[1]) ist eine deutsche[1] Agrarökologin. Sie forscht und lehrt am Institut für Integrative Biologie im Departement Umweltsystemwissenschaften der ETH Zürich. Ihr Arbeitsschwerpunkt sind die Auswirkungen von gentechnisch veränderten Pflanzen auf Ökosysteme.

WerdegangBearbeiten

Hilbeck schloss 1990 ein Diplomstudium der Agrarbiologie an der Universität Hohenheim ab. Sie promovierte 1994 in Entomologie an der North Carolina State University. Seit 2000 arbeitet sie am Institut für Integrative Biologie der ETH Zürich, wo sie sich 2005 habilitierte und dort die Forschungsgruppe Umweltbiosicherheit leitet.[1]

WirkenBearbeiten

Hilbeck befasst sich in Lehre und Forschung mit den Auswirkungen der grünen Gentechnik in Landwirtschaft, Nahrungsmittelproduktion und Umwelt. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist das Verhältnis von Biodiversität und transgenen Pflanzen.[1] Hilbeck war an der Implementierung des Cartagena-Protokolls zur Biosicherheit der UNO beteiligt. Aufgrund ihrer Erfahrungen in der internationalen Landwirtschaft und in der lokalen Situation von Kleinbauern wurde sie zur Mitarbeit am Weltagrarbericht (IAASTD 2008) berufen.[2] Hilbeck ist Stiftungsrätin bei Brot für alle und war Vorsitzende des European Networks of Scientists for Social and Environmental Responsibility (ENSSER), in dessen Vorstand sie weiterhin tätig ist.[3] Sie ist Mitglied des Beirats der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler.[4]

Hilbecks Forschung war immer wieder Angriffen betroffener Industrien ausgesetzt. So zeigte sie in ihrer Arbeit in den 1990er-Jahren auf, dass Bt-Mais zur Schädigung von Larven der Gemeinen Florfliege führen kann, woraufhin sie sich Anfeindungen des Unternehmens Ciba-Geigy ausgesetzt sah.[5] Hilbecks Fall führte zu einer Debatte über die Forschungsfreiheit an industriefinanzierten Instituten.[6]

In der öffentlichen Debatte um Auswege aus der Klimakrise setzt sich Hilbeck wegen deren Energieintensität und Umweltschädlichkeit für eine Abkehr von einer bestimmten Form der Intensivlandwirtschaft, die sie „industrielle Landwirtschaft“ nennt, und stattdessen wegen deren Beitrag zur Biodiversität für eine Zuwendung zu agrarökologischen Produktionssystemen ein.[7] In einem von ihr 2015 gemeinsam mit weiteren Wissenschaftlern, darunter Vandana Shiva, verfassten Beitrag, legte sie dar, dass es keinesfalls einen Konsens über die Sicherheit gentechnisch veränderter Organismen gibt.[8][9]

In Podiumsdiskussionen und als Gastautorin in Zeitungen bringt Hilbeck ihren Standpunkt zur Sicherheit grüner Gentechnik in die öffentliche Debatte ein.[10][11]

Veröffentlichungen (Auswahl)Bearbeiten

  • Angelika Hilbeck, Martin Baumgartner, Padruot M. Fried, Franz Bigler: Effects of transgenic Bacillus thuringiensis corn-fed prey on mortality and development time of immature Chrysoperla cornea (Neuroptera: Chrysopidae). In: Environmental Entomology. Band 27, Nr. 2, 1998, S. 480–487, doi:10.1093/ee/27.2.480.
  • Angelika Hilbeck, Rosa Binimelis, Nicolas Defarge, Ricarda Steinbrecher, András Székács, Fern Wickson, Michael Antoniou, Philip L. Bereano, Ethel Ann Clark, Michael Hansen, Eva Novotny, Jack Heinemann, Hartmut Meyer, Vandana Shiva, Brian Wynne: No scientific consensus on GMO safety. In: Environmental Sciences Europe. Band 27, Nr. 1, 2015, doi:10.1186/s12302-014-0034-1.
  • Angelika Hilbeck, Matthias Meier, Jörg Römbke, Stephan Jänsch, Hanka Teichmann, Beatrix Tappeser: Environmental risk assessment of genetically modified plants – concepts and controversies. In: Environmental Sciences Europe. Band 23, Nr. 1, 2011, S. 13, doi:10.1186/2190-4715-23-13.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d CV Angelika Hilbeck, Website der ETH Zürich (pdf)
  2. Jack Heinemann (Neuseeland), Tsedeke Abate (Äthiopien), Angelika Hilbeck (Schweiz), Doug Murray (USA): Biodiversität. In: Weltagrarbericht: Synthesebericht, Website der Hamburg University Press, S. 115f (pdf zum Herunterladen)
  3. H. Meyer, A. B. Heinrich: European Network of Scientists for Social and Environmental Responsibility (ENSSER). In: Umweltwissenschaften und Schadstoff-Forschung. Band 22, Oktober 2010, S. 513–516, doi:10.1007/s12302-010-0157-y.
  4. Dr. Angelika Hilbeck Biogramm auf der Webseite der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler, abgerufen am 18. Dezember 2018
  5. Danny Hakim: Scientists Loved and Loathed by an Agrochemical Giant. The New York Times, 31. Dezember 2016
  6. Die Grenze der Forschungsfreiheit. In Tages-Anzeiger vom 15. Januar 2017, abgerufen am 18. Dezember 2018
  7. Maria Mast: Wenn Klimaforscher die Welt regieren würden. Zeit Online Wissen, 11. Dezember 2018
  8. Angelika Hilbeck et al.: No Scientific Consensus an GMO Safety. In: Environmental Sciences Europe. Band 27, Nr. 1/2015, doi:10.1186/s12302-014-0034-1
  9. Profil Angelika Hilbeck. In: Genetic Literacy Project, Juli 2017
  10. Angelika Hilbeck und Hartmut Meyer: Die Risikoabschätzung gentechnisch veränderter Pflanzen ist unzureichend. In: Die Zeit vom 7. März 2012, abgerufen am 18. Dezember 2012
  11. Gentechnik: 30 Jahre leere Versprechen?. Zusammenfassung einer Podiumsdiskussion vom European Network of Scientists for Social and Environmental Responsibility (ENSSER), Zukunftsstiftung Landwirtschaft und Vereinigung Deutscher Wissenschaftler im September 2018, abgerufen am 18. Dezember 2018