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Das Amt Fürth war seit 1782 eine historische Verwaltungseinheit in Kurmainz, der Landgrafschaft Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und bis 1821 des Großherzogtums Hessen in dessen Provinz Starkenburg. 1821 ging das Amt Fürth in dem neu geschaffenen Landratsbezirk Lindenfels auf. Verwaltungssitz war Fürth im Odenwald.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Bereits vor Gründung des Amtes war Fürth Sitz eines Verwaltungs- und Gerichtsbezirks, der Zent Fürth, deren älteste Beschreibung aus dem Jahr 1603 stammt. Das „Amt Fürth“ (auch mit „Amtsvogtei Fürth“ bezeichnet) wurde 1782 anlässlich einer Umstrukturierung im Bezirk der Kurmainzer Amtskellerei Heppenheim, die zum Oberamt Starkenburg gehörte, gegründet. Mit der Umstrukturierung unterstanden dem „Oberamt Starkenburg“ die Unterämter Fürth, Heppenheim Bensheim und Lorsch. Des Oberamt wiederum war dem „Unteren Erzstifts“ des Kurfürstentums Mainz untergeordnet. Das „Amt Fürth“ umfasste die kurmainzischen Zente Fürth, Abtsteinach und Mörlenbach. Zwar blieb die Zentordnung mit dem Zentschultheiß formal bestehen, dieser konnte jedoch nur noch die Anordnungen der übergeordneten Behörden (Oberamt Starkenburg, Unteramt Fürth) ausführen. Aber auch der Burggraf der Starkenburg verlor bei dieser Umstrukturierung an Macht. Er war weiter Oberamtmann aber seine Befugnisse wurden Stark beschnitten in dem ihm ein Oberamtsverweser und ein Oberamtsrichter zur Seite gestellt wurden. Die Oberste Gerichtsbarkeit wurde jetzt vom Oberamtsrichter und den Amtskellnern zu Heppenheim und Bensheim als Beisitzer ausgeübt. Die Niedere Gerichtsbarkeit blieb bei den bestehenden Zentgerichten.

Das ausgehende 18. und beginnende 19. Jahrhundert brachte Europa weitreichende Änderungen. Als Folge der Napoleonischen Kriege wurde bereits 1797 das „Linke Rheinufer“ und damit der linksrheinische Teil von Kurmainz durch Frankreich annektiert. Als Friede von Lunéville wird der am 9. Februar 1801 in Lunéville zwischen Frankreich und Österreich unter dem römisch-deutschen Kaiser Franz II. unterzeichnete Friedensschluss bezeichnet der auch für das Heilige Römische Reich Deutscher Nation galt. Das Reich wurde zur Entschädigung der von den Gebietsverlusten betroffenen deutschen Fürsten verpflichtet, was 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluss umgesetzt wurde.

Der Reichsdeputationshauptschluss von 1803 verfügte die Überlassung des kurmainzischen „Oberamtes Starkenburg“ und anderer Gebiete an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt als Entschädigung für verlorene linksrheinische Territorien. Diese bildete das „Fürstentum Starkenburg“ in dem die alten und neuen landgräflich hessisch-darmstädtischen Gebiete östlich des Rheins und südlich des Mains zusammengefasst wurden. Die bestehen Ämter, so auch Fürth, wurden als hessische Amtsvogteien weitergeführt, während das „Oberamtes Starkenburg“ 1805 aufgelöst wurde.

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Fürstentum Starkenburg wurde das „Hofgericht Darmstadt“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Damit hatten die Zent und die mit ihnen verbundenen Zentgerichte endgültig ihre Funktion eingebüßt.

Am 14. August 1806, im Zuge der durch Napoleon I. vorangetriebenen Rheinbund-Gründung, erfolgte, gegen Stellung hoher Militärkontingente an Frankreich, für Hessen-Darmstadt die Erhebungen zum Großherzogtum Hessen, einhergehend war der Austritt Hessen-Darmstadts aus dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Das Ende des alten Reiches war durch den Reichsdeputationshauptschluss und die Gründung des Rheinbundes besiegelt und hörte mit der Niederlegung der Reichskrone am 6. August 1806 durch Kaiser Franz II. auf zu bestehen. Nach der endgültigen Niederlage Napoléons regelte der Wiener Kongress 1814/15 auch die territorialen Verhältnisse für Hessen, daraufhin wurden 1816 im Großherzogtum Provinzen gebildet. Dabei wurde das vorher als „Fürstentum Starkenburg“ bezeichnete Gebiet in „Provinz Starkenburg“ umbenannt.

Nachdem das Großherzogtum 1820 eine neue Verfassung erhalten hatte, wurde durch die Verwaltungsreform in den Jahren von 1821/22 zum ersten Mal eine Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung vorgenommen. Die standesherrlichen Rechte der Gerichtsbarkeit und Verwaltung blieben aber zum Teil noch bis 1848 erhalten. Für die Verwaltungsaufgaben wurden Landratsbezirke gebildet und die Orte des „Amtes Fürth“ wurden dem neu geschaffenen Landratsbezirk Lindenfels zugeteilt. Für die Gerichtsbarkeit in der ersten Instanz wurden Landgerichte installiert. Fürth wurde Sitz des neu geschaffenen Landgerichts Fürth dessen Amtsbereich deckungsgleich mit dem des Landratsbezirks Lindenfels war.

Umfang des AmtesBearbeiten

Als das „Amt Fürth“ 1803 an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt fiel, hatte es folgenden Umfang:[1]

  1. Die Zent Fürth mit den Orten: Fürth, Altlechtern, Brombach, Fahrenbach, Hiltersklingen (der kurmainzische Anteil Ober-Hiltersklingen), Kolenbach, Kreckelbach, Krumbach, Lörzenbach, Steinbach, Westschnitz
  2. Die Zent Mörlenbach mit den Orten: Mörlenbach, Groß- und Klein-Breitenbach, (Nieder-)Mumbach, Nieder- und Oberliebersbach, Schnorrbach, Weiher
  3. Die Zent Abtsteinach mit den Orten: Ober- und Unterabtsteinach, Flockenbach, Lörbach, Trösel, Gorxheim, Kunzenbach (Weiler in der Gemarkung von Gorxheim), Eichelsberg (Weiler in der Gemarkung von Flockenbach), das Gericht Hartenrod mit den Orten: Hartenrod, Aschbach, Dürrellenbach, Gadern, Kocherbach, Litzelbach und neun Höfe von Waldmichelbach

1812 kamen mit der Auflösung des ehemals Kurpfälzischen Oberamtes Lindenfels weitere Orte hinzu und andere Orte wurden dem neu gegründeten „Amt Waldmichelbach“ zugewiesen:

  • An das „Amt Waldmichelbach“: Mörlenbach, Groß- und Klein-Breitenbach, Nieder-Mumbach, Unter- und Ober-Liebersbach, Schnorrenbach, Weiher, Ober- und Unter-Abtsteinach, Ober- und Unter-Abtsteinach, Flockenbach, Löhrbach, Trösel, Gorxheim, Hartenrod, Aschbach (im Juli 1812)[2], Dürrellenbach (im Juli 1812)[2], Gadern

Im Neueste lȧnder- und völkerkunde: Ein geographisches lesebuch für alle stȧnde von 1823 wurde der Umfang des Amtes wie folgt beschrieben[3]:

  • »Amt Fürth auf dem Odenwald mit 1 Stadt, l Marktflecken, 43 Ortschaften 875 H. 6,549 E.«
  • »Lindenfels, Stadt, in einem Thale, mit 2 Kirchen, 78 H. u. 558 E. Dabei eine verfallene Burg auf einem Berge.«
  • »Fürth Marktflecken und Amtssitz.«
  • »Dörfer: Brombach, Crumbach (Krumbach), Fahrenbach, Hintersklingen (Hiltersklingen), Colmbach (Kolmbach), Kröckelbach, Weschnitz, Loyenbach (Lörzenbach), Steinbach, Schlierbach, Ellenbach, Erlenbach, Eulsbach, Glattbach, Lautenweschnitz, Linnenbach, Seidenbach, Seidenbuch, Winkel, Hammelbach, Alfolterbach (Affolterbach) und Ulfen, Grassellenbache (Gras-Ellenbach), Kocherbach, Litzelbach, Oberscharbach, Unterscharbach, Wahlen, Pfaffenbeerfurt.«

LiteraturBearbeiten

  • Helfrich Bernhard Wencks: Hessische landesgeschichte, mit einem urkundenbuch und geographischen charten, Band 1, Darmstadt und Giesen 1783 (online bei google books)

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 412 (online bei Google Books).
  2. a b c d e Verordnungen und Verfügen des Großherzogtums Hessen 1812 im Band 3 von Sammlung der in der Grossherzogl. hessischen Zeitung Seite 87 (online bei Google Books)
  3. Neueste lȧnder- und völkerkunde: Ein geographisches lesebuch für alle stȧnde, Im verlage des geographischen instituts, Weimar 1823