Alois Maria Haas

Schweizer Germanist, Philosoph, Literaturwissenschaftler und Mystikforscher
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Alois Maria Haas

Alois Maria Haas (* 23. Februar 1934 in Zürich) ist ein Schweizer Germanist, Philosoph, Literaturwissenschafter und Mystikforscher. Bis zu seiner Emeritierung im Herbst 1999 lehrte und forschte er als Professor an der Universität Zürich.

Leben und AusbildungBearbeiten

Alois Maria Haas wuchs als drittes von vier Kindern eines Bäckermeisters auf. Er besuchte von 1949 bis 1955 das Gymnasium des Benediktinerklosters Engelberg. Ab 1955 studierte er Germanistik, Philosophie und Geschichte an Universitäten von Zürich, Berlin, Paris und München. Während seines Studiums absolvierte er zwei Jahre Militärdienst in der Schweiz. Seine Habilitation in Germanistik erfolgte 1969. Seit 2000 ist er verheiratet mit der Psychotherapeutin Paula Arvio-Haas.

LehrtätigkeitBearbeiten

1969 bis 1971 war Haas ausserordentlicher Professor an der McGill University in Montreal, anschliessend ausserordentlicher und ab 1974 ordentlicher Professor am Lehrstuhl für «deutsche Literaturgeschichte von den Anfängen bis 1700» in Zürich.

DenkenBearbeiten

Alois Haas befasste sich jahrzehntelang mit der abendländischen Spiritualitätsgeschichte und religionsphilosophischen Fragen. Seit einigen Jahren beschäftigt er sich mit der theistischen und atheistischen Mystik.[1] Als katholischer Intellektueller ist er bemüht, sich einen Reim auf die Unsicherheit zu machen, die heute unsere geistigen Inspirationen aufs Absolute beherrscht. Nach seiner Erfahrung gibt es kein Dunkel ohne Licht, das Dunkel ist selber Licht, das sich in Lebenswirklichkeiten erahnen lässt.[2] Vom Suhrkamp-Verlag wird er als «der unbestrittene Meister der sogenannten Deutschen Mystik» bezeichnet.[3]

SchriftenBearbeiten

Alois Maria Haas veröffentlichte Bücher und über 200 Artikel, Aufsätze und Beiträge in wissenschaftlichen Publikationen. Mehrere seiner Bücher wurden in andere Sprachen übersetzt.

BücherBearbeiten

  • Parzivals tumpheit bei Wolfram von Eschenbach. Schmidt, Berlin 1964.
  • Nim din selbes war: Studien zur Lehre von der Selbsterkenntnis bei Meister Eckhart, Johannes Tauler und Heinrich Seuse. Uni-Verlag, Freiburg i. Ü. 1971.
  • Das «Einig Ein»: Studien zu Theorie und Sprache der deutschen Mystik. Uni-Verlag, Freiburg i. Ü. 1980, ISBN 3-7278-0221-9.
  • Christus in uns: Mystische Strömungen von Angelus Silesius bis Tersteegen. Evangelische Akademie Baden, Karlsruhe 1983, ISBN 3-88450-046-5.
  • Geistliches Mittelalter. Uni-Verlag, Freiburg i. Ü. 1984, ISBN 3-7278-0306-1.
  • Deum mistice videre … in caligine coincidencie: Zum Verhältnis Nikolaus’ von Kues zur Mystik. Helbing und Lichtenhahn, Frankfurt 1989, ISBN 3-7190-1051-1.
  • Die dunkle Nacht der Sinne: Leiderfahrung und christliche Mystik. Patmos, Düsseldorf 1989, ISBN 3-491-77786-0.
  • Todesbilder im Mittelalter: Fakten und Hinweise in der deutschen Literatur. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1989, ISBN 3-534-06719-3.
  • Gottleiden – Gottlieben: zur volkssprachlichen Mystik im Mittelalter. Insel, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-458-16009-4.
  • Sermo mysticus: Studien zu Theologie und Sprache der deutschen Mystik. Uni-Verlag, Freiburg i. Ü. 1989, ISBN 3-7278-0189-1.
  • Eckardus Theutonicus, homo doctus et sanctus: Nachweise und Berichte zum Prozess gegen Meister Eckhart. Uni-Verlag, Freiburg i. Ü. 1992, ISBN 3-7278-0773-3.
  • Theologia deutsch: «Der Franckforter»/(Johannes de Francfordia). Johannes, Freiburg i. B. 1993, ISBN 3-89411-279-4.
  • Meister Eckhart als normative Gestalt geistlichen Lebens. Johannes, Freiburg i. B. 1995, ISBN 3-89411-141-0.
  • Kunst rechter Gelassenheit: Themen und Schwerpunkte von Heinrich Seuses Mystik. Lang, Berlin, Bern 1996, ISBN 3-906756-82-3.
  • Der Kampf um den Heiligen Geist – Luther und die Schwärmer. Uni-Verlag, Freiburg i. Ü. 1997, ISBN 3-7278-1114-5.
  • Schwierige Frauen – schwierige Männer in der Literatur des Mittelalters. Lang, Berlin, Bern 1999, ISBN 3-906760-45-6.
  • Mystik – Überlieferung – Naturkunde: Gegenstände und Methoden mediävistischer Forschungspraxis. Olms-Weidmann, Hildesheim 2002, ISBN 3-487-11805-X.
  • Nietzsche: Zwischen Dionysos und Christus. Einblicke in einen Lebenskampf. DreiPunktVerlag, Wald/Zürich 2003, ISBN 3-905409-06-2.
  • Mystik im Kontext. Fink, München 2004, ISBN 3-7705-3693-2.
  • Mystik als Aussage: Erfahrungs-, Denk- und Redeformen christlicher Mystik. Mit einem Namen- und Sachregister von Louise Gnädinger. Verlag der Weltreligionen, Frankfurt, Leipzig 2007, ISBN 978-3-458-72003-4.
  • «… das Letzte unserer Sehnsüchte erlangen.» Nikolaus von Kues als Mystiker. Trierer Cusanus Lecture. Paulinus, Trier 2008, ISBN 978-3-7902-1482-6.
  • Wind des Absoluten: Mystische Weisheit der Postmoderne? Johannes, Freiburg i. B. 2009, ISBN 978-3-89411-409-1.
  • Meister Eckhart – der Gottsucher. Aus der Ewigkeit ins Jetzt. (zusammen mit Thomas Binotto) Kreuz, Freiburg i. Ü. 2013, ISBN 978-3-45161-230-5.
  • Mystische Denkbilder. Johannes, Freiburg i. Br. 2014, ISBN 978-3-89411-423-7

Als HerausgeberBearbeiten

  • Johann Fischart: Flöh Hatz, Weiber Tratz. Reclam, Stuttgart 1967.
  • Johann Fischart: Das Glückhafft Schiff von Zürich. Reclam, Stuttgart 1967.
  • Abraham a Sancta Clara: Wunderlicher Traum von einem großen Narrennest. Reclam, Stuttgart 1969.
  • Andreas Gryphius: Catharina von Georgien. Reclam, Stuttgart 1975, ISBN 3-15-009751-7.
  • Jan van Ruusbroec: Die Zierde der geistlichen Hochzeit. Johannes, Einsiedeln 1987, ISBN 3-265-10321-8.
  • Nikolaus von Kues: Vom Sehen Gottes. Ein Buch mystischer Betrachtung. Artemis, Zürich 1987, ISBN 3-7608-0728-3.
  • Johannes Tauler: Predigten. Band I und Band II. Johannes, Einsiedeln 1987, ISBN 3-89411-275-1.
  • Studienausgabe Hans Urs von Balthasar. Johannes, Einsiedeln 1998. (9 Publikationen)

ReihenBearbeiten

  • 1990–2000: Herausgeber der Nova Acta Paracelsica. Band 6–14. Lang, Bern.
  • Deutsche Literatur von den Anfängen bis 1700. Band 1–38. Lang, Bern.
  • Studien zur Germanistik, Anglistik und Komparatistik. Bouvier, Bonn.

EhrungenBearbeiten

  • 1978: Dr. theol. h. c. von der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg (Schweiz)
  • 1988–1989: Fellow am Wissenschaftskolleg Berlin
  • 1989–2000: Präsident der Schweizerischen Paracelsus-Gesellschaft
  • 1979: Ehrengabe der Literaturkommission des Kantons Zürich
  • 1996: Ehrengabe der Literaturkommission der Stadt Zürich
  • Ehrenpräsident der Hans Urs von Balthasar-Stiftung
  • 2009: Dr. h. c. der Universität Pompeu Fabra, Barcelona
  • 2015: Zeno Karl Schindler-Preis / SAGG-Preis für deutsche Literaturwissenschaft

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Kommentar zum Buch «Nietzsche: zwischen Dionysos und Christus»
  2. Kommentar Haas’ zum Buch «Wind des Absoluten»
  3. Vorstellung des Buches «Gottleiden – Gottlieben» (Memento des Originals vom 14. Juli 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.suhrkamp.de (PDF; 326 kB)