Alois Lindner

deutscher Attentäter

Alois Lindner (* 14. August 1887 in Kelheim; † nach 1943) war ein deutscher Arbeiter, der im Februar 1919 ein Attentat im bayerischen Landtag beging.

LebenBearbeiten

Der gelernte Metzger und Koch wurde nach dem Sturz der Monarchie 1918 Mitbegründer des Revolutionären Arbeiterrats in München. Nachdem am 21. Februar 1919 die Nachricht vom Mord an dem bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner (USPD) durch den völkisch-rechtsextremen Attentäter Anton Graf von Arco auf Valley den im Landtagsgebäude tagenden Revolutionären Arbeiterrat erreicht hatte,[1] stürmte Lindner kurz nach 11 Uhr[2] bewaffnet in die konstituierende Sitzung des neugewählten Landtags, die der Alterspräsident Eugen Jäger leitete. Er streckte den politischen Rivalen Eisners, den Innenminister Erhard Auer (SPD), den er als Drahtzieher dieses Verbrechens sah, mit einem gezielten Schuss nieder.[3] Der Major Paul Ritter von Jahreiß versuchte Lindner aufzuhalten und wurde von ihm getötet;[3][4] Auer überlebte schwer verletzt. Ob die Kugel, die während des Tumults den Landtagsabgeordneten Heinrich Osel tödlich traf, ebenfalls aus Lindners Waffe stammte, konnte nicht geklärt werden, da gleichzeitig von der Besuchergalerie herab ein Unbekannter in das Plenum feuerte.[3] Lindner entkam und flüchtete nach Ungarn, wurde jedoch noch im selben Jahr in Österreich festgenommen und ausgeliefert.

Am 15. Dezember 1919 wurde er vom Volksgericht München wegen versuchten Totschlags und erschwerten Totschlags zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt.[4] Von seiner Strafe musste er acht Jahre in Straubing absitzen. Als im Oktober 1927 aus Anlass des 80. Geburtstags des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg 71 politische Gefangene begnadigt wurden, war Lindner nicht unter ihnen. Erst nach einer Kampagne der Roten Hilfe Deutschlands, die von zahlreichen Intellektuellen unterstützt wurde und neben vielen anderen auch seiner Freilassung galt,[1][5] kam er im Zuge der Koch-Amnestie vom 14. Juli 1928 frei.

Anfang der 1930er-Jahre emigrierte er in die Sowjetunion, kämpfte in der Roten Armee und arbeitete für die KPdSU bis 1941 in Moskau als „Agitator“. 1943 verlieren sich seine Spuren in Kalinin.

WerkeBearbeiten

  • Abenteuerfahrten eines revolutionären Arbeiters. Neuer Deutscher Verlag, Berlin 1924.[6]

LiteraturBearbeiten

  • Friedrich Hitzer: Anton Graf Arco. Das Attentat auf Kurt Eisner und die Schüsse im Landtag. Knesebeck & Schuler, München 1988, ISBN 3-926901-01-2.
  • Norman Dankerl: Alois Lindner. Das Leben des bayerischen Abenteurers und Revolutionärs. Lichtung, Viechtach 2007, ISBN 978-3-929517-79-8 (Leseprobe [abgerufen am 30. April 2013]).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Erich Mühsam: Wir geben nicht auf! Texte und Gedichte. Hrsg.: Günther Gerstenberg (= Edition Monacensia). Allitera, München 2003, ISBN 3-8330-8007-8, S. 159 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. Das Landtagsprotokoll vermerkt: „Nunmehr fallen Schüsse.“ „Alles verläßt den Saal.“ und „Schluß der Sitzung um 11 Uhr 13 Minuten“: Verhandlungen des Bayerischen Landtags 1919–1933. I. Band. Stenographische Berichte zu den öffentlichen Sitzungen 1919 Nr. 1–27. München 1919, Erste öffentliche Sitzung. Freitag, den 21. Februar 1919, S. 2 (online [abgerufen am 30. April 2013]).
  3. a b c David Clay Large: Hitlers München. Aufstieg und Fall der Hauptstadt der Bewegung. C.H.Beck, München 1998, ISBN 3-406-44195-5, S. 137 (amerikanisches Englisch: Where Ghosts Walked. Munich’s Road to the Third Reich. Übersetzt von Karl Heinz Siber).
  4. a b Dankerl: Alois Lindner. 2007, Vorwort (online [abgerufen am 30. April 2013]).
  5. Rote Hilfe Deutschlands (Hrsg.): Namentliche Liste der nicht amnestierten proletarischen politischen Gefangenen. Nach dem Stand vom 31. Oktober 1927. Berlin 1927 (Online [PDF; 1,6 MB; abgerufen am 15. Juli 2012]).
  6. DNB 574621342