Aligarh-Bewegung

Die Aligarh-Bewegung (engl. Aligarh Movement) ist eine politische Strömung, die von der muslimischen Elite des indischen Subkontinents ausging und auf eine Emanzipation der muslimischen Massen durch eine moderne Ausbildung abzielt. Sie entstand im 19. Jahrhundert, insbesondere mit der Gründung des Mohammedanischen Englisch-Orientalischen Colleges (Muhammedan Anglo-Oriental College, kurz: MAO College) im Jahr 1875, der späteren Muslimischen Universität Aligarh (Aligarh Muslim University).[1]

Königin-Victoria-Tor der Aligarh Muslim University

Die Bewegung hat ihren Namen von dem College in der Stadt Aligarh (ca. 100 km südöstlich der indischen Hauptstadt Neu-Delhi) in den Vereinigten Provinzen von Agra und Avadh (United Provinces of Agra and Oudh), wo sie entstand.

Der Reformer Syed Ahmad Khan (1817–1898), der Gründer des Muslimischen Anglo-Oriental College, war von großem Einfluss auf die muslimische Partei der All India Muslim League,[2] er war eine der Hauptfiguren der Bewegung wie auch für die Urdu-Bewegung (Urdu movement). Die Aligarh-Bewegung ist somit ein Vorläufer der Pakistan-Bewegung (Tehrik-i Pakistan), die in den 1940er Jahren darauf abzielte, einen Staat für Muslime in Indien zu etablieren. Auch Maulana Hali (1837–1914), Syed Ameer Ali (1849–1928), Shibli Numani (1857–1914), Ziauddin Ahmad (1878–1947) und Zakir Husain (1897–1969) waren bedeutende Persönlichkeiten der Aligarh-Bewegung.[3]

Der mit Syed Ahmad Khan befreundete britische Orientalist Thomas Walker Arnold (1864–1930) lehrte am MAO College.[4]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Ashraf Faruqi: European involvement in the Aligarh movement: the role and influence of the European faculty in the social and political aspects of the Mohamedan Anglo-Oriental College, 1875–1920, Ph.D. thesis, Duke University, 1978
  • Tariq Hasan: The Aligarh Movement and the Making of the Indian Muslim Mind, 1857–2002. 2006 (Buchhandelslink)
  • Shan Muhammad (Hrsg.): The Aligarh Movement – Basic Documents. Meenakshi Prakashan, Meerut 1978 (Teil-Digitalisat; Bibliothekslink)
  • Jamal Malik: Islamische Gelehrtenkultur in Nordindien. 1997 (Online-Teilansicht)
  • Barbara Daly Metcalf: Islamic Revival in British India. Deoband, 1860–1900. Princeton 1982
  • Margrit Pernau: Bürger mit Turban. Muslime in Delhi im 19. Jahrhundert. 2008 (Online-Teilansicht)
  • Urdu-Literatur. 1991. Haus der Kulturen der Welt (Online-Teilansicht)
  • Werner Ende, Udo Steinbach, Renate Laut (Hrsg.): Der Islam in der Gegenwart. 2005 (Online-Teilansicht)
  • Surjit Mansingh: Historical Dictionary of India. 2nd ed., 2006 ("Aligarh Movement", S. 49–51 Online-Teilansicht)

WeblinksBearbeiten

Einzelnachweise und FußnotenBearbeiten

  1. Das All-Indian Muhammadan Anglo-Oriental College, kurz MAO College, war zunächst Jungenschule und College, um engagierte Muslime nach westlichen Lehrplänen auszubilden. 1920 wurde es Universität, und 1938 wurden Frauen an einigen Fakultäten zugelassen. (vgl. Historical Dictionary of Islam. Second Edition. Ludwig W. Adamec Historical Dictionaries of Religions, Philosophies, and Movements, No. 95) The Scarecrow Press, Inc. Lanham, Maryland • Toronto • Plymouth, UK 2009 (Digitalisat)
  2. vgl. IRIB: "Die Mitglieder der Muslim League waren hauptsächlich Leute, die der Aligarh-Bewegung, welche in Zusammenarbeit mit Kapitalinhabern und Großgrundbesitzern gegründet worden war, nahestanden. Die Muslim League hat eine wichtige Rolle bei der Teilung Indiens und der Gründung von Pakistan am 14. August 1947 gespielt." Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (96) (Sendemanuskript des Rundfunks der Islamischen Republik Iran vom 1. September 2014)
  3. Eine umfangreiche Auflistung verschiedener Amts- und Würdenträger der Bewegung bietet die Webseite aligarhmovement.com.
  4. Der Verfasser von The preaching of Islam: a history of the propagation of the Muslim faith. Westminster 1896, A. Constable & Co. (vgl. Sir Thomas Walker Arnold Aligarh Movement Digitalisat)