Aileu (Verwaltungsamt)

in Osttimor
Verwaltungsamt Aileu
Tal von Aileu
Verwaltungssitz Aileu
Fläche 320,99 km²[1]
Einwohnerzahl 24.049 (2015)[1]
Sucos Einwohner (2015)[1]
Aissirimou 2.206
Bandudato 1.138
Fahiria 1.823
Fatubossa 2.033
Hoholau 1.365
Lahae 698
Lausi 1.420
Lequitura 2017 von Lausi abgetrennt
Liurai 4.122
Saboria 781
Seloi Craic 3.585
Seloi Malere 4.878
Übersichtskarte
Verwaltungsgliederung der Gemeinde Aileu bis 2015
Aileu (Verwaltungsamt) (Osttimor)
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Aileu (Aileu Vila) ist ein osttimoresisches Verwaltungsamt (portugiesisch Posto Administrativo) in der Gemeinde Aileu. Hauptstadt von Verwaltungsamt und Gemeinde ist Aileu im Suco Seloi Malere.[2]

GeographieBearbeiten

 
Nahe der Kirche Aileu

Bis 2014 wurden die Verwaltungsämter noch als Subdistrikte bezeichnet.

Das Verwaltungsamt Aileu liegt im Südwesten der Gemeinde Aileu. Im Norden grenzt das Verwaltungsamt Aileu an das Verwaltungsamt Laulara, im Nordosten an Remexio, im Osten an Lequidoe, im Südosten an die Gemeinde Ainaro mit dem Maubisse und im Westen an die Gemeinde Ermera mit den Verwaltungsämtern Letefoho, Ermera und Railaco. Vor der Gebietsreform 2015 hatte Aileu eine Fläche von 251,48 km².[3] Nun sind es 320,99 km². Gebiete wurden an Letefoho abgegeben, die Grenze zu Lequidoe wurde teilweise neugezogen und von Railaco wurden Territorien Aileu zugeschlagen.[1]

Bei der Gebietsreform 2003 wurden die Sucos Besilau, Fatubesi, Hohulu, Hurai Raco, Laclo, Lequitura und Sarin aufgelöst, 2017 aber Lequitura von Lausi wieder abgetrennt, sodass das Verwaltungsamt Aileu nun aus zwölf Sucos besteht: Aissirimou (Aisirimou), Bandudato (Bandudatu), Fahiria, Fatubossa (Fatubosa), Hoholau, Lahae, Lausi, Lequitura, Liurai (Suco Liurai, Suku Liurai), Saboria, Seloi Craic (Seloi Kraik) und Seloi Malere.

EinwohnerBearbeiten

Im Verwaltungsamt Aileu leben 24.049 Einwohner (2015), davon sind 12.539 Männer und 11.510 Frauen. Die Bevölkerungsdichte beträgt 74,9 Einwohner/km².[1] Die Mehrheit der Bevölkerung spricht die Nationalsprache Mambai. Der Altersdurchschnitt beträgt 18,0 Jahre (2010,[3] 2004: 16,8 Jahre[5]).

GeschichteBearbeiten

 
Gedenkstätte an die Opfer der japanischen Besatzung in Aileu
 
Feierlichkeiten im Lager in Aileu zum 25. Geburtstag der FALINTIL (2000).
 
Kirche von Aileu

Südlich vom Ort Aileu lag das Reich von Dailor, eines der vielen traditionellen Reiche Timors, die von einem Liurai regiert wurden. Es erscheint auf einer Liste von Afonso de Castro, einem ehemaligen Gouverneur von Portugiesisch-Timor, der im Jahre 1868 47 Reiche aufführte.[6][7] Im Januar 1894 schloss Dailor mit Portugal einen schriftlichen Vertrag über seinen Vasallenstatus gegenüber der Kolonialmacht.[8]

1903 scheiterte in Aileu ein Aufstand gegen die Kolonialherren. Im Januar 1912 diente der Ort als Basis der Portugiesen bei der Niederschlagung der Rebellion von Manufahi.[8]

Zwischen 1942 und 1945 besetzten die Japaner Portugiesisch-Timor. Am 20. August 1942 wurde der Ort Aileu von 300 Colunas Negras, timoresischen Verbündeten der japanischen Invasoren, besetzt. Am 31. August töteten sie fünf portugiesische Soldaten und vier weitere Portugiesen, Beamte und Missionare. Japan schob diesen, wie auch andere Vorfälle, auf „eine Gruppe Westtimoresen“, die sich im Osten ansiedeln wollten und von Portugiesen misshandelt worden wären.[8][9]

Aileu war bereits im Bürgerkrieg in Osttimor 1975 eine Hochburg der FRETILIN. Hierher zog sich auch die Führung nach der indonesischen Invasion von Dili zurük, bis auch Aileu am 31. Dezember 1975 von den Indonesiern überrannt wurde. Zuvor hatte die FRETILIN in Aileu etwa 22 Gefangene aus dem Bürgerkrieg exekutiert.[10]

In Aileu, Banderahun und Fatubossa gab es Ende 1979 indonesische Lager für Osttimoresen, die zur besseren Kontrolle von den Besatzern umgesiedelt werden sollten.[11]

Anfang September 1999 wurden während der indonesischen Operation Donner Einwohner verschiedener Sucos von der AHI-Miliz (Aku Hidup dengan Integrasi/Indonesia) aus ihrem Heim vertrieben. Die Dörfer wurden systematisch zerstört und die Häuser niedergebrannt. Indonesisches Militär und die Milizionäre fuhren ab dem 4. September herum und erschossen Nutztiere. Am selben Tag wurden die Einwohner von Fatubossa, Hoholete und Liclaucana (Suco Fatubossa) gezwungen ihr Heim zu verlassen. In der Stadt Aileu wurden sie auf Lastwagen verladen und nach Atambua im indonesischen Westtimor deportiert. Am 5. September wurde Aissirimou zerstört, am 6. September Seloi Malere, am 7. September Saboria, am 8. September Liurai und am 9. September Hoholau.[11]

Kämpfer der osttimoresischen Widerstandsbewegung FALINTIL wurden in Aileu von 2000 bis Februar 2001 kaserniert, nachdem die Vereinten Nationen die Verwaltung im Land übernommen hatten. Später begannen 600 der Kämpfer dort mit einer Ausbildung zu Soldaten der neuen Verteidigungskräfte Osttimors.

PolitikBearbeiten

 
Administrator Marcos dos Santos (2013)

Der Administrator des Verwaltungsamts wird von der Zentralregierung in Dili ernannt. Im Februar 2014 war dies Marcos dos Santos.[12][13]

WirtschaftBearbeiten

82 % der Haushalte in Aileu bauen Mais an, 80 % Maniok, 72 % Kaffee, 77 % Gemüse, 39 % Reis und 23 % Kokosnüsse.[14]

WeblinksBearbeiten

Commons: Aileu – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Direcção-Geral de Estatística: Ergebnisse der Volkszählung von 2015, abgerufen am 23. November 2016.
  2. Jornal da República: Diploma Ministerial n.o 24/2014 de 24 de Julho – Orgânica dos Postos Administrativos (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive)
  3. a b Direcção Nacional de Estatística: 2010 Census Wall Chart (English) (Memento vom 12. August 2011 im Internet Archive) (PDF; 2,5 MB)
  4. a b Seeds of Life
  5. Direcção Nacional de Estatística: Census of Population and Housing Atlas 2004 (Memento vom 13. November 2012 im Internet Archive) (PDF; 13,3 MB)
  6. TIMOR LORO SAE (Memento vom 20091217210557)
  7. East Timor – PORTUGUESE DEPENDENCY OF EAST TIMOR (Memento vom 21. Februar 2004 im Internet Archive)
  8. a b c Geoffrey C. Gunn: History of Timor. (Memento des Originals vom 24. März 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/pascal.iseg.utl.pt Technische Universität Lissabon (PDF-Datei; 805 kB)
  9. Kisho Tsuchiya: Indigenization of the Pacific War in Timor Island: A Multi-language Study of its Contexts and Impact, S. 13, Journal War & Society, Vol. 38, No. 1, Februar 2018.
  10. „Part 3: The History of the Conflict“ (PDF; 1,4 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  11. a b „Chapter 7.3 Forced Displacement and Famine“ (Memento vom 28. November 2015 im Internet Archive) (PDF; 1,2 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  12. Descentralização Administrativa na República Democrática de Timor-Leste: Aileu Vila, abgerufen am 7. Februar 2014
  13. Ministério da Administração Estatal: Administração Municipal (Memento vom 1. Juni 2016 im Internet Archive)
  14. Direcção Nacional de Estatística: Suco Report Volume 4 (englisch) (Memento vom 9. April 2015 im Internet Archive) (PDF; 9,4 MB)

Koordinaten: 8° 43′ S, 125° 34′ O