ČSD M 290.001 und 002

ČSD M 290.001-002
M 290.002 vor dem Tatra-Museum in Kopřivnice (2004)
M 290.002 vor dem Tatra-Museum in Kopřivnice (2004)
Nummerierung: M 290.001-002
Anzahl: 2
Hersteller: Tatra Kopřivnice
Baujahr(e): 1936
Ausmusterung: 1953/1960
Achsformel: (1A)' (A1)'
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Puffer: 25.100 mm
Höhe: 3.665 mm
Breite: 2.850 mm
Drehzapfenabstand: 18.500 mm
Drehgestellachsstand: 4.150 mm
Leermasse: 36,0 t
Dienstmasse: 42,58 t
Radsatzfahrmasse: 9,0 t
Höchstgeschwindigkeit: 130 km/h
Installierte Leistung: 2×123 kW
Raddurchmesser: 920 mm
Brennstoffvorrat: Benzin
Motorentyp: 2 × Tatra 67
Leistungsübertragung: elektromechanisch System Sousedík
Tankinhalt: 2 × 220 l
Zugbremse: pneumatisch System Knorr
Handbremse
Sitzplätze: 72
Stehplätze: 0
Klassen: nur 2. Klasse

Die M 290.001 und 002 waren Motortriebwagen der Tschechoslowakischen Staatsbahnen (ČSD) für den Fernverkehr. Tatra bezeichnete die Fahrzeuge als Tatra 68. Sie kamen von 1936 bis 1939 auf der Expressverbindung Slovenská Strela (deutsch: Slowakischer Pfeil) von Prag nach Bratislava zum Einsatz. Obwohl in der Nachkriegszeit andere Züge diese Verbindung bedienten, prägten diese Fahrzeuge diesen Zuglauf derart, dass heute noch die Baureihe mit Slovenská Strela gleichgesetzt wird.

GeschichteBearbeiten

 
Werbepostkarte für die neue Zugverbindung aus dem Jahr 1936.

Eingesetzt wurden die Fahrzeuge als Expressverbindung zwischen Prag und Bratislava als Slovenská Strela. Diese Strecke wurde in den 1930er Jahren fahrplanmäßig in 4 Stunden und 28 Minuten zurückgelegt.

Mit Kriegsbeginn im Jahre 1939 wurden die Fahrzeuge abgestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Zug für Regierungs- und Ministerienfahrten, so zum Beispiel für die Fahrten zum Nürnberger Prozess, benutzt.[1] Kurzzeitig wurden die Züge auch auf der regelmäßigen Verbindung Prag-Ostrava und Prag–Karlovy Vary eingesetzt.

Die als besonders luxuriös geltenden Züge passten nach dem Februarumsturz 1948 nicht mehr in das Bild des sozialistischen Eisenbahnverkehrs, da sie zu wenige Sitzplätze hatten. Wagen M 290.001 wurde 1953 abgestellt und nach Šumperk überführt. Später wurde er bei Vagónka Tatra in Studénka auf dem Werksgelände abgestellt, um restauriert zu werden. 1960 brannte er aus. M 290.002 diente bis 1960 gelegentlich für Fahrten der Regierung und kam, falsch als M 290.001 bezeichnet, später ins Werksmuseum von Tatra Kopřivnice.

Am 8. Januar 2010 beschloss die Regierung der Tschechischen Republik die Aufnahme des Fahrzeuges in die Liste der Nationalen Kulturdenkmäler zum 1. Juli 2010.[2]

Nachdem der Triebwagen über Jahre vor dem Museum unter einer einfachen Überdachung im Freien stand und durch Witterungseinflüsse bereits stark beschädigt war, wurde er im August 2018 abtransportiert. In Hranice na Moravě soll das Fahrzeug für 35 Millionen Kronen (etwa 1,4 Millionen Euro) instand gesetzt und wieder betriebsfähig hergerichtet werden. Nach Fertigstellung der Arbeiten in etwa zwei Jahren soll der „Pfeil“ im Tatra-Museum in Kopřivnice, in einem neuen Außengebäude vor Witterungseinflüssen geschützt, wieder präsentiert werden.[3][4]

Technische MerkmaleBearbeiten

 
Im Großraumabteil konnten sich 72 Fahrgäste setzen. Der Wagen war aufgeteilt in einen Raucherabteil mit 40 und Nichtraucherabteil mit 32 Sitzen. Es gab nur die 2. Wagenklasse. In einer kleinen Küche konnten kleinere Gerichte zubereitet werden, die den Fahrgästen am Platz serviert wurden.

Neuartig war die antriebstechnische Lösung der Triebwagen nach dem System des Ingenieurs Sousedík. Bei niedrigen Geschwindigkeiten wurde die Leistung der beiden Ottomotoren zum größten Teil elektrisch übertragen, ab einer Geschwindigkeit von über 85 km/h mechanisch. Dazu war jeder der Motoren direkt mit dem – sich drehenden – Stator eines Generators verbunden, dessen Rotor zusammen mit einem zusätzlichen Elektromotor über ein Getriebe auf die Antriebsachse wirkte.

Bei niedrigen Geschwindigkeiten oder im Stillstand ist die Drehzahldifferenz zwischen Stator und Rotor des Generators und die dadurch erzeugte elektrische Leistung hoch. Sie wird über den Elektromotor an die Achse übertragen. Mit zunehmender Geschwindigkeit nimmt sie ab, weil die Drehzahl des Rotors zunimmt und er deshalb mehr Leistung direkt mechanisch überträgt. Bei 85 km/h wird der Generator durch eine Kupplung überbrückt.

Die Antriebseinheiten waren in den Drehgestellen untergebracht.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: CS Class M 290.0 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Legendární motorový expres Slovenská strela byl výkladní skříní ČSD In: technet.idnes.cz, 13. Juli 2016 (tschechisch, Legendärer Motorschnelltriebwagen Slovenska strela war der [Paradezug] der Tschechoslowakischen Staatsbahn)
  2. Regierungsinformat auf www.vlada.cz
  3. Vlak Slovenská strela odcestoval z Kopřivnice na kompletní opravu. In: ceskenoviny.cz, 31. August 2018 (tschechisch, Zug Slovenská strela ist aus Kopřivnice für eine Komplettinstandsetzung abgereist.)
  4. Zeitungsbericht über die Aufarbeitung des M 290.0, veröffentlicht auf www.k-report