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Wilhelm von Zimmern

Nachfolger des Chronisten der Zimmerischen Chronik, Graf Froben von Zimmern
Im Atrium heroicum Caesarum ist Graf Wilhelm verzeichnet und in einem Kupferstich aus der Werkstatt des Dominikus Custos abgebildet.

Graf Wilhelm von Zimmern (* 1549 in Meßkirch; † 1594 in Padua) war der einzige männliche Nachfolger des Chronisten der Zimmerischen Chronik, Graf Froben von Zimmern. Er gilt als letzter der Grafen von Zimmern.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Als abzusehen war, dass die Ehe kinderlos bleiben wird, erhielt Graf Wilhelm hohe Ämter am Hofe des Erzherzogs Ferdinand II. von Tirol auf Schloss Ambras bei Innsbruck.

Hierzu gibt es eine hilfreiche Quelle, die Chronik des Pfarrers Köhler zur Geschichte der Stadt Oberndorf am Neckar von 1836. (Zitat in Originalschreibweise):

1563 starb der Besitzer von Oberndorf, Graf Froben Christoph […]. Alle seine Besitzungen fielen an seinen einzigen Sohn Wilhelm, Grafen und Herrn zu Zimmern, Herrn zu Wildenstein und Meßkirch, der noch vor seines Vaters Absterben, mit dessen Bewilligung, am Donnerstag nach St. Ulrich (4. Juli) die Huldigung von Stadt und Herrschaft einnahm und alle ihre Briefe und Freiheiten bestätigte. […].
1580 den 18. Mai wurden dem Grafen Wilhelm, der den Titel eines österreichischen Hofmarschalls erhalten hatte, als weitere Verstrickung und Lokspeise alle seine österreichischen Mannlehen und Pfandschaften als freies Erbeigenthum überlassen, doch mit der Bedingung, daß er nichts davon veräußern, und alle im Falle des Erlöschens des Mannstamms der Grafen von Zimmern […] an Österreich heimfallen soll. […] Dem getäuschten Grafen hätten endlich die Augen aufgehen sollen, als Erzherzog Ferdinand 1591 seinem Sohn Markgraf Carl von Burgau die Anwartschaft auf alle von Graf Wilhelm von Zimmern inhabende östreichische Pfandschaften und Lehen ertheilte. […] Allein die Hände waren dem alternden Grafen durch den Vorgang v. J. 1580 gebunden!
1594 im September starb Graf Wilhelm, dieser letzte männliche Zweig der Freiherrn und Grafen von Zimmern, unter deren Herrschaft Oberndorf 134 Jahre gestanden war, ohne einen männlichen Erben zu hinterlassen.

Nach dem Tod wurde Graf Wilhelm von Zimmern von Padua über die Alpen gebracht und in der Schlosskirche St. Martin, heute Pfarrkirche von Meßkirch, beigesetzt. Sein außerordentlich aufwändiges Bronze-Epitaph belegt, dass er im Auftrag des Kaisers oder einer kaiserlichen Person bei Papst Sixtus in Rom weilte.

Epitaph für Graf Wilhelm von ZimmernBearbeiten

 
Epitaph des Wilhelm von Zimmern in der St. Martins-Kirche in Meßkirch
 
Inschrift auf dem Epitaph des Wilhelm von Zimmern

Die Einleitung rühmt das Volk der Kimbern, von denen sich die Grafen von Zimmern auch in der Zimmerischen Chronik ableiten wollen. Dies ist aber historisch nicht haltbar.

Der Text, übersetzt von H. Albrecht Hartmann, Schwaigern:

Grabinschrift des äußerst berühmten und adligen Herrn, Herrn Grafen Wilhelm,
und Herrn in Zimmern, Wildenstein und Meßkirch,
Herrn in Oberndorf und in der freien Herrschaft Schramberg etc.
Schrecklich war einst im italienischen Krieg das Volk der Kimbern,
Friedlicher hat es auf unserem Grund und Boden die Waffen niedergelegt.
Aus diesem [Volk] wurden durch kaiserliche Urkunde zu Grafen gemacht
Die Zimmern, im westlichen Gefilde, eine edle Ahnenreihe.
Als deren Tugend die höchsten Höhen angestrebt hatte,
Hat der gierige Tod, o weh!, deren letzten Mann zu Boden geschlagen,
Den Wilhelm, den Grafen von Zimmern, der nämlich, gereist
Nach Italien, in Padua die härtesten Geschicke erlitt.
Er ließ acht an Adel ihm gleiche lebende Schwestern zurück,
Die an adlige Männer verheiratet worden waren.
Tüchtig, menschlich, ein Beschützer des ererbten Glaubens,
Gerecht, redegewandt, großherzig war er.
Nach Rom geschickt vom Statthalter des Reiches, Rudolf,
Führte er angenehme Aufträge beim Papst Sixtus aus.
Dem Kaiser in Person stand er in Frankfurt zur Seite,
Mit Würde mitten unter edlen Männern.
Als weitgereister Mann war er auch am österreichischen Hof für den Erzherzog
Der Bedeutendste, wenn es um Geheimnisse und Ratschläge ging.
Sein Leichnam, der vom Gebirge, von den italienischen Gegenden hergebracht wurde,
Liegt hier, und sein Geist erfreut sich an dem ewigen Gott.

LiteraturBearbeiten

QuellenBearbeiten

  • Zimmerische Chronik. Nach der Ausgabe von Karl August Barack, hrsg. von Paul Hermann. Meersburg und Leipzig: Hendel 1932 (4 Bde.). Nachdruck der Barackschen 2. Auflage.
  • Dominicus Custos: Atrium heroicum Caesarum, regum, […] imaginibus […] illustr[atum]. Pars 1-4. Augsburg: M. Manger, J. Praetorius, 1600–1602.

DarstellungenBearbeiten

  • Brauchle, Alfons: Die Landschaft Schramberg, einer der Landstände Schwäbisch-Österreichs. (= D’ Kräz’. Beiträge zur Geschichte der Stadt und Raumschaft Schramberg. Heft 2. Schramberg 1982. S. 4)
  • Dietl, Walter: Die Elogien der Ambraser Fürstenbildnisse. Die Kupferstiche des Dominicus Custos (1599) Innsbruck 2000, (Commentationes Aenipontanae; 32: Tirolensia Latina. Bd. II)
  • Geh, Hans-Peter: Die Erwerbung der Handschriftensammlung der F. F. Hofbibliothek Donaueschingen durch das Land Baden-Württemberg. (= Heinzer, Felix [Hrsg.]: Bewahrtes Kulturerbe „Unberechenbare Zinsen“. Stuttgart 1993)
  • Köhler [Friedrich August]: Oberndorf am Neckar. Beschreibung und Geschichte der Stadt und ihres Oberamts-Bezirks. Sulz 1836, Fotomech. Nachdruck 1989
  • K[öniglich] Statist[isches]-Topograph[isches] Bureau (Hrsg.) [Verf.: v. Paulus]: Beschreibung des Oberamts Rottweil. Stuttgart 1875
  • v. Langen: Beiträge zur Geschichte der Stadt Rot[t]weil am Neckar. Rottweil 1821
  • Museums- und Geschichtsverein Schramberg (Hrsg.): D’ Kräz’ 25. Schramberg 2005
  • Ruckgaber, Heinrich: Geschichte der Grafen von Zimmern. Rottweil 1840
  • Wohlleb, Joseph: Der Meister des Bronzeepitaphs des Grafen Wilhelm zu Zimmern in der Stadtkirche zu Meßkirch. In: Zeitschr. f. Württ. Landesgeschichte. Stuttgart 1956. S. 295–297

WeblinksBearbeiten

  Commons: Wilhelm von Zimmern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien