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Das Wiesbadener Tagblatt ist nach dem Wiesbadener Kurier die zweite in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden erscheinende Tageszeitung nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Die verkaufte Auflage betrug im 2. Quartal 2019 mit dem inhaltsgleichen Wiesbadener Kurier zusammen 47.277 Exemplare, ein Minus von 42,3 Prozent seit 1998.[2]

Wiesbadener Tagblatt
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Beschreibung deutsche Tageszeitung
Verlag VRM GmbH & Co. KG
Erstausgabe 1852
Erscheinungsweise täglich Montag bis Samstag
Verkaufte Auflage ca. 11.000 Exemplare
Verbreitete Auflage 13.631 Exemplare
(Verlagsangaben 2017)
Reichweite 0,18[1] Mio. Leser
(ma Tageszeitung 2017)
Chefredakteur Stefan Schröder
Herausgeber VRM GmbH & Co. KG
Weblink wiesbadener-tagblatt.de
ZDB 1128578-3

GeschichteBearbeiten

Nachrichten- und AnzeigenblattBearbeiten

Die Vorgänger des Wiesbadener Tagblatts lassen sich bis zum „Nachrichten- und Anzeigenblatt“, der ersten in Wiesbaden verlegten Zeitung, zurückverfolgen. Dieses ging, anders als übliche zeitgenössische Zeitungsgründungen, insbesondere in den Ländern des Hauses Nassau, nicht auf eine Initiative der Regierung zurück. Initiator war vielmehr der Hof- und Kanzleibuchdrucker Johannes Schirmer. Er erhielt am 1. Dezember 1769 das Privileg zur Herausgabe eines „Wochenblättgens“. Am 24. April 1770 wies ein Rundschreiben der Regierung die Ämter und Oberämter an, jeweils ein Exemplar des zukünftigen Blattes zu erwerben und in der Bevölkerung Werbung für den Abschluss von Abonnements zu machen. Am 17. Mai 1770 kündigte Schirmer für Anfang Mai die Herausgabe eines „hoch Fürstlichen Nassau-Saarbrückisch priveligirten gemeinnützigen Nachrichten- and Anzeigenblattes“ an und eröffnete den Verkauf von Abonnements. Zugleich zeigte er an, dass er von mehreren Behörden mit Informationen versorgt werde. Besondere Bedeutung sollten Berichte über den Kurbetrieb einnehmen, unter anderem mit Informationen über die Eigenschaften des Wiesbadener Mineralwasser sund mit dem Abdruck von Kurlisten.

Tatsächlich scheint die erste Ausgabe erst im Juni 1770 erschienen zu sein. Die ersten beiden Jahrgänge sind heute nicht mehr vorhanden und offenbar auch nicht in der älteren Forschung bearbeitet worden. Erscheinungstag war zunächst der Samstag, dann der Montag. 1781 übernahm Schirmers Geschäftsnachfolger Johann Heinrich Frey auch die Herausgabe des Nachrichten- und Anzeigenblatts. In dieser Zeit scheint sich der Druckumfang verringert zu haben, unter anderem mit der Veröffentlichung gekürzter Kurlisten. Über Umfang, Freiexemplare, Abonnementpreis und die Veröffentlichung von Behördenanzeigen gab es in den folgenden Jahren mehrfach Auseinandersetzungen zwischen Frey und der Landesverwaltung.

Überliefert ist eine Namensänderung mit der zweiten Ausgabe des Jahres 1796 in „Gnädigst priveligirte Wiesbader Nachrichten zur Beförderung des Nahrungsstandes“. Im Jahr 1806 ist der Titel „Gnädigst privilegirtes Wiesbader Wochenblatt“ genannt, im gleichen Jahr wurde es aber offenbar erneut in „Wiesbadener Wochenblatt“ umbenannt. 1809 stellte es sein Erscheinen ein, nachdem die fürstliche Verwaltung sowohl Zahlungen für die Veröffentlichung ihrer Anzeigen verweigert als auch eine erhöhung des Abonnementpreises nicht genehmigt hatte.

Für das Jahr 1784 sind 113 Abonnenten überliefert, für 1797 149 und für 1807 312 Abonnenten. Die anfängliche fürstlich angeordnete Praxis verpflichtender Behördenabonnements scheint sich bald in eine Verpflichtung des Herausgebers zur Abgabe von Freiexemplaren an der Landesverwaltung umgekehrt zu haben.

Offenbar parallel zum Eingehen der ersten Zeitung am Ort hatte Hofbuchhändler Ludwig Schellenberg das Privileg zum Abdruck von Regierungsverordnungen des inzwischen gegründeten Herzogtums Nassau erhalten. Dieses reine Amtsblatt war aber offenbar im breiten Publikum nicht erfolgreich.

Wiesbadener WochenblattBearbeiten

Auch als Folge der Gründung des Herzogtums setzte in Wiesbaden ein wirtschaftlicher Aufschwung ein. Der damit einhergehend Bedarf an kommerziellen Anzeigen bewegte Johann Heinrich Frey 1810 offenbar zu einem weiteren Versuch eines Wochenblatts. Unter dem Titel „Wiesbader Wochenblatt“, später „Wiesbadener Wochenblatt“ erschien es bis zum Jahr 1819 unter der Verlegerschaft Freys. Danach wechselten als Verleger mehrfach E. Enders, J. A. Stein, Ludwig Riedel und Schellenberg. Von 1844 an war Schellenberg durchgängig der Verleger des Wiesbadener Wochenblatts. Bis etwa zum Jahr 1850 und auch während der Deutschen Revolution beschränkte der Inhalt sich im Westenlichen auf Anzeigen von Staats- und Stadtverwaltung sowie von privaten Kunden.

Wiesbadener TagblattBearbeiten

Unter Ludwig Schellenberg Sohn August wechselte der Erscheinungsturnus im Jahr 1852 auf täglich und der Name der Publikation zu „Wiesbadener Tagblatt“. Parallel wurden redaktionelle Inhalte, unter anderem zu politischen Themen, in das Blatt aufgenommen, die zuvor nur in Form von Einsendungen gelegentlich erschienen waren. 1891 wurden eine Abend- und eine Morgenausgabe eingerichtet.[3] Sein Sohn, Louis Schellenberg übernahm 1877 die Leitung der Schellenberg’schen Hofdruckerei, die dann ab 1887 mit Rotationsmaschinen druckte.

1943 musste das Blatt aufgrund „kriegsbedingter Notwendigkeit“ in der Wiesbadener Zeitung aufgehen. 1945 erhielt der Enkel des Gründers, Gustav Schellenberg, von der US-Besatzungsmacht Berufsverbot. Zwar konnte er das Tagblatt 1949 wieder erscheinen lassen, fand den Markt aber von dem 1945 gegründeten Wiesbadener Kurier bereits weitgehend ausgeschöpft, sodass die Zeitung 1950 der Allgemeinen Zeitung Mainz angegliedert wurde.[4]

Wiesbadener Tagblatt heuteBearbeiten

Das Wiesbadener Tagblatt wird von der VRM GmbH & Co. KG herausgegeben, genauso wie sein deutlich größerer „Stadtkonkurrent“, der Wiesbadener Kurier. Die Auflage des Wiesbadener Tagblatts wird nicht gesondert ausgewiesen und liegt bei circa 11.000 Exemplaren. Seit 2013 haben Tagblatt und Kurier einen identischen Inhalt und erreichen gemeinsam eine verkaufte Auflage von 47.277 Exemplaren.[5] Zudem erfolgt seit 2013 eine gemeinsame Mantelproduktion für Kurier, Tagblatt und Allgemeine Zeitung in Mainz. Wiesbaden ist damit deutschlandweit die erste Landeshauptstadt, in der es keine Zeitung mit eigener Vollredaktion mehr gibt.[6]

Der Sitz befindet sich im Pressehaus in der Wiesbadener Fußgängerzone (Langgasse 21). Chefredakteur ist Stefan Schröder.

AuflageBearbeiten

Die Auflage des Wiesbadener Tagblatts wird gemeinsam mit dem Wiesbadener Kurier ausgewiesen. In den vergangenen Jahren haben die beiden Zeitungen erheblich an Auflage eingebüßt. Die verkaufte Auflage ist in den letzten 10 Jahren um durchschnittlich 3 % pro Jahr gesunken. Im letzten Jahr hat sie um 4 % abgenommen.[7] Sie beträgt gegenwärtig 47.277 Exemplare.[8] Der Anteil der Abonnements an der verkauften Auflage liegt bei 90,6 Prozent.

Entwicklung der verkauften Auflage[9]

 


LiteraturBearbeiten

  • B. Stein: Die Geschichte des Wiesbadener Zeitungswesens von den Anfängen bis zur Gegenwart. Maschinenschrift [ohne Ort und Jahr, wahrscheinlich Wiesbaden 1943], Aufgefunden März 2002 in Archiv Wiesbadener Tagblatt (als Durchschlag). pdf-Download

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Inklusive Wiesbadener Kurier
  2. laut IVW, drittes Quartal 2019, Mo–Sa (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)
  3. Marianne Dörr: Buchstadt Wiesbaden? Einblicke in die Wiesbadener Verlagsgeschichte. (PDF) Abhandlung für den Rotary-Club Wiesbaden vom 3. Januar 2004
  4. Verlagsinformation (Memento des Originals vom 25. Juni 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.vrm.de
  5. laut IVW, drittes Quartal 2019, Mo–Sa (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)
  6. Eine Vollredaktion weniger
  7. laut IVW (online)
  8. laut IVW, drittes Quartal 2019, Mo–Sa (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)
  9. laut IVW, jeweils viertes Quartal (Details auf ivw.eu)

Koordinaten: 50° 5′ 2,1″ N, 8° 14′ 23,7″ O