Werner-Bonhoff-Stiftung

Werner-Bonhoff-Stiftung ist eine gemeinnützige Stiftung des privaten Rechts mit Sitz in Berlin.

Werner-Bonhoff-Stiftung

(WBS)

Werner Bonhoff Stiftung.jpg
Rechtsform: Stiftung bürgerlichen Rechts
Zweck: gemeinnützig
Vorsitz: Till Bartelt
Bestehen: seit 2002
Stifter: Elsbeth Bonhoff
Sitz: Berlin
Website: www.werner-bonhoff-stiftung.de www.nach-der-tat.de

Hintergrund und ZieleBearbeiten

Die Werner-Bonhoff-Stiftung wurde im Jahr 2002 von Elsbeth Bonhoff aus dem Vermögen ihres verstorbenen Sohnes im Andenken an ihre beiden vor ihr verstorbenen Kinder errichtet. Der Unternehmer Werner Bonhoff kam im Jahr 2000 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Seine Schwester Erika wurde am 1. November 1980 im Berliner Mode-Geschäft ihres Bruders Werner Opfer eines Raubmordes. Vor diesem tragischen Hintergrund legte die Stiftung ihre Schwerpunkte fest: Gewaltprävention und unternehmerische Berufsbildung.

Kuratorium und GeschäftsführungBearbeiten

Die Werner-Bonhoff-Stiftung ist aufgrund des Nachlasses von Werner Bonhoff wirtschaftlich und politisch unabhängig. Sie wird durch den geschäftsführenden Vorstand geführt, der vom Kuratorium beraten und kontrolliert wird.

Zusammensetzung des Kuratoriums der Stiftung seit 2002:

Geschäftsführender Vorstand seit 2002:

  • Klaus Schroeter (von 2002 bis 2005)
  • Till Bartelt (seit 2005 alleiniger Vorstand)

Projekt: Bürokratie-TherapieBearbeiten

In ihrem Mitmach-Projekt „Bürokratie-Therapie“ motiviert die Werner-Bonhoff-Stiftung unternehmerische Menschen ihre Bürokratismus-Erfahrungen zu teilen, damit andere sowie die Verwaltung und Gesetzgebung daraus lernen können. Dabei aktiviert sie die Selbstständige und Unternehmer dazu, durch ihre Schilderungen Verbesserungsprozesse „von unten nach oben“ in Gang zu setzen (bottom-up) und damit einen Wandel anzustoßen. Mittel- und langfristig entsteht dadurch eine transparente Fehlerkultur im Land.[1]

Wissenschaftlich fundiert wurde die Initiative durch das parallel laufende Forschungsprojekt „bureaucratic transparency“. Das Forschungsprojekt der Stiftung lief von 2005 bis 2012 an der Humboldt-Universität zu Berlin und dort seit 2007 unter der Leitung von Gunnar Folke Schuppert. Gemäß den Erkenntnissen durch Auswertung der eingegangenen Fälle sind Schwerpunkte der Bürokratie-Kritik aus der Praxis eine mangelnde Problemlösungsorientierung der Verwaltung sowie die große Zahl unübersichtlicher verselbstständigter Bürokratien in Deutschland, die insbesondere Kleinunternehmer mit ihren Anforderungen stark belasten und zuweilen überfordern.[2]

In ihrer Online-Fallsammlung stellt die Werner-Bonhoff-Stiftung eingesandte Bürokratismus-Schilderungen aus der unternehmerischen Praxis als Lehr- und Anschauungsmaterial frei zur Verfügung.

Weiterhin bringt die Stiftung unternehmerische Menschen, die mit bürokratischen Hürden ringen und Mitstreiter oder Unterstützer suchen, in ihrer Bonhoff-Börse zusammen. Sie fördert damit den Erfahrungsaustausch der Betroffenen untereinander.

In der bundesweiten Wanderausstellung „Der Kaiser hat ja gar nichts an! Bürokratie-Therapie von nebenan“ werden 30 oft noch akute Bürokratieprobleme in Bild und Text kurz und knapp vorgestellt. Bisherige Stationen der Ausstellung: u. a. Berlin, Dresden,[3] Bochum,[4] Neu-Isenburg, Augsburg,[5] Eppingen,[6] Potsdam[7] und Balingen.

Projekt zur Gewaltprävention: Nach der TatBearbeiten

Die Werner Bonhoff Stiftung verfolgt mit ihrem im Jahr 2010 gestarteten bundesweiten Mitmach-Projekt „Nach-der-Tat“ das Ziel, die Reaktionen des Staates auf Mobbing & Gewalt zu verbessern, damit Mobbing- & Gewalttaten möglichst frühzeitig und wirksam beendet werden. Hierbei werden sowohl die Beobachter und Betroffenen, als auch die Schule unterstützt. Durch eine klare Haltung der Schule zu Gewalt & Mobbing wird das Vertrauen der Jugendlichen in die Schule und in die Geltung des Rechts gestärkt. Damit sich kein Betroffener oder Beobachter von Gewalt & Mobbing hilflos fühlen muss und selbst aktiv werden kann, ohne sich selbst zu gefährden, hat die Stiftung kostenfreie Instrumente entwickelt. Im Programm "Wachsame Schule" unterstützt und begleitet die Stiftung deutschlandweit Schulen individuell dabei, ihre Reaktionen auf Mobbing und Gewalt zu verbessern, um schnell, wirksam und damit erfolgreich gegen Angriffe vorzugehen.

Ausgelobte PreiseBearbeiten

"Werner-Bonhoff-Preis wider den §§-Dschungel" (für Unternehmer und Selbstständige)Bearbeiten

Leuchtturm des Projekts „Bürokratie-Therapie“ ist die Verleihung des „Werner-Bonhoff-Preis wider den §§-Dschungel“. Bürokratismus-Schilderungen von besonderer Strahlkraft werden seit 2006 mit 50.000 Euro Preisgeld feierlich ausgezeichnet. Die Stiftung lobt den Preis aus, um unternehmerische Menschen zur Schilderung ihrer Praxis-Fälle zu gewinnen und damit bürokratiekritisches Engagement zu fördern.

Zu den bisherigen Preisträgern gehört unter anderem Günther Jauch. Er wurde im Jahr 2008 mit dem „Werner-Bonhoff-Preis wider den §§-Dschungel“ für seine hartnäckige und sachliche Kritik an der Praxis des Denkmalschutzamtes der Stadt Potsdam ausgezeichnet. Sein beharrliches Engagement führte zur Einrichtung einer Clearing-Stelle bei einer Denkmalschutzbehörde und dadurch zur Umstrukturierung und Verbesserung der Behörde.[8]

Von weitreichender Bedeutung für die Wirkung der Stiftung sind auch die Fälle der weiteren Preisträger:

  • 2006: Hans-Wolff Graf aus München spart mit seinem unkonventionellen Selbständigenmodell nicht nur Kosten und Bürokratie, sondern inspiriert mit seinem Unternehmensmodell zahlreiche Gründer.
  • 2007: Bernd Beigl sorgte durch die hartnäckige Beantragung einer Genehmigung einer Fahrradrikscha für eine Umstrukturierung der städtischen Verwaltung in Augsburg.
  • 2009: Sebastian Störzbach aus Ditzingen wehrte sich erfolgreich gegen eine verselbständigte Bürokratie, die mächtige BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht).
  • 2010: Georg Heitlinger aus Eppingen brachte die Zahlungspflicht landwirtschaftlicher Betriebe gegenüber dem "Absatzfonds für die Landwirtschaft" und deren CMA (Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft) zu Fall.[9]
  • 2011: Kai Boeddinghaus aus Kassel beendete die Praxis der IHK (Industrie- und Handelskammer), dass deren Funktionäre beliebig für ihre Mitglieder sprechen, ohne diese vorher zu fragen.[10]
  • 2012: Renate Günther-Greene aus Düsseldorf hat eine Schneise geschlagen für viele Menschen mit Behinderung, ihren Rechtsanspruch auf ein selbstbestimmtes Berufsleben mittels Inanspruchnahme des "persönlichen Budgets" gegenüber der öffentlichen Verwaltung durchzusetzen.
  • 2013: Tim Wessels aus Hamburg verhinderte eine Pflichtrentenversicherung für Selbständige mit Mindestbeiträgen "in schwindelerregender Höhe".[11]
  • 2014: Claudia Domnik aus Neu-Isenburg hat aus der Arbeitsunfähigkeit zur Existenzgründung gegen Behörden-Windmühlen eine Meisterleistung vollbracht.[12]
  • 2015: Sabine Schmuck aus Ingolstadt forderte mit einer E-Petition beim Deutschen Bundestag die durch die Krankenkassen herbeigeführte prekäre wirtschaftliche Lage der in der Geburtshilfe tätigen freiberuflichen Hebammen, die mit den geringen Regelsätzen der Krankenkassen für die Geburtshilfe die hohen Pflichtversicherungsbeiträge für die Haftpflichtversicherung nicht finanzieren können, zu beenden.[13]
  • 2016: Christa Weidner aus Aschheim wehrte sich erfolgreich gegen die verschärfte Praxis der Rentenversicherung bezüglich der Prüfung der sog. "Scheinselbständigkeit" und deren Folgen für hunderttausende Selbstständige im Land.[14]
  • 2018: Marcello Danieli kämpft seit Jahren um die Gewinnung von Auszubildenden für sein Logistikunternehmen in Neu-Ulm. Nachdem er regelmäßig keine Azubis fand, wollte er zur Ausbildung geeignete Flüchtlinge für sein Unternehmen gewinnen. Dabei stieß er auf hartnäckige bürokratische Hürden. Er fordert von den Ausländerbehörden eine bessere Unterstützung für Unternehmen und macht Verbesserungsbedarf sichtbar.[15]
  • 2019: Oliver Blume, Hannover. Neue Ideen mit bestehenden Gesetzen in Einklang zu bringen, ist stets eine Herausforung für Behörden. Deshalb sollten sie eng zusammenarbeiten und stets eine gemeinsame Linie abstimmen. In Göttingen wurde das Hotelkonzept von Oliver Blume, geschäftsführender Gesellschafter der BoxHotel GmbH, genehmigt. In Hannover wurde dasselbe Konzept sodann abgelehnt, trotz Geltung derselben Vorschriften. Mit seinem Fall zeigt Herr Blume notwendigen Verbesserungsbedarf im Austausch zwischen den Behörden auf.[16]

"Hat Deine Schule Mobbing im Griff?" (für Schülerzeitungen)Bearbeiten

Im Rahmen des Schülerzeitungswettbewerbes der Länder lobt die Werner-Bonhoff-Stiftung seit 2014 jährlich den Sonderpreis „Hat Deine Schule Mobbing im Griff?“ aus. Ausgezeichnet werden Schülerzeitungsartikel, die sich damit auseinandersetzen, ob und wie die Schule konkret bei Mobbing & Gewalt reagiert.[17]

Bonhoff-Unternehmer-Zentrum (BUZ)Bearbeiten

Im Bonhoff-Unternehmer-Zentrum (BUZ) in Dresden fördert die Stiftung den niedrigschwelligen Erfahrungs- und Kompetenzaustausch von Unternehmern.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. http://www.werner-bonhoff-stiftung.de/assets/files/b%C3%BCrokratie-therapie_-bonhoff-methode_juli2009.pdf
  2. Abschlussbericht: Bürokratie-Therapie ->Papers -> Prof. Schuppert -> Schuppert_Abschlussbericht_Forschungsprojekt_2012.pdf
  3. Verloren im Paragraphendschungel. In: saechsische.de. 29. September 2014, abgerufen am 13. April 2020.
  4. (Memento des Originals vom 5. Oktober 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.westfalen-heute.de
  5. http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg-land/Buerokratie-Opfer-packen-aus-id38146457.html
  6. http://www.werner-bonhoff-stiftung.de/assets/files/2016/pressemitteilung_stadt_eppingen.pdf
  7. http://www.potsdhttp@1@2Vorlage:Toter Link/www.potsdhttp (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. ://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg-land/Buerokratie-Opfer-packen-aus-id38146457.htmlam.tv/mediathek/27666/Wanderausstellung.html
  8. F. v. Mutius u. G. Mallwitz: Preisverleihung: Bürokratie-Gegner Günther Jauch ausgezeichnet. In: welt.de. 8. April 2008, abgerufen am 7. Oktober 2018.
  9. http://www.stimme.de/kraichgau/nachrichten/Eppingen-Huehnerhalter-Georg-Heitlinger-Werner-Bonhoff-Preis-50-000-Euro-Preis-fuer-Eppinger-Bauernrebellen;art1943,1835854
  10. https://www.hna.de/kassel/boeddinghaus-ausgezeichnet-50000-euro-ihk-rebell-1259689.htm
  11. http://www.wn.de/Muenster/2013/05/Jung-Unternehmer-ausgezeichnet-Jung-Unternehmer-wehrt-sich
  12. https://www.op-online.de/region/neu-isenburg/kuchenseppel-neu-isenburg-inhaberin-claudia-domnik-gewinnt-50000-euro-preis-3574807.html
  13. https://www.vgsd.de/hebamme-aus-ingolstadt-mit-guten-chancen-auf-den-buerokratiekritischen-werner-bonhoff-preis-2015/
  14. http://www.it-freelancer-magazin.de/index.php/2016/06/08/christa-weidner-erhaelt-werner-bonhoff-preis/
  15. https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/ulm/Danieli,werner-bonhoff-preis-fuer-neu-ulmer-unternehmer-100.html/
  16. https://www.werner-bonhoff-stiftung.de/oliver-blume-boxhotel-gmbh-hannover-niedersachsen.html/
  17. https://schuelerzeitung.de/fileadmin/extern/161117-Sonderpreisflyer_WEB-mw.pdf