Walter Popp (Keramiker)

deutscher Keramiker und Hochschullehrer

Walter Popp (* 12. Oktober 1913 in Bunzlau, Schlesien; † 8. August 1977 in Kassel) war ein deutscher Keramiker. Er begründete die Kasseler Schule für Keramik.

LebenBearbeiten

Ausbildung und Jahre im KriegBearbeiten

Walter Popp machte von 1933 bis 1935 eine Ausbildung zum Fotografen in Bunzlau. Dort lernte er seine spätere Frau Veronika Dresler kennen. Von 1935 bis 1937 absolvierte Popp ein Studium an der Bayerischen Staatslehranstalt für Lichtbildwesen in München in der Meisterklasse für gestaltende Fotografie. Von 1939 bis 1945 leistete er seinen Kriegsdienst ab.

Walter und Veronika Popp in DießenBearbeiten

Von 1948 bis 1954 unterhielt Walter Popp eine keramische Werkstatt im Töpferort Dießen am Ammersee. Popp begann in dieser Zeit Autodidakt seine künstlerische Arbeit an der Töpferscheibe gemeinsam mit seiner Ehefrau Veronika Popp. Veronika Popp war die Tochter des Keramikers Paul Dresler (1879–1950) aus Krefeld, dessen künstlerische Erfahrungen sie beide fortführten.

Berufung und Lehrtätigkeit in KasselBearbeiten

Der Direktor der Werkakademie Kassel Stephan Hirzel, berief Walter Popp 1954 zur Kunsthochschule Kassel. Er wurde Werkstattleiter mit Lehrbefugnis und begründete die „Kasseler Schule für Keramik“. Popp leitete von 1954 bis 1977 die Keramikklasse der Hochschule für Bildende Künste in Kassel. 1955 arbeitete als Fotograf im Arbeitsausschuss der documenta 1 in Kassel mit.

WerkBearbeiten

EinführungBearbeiten

Walter Popp gehörte zu den bedeutendsten deutschen Keramikern und prägte wie kein zweiter die Nachkriegsgeneration deutscher Keramiker. Walter Popp gehörte zu den Wegbereitern abstrakter freier plastischer Gestaltformen Formen der deutschen Keramik. Interdisziplinär ausgerichtet betont er, Keramik entstehe nicht durch Keramik allein und ließ sich durch Philosophie, Literatur, Kunst und vor allem durch Musik inspirieren. In der erweiterten Technik der seriellen Musik von Pierre Boulez u. a. sah Walter Popp ein Vorbild für sein Streben nach Objektivität in der Kunst.

Werkstatt in DießenBearbeiten

In Dießen entstand, der „Dreslerschen“ Familien Tradition und dem von Popp bewunderten Stephan Erdös verpflichtend, hochgebrannte, v. a. kupfergrün und blau glasierte Irdenware. Jakob Wilhelm Hinder vertrieb die schlichten Gebrauchskeramiken.

Kasseler Schule der KeramikBearbeiten

In Kassel wendete sich Walter Popp Arbeiten aus Steinzeug zu. Er kreierte unter dem Einfluss, der von Bernd Leach beschriebenen ostasiatischen Techniken und Stilmittel unikale Vasen, Schalen und Kummen. Sein zunächst traditioneller Formenkanon umfasste schwerscherbige Zylinder-, Kegel- und Kugelgefäße sowie davon abgeleiteten Becher und Kummen mit kraftvollen Rändern und unglasierten Füßen. Zu seinen bevorzugten Dekorationen zählen sich überschneidende, das Gefäßvolumen betonende Tauchzonen und sehr dekorative horizontale Glasurverläufe. Walter Popp erzielte diese durch Abwandlung der aus Ostasien bekannten Kombination des Tauchens, Schüttens und Schleuderns. Manchmal scheiden schmale, ringförmig um den Gefäßkörper gelegte unglasierte Zonen die glasierten wirkungssteigernd voneinander. Am Ende der 1950er Jahre begann Walter Popp mit der Ausführung seiner charakteristischen aus stereometrischen Drehteilen montierten ein- oder mehrachsigen Gefäßplastiken. Er zitierte in dieser Werksphase die Montagetechniken von Luigi Nono und Karlheinz Stockhausen und nutzte fugale Kompositionsgesetze von Johann Sebastian Bachs und Anton von Weberns. Mitte der 1960er Jahre verwendete Walter Popp vorrangig Montagetechniken unter Verwendung abstrakter Malereien wie etwa breite braune und schwarze Farbfelder, Pinselstriche und Linien in zartgrünem oder hellgrauem Glasurgrund. Sie weckten sie Assoziationen an Bilder Franz Klines und des befreundeten Fritz Winter. Die Unwägbarkeiten des Brands des keramischen Werkstoffs im Ofenbrand behinderten die präzise Umsetzung seiner Entwürfe. Daraufhin erarbeitete Popp zwischen 1963 und 1967 eine Serie von Collagen mit geometrischen Elementen aus verschieden farbigen Kunststofffolien. Popps aus geometrischen Elementen komponierte Arbeiten aus farbigen Folien wie auch aus Keramik und keramischen Segmenten in der Nachfolge des Konstruktivismus' und der Arbeiten von De-Stijl-Meistern finden ihre thematische Fortführung und bauliche Realisierung in der „Gießener Wandgestaltung“.

Werke in MuseenBearbeiten

  • Berlin, Keramik-Museum Berlin
  • Deidesheim, Museum für Moderne Keramik
  • Düsseldorf, Hetjens-Museum
  • Edenkoben, Schloss Villa Ludwigshöhe
  • Sammlung Hinder/Reimers des Landes Rheinland-Pfalz
  • Faenza, Museo internazionale delle Ceramiche
  • Frechen, Stiftung Keramion
  • Hamburg, MKG
  • Hannover, Kestner Museum
  • Höhr-Grenzhausen, Keramik-Museum Westerwald
  • Karlsruhe, Badisches Landesmuseum
  • Kassel, Städtische Kunstsammlung
  • Köln, Sammlung Camps
  • Leipzig, GRASSI Museum für Angewandte Kunst
  • Mannheim, Kunsthaus
  • Mailand, Palazzo Olivetti
  • München, Porzellanmuseum, Neue Sammlung
  • Rotterdam, BvB
  • Stuttgart, Landesmuseum Württemberg
  • Verona, GAM

AusstellungenBearbeiten

  • 1962 Moderne Deutsche Keramik, MKG Hamburg
  • 1969 Galerie Deisenroth, Fulda
  • 1970 Deutsche Goldschmiedehaus: Keramik der Gegenwart, Hanau
  • 1977–78 Stiftung Keramion, Frechen
  • 1979 Europäische Keramik seit 1950
  • 1986 Hetjens-Museum: Sammlung Dr. Vehring, Düsseldorf
  • 1990: Walter Popp, Keramiken und Collagen, Badisches Landesmuseum, Karlsruhe
  • 2014 StG Kulturhof Flachsgasse, Speyer
  • 2014: „Aspekte der Moderne“ – Walter Popp und seine legendäre "Kasseler Schule", Museum für Moderne Keramik, Deidesheim

LiteraturBearbeiten

  • Ingrid Vetter: Keramik in Deutschland – 1955–1990, Arnoldsche, Stuttgart, 1997, ISBN 3-925369-77-5
  • Paul Schmaling: Künstlerlexikon Hessen-Kassel 1777–2000. Mit den Malerkolonien Willinghausen und Kleinsassen. Jenior, Kassel 2001, ISBN 3-934377-96-3
  • Ingrid Vetter: Walter Popp – Keramik, Museum für moderne Keramik Deidesheim e.V., 2013
  • Ingrid Vetter: Walter Popp und seine legendäre KASSELER SCHULE, Museum für moderne Keramik Deidesheim e.V., 2014

WeblinksBearbeiten