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Universitäre Psychiatrische Dienste Bern

Psychiatrische Klinik in der Stadt Bern, Schweiz
(Weitergeleitet von Waldau (Bern))
Logo der Universitären Psychiatrischen Dienste Bern (UPD)
Logo der Universitären Psychiatrischen Dienste Bern (UPD)
Das Zentralgebäude der Klinik Waldau
Die Waldau auf einer Zeichnung von Adolf Wölfli (1921)

Die Universitären Psychiatrischen Dienste Bern (UPD) sind eine Aktiengesellschaft, die psychiatrischen Kliniken und Angebote im Bereich der Wohn- und Arbeitsrehabilitation im Kanton Bern betreibt.[1] Ihr kantonaler Leistungsauftrag umfasst die psychiatrische Grundversorgung aller Altersgruppen in der Region Bern sowie von Kindern und Jugendlichen im ganzen Kanton Bern.

Die UPD ist das Kompetenzzentrum für Psychiatrie und Psychotherapie in der Hauptstadtregion und eines der renommiertesten Psychiatriespitäler in der Schweiz. Die UPD bietet die gesamte psychiatrische Versorgungskette von der Früherkennung über die ambulante, teilstationäre und stationäre Behandlung bis hin zur Rehabilitation und Reintegration von Menschen mit einer psychischen Erkrankung an. Als Universitätsspital leistet die UPD zudem einen wesentlichen Beitrag zur psychiatrischen Spezialversorgung sowie zur Aus-, Weiter- und Fortbildung, Lehre und Forschung.

Inhaltsverzeichnis

StrukturBearbeiten

Die UPD Bern besteht aus folgenden Kliniken und Direktionen:

  • Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
  • Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie
  • Universitätsklinik für Alterspsychiatrie und Psychotherapie
  • Zentrum Psychiatrische Rehabilitation
  • Direktion Dienste und Betriebe

Sie betreiben über 30 Standorte im Kanton Bern. Den traditionellen Kern bildet das Areal Waldau im Nordosten der Stadt Bern.

GeschichteBearbeiten

Seit dem Ende des 15. Jahrhunderts befand sich auf dem Breitfeld ein Siechenhaus für Leprakranke, später kam ein Spital für Syphilitiker (das Blatternhaus) dazu, und von 1744 bis 1749 wurde hier ein Tollhaus erbaut. Lange Zeit wurden die Insassen neugierigen Spaziergängern durch Gucklöcher in den Zellentüren gegen ein Trinkgeld gezeigt. Die ganze Anlage hiess Ausser-Krankenhaus. Ab 1821 wurden hier auch Patienten mit gewissen Hautkrankheiten wie Grind aufgenommen.

Die eigentliche «Irrenanstalt» Waldau wurde 1850 gegründet. 1852 konnte ein Neubau bezogen werden, der Raum für 250 Patienten bot. Seither erfolgten zahlreiche Um- und Neubauten. Zur Waldau gehört die 1501 vollendete und 1683 vergrösserte ehemalige Siechenkapelle, die zwei Glocken von 1497 und 1684 besitzt. Von 1858 bis 1871 wirkte der reformierte Theologe Ernst Friedrich Langhans als Seelsorger an der Klinik. Bekannte Bewohner der Waldau waren der Art-Brut-Künstler Adolf Wölfli (von 1895 bis 1930) und die Schriftsteller Hans Morgenthaler (1925), Robert Walser (von 1929 bis 1933) und Friedrich Glauser (von 1934 bis 1936). Glauser verfasste dort seine ersten drei Wachtmeister-Studer-Romane: Schlumpf Erwin Mord, Die Fieberkurve und Matto regiert. Letzterer gilt als Schlüsselroman und löste bei seinem Erscheinen 1937 einen Skandal im bernischen Gesundheitswesen aus, in dessen Folge der Waldau gar eine Disziplinaruntersuchung drohte, obwohl Glauser im Roman mit einem früheren Aufenthalt im Psychiatriezentrum Münsingen abrechnete.

DirektorenBearbeiten

  • 1855–1859: Albrecht Tribolet
  • 1859–1890: Rudolf Schärer
  • 1890–1933: Wilhelm von Speyr
  • 1933–1954: Jakob Klaesi
  • 1954–1963: Max Müller
  • 1963–1978: Hans Walther-Büel
  • 1979–1998: Wolfgang Böker
  • seit 1998: Werner Strik (heute Direktor der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie)
  • seit der Verselbstständigung zu einer gemeinnützigen Aktiengesellschaft per 1. Januar 2017 wird die UPD strategisch durch den Verwaltungsrat und operativ durch die Geschäftsleitung geführt. Präsident Verwaltungsrat: Heinz Hänni / Vorsitzender der Geschäftsleitung: Stefan Aebi

LiteraturBearbeiten

  • Andreas Altorfer: In der Anstalt – das Leben in der Psychiatrischen Klinik anfangs 20. Jahrhundert: eine fotografische Dokumentation aus der Irren-, Heil- und Pflegeanstalt Waldau. Ausstellung im Psychiatrie-Museum Bern, 22. September 2007–23. August 2008, Edition Solo, Bern 2008, ISBN 978-3-9523374-0-0.
  • Michel Beretti, Armin Heusser (Hrsg.): Der letzte Kontinent: Bericht einer Reise zwischen Kunst und Wahn; ein Bilder- und Lesebuch mit Materialien aus dem Waldau-Archiv (das Buch entstand aufgrund der Ausstellung «Le Dernier Continent ou la Waldau, Asile de l’Art» des Centre Culturel Suisse in Paris vom 11. Mai bis 30. Juni 1996, Schweizerische Landesbibliothek in Bern vom 28. Februar bis 19. April 1997). Mit Texten von Rätus Luck, Gestaltung: Guido Widmer, Limmat, Zürich 1997, ISBN 3-85791-281-2.
  • Zita Caviezel-Rüegg u. a.: Die Waldau bei Bern (= Schweizerische Kunstführer, Band 639/640). Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, Bern 1998, ISBN 3-85782-639-8.
  • Werner Strik: 150 Jahre Waldau – ein Spiegel der Gesellschaft. In: UniPress. Ausgabe 125, Juni 2005, S. 25 f. (PDF; 79 kB).
  • Martina Wernli: Schreiben am Rand: die «Bernische kantonale Irrenanstalt Waldau» und ihre Narrative (1895–1936), Transcript, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-8376-2878-4 (überarbeitete Dissertation ETH Zürich 2012, 444 Seiten, Verlaginfo).
  • Jakob Wyrsch: 100 Jahre Waldau: Geschichte der kantonalen Heil- und Pflegeanstalt und Psychiatrischen Universitätsklinik Waldau-Bern. Huber, Bern 1955.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Universitäre Psychiatrische Dienste Bern (UPD) AG, Handelsregister des Kantons Bern, abgerufen am 22. August 2018.

Koordinaten: 46° 58′ 1″ N, 7° 28′ 53″ O; CH1903: 603254 / 201764