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Villa Felicitas

Landhaus von 1855 in Bad Ischl
Die Villa Felicitas 2013

Die Villa Felicitas ist ein 1855 erbautes Landhaus in Bad Ischl mit der Adresse Steinbruch 43. Die Villa steht mit der Bezeichnung Villa Felicitas/Schratt-Villa unter Denkmalschutz.[1]

GeschichteBearbeiten

Das Gebäude wurde 1855 vom Ischler Kurarzt Dr. Mayer als Gästehaus im alpinen Landhausstil auf einem großen Parkgrundstück an der Landstraße zum Wolfgangsee errichtet und „Villa Felicitas(= „Landhaus Glück“) genannt. Später wurde die Familie Koch, die in Bad Ischl das Hotel Post betrieb, Eigentümerin.

Prominente BewohnerBearbeiten

 
Kaiser Franz-Joseph und Katharina Schratt am Ischl-Steg 1895

1889 bis zum Ersten Weltkrieg bewohnte die damals 36-jährige Burgschauspielerin Katharina Schratt, die ihre Sommer 1886 bis 1888 in der Villa Frauenstein am Wolfgangsee verbracht hatte, die Villa Felicitas immer wieder in den Monaten Juli und August. Ihr Freund Kaiser Franz Joseph I. genoss den „Vortheil der Nähe“ und besuchte sie von seiner nahegelegen Kaiservilla aus regelmäßig. Hierzu ließ er sich eigens einen hölzernen Steg über die Ischl zimmern. In dem nun „Villa Schratt“ genannten Anwesen verbrachte er, eigener Aussage zufolge, „die glücklichsten Stunden“.[2] Weitere Gäste des Hauses in der Zeit waren der Schauspieler Alexander Girardi und der Komponist Johann Strauss (Sohn).

In den 1920er-Jahren entwickelte sich Bad Ischl, wo Franz Lehár bereits seit 1912 eine große Villa besaß, weiter zu einem beliebten Kurort für Künstler, Komponisten und Schriftsteller.[3] Die vermögende Schauspielerin Mimi Kött kaufte nun die Villa Felicitas, um dort die Sommermonate zu verbringen. Sie machte das Haus zu einem Zentrum des gesellschaftlichen Lebens und behielt es auch nach der Beendung ihrer Bühnenkarriere bis zu ihrem frühen Tod 1931.

Zwangsverkauf 1938Bearbeiten

1932 erwarb der Schriftsteller Fritz Löhner-Beda die Villa und schenkte sie seiner Frau Helene. Mit ihr und den beiden kleinen Töchtern Eva und Lieselotte lebte er dort im Sommer und arbeitete mit Komponisten wie Franz Lehár und Hugo Wiener an neuen Operettenprojekten zusammen. Nach dem Anschluss Österreichs und der Verhaftung Löhners im März 1938 wurde Helene Löhner von der Ortsgruppenleitung der NSDAP Bad Ischl ab Juli unter Drohungen zum Verkauf der amtlich mit 53.000 Reichsmark geschätzten Villa Felicitas an das Land Oberdonau gedrängt. In dem im November 1938 in Wien geschlossenen Kaufvertrag wurden als Kaufpreis nur 8.000 RM festgelegt. Das Geld kam auf ein Sperrmark-Konto und wurde niemals ausgezahlt. Bereits im Mai 1939 verkaufte das Land Oberdonau die Villa einschließlich Inventar für 52.300 Reichsmark an den Rechtsanwalt Ludwig P. aus Linz. Helene Löhner und ihre Töchter wurden am 31. August 1942 in die Vernichtungsstätte Maly Trostinec bei Minsk deportiert und dort unmittelbar nach Ankunft ermordet.[4] Fritz Löhner-Beda wurde am 4. Dezember 1942 in Auschwitz-Monowitz erschlagen.

Nach 1945Bearbeiten

1948 wurde die Villa Felicitas der in die USA emigrierten Schwester Helene Löhners rückübertragen. Sie verkaufte die Villa an den Schauspieler und Kabarettisten Maxi Böhm. Er betrieb dort 15 Jahre lang eine „Pension der guten Laune“, in der auch Frühstück angeboten wurde.

1964 erwarb die Opernsängerin Linda Plech die Villa. Mit ihrem Mann Claus-Peter Corzilius modernisierte sie das Haus als Gästehaus mit Ferienwohnungen und Restaurant, richtete einen Seminar- und Konzertraum im Dachgeschoss ein und setzte so die Tradition des Hauses als Künstlertreffpunkt fort.

Quellen und LiteraturBearbeiten

  • Aktenbestand „Arisierungen“ im Gerichtsbezirk Bad Ischl, Archiv des Stadtamtes Bad Ischl
  • Barbara Denscher, Helmut Peschina: Kein Land des Lächelns. Fritz Löhner-Beda 1883–1942. Residenz, Salzburg 2002, ISBN 3-7017-1302-2.
  • Florian Freund, Hans Safrian: Vertreibung und Ermordung. Zum Schicksal der österreichischen Juden 1938–1945. Das Projekt „Namentliche Erfassung der österreichischen Holocaustopfer“, Hg. DÖW Wien 1993
  • Brigitte Hamann (Hrsg.): Meine liebe, gute Freundin! Die Briefe Kaiser Franz Josephs an Katharina Schratt. Aus dem Besitz der Österreichischen Nationalbibliothek. Ueberreuter, Wien 1992, ISBN 3-8000-3371-2.
  • Jutta Hangler: „Die Arisierung Bad Ischls macht Fortschritte...“. Die „Entjudung“ von Liegenschaften am Beispiel eines oberösterreichischen Tourismusortes. Diplomarbeit, Salzburg 1997 (Typoskript)
  • Karl Kraus: Was tut sich in Ischl?, in: Die Fackel, Oktober 1929
  • Wolfgang Pohrt: Ausverkauf. Von der Endlösung zu ihrer Alternative. Pamphlete und Essays, Berlin 1980

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Oberösterreich – unbewegliche und archäologische Denkmale unter Denkmalschutz. (Memento vom 8. Juni 2016 im Internet Archive). Bundesdenkmalamt, Stand: 26. Juni 2015 (PDF).
  2. Georg Markus: Wo einst der Kaiser mit der Schratt, Kurier.at, 24. Mai 2015
  3. Karl Kraus 1929
  4. Alfred Gottwaldt, Diana Schulle: Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941–1945 – Eine kommentierte Chronologie. Marix, Wiesbaden 2005, ISBN 3-86539-059-5, S. 246.

Koordinaten: 47° 43′ 6″ N, 13° 36′ 16,2″ O