Umweltkatastrophe am Lambro 2010

Vorsätzlich herbeigeführter Ölunfall

Bei der Ölpest am Fluss Lambro in der Lombardei wurden im Jahr 2010 etwa 2.600 Tonnen Diesel und Schweröl in Monza freigesetzt, die über den Fluss Lambro den Po erreichten.[1][2]

Ölsperren am Lambro

HergangBearbeiten

In der Nacht vom 22. auf den 23. Februar 2010 gegen 3:30 Uhr öffneten Unbekannte sieben Silo-Tanks auf dem Gelände der seit den 80er-Jahren stillgelegten Raffinerie von Lombarda Petroli in Villasanta bei Monza. Der Inhalt von etwa 1.800 Tonnen Diesel und 800 Tonnen Schweröl[3][4] ergoss sich ins Umfeld und floss dann in die Kanalisation und von dort in die Kläranlage Monza - San Rocco. Zunächst sammelte sich das Öl in einem Tank, der aber nach wenigen Minuten aufgrund der Menge überlief, und landete im Fluss Lambro, der nach den Winterregenfällen stark mit Wasser beladen war. Morgens um 5 Uhr bemerkte ein Arbeiter der Kläranlage die Katastrophe. Innerhalb kurzer Zeit wurde ein Notfallplan aufgestellt, um die Auswirkungen der Katastrophe abzumildern.

Eine von der Feuerwehr, Freiwilligen des Zivilschutzes und Technikern der ARPA gebildete Einsatzgruppe errichtete mit Hilfe der staatlichen Forstverwaltung schwimmende Dämme entlang des gesamten Flusslaufs, um das Öl zu stoppen. In der Zwischenzeit begann man, hunderte durch das Öl kontaminierten Tiere in das WWF-Zentrum in Vanzago zu bringen.

Das Öl passierte die erste Staustufe und kam gegen 16 Uhr in Melegnano an. Zusätzlich zu der festen Staustufe, die zur Kontrolle des Wasserstandes angelegt war wurde eine zweite Staustufe gebaut. Die Schleusentore der Staustufe wurden angehoben, um die unteren, klar gebliebenen Wasserschichten abfließen zu lassen, während das an der Oberfläche stehende Öl in Tankwagen gesaugt wurde.

Die Ölmenge war jedoch enorm und auch die Melegnano-Staumauer konnte nur einen Teil aufhalten, so dass der Ölteppich seine Reise fortsetzte und gegen 20 Uhr San Zenone al Lambro erreichen konnte, wo Einsatzkräfte eine dritte Staumauer gebaut hatten; dazu wurde ein Damm verwendet, der normalerweise von Enel zur Erzeugung von Wasserkraft genutzt wird. An diesem Damm arbeiteten die Feuerwehrleute und die Freiwilligen des Zivilschutzes mit Hilfe des Forstwirtschaftskorps die ganze Nacht hindurch, um zu verhindern, dass das Öl in den Po gelangt.

Ihre Bemühungen waren jedoch vergeblich und das Öl setzte seinen Weg fort. Am späten Abend erreichte der Ölteppich Lodi in der Lombardei, wo er schwere Umwelt- und Ernteschäden verursachte. Hier errichteten die Einsatzkräfte eine vierte Sperre, wobei sie Adsorptionsmittel einsetzten, aber auch diese gab nach und das Öl setzte seinen Weg fort.

Gegen 6 Uhr morgens am Mittwoch, den 24. erreichte der Ölteppich Sant'Angelo Lodigiano, den Ort der letzten Staustufe, bevor der Lambro in den Po mündet. So hart die Einsatzkräfte auch arbeiteten, das Öl passierten diese letzte Sperre im Morgengrauen desselben Tages und erreichten den Po an der Mündungsstelle im Flussabschnitt von Piacenza.

NachgangBearbeiten

Die Staatsanwaltschaft von Monza vermutete, dass Fachleute hinter der Katastrophe steckten und begann mit der Befragung der Mitarbeiter von Lombarda Petroli, einschließlich der Entlassenen. Die Untersuchungen verfolgten auch die Spur der Ausschreibungen für das Projekt Ecocity der Firma Addamiano Engineering auf dem Gelände der ehemaligen Raffinerie, das die Täter eventuell verhindern wollten.[5]

Im April 2010 veröffentlichte der Reporter Max Laudadio einen anonymen Brief, der eine Erklärung für das Lambro-Desaster enthielt. Laudadio ist Korrespondent beim Fernsehsender Striscia la notizia, einem Comedysender, der immer wieder auch Korruption in der Regierung anprangert. Laut dem Autor des Briefes war die Raffinerie nicht stillgelegt, sondern wurde als geheimes Depot benutzt, wo Mafiosi „gestohlenes“ Öl in den Tanks lagerten. Verantwortlich für die Katastrophe sei wiederum eine Person gewesen, die aus dem kriminellen Kreislauf „verdrängt“ worden sei, so der Autor. Max Laudadio präsentierte in seinem folgenden Bericht zwei Zeugen, die sagten, dass in der Gegend von Lombarda Petroli nachts oft viele Tankwagen vorbeifuhren, die nach der Katastrophe verschwanden. Der Fernsehsender wurde von Lombarda Petroli für diesen Bericht verklagt.[6]

Ein Jahr nach der Katastrophe erklärte Dr. Iaccone, technischer Leiter der regionalen Wasseraufsicht, „dass sich das Ökosystem bis zum Jahr 2027 dank des Lambro-Flussvertrags vollständig erholt haben wird“.

NachhallBearbeiten

Neben dem Fernsehbericht wurde einige Monate später das Buch Marea nera (Schwarze Flut) von Eugenio Lombardo veröffentlicht, der den Anstiegs von Krebsfällen mit dem Unglück in Verbindung bringt.[7] Im selben Jahr erschien der unabhängige Dokumentarfilm Un Po di petrolio von Nicola Angrisano.[8]

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Italien: Ölpest nach Sabotageakt. In: Focus Online. 24. Februar 2010;.
  2. Ölpest auf dem Po bedroht Adria. In: N24, 26. Februar 2010 (Memento vom 2. März 2010 im Internet Archive)
  3. L. Giari, B.S. Dezfuli, M. Lanzoni, G. Castaldelli: The impact of an oil spill on organs of bream Abramis brama in the Po River. In: Ecotoxicology and Environmental Safety. Band 77, März 2012, S. 18–27, doi:10.1016/j.ecoenv.2011.10.014 (elsevier.com [abgerufen am 31. Mai 2021]).
  4. Emergenza Fiumi Lambro e Po. Dipartimento della Protezione Civile; (PDF).
  5. Ölpest in Norditalien: Ökoterroristen unter Verdacht. In: DiePresse.com. 26. Februar 2010;.
  6. Ancora Striscia a Villasanta: “E’ una centrale clandestina”. E Tagliabue querela il tg. Il giorno, 20. April 2010.
  7. Eugenio Lombardo (Hrsg.): Marea Nera. Il disastro del Lambro, la morte di un territorio. Mamma, Neviano degli Arduini 2010, OCLC 955937698.
  8. Un Po di petrolio. Teleimmagini.tv, 2. Februar 2011 (Memento vom 11. September 2012 im Webarchiv archive.today).

Koordinaten: 45° 35′ 57,1″ N, 9° 18′ 8,1″ O