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Transrapid 09

Transrapid-Magnetschwebezug
Transrapid 09
Transrapid-emsland.jpg
Hersteller: ThyssenKrupp-Transrapid
Baujahre: 2006–2007
Länge: 75,80 m
Höhe: 4,25 m
Breite: 3,70 m
Kleinster befahrbarer Halbmesser: 270 m
Leermasse: 170 t
Höchstgeschwindigkeit: 505 km/h
Sitzplätze: 148 oder 156
Stehplätze: 296 oder 328
Daten beziehen sich auf ein Fahrzeug mit 3 Sektionen; möglich sind bis zu 10

Der Transrapid 09 ist eine Magnetschwebebahn vom Typ Transrapid und die Weiterentwicklung des Transrapid 08. Er wurde im Rahmen des Weiterentwicklungsprogramms (WEP) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie in Auftrag gegeben. Dieser Zug ist für den Regionalverkehr optimiert und wäre das Vorserienfahrzeug für das Projekt Transrapid München gewesen.

GeschichteBearbeiten

Das auffälligste Merkmal gegenüber dem TR08 sind die breiteren Türen (1300 mm statt 900 mm), die elektrisch geöffnet werden statt wie bisher pneumatisch. Da der Zug fahrerlos betrieben werden soll, wurde aus Gewichtsgründen auf die beiden Frontscheiben des Vorgängermodells verzichtet und es wurden stattdessen zwei Kameras in die LED-Scheinwerfer integriert. Das Testfahrzeug 09 ist ein dreiteiliger Zug (Endwagen E1, Mittelwagen M1 und Endwagen E2 mit Messeinrichtungen), der prinzipiell auf bis zu 10 Sektionen erweitert werden kann. Die Wagenenden sind miteinander druckdicht gekoppelt, so dass auch Tunnelfahrten mit zulässiger Betriebsgeschwindigkeit möglich sind, ohne den Fahrkomfort zu beeinträchtigen. Ausgelegt ist der Zug auf eine maximale Geschwindigkeit von 505 km/h und eine Betriebsgeschwindigkeit von 350 bis 430 km/h.

Der Linearmotor im Transrapid ist gleichzeitig Generator für seine eigene Bordnetzversorgung (440 V DC und 24 V DC). Fährt dieser im Geschwindigkeitsbereich unterhalb von 100 km/h, kann dieser nicht mehr genügend Leistung zur Verfügung stellen, so dass dieser Bedarf durch Pufferbatterien für ca. eine Stunde gedeckt ist. Daher verfügte sein Vorgänger TR08 unterhalb der Tragmagnete noch über ausfahrbare Stromabnehmer für den unteren Geschwindigkeitsbereich. Der TR09 ist mit einem neuen berührungslosen Energieversorgungssystem IPS (Inductive Power Supply) ausgerüstet, mit dem dieser den Strom berührungslos in das Bordnetz einspeisen kann. Dadurch und durch weitere aerodynamische Optimierungen konnte die Schallemission um 3 bis 4 dB (A) gegenüber dem TR08 gesenkt werden.

Der Innenraum wurde um 150 mm erhöht und die ursprüngliche 3+3-vis-à-vis-Bestuhlung auf 2+2 reduziert, um den Gang zu verbreitern, da bei einer geplanten Fahrtdauer von 10 min mehr Personen im Stehen befördert werden sollten. Wegen der geringen Anzahl von Sitzplätzen entschied man sich für ein Fertig-Modul, dessen Grundgerüst auch in den S-Bahnen der Deutschen Bahn zu finden ist. Es wurden zusätzliche Gepäckablagen eingerichtet und ein Fahrgastinformationssystem eingebaut, auf dem Informationen wie z. B. aktuelle Abflugzeiten angezeigt werden können. Die Klimaanlage wurde in der Leistung gesteigert und das Lichtkonzept verbessert. Eine weitere Neuerung war die Aufnahmemöglichkeit von Gepäckcontainern in der E1-Einheit.

Der dreiteilige Zug wurde am 23. März 2007 in Kassel vom Hersteller ThyssenKrupp Transrapid der Öffentlichkeit vorgestellt und einzeln zwischen dem 17. und 21. April per Schwertransport nach Lathen zur Transrapid-Versuchsanlage Emsland überführt. Die Bereitstellung verzögerte sich aber, da aufgrund des schweren Unglücks vom 22. September 2006 die Betriebsgenehmigung für die Versuchsstrecke entzogen wurde. Ohne diese Genehmigung konnten auch die Sektionen des TR09 nicht vollständig zusammengesetzt werden, da sie hierzu schweben mussten.

Mit einer am 3. März 2008 erteilten Teilgenehmigung konnte das Fahrzeug zwei Wochen später fertig montiert werden. Erste Schwebeversuche und Rangierfahrten wurden anschließend auf einer Streckenlänge von 25 Metern in der Halle durchgeführt. Die endgültige Betriebsgenehmigung war ursprünglich für Ende Mai 2008 angekündigt worden und wurde seitdem mehrmals verschoben. Am 3. Juli 2008 erteilte die niedersächsische Landesregierung dann die neue Betriebsgenehmigung.[1] Aus verwaltungstechnischen Gründen war die Genehmigung zunächst bis Ende 2008 begrenzt.[2] Die erste Hallenausfahrt erfolgte am 30. Juli 2008. Anschließend fuhr der TR09 bis zur Einstellung des Testbetriebs Ende 2011 auf der Strecke.[3]

Fünf Jahre nach der Stilllegung der Transrapid-Versuchsanlage Emsland 2011 ersteigerte die Familie Kemper, die Familie des Erfinders der Magnetschwebebahn Hermann Kemper und Inhaberin der H. Kemper GmbH & Co. KG, den Transrapid 09 für 200.001 €, Im September 2017 wurde er auf dem Firmengelände in Nortrup aufgestellt.[4][5] Dort sollen die drei Sektionen des Zuges als Konferenz- und als Ausstellungsräume zur Geschichte des Transrapid genutzt werden.[4]

Einzelnachweise und QuellenBearbeiten

  1. Transrapid darf wieder schweben In: Kölner Stadtanzeiger, 3. Juli 2008
  2. Transrapid darf wieder schweben. In: Financial Times Deutschland, 3. Juli 2008
  3. Transrapid-Versuchsanlage im Emsland steht vor dem Abriss. (Nicht mehr online verfügbar.) In: dapd nachrichtenagentur. 10. Januar 2012, archiviert vom Original am 31. Dezember 2013; abgerufen am 31. Dezember 2013.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/de.nachrichten.yahoo.com
  4. a b Letzter Halt für den Transrapid: Wurstfabrik. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 15. September 2017, S. 21.
  5. Spektakulär: Transrapid erreicht Nortrup. (noz.de [abgerufen am 28. Januar 2018]).

Technische Angaben sind größtenteils folgenden Publikationen des Herstellers bzw. seiner Mitarbeiter entnommen:

  • Transrapid Technik (PDF; 534 kB)
  • M.Tum, G.Huhn, C.Harbecke Transrapidfachtagung 2007, Dresden: Design and Development of the Transrapid TR09
  • M.Tum, G.Huhn, C.Harbecke Transrapidfachtagung 2007, Dresden: Ausführung des Transrapid TR09