Transgression (Linguistik)

Gebrauch einer für den Sprecher nicht identitätsstiftenden Sprachvarietät

Transgression (von lateinisch transgressio ‚Überschreitung‘) bezeichnet den Gebrauch einer für den Sprecher nicht identitätsstiftenden Sprachvarietät.

Zugehörigkeit und UnterscheidungBearbeiten

Transgression kann beispielsweise darin bestehen, dass deutsche Jugendliche den von türkischen Jugendlichen erfundenen Ethnolekt partiell in ihre Rede übernehmen. Diese Verwendung signalisiert das Zugehörigkeitsgefühl zu einer „strassenorientierten Subkultur oder zu bestimmten jugendkulturellen Szenen“.[1] Es können ganze Sequenzen eines Austauschs aus einer anderen Varietät entlehnt sein. In der englischsprachigen Forschung spricht man von Crossing. Auch hier kann die Beobachtung gemacht werden, dass englische Jugendliche Versatzstücke aus Einwanderersprachen bewusst einsetzen, um sich von den standardsprachlichen Regelungen der eigenen Sprache zu unterscheiden. Transgressionen dienen auch dem Zweck, den We-Code einer Sprecherschicht gegenüber dem Mainstream zu betonen.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Dirim, Inci; Auer, Peter: Türkisch sprechen nicht nur die Türken: Über die Unschärfebeziehung zwischen Sprache und Ethnie in Deutschland. de Gruyter, Berlin/New York 2004, ISBN 978-3-11-018092-3.
  • Riehl, Claudia Maria: Sprachkontaktforschung: Eine Einführung. Gunter Narr Verlag, Tübingen 2009, ISBN 978-3-8233-6469-6.
  • Zappe, Florian: Das Zwischen schreiben: Transgression und avantgardistisches Erbe bei Kathy Acker. transcript-Verlag, Bielefeld 2013, ISBN 978-3-83762362-8.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Riehl: Sprachkontaktforschung: Eine Einführung. 2009, S. 167ff.