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Auf DIN-Schiene (TH 35) montierte Elektrobauteile, »Hutschienenmontage«

Eine Tragschiene ist eine Profilschiene aus Metall. Tragschienen werden in der Elektrotechnik zur Befestigung von Bauteilen in Verteilerkästen, Schaltschränken, Anschlusskästen und Ähnlichem verwendet. Auf einer Tragschiene können unterschiedliche elektrische Betriebsmittel (zum Beispiel Relais, Stromstoßschalter, Zeitschaltuhren, Sicherungsautomaten, Reihenklemmen) seitlich aufgeschoben oder von vorne aufgesteckt und arretiert werden. Die Montage von Schaltschränken und Schaltkästen wird durch diese genormte Methode erleichtert, wodurch die Arbeitskosten sinken. Die verschiedenen Schienentypen sind aktuell in

  • DIN EN 60715:2001-09 Abmessungen von Niederspannungsschaltgeräten - Genormte Tragschienen für die mechanische Befestigung von elektrischen Geräten in Schaltanlagen

zusammengefasst genormt. Diese Norm aus dem Jahr 2001 löst die älteren Normen DIN EN 50022...50024, DIN EN 50035 und DIN EN 50045 ab.

Tragschienen für großräumige Elektro- und Rohrtrassen, etwa bei der Sanitärinstallation, werden Montageschienen genannt.

Inhaltsverzeichnis

AusführungenBearbeiten

Als Material wird Stahl (verzinkt chromatiert), Kupfer oder Aluminium verwendet. Tragschienen aus Kupfer oder Aluminium können neben der tragenden Funktion auch als Schutzleiter (PE-Leiter) oder PEN-Leiter verwendet werden; Stahl darf zwar als PE-Schiene benutzt werden, jedoch wegen der schlechteren elektrischen Leitfähigkeit nicht als PEN-Schiene.

HutschieneBearbeiten

 
Relais für die TH-35-Hutschienenmontage

Die Hutschiene (TH 35, ehemals TS 35) ist eine Tragschiene mit einem einem Hut ähnelndem Profil. Der Querschnitt hat die Form eines breiten "U"s, dessen Schenkelenden jeweils ein kleines Stück weit horizontal nach außen abgeknickt verlaufen – wie die plane Krempe eines umgedrehten Girardihuts.

Das Profil wird aus Stahlblech kalt gewalzt oder aus einer Aluminiumlegierung stranggepresst. In der Mitte des Profils, am Grund des "U"s, werden längsorientiert Langlöcher ausgestanzt.

Maße: Das liegende Profil weist 35 mm Breite und je nach Variante 7,5 oder 15 mm Höhe auf. Die Materialstärke, z. B. Blechdicke, beträgt 1 mm. Die Langlöcher mit dem Innenmaß 5,2 x 18 mm liegen in 25 mm Mittenabstand und dienen zur Befestigung mit Schrauben bis M5. Die Lieferlänge beträgt 1 oder 2 Meter oder abgelängt für den Einbau in einen bestimmten Schaltkastentypen.[1]

Im Englischen wird die Hutschiene meist als DIN Rail bezeichnet; damit ist insbesondere die 35-mm-×-7,5-mm-Variante gemeint, die mittlere in folgender Abbildung.

 

Auf die Hutschiene werden die Einbaugeräte (oft als Reiheneinbaugeräte bezeichnet, kurz "REG") mit einem Klemmmechanismus aufgesetzt. Auch hinsichtlich der Größe der Gerätegehäuse sind genormte Vorgaben einzuhalten, wobei die Abmessungen im Wesentlichen aus der spezifischen Form der Frontverkleidungen üblicher Verteiler resultieren, die an ihrer Rückwand Hutschienen aufweisen. Die Breite folgt einem als Teilungseinheit bezeichneten Raster von 18 mm.[2] Die Tiefe der Gehäuse muss mind. 70 mm betragen (um von der Hutschiene bis zur Frontverkleidung des Verteilers zu reichen), die Frontseite hat eine Höhe von 45 mm (entsprechend der Höhe des Öffnungsschlitzes in der Frontverkleidung), wobei diese Höhe auf den ersten 26 mm in Tiefenrichtung nicht überschritten werden darf. Die Höhe an der Hutschiene beträgt max. 85 mm.

Die Befestigung der REG-Einheiten erfolgt durch Formschluss und eine gewisse Klemmkraft. Das Gerät weist dafür an seiner Rückseite einen gut 35 mm breiten und etwa 6 mm tiefen Kanal auf, an dessen oberen Rändern Nasen oder Leisten etwa 3 mm weit Richtung Kanalmitte hinragen, um das Hutprofil an der Hutkrempenkante zu umfassen. Typisch ist an einer Seite eine über die gesamte Gerätebreite laufende Leiste schon mit dem Gerätegehäuse aus Kunststoff mitgeformt. Die bewegliche Nase(n) an der anderen Kanalseite wurde in den 1960er-Jahren typisch durch einen profilierten Blechschieber gebildet, der mit einer Stahlspiralfeder an das Hutprofil gedrückt wurde. Heute sitzt hier meist ein federnd ausgeführter gut gleitfähiger Kunststoffteil. Zur Montage und Demontage wird das Gerät zuerst mit der festen Verhakung an eine "Hutkrempe" eingehängt, dann die Klinge eines stabilen Schlitzschraubenziehers in einen Spalt der verschieblichen Nase eingesteckt und diese ein Stück zurückgezogen. Mit einer kleinen Drehung um die Hutschienenkante wird der Kanalgrund auch an der zweiten Seite an die Hutkrempe gelegt und die Nase losgelassen. Die federnde Nase arretiert das Gerät an der Schiene, dennoch kann durch seitliches Klopfen oder Pressen das Gerät bei Bedarf wenige Millimeter verschoben werden; liegt eine Reihe von Geräten lückenlos aneinander, kann durch Mergeln oder Drehen eines mittigen Geräts soviel Luft rundum geschaffen werden, dass dieses nach Lösen der Nase herausgekippt werden kann.

Nasen aus Blech waren mitunter so geformt, dass beim Einsetzen die Nase von der Hutkrempe zurückgeschoben wurde, also kein Schraubendreher nötig war. Manche Kunststoffnasen rasten in der Endlage "offen" ein. Das Verschließen kann durch Andrücken des Geräts an die Hutschiene ausgelöst werden oder bei anderen Typen durch ein Schieben am Mechanismus, wahlweise mit dem Schraubendreher oder einem Finger. Geräte die neben dem Kanal weit nach hinten bauen haben an der Seite der festen Leiste eine Abschrägung der Rückseite, um das gekippte Einhaken in die Schiene zu erlauben.

Die bewegliche Nase und ihr Betätigungsmechanismus liegt (in der Orientierung Wandmontage) meist oben, mitunter jedoch auch unten.

G-SchieneBearbeiten

Eine G-Schiene (G 32) ist eine Tragschiene mit G-förmigem Profil.

Während an den Hutschienen Leiste und bewegliche Nase des Geräts von außen unter die Hutkrempe greifen, greifen an anderen Geräten ebensolche Ausformungen von innen unter die Profilkanten der G-Schiene.

ProfilmaßeBearbeiten

DIN EN 60715 aus dem Jahr 2001 normiert folgende Schienenprofile:[3]

  • TH 15/5,5 (Gesamtbreite 15 mm, Hutbreite 10,5 mm, Höhe 5,5 mm)
  • TH 35/7,5 (1 mm Blechdicke, Gesamtbreite 35 mm, Hutbreite 27 mm, Höhe 7,5 mm) (auch: Variante mit 2,3 mm Blechdicke)
  • TH 35/15 x 1,5 (1,5 mm Blechdicke, Gesamtbreite 35 mm, Hutbreite 27 mm, Höhe 15 mm)
  • G 32/9x5/15x10,5 (G-Schiene mit 32 mm Gesamtbreite, 15 mm Gesamthöhe)

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. WAGO Stahltragschiene 35 x 7,5 mm 1 mm dick 2 m lang gelocht bläulich, verzinkt, chromatiert, CR3 Katalogeintrag bei rexel.de, abgerufen 19. Juni 2019.
  2. DIN 43880:1988-12 Installationseinbaugeräte; Hüllmaße und zugehörige Einbaumaße.
  3. Profilschienenschneidgerät PSG 5 kabeltechnik.at, Katalogseite, abgerufen 19. Juni 2019.

LiteraturBearbeiten

  • Wolfgang E. Schmidt: Lernsituationen Energie- und Gebäudetechnik für Elektroniker und Elektroinstallateure. 1. Auflage, Verlag Handwerk und Technik GmbH, Hamburg, 2005, ISBN 3-582-03671-5.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Tragschienen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien