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Freilichtbühne Stedingsehre

ehemalige NS-Kultstätte in der Gemeinde Ganderkesee in Niedersachsen
(Weitergeleitet von Thingstätte Stedingsehre)
Weitläufige Tribüne der Freilichtbühne mit vorgelagertem Wassergraben (2010)
Gebäude der Anlage (2010)

Die Freilichtbühne Stedingsehre ist eine ehemalige NS-Kultstätte im Rahmen der Thingbewegung im Ortsteil Bookholzberg der Gemeinde Ganderkesee. Sie sollte der weltanschaulichen Schulung der politischen Elite der Nationalsozialisten dienen. Der Name bezog sich auf den Stedingerkrieg. Die Freilichtbühne fasste mehr als 20.000 Menschen.

Inhaltsverzeichnis

BeschreibungBearbeiten

Die Anlage besteht aus einer halbrunden, nach Norden geöffneten Tribüne mit vorgelagertem Graben und den Halbkreis des inzwischen weitgehend mit dichter Vegetation zugewachsenen Dorfplatzes des ehemaligen Spieldorfs der Freilichtbühne. Das Spieldorf erstreckte sich mit etlichen Bauten weitläufig nach Norden.

GeschichteBearbeiten

Aus Anlass des 700. Jahrestages der Schlacht von Altenesch verfasste der Oldenburger Autor August Hinrichs, der sich mit plattdeutschen Schwänken profiliert hatte, 1934 das Theaterstück, „De Stedinge“, das auf Veranlassung des Gauleiters Carl Röver auf der eigens dafür errichteten Freilichtbühne in Bookholzberg (Landkreis Oldenburg) zwischen 1935 und 1937 mehrfach aufgeführt wurde.

Die Veranstaltungen auf der modernen Thingstätte, die von der NSDAP als Oberammergau des Nordens“ bezeichnet wurde, sollten als weltanschauliche und politische Kraftquelle aller Menschen im Raume Weser-Ems wirken.[1] In Anlehnung an das Theaterstück, das damals von insgesamt 150.000 Besuchern gesehen wurde, erhielt das Freilichttheater den Beinamen Stedingsehre. August Hinrichs überließ „die Rechte an seinem Stück, das 'Blut' und 'Boden' glorifiziert, der Stiftung Stedingsehre. Deren Fäden hält Reichsstatthalter Röver in der Hand“.[2]

Die „Niederdeutsche Gedenkstätte Stedingsehre“ wurde 1937 von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels zur „Normarkfeierstätte“ geweiht. Hier fanden Massenkundgebungen der NSDAP statt, später sollte dort ein Schulungszentrum der Partei eingerichtet werden, dazu ist es jedoch nach Ausbruch des Krieges nicht mehr gekommen. Auf dem Gelände wurde zuletzt 1939 in Anwesenheit von Alfred Rosenberg eine Sonnenwendfeier veranstaltet.

Auf dem Theatergelände wurde für die Aufführungen ein festes kleines Dorf errichtet. 1943 zerstörte eine Fliegerbombe die Kirche.

Die restlichen Gebäude sind noch heute erhalten und beherbergen eine Einrichtung des Berufsförderungswerks Weser-Ems, das den unangemeldeten Zutritt Unbefugter zu dem Gelände verbietet.[3] Überlegungen, das Freilichttheater zu reaktivieren, sind vor dem Hintergrund der geschichtlichen Ereignisse nicht realisiert worden. Die Anlage steht heute unter Denkmalschutz.

LiteraturBearbeiten

  • Gerhard Kaldewei: „Stedingsehre soll für ganz Deutschland ein Wallfahrtsort werden“. Dokumentation und Geschichte einer NS-Kultstätte auf dem Bookholzberg; 1934 - 2005. Hrsg. Oldenburgische Landschaft, Delmenhorst u. a. 2006, ISBN 3-939401-07-2.
  • Gerhard Kaldewei: Wo deutsche Bauernfäuste den Pflug durch die Muttererde führen. In: Oldenburger Jahrbuch 103, Oldenburg 2003, S. 107–167.
  • Ulf-Thomas Lesle: Das Niederdeutsche und die norddeutsche Bühnenbewegung. In: Regionaler Fundamentalismus? Geschichte der Heimatbewegung in Stadt und Land Oldenburg. Oldenburg 1999, S. 198–217.
  • Catrin Finsterhölzl: Die Einweihung der Niederdeutschen Gedenkstätte Stedingsehre. Ein Beispiel nationalsozialistischer Selbstinszenierung im Gau Weser-Ems, In: Oldenburger Jahrbuch 99, 1999, S. 177–205.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Stiftung Stedingsehre (Hrsg.): De Stedinge. Varel 1937, S. 5.
  2. Ulf-Thomas Lesle: Identitätsprojekt Niederdeutsch. Die Definition von Sprache als Politikum. In: R. Langhanke (Hrsg.): Sprache, Literatur, Raum. Fs. für Willy Diercks. Bielefeld 2015, S. 729.
  3. UWG Ganderkesee: Ort zugänglich machen – Stedingsehre@1@2Vorlage:Toter Link/uwg-ganderkesee.blog.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.. 9. Februar 2012

Koordinaten: 53° 5′ 54″ N, 8° 31′ 27″ O