Susan Vahabzadeh

Deutsche Journalistin und Filmkritikerin

Susan Vahabzadeh (geboren in Düsseldorf) ist eine deutsche Journalistin und Filmkritikerin der Süddeutschen Zeitung.

LebenBearbeiten

Susan Vahabzadeh wurde in Düsseldorf als Tochter einer deutschen Mutter und eines persischen Vaters geboren.[1]

Vahabzadeh studierte in Frankreich Literaturwissenschaft und später Politikwissenschaft.[1] Sie ist Absolventin der Deutschen Journalistenschule in München. Zunächst wollte sie politische Journalistin werden, bevor sie sich dem Feuilleton zuwandte.[1] Seit 1997 arbeitet sie fest für die Süddeutsche Zeitung, wo sie Porträts Kulturschaffender schrieb.

Auf Empfehlung von Arno Makowsky, Claudius Seidl und Michael Althen verfasste sie zunehmend Filmkritiken für die Zeitung. Seit dem Wechsel von Althen zur FAZ im Jahr 2001 ist Vahabzadeh Filmkritikerin im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung. Anlässlich der Berlinale 2005 zählte sie Der Spiegel zu „Deutschlands bekannteste(n) Filmkritiker(n)“.[2] 2012 wurde sie von Sight & Sound dazu eingeladen, als eine von weltweit 846 Kritikern, Kino-Programmchefs und Festival-Kuratoren an der Wahl der 100 besten Filme aller Zeiten abzustimmen.[3][4] Seit 2016 erscheint auf sueddeutsche.de ihre Videokolumne „Zoom“, in der sie über Kinopremieren spricht.

Als ihr Vorbild gibt Vahabzadeh die US-amerikanische Filmkritikerin Pauline Kael an.[1]

RezeptionBearbeiten

Autoren filmhistorischer und kulturkritischer Literatur bezogen sich auf ihre Artikel und zitierten sie vielfach. Darunter ist ihr Artikel über Ed Harris als Schauspieler und Regisseur des Films Pollock,[5] ihre Kritik der Harry-Potter-Verfilmungen, denen jegliche Selbstironie fehle,[6] der Artikel „Warum Tarantino Sklaverei und Holocaust vergleicht“ zum Film Django Unchained[7] ihr Lob für das Autorenkino von Mira Nair,[8] ihre Schilderungen der in Mexiko gedrehten Szenen des Bond-Films Spectre,[9] ihr Verriss des Films Männersache von Mario Barth[10] oder ihre Analyse, dass Guy Ritchies Sherlock-Homes-Remake Muster der Bond-Filme aufwärme.[11] Zur Ästhetik der Gewalt in Filmen zitierte Reinhold Zwick in dem philosophischen Band Das Böse erzählen (2017) eine frühe Filmkritik von Susan Vahabzadeh aus dem Jahr 1995 zu Der Totmacher.[12]

Neben Filmkritiken veröffentlichte sie auch Essays, Porträts und Interviews. In Das Lachen der Täter: Breivik u.a. reflektiert Klaus Theweleit anhand ihres Interviews mit dem Politikwissenschaftler Olivier Roy dessen Thesen zum Zulauf von Jugendlichen zum IS. Der Artikel „Jugend ohne Gott. Susan Vahabzadeh trifft Olivier Roy“ war am 29./30. November 2014 in der Süddeutschen Zeitung erschienen. Es war kein wörtliches Interview. Vahabzadeh habe zusammenfasst, was er sagte.[13] Mit der in Hollywood begonnenen „#MeToo“-Debatte befasste sich Vahabzadeh 2018 in mehreren Artikeln. Birgit Sauer nahm ihre Forderung nach einem „neuen Geschlechtervertrag“ auf, der den „sexuellen Unterwerfungsvertrag“, wie ihn Carole Pateman als Grundlage der westlichen politischen Moderne diagnostiziert hatte, auflöst und so zur „Entgiftung“ von Männlichkeit und des Geschlechterverhältnisses beitrage.[14]

JurymitgliedBearbeiten

Susan Vahabzadeh wirkte in mehreren Jurys mit.

Sonstige VeröffentlichungenBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Susan Vahabzadeh. (PDF) Filmkritikerin im Gespräch mit Bettina Reiz. 18. November 2010, abgerufen am 20. November 2021.
  2. Lost im Bademantel, Spiegel Kultur, 26. Januar 2005
  3. Susan Vahabzadeh. In: bfi.org.uk, abgerufen am 6. Februar 2022.
  4. The 100 Greatest Films of All Time. In: bfi.org.uk, abgerufen am 6. Februar 2022.
  5. Doris Berger: Projizierte Kunstgeschichte. Mythen und Images in den Filmbiografien über Jackson Pollock und Jean-Michel Basquiat, Transkript, Bielefeld 2009, ISBN 978-3-8376-1082-6, S. 150
  6. Stefanie Heinen: Kampf um Aufmerksamkeit. Die deutschsprachige Literaturkritik zu Joanne K. Rowlings "Harry-Potter"-Reihe und Martin Walsers "Tod eines Kritikers", Lit Verlag, Berlin/Münster 2007, ISBN 978-3-8258-0460-2, S. 198–205
  7. Elisa Bordin, Anna Scacchi: Transatlantic Memories of Slavery: Remembering the Past, Changing the Future, Cambria Press 2015, ISBN 978-1-60497-903-9, S. 43
  8. Lisa Marie Gadatsch: Zwischen Hollywood und Bollywood. Das Autorenkino Mira Nairs, Springer VS, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-09662-5, S. 345
  9. Reiner Boller: In einer Bar in Mexiko, Mühlbeyer Filmbuchverlag, Frankenthal 2019, ISBN 978-3-945378-53-3, S. 251
  10. Martin Doehlemann: Glamour und Gloria – gratis, Waxmann Verlag, Münster 2009, ISBN 978-3-8309-2185-1, S. 102
  11. Stephanie Sommerfeld: Guy Ritchie’s Sherlock Bond, the Deerstalker and Remediation, in: Film Remakes, Adaptations and Fan Productions. Remake/Remodel, Palgrave Macmillan, London 2012, ISBN 978-1-349-44253-9, S. 53
  12. Reinhold Zwick: Das Böse zeigen. Überlegungen zu John McNaughtons „Henry - Portrait of a Serial Killer“, in: Eike Brock, Ana Honnacker (Hrsg.): Das Böse erzählen. Perspektiven aus Philosophie, Film und Literatur, Lit Verlag, Berlin/Münster 2017, ISBN 978-3-643-13799-9, S. 275
  13. Klaus Theweleit: Das Lachen der Täter: Breivik u.a. Psychogramm der Tötungslust, Residenz Verlag, St. Pölten/Wien/Salzburg 2015, ISBN 978-3-7017-1637-1, S. 176–180
  14. Birgit Sauer: #MeToo. Ambivalenzen und Widersprüche affektiver Mobilisierung gegen sexuelle Gewalt, In: L' homme, 30. Jahrgang, Heft 2/2019, ISBN 978-3-8471-0989-1, S. 98
  15. Festivaljurys. In: Film School Fest München. Internationale Münchner Filmwochen, abgerufen am 2. Februar 2022.
  16. Eine moralische Entscheidung. In: Veranstaltungen. Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, 19. Juni 2019, abgerufen am 2. Februar 2022: „Der Film des Monats der Jury der Evangelischen Filmarbeit ist die einzige durch eine Jury vergebene Auszeichnung für einen aktuellen Kinofilm.“