Stocznia Szczecinska B-80

Stocznia Szczecinska B-80 war eine Klasse von frachttragenden Schulschiffen der polnischen Werft Stocznia Szczecińska im. Adolfa Warskiego aus Stettin. Von 1969 bis 1977 wurden 13 Schiffe für sowjetische, polnische, bulgarische und rumänische Reedereien gebaut.

Stocznia Szczecinska B-80
Das polnische Schulschiff Antoni Garnuszewski
Das polnische Schulschiff Antoni Garnuszewski
Schiffsdaten
Schiffsart Schulschiff, Frachtschiff
Bauwerft Stocznia Szczecińska im. Adolfa Warskiego, Stettin
Bauzeitraum 1969 bis 1977
Indienststellung 1970–1977
Außerdienststellung ab 1995, z. T. noch vorhanden
Gebaute Einheiten 13
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
122,1 m (Lüa)
Breite 17,0 m
Tiefgang max. 7,4 m
Vermessung 5975 BRT, 2327 NRT
 
Besatzung 48, dazu 15 Lehrer, bis zu 112 Kadetten
Maschinenanlage
Maschine 1 ×Dieselmotor
Maschinen-
leistung
5500 PS
Höchst-
geschwindigkeit
16,0 kn (30 km/h)
Propeller 1 × Festpropeller
Transportkapazitäten
Tragfähigkeit 5510 tdw
Rauminhalt 5553 m³
Sonstiges

Bau und technische DatenBearbeiten

Auf Anforderung der sowjetischen Handelsmarine hatte die polnische Werft Stocznia Szczecińska im. Adolfa Warskiego Ende der 1960er Jahre den Entwurf für den Export in die Sowjetunion vorgelegt. Der Typ sollte der praxisnahen Offiziers-Ausbildung dienen und war zugleich als Frachtschiff vorgesehen. Neun Schiffe gingen in die Sowjetunion, wo sie die Namen von Professoren erhielten. Nach dem Typschiff wurde sie auch als „Professor Shchegolev-Klasse“ oder verkürzt als „Professoren-Klasse“ bezeichnet.[1] Da sich der Typ als erfolgreich erwies, folgten weitere zwei Schiffe für Polen sowie je ein Schiff für Rumänien und Bulgarien.[2] Nur die DDR übernahm den Typ nicht, da sie die Ausbildung auf großen Kombifrachtern betrieb.[3] Aufgrund der Weiterentwicklung während des Baus wurde die Serie in sechs Baureihen unterteilt, die sich vor allem durch verschiedene Motoren, aber auch unterschiedliche Kapazitäten für Kadetten unterschieden.

Der Grundtyp der Klasse B-80 entsprach einem Kombischiff. Die Schiffe waren 122,1 Meter lang, 17,0 Meter breit und wiesen einen Tiefgang von 7,4 Metern auf. Die Vermessung betrug 5975 BRT und 2327 NRT bei einer Tragfähigkeit von 5510 tdw. Der Antrieb bestand aus einem Dieselmotor unterschiedlicher Modelle, so der im Werk Jugoturbina in Karlovac in Lizenz hergestellte CCM-Sulzer-Modell „6RD56“, das bei Cegielski in Lizenz hergestellte Sulzer-Modell „5RD68“ und das polnische Modell „7D55“. Der 5500 PS leistende Zweitakter wirkte auf eine Schraube. Das Schiff erreichte eine Geschwindigkeit von bis zu 16,0 Knoten und hatte eine Reichweite von rund 8000 Seemeilen. Für den Frachttransport lagen zwei der Laderäume vor der Bücke und ein kleinerer hinter dem Wohn- und Unterrichtsbereich am Heck. Sie hatten zusammen ein Ballenvolumen von 5194 Kubikmetern und ein Schüttgutvolumen von 5553 Kubikmetern. Der Tiefkühladeraum war auf eine Temperatur von −18 Grad Celsius ausgelegt und hatte eine Größe von 312 Kubikmeter.[4][5][6]

Schulschiff-AusstattungBearbeiten

Für die Offiziersausbildung der Handelsmarinen wurde beim Bau der Schiffe Wert auf die damals modernste Ausrüstung gelegt, aber auch das praktische Erlernen von Fähigkeiten durch die Kadetten. Neben der Besatzung von 48 Mann boten die Schiffe Platz für 15 Dozenten und 112 Kadetten, insgesamt rund 170 Personen. Lediglich die rumänische Neptun war für 180 Personen ausgelegt.

Als Schulschiffe wurden wichtige Geräte wie Maschinenleitstände oder Radargeräte doppelt eingebaut. Neben den für die Schiffsführung benötigten Geräten konnten die Schüler an Simultangeräten ohne Auswirkungen auf den tatsächlichen Betrieb die Technik bedienen lernen.[3] Zur Ausstattung gehörten damals moderne Geräte wie ein Satellitennavigationssystem, Funkortungsanlagen, ein automatisierter Maschinenraum, ein Kraftwerk und weitere Geräte. Sie konnten auf einer doppelten Brücke sowie in einer Navigationskabine für den Unterricht genutzt werden. Für die praktische Ausbildung verfügten die Schiffe über ein umfangreiches Ladegeschirr: Es bestand aus zwei leichten Ladebäumen mit einer Tragfähigkeit von 5 Tonnen, einem weiteren mit einer Tragfähigkeit von 10 Tonnen sowie einen Schwerlastbaum von 30 Tonnen und am Heck einem Ladekran von 5 Tonnen. Mit dem Frachttransport verdienten die Schiffe Geld und gaben den Schülern gleichzeitig die Möglichkeit, Stauerei und Laden zu üben.[2][6]

Die SchiffeBearbeiten

Stocznia Szczecińska B-80
Bauname Baunummer IMO-Nummer Ablieferung Betreiber / Ausbilder Umbenennungen und Verbleib
Professor Shchegolev B80-I / 01 7024445 20. Juli 1970 Baltic Shipping Company / Staatliche Makarow-Universität der Meer- und Flussflotte, Leningrad als Kreta ab Mai 2007 in Aliağa abgewrackt.[7]
Professor Kudrevich B80-I / 02 7024433 27. Oktober 1970 Black Sea Shipping / Staatliche Marineuniversität Odessa, Odessa 1992 an Ukraine, November 1997 in Mumbai abgewrackt.[8]
Professor Juschtschenko B80-II / 03 7034294 31. Dezember 1970 Far Eastern Shipping Company / Staatliche Seefahrtsuniversität, Wladiwostok September 1997 in Kalkutta abgewrackt.[9]
Professor Anichkov B80-II / 04 7053032 1974 Black Sea Shipping / Staatliche Marineuniversität Odessa 1992 an Ukraine, Februar 2000 als Ani in Mumbai abgewrackt.[10]
Professor Rybaltovsky B80-III / 05 7102431 30. Juni 1971 Baltic Shipping Company / Staatliche Makarow-Universität der Meer- und Flussflotte, Leningrad September 2002 in Aliağa abgewrackt.[9]
Professor Minyaev B80-III / 06 7212078 11. März 1972 Black Sea Shipping / Staatliche Marineuniversität Odessa 1992 an Ukraine, 2004 außer Betrieb(?), 2017 als Heilige Olga noch vorhanden.[11]
Professor Ukhov B80-III / 07 7226249 15. August 1972 Baltic Shipping Company / Staatliche Makarow-Universität der Meer- und Flussflotte, Leningrad 1995 in Alang abgewrackt[12]
Professor Khlyustin B80-III / 08 7230288 31. Januar 1973 Far Eastern Shipping Company / Staatliche Seefahrtsuniversität, Wladiwostok weiterhin in Betrieb[9]
Professor Pavlenko B80-III /09 >[9] 29. Juni 1973 Black Sea Shipping / Staatliche Marineuniversität Odessa Mai 2000 in Chittagong abgewrackt[9]
Antoni Garnuszewski B80-V /10 7362653 30. Juni 1974 Polskie Linie Oceaniczne / Seefahrt-Universität Gdynia 1989 chin. Zhe Ying der China Ocean Shipping Co., 1998 in Kalkutta abgewrackt.[4][13]
Kapitan Ledochowski B80-V /11 7384742 28. Februar 1975 Polska Żegluga Morska / Seefahrts-Universität Stettin 1988 panam Zheng He, 1999 chin. Yu Ying, Verbleib unklar[4][14]
Nikola Vaptsarov B80-VI / 12 7500827 18. Juni 1976 Navigation Maritime Bulgare / Marineakademie Warna Oktober 2003 in Aliağa abgewrackt[15]
Neptun B80-VII / 13 7500815 1976 Navrom / Marineuniversität Constanța Juli 2003 in Aliağa abgewrackt. .[16]

LiteraturBearbeiten

  • Ambrose Greenway: Comecon Merchant Ships, [Verlag] Kenneth Mason, Emsworth/Hampshire, 4. Ausgabe 1989, ISBN 0-85937-349-5.
  • Bruno Bock, Klaus Bock: Die Roten Handelsflotten. Die Handelsschiffe der COMECON-Länder, Koehlers Verlagsgesellschaft, Herford 1977, ISBN 3-7822-0143-4.
  • Jan Piwowoński: Flota spod biało-czerwonej [Flotte unter Weiß-Rot], Verlag Nasza Księgarnia, Warschau 1989, ISBN 83-10-08902-3.

WeblinksBearbeiten

Commons: Professor Shchyogolev – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Professor Khlyustin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Antoni Garnuszewski – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Marineakademie Warna und Schulschiff Nikola Vaptsarov – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. David Greenman, E. C. Talbot-Booth: Jane's Warsaw Pact Merchant Ship Recognition Handbook, Jane’s Transport Press, London 1987, ISBN 0-7106-0455-6, S. 81
  2. a b Piwowonski, S. 179
  3. a b Bock, S. 73
  4. a b c Greenway, S. 171
  5. Bock, S. 81; S. 109, S. 119, S. 137
  6. a b Design B-80 (PNR), Typ Professor Shchegolev bei fleetphoto.ru
  7. Kreta bei fleetphoto.ru (russisch)
  8. Professor Kudrevich bei fleetphoto.ru (russisch)
  9. a b c d e Russ. Forumbeitrag zur B-80-Klasse bei www.wrk.ru
  10. Ani bei fleetphoto.ru (russisch)
  11. Heilige Olga bei fleetphoto.ru (russisch)
  12. Professor Ukhov bei nok-schiffsbilder.de
  13. Antoni Garnuszewski – IMO 7362653 bei shipspotting.com
  14. Yu Ying bei vesselfinder.com
  15. Erinnerung an die „Nikola Vaptsarov“ bei morskivestnik.com
  16. Neptun bei nok-schiffsbilder.de