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Stoßtrupp Adolf Hitler

Gruppierung aus der SA der NSDAP
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Der Stoßtrupp Adolf Hitler (auch: Stoßtrupp Hitler) entstand im Mai 1923 in München und war ursprünglich eine Gruppe von Leibwächtern Adolf Hitlers. Er war am Hitlerputsch beteiligt und leitete als Traditionsverband die Novemberpogrome 1938 ein, indem am 9. November 1938 39 Mitglieder des ehemaligen Stoßtrupps von einer Tagung im Alten Rathaus in München aufbrachen, um die Synagoge anzuzünden. Der Stoßtrupp gilt als die Keimzelle der SS.[1] Die meisten Mitglieder des Stoßtrupps erhielten den nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten gestifteten Blutorden, die höchste Auszeichnung der NSDAP.

Inhaltsverzeichnis

VorgeschichteBearbeiten

Auf den Versammlungen der NSDAP war Adolf Hitler der wichtigste Parteiredner. Im März 1923 gründete er eine Leibwache für sich und nannte sie Stabswache. Sie war für den sogenannten „Saalschutz“ zuständig, dem Schutz der Parteimitglieder im Saal des Veranstaltungsgebäudes, da es auf Parteiversammlungen nicht selten zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kam. Die Stabswache gehörte zur SA, die seit November 1920 bestand. Es war eine kleine Gruppe mit nur wenigen Männern, die graue Jacken und Mützen trugen. Auf den Mützen war bereits das Totenkopfsymbol. Die Stabswache bestand nur wenige Wochen, ihr Leiter Hans-Ulrich Klintzsch verließ die Gruppe. Hitler beschloss eine größere, mobile Leibwache zu gründen.

Der StoßtruppBearbeiten

Im Mai 1923 gründete Hitler seine neue Leibwache; sie war dem SA-Regiment München untergeordnet. Zu Beginn hatte der Stoßtrupp etwa 20 Mann, er wuchs später auf 100 Mann an. Als Abzeichen trugen sie schwarze Mützen mit Totenkopf und schwarz umrandete Hakenkreuzbinden.[2] Im Gegensatz zur ursprünglichen Stabswache, deren Name eher Schutz und Bewachen suggerierte, bekam die neue Leibwächtergarde die aggressive Bezeichnung Stoßtrupp. Sie war nicht nur Leibwache, sondern auch Schlägertruppe; viele Mitglieder entstammten den Freikorps. Die neue Truppe war flexibel, jederzeit mobilisierbar, dem unbedingten Gehorsam verpflichtet und handelte ausschließlich auf Befehl Hitlers.

8. und 9. November 1923 (Hitlerputsch)Bearbeiten

 
Odeonsplatz nach dem Putsch

Am 8. November 1923 verkündete Hitler bei einer Versammlung im Bürgerbräukeller seine Putschpläne. Der mit Maschinengewehr bewaffnete Stoßtrupp hatte auf Hitlers Befehl den Saal abgeriegelt. Anschließend drang die Truppe in die Räume der den Sozialdemokraten nahestehenden Zeitung Münchner Post ein, zerstörte die Geschäftsräume und entführte den Schriftleiter sowie den Redakteur und Münchner Stadtrat Erhard Auer als Geiseln. Am nächsten Vormittag entführten die Stoßtruppmänner außerdem weitere Stadträte und den Bürgermeister aus dem Rathaus. Die Geiseln sollten dann auf dem Marsch zur Feldherrnhalle am Odeonsplatz mitgeführt werden, um mit ihrer Erschießung drohen zu können, falls Reichswehr und Landespolizei das Feuer auf die Putschisten eröffnen sollten.[3] Gegen Mittag wurde der Marsch dann von der Landespolizei gestoppt.

1924: Verbot des StoßtruppsBearbeiten

 
Mitglieder des Stoßtrupp Adolf Hitler, April 1924

Nach dem gescheiterten Putsch kam es 1924 im Strafprozess zum offiziellen Verbot des Stoßtrupps. Gleichzeitig wurden 38 Angehörige zur Festungshaft in Landsberg verurteilt. Nicht alle traten die Strafe an, sechzehn entzogen sich durch Flucht. Im Jahr 1925 waren alle Stoßtrupp-Männer wieder auf freiem Fuß.

TraditionsverbandBearbeiten

In den Jahren nach dem Verbot hielten die ehemaligen Angehörigen ihren Kontakt weiterhin aufrecht. Unter anderem die äußerst milde gemeinsame Festungshaft hatte ihre Bindung vertieft. Die Ehemaligen des Stoßtrupps trafen sich als „Alte Kämpfer“ auf sogenannten Kameradschaftsabenden. Nach der Entmachtung der SA im Jahr 1934 betreute das „Amt für den 8./9. November 1923“ unter Friedrich Geißelbrecht den Traditionsverband. Ab 1935 veranstaltete er regelmäßig in der Hauptstadt der Bewegung feierliche Aufmärsche an der Feldherrnhalle und am Königsplatz. Die Stoßtruppkämpfer organisierten die Aufstellung des Marschblocks, begrüßten angereiste „Alte Kämpfer“, verteilten Ausweise, Eintrittsscheine und Freikarten für die Verkehrsmittel.

9. November 1938 (Pogromnacht)Bearbeiten

Beim traditionellen Kameradentreffen am 9. November 1938, im Anschluss an Gedenkmarsch und Versammlung im Alten Rathaus, zogen die Stoßtruppmänner in Uniform und weitere Teilnehmer der Gedenkveranstaltung gegen 22:30 Uhr randalierend durch die Stadt.[4] Im Stadtzentrum, in der Nähe des Alten Rathauses, wurden jüdische Geschäfte zerstört sowie die Alte Synagoge Ohel Jakob in Brand gesetzt.

In der älteren Geschichtsforschung war man davon ausgegangen, dass „SA-Leute in Zivil“ die Synagoge in Brand gesetzt hatten.[5] Seit 2008 gilt jedoch als erwiesen, dass der Verursacher die SS-Keimzelle Stoßtrupp Hitler war, welche ausschließlich auf Hitlers persönliche Anweisungen agierte. In München hatte Hitler persönlich die Ausschreitungen befohlen.

In Goebbels Aufzeichnungen ist der Ablauf wie folgt notiert:

„Der Stoßtrupp Hitler geht gleich los, um in München aufzuräumen. Das geschieht auch gleich. Eine Synagoge wird in Klump geschlagen.“[6]

Gegen Mitternacht war Goebbels an der Feldherrnhalle, wo eine Vereidigung von SS-Verfügungstruppen und SS-Totenkopfverbänden stattfand. Auf seinem Rückweg sah er die brennende Synagoge:

„Die Synagoge brennt. Gleich zum Gau. Dort weiß noch niemand etwas. Wir lassen nur soweit löschen, als das für die umliegenden Gebäude notwendig ist. Sonst abbrennen lassen. Der Stoßtrupp verrichtet fürchterliche Arbeit.“[7]

Bekannte MitgliederBearbeiten

Zum Stoßtrupp Adolf Hitler gehörten etwa 100 Männer. Bekannte Mitglieder waren:

Siehe auchBearbeiten

  • Stoßtrupp 1917, NS-Propagandafilm aus dem Jahr 1934; Der Film zeigt den Alltag der deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs in den Gräben an der Westfront.

LiteraturBearbeiten

  • Angela Hermann: Hitler und sein Stoßtrupp in der "Reichskristallnacht", Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 56. (2008) H. 4, S. 603–630 online abrufbar (PDF)
  • Heinz Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf. Die Geschichte der SS, München 2002.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Paul Hoser, Stoßtrupp Hitler, 1923, publiziert am 25. Juli 2007; in: Historisches Lexikon Bayerns, abgerufen am 13. August 2017
  2. Paul Hoser
  3. Urteil des Volksgerichtes für den Landgerichtsbezirk München I gegen „Berchtold Josef und 39 Genossen“ vom 23. April 1924.
  4. „Sitzordnung im Festsaal des Alten Rathauses in München am 9. November 1938“, in: StadtAM, Bürgermeister und Rat, 458/3. – Vgl. auch: Fotos in damaligen Zeitungsberichten.
  5. Heusler/Weger, „Kristallnacht“, S. 65.
  6. Goebbels Tagebücher, Eintrag vom 10. November 1938.
  7. Goebbels Tagebücher.
  8. (* 3. März 1899 in München) war Sohn des Wilhelm Briemann senior. Er trat 1920 in die NSDAP und die SA ein. In den folgenden Jahren beteiligte er sich u. a. an der Hofbräuhaussaalschlacht und am Deutschen Tag in Coburg. Seit 1923 war Mitglied des Stoßtrupps Hitler. 1924 war er einige Monate in Landsberg inhaftiert. Am 17. Juni 1925 trat er erneut der NSDAP (Mitgliedsnummer 10.025) und am 5. August 1932 der SA bei. (PK B 75, Bilder 505-538).
  9. Wilhelm Briemann senior (* 22. Juni 1873 in Eutenhausen) nahm von April 1917 bis August 1918 als Landsturmmann am Ersten Weltkrieg teil. Seit 17. August 1920 NSDAP-Mitglied (1.815), wurde er von Oskar Körner mit Hitler bekannt gemacht. Von 1921 bis 1923 fungierte er als Schriftführer der NSDAP und wurde so ein früher Vertrauensmann Hitlers, der auch in seinem Haus verkehrte. Nach Aufhebung der ersten NSDAP-Geschäftsstelle in der Corneliusstraße diente Briemanns Wohnung in der Thalkirnhernstraße 7/4 als Ausweichstelle der NSDAP-Geschäftsführung, seine Ehefrau übernahm Kurierdienste. 1921 wurde Briemann Vorsitzender des Weihnachtsausschusses der NSDAP. Er gehörte der 8. SA-Kompanie an und wurde u. a. Leiter des Saalschutzes. Während des Hitler-Putsches fungierte er als persönliche Ordonnanz Görings und war mit Waffenbeschaffung beauftragt. Briemann war mit Berta (* 17. Februar 1883) verheiratet, mit der er die Tochter Martha (* 16. August 1903) und den Sohn Wilhelm hatte. Während des NSDAP-Verbots 1925 gehörte er dem Frontkämpferbund an und trat am 17. Juni 1925 wieder der NSDAP (Mitgliedsnummer 10.024) und am 5. August 1932 der SA bei. In den 1930er Jahren erhielt er den Blutorden (Nr. 128) und das Coburger Ehrenzeichen. (PK B 75, Bilder 465-504)
  10. (* 12. November 1901) gehörte 1919 zum Freikorps Epp, mit dem er an der Niederschlagung der Bayerischen Räterepublik teilnahm. 1920 ging er zur Reichsmarine. Nach seiner Entlassung am 28. April 1923 kehrte er nach München zurück, wo er Mitglied der NSDAP und der 4. SA-Hunderschaft wurde. Ende August 1923 gehörte Feichtmayr zum Stoßtrupp Adolf Hitler, mit dem er am Hitler-Putsch teilnahm. Am 8. Dezember 1923 kam er für mehrere Wochen in Untersuchungshaft. Im nachgeordneten Hitler-Putsch-Prozess wurde er Ende April 1924 zu fünfzehn Monaten Haft verurteilt, der er sich gemeinsam mit Julius Schaub und seinem Bruder Otto Feichtmayr durch Flucht nach Klagenfurt entzog. Er betätigte sich in der Klagenfurter NSDAP und verlor deshalb im September 1924 seine Aufenthaltsgenehmigung. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde er kurzzeitig inhaftiert und auf Bewährung aus der Festungshaft entlassen. Am 21. März 1925 trat Feichtmayr erneut der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 104). Ende der 1920er Jahre wirkte er am Zugspitzenbahnbau mit. 1930 siedelte er nach Immenreuth in der Oberpfalz über (PK C 147, 2771-2810)
  11. Otto Feichtmayr (* 23. Juli 1905) trat 1930 erneut der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 248.158). In den 1930er Jahren war Feichtmayr bei der Reichsgeschäftsstelle der NSDAP angestellt (PK C 147, 2821-2828).
  12. (* 1896) erlitt beim Hitlerputsch am 9. November 1923 einen Bauchschuss. 1924 war er sechs Monate auf der Festung Landsberg inhaftiert. In den 1930er und 1940er Jahren arbeitete er als Verkaufsleiter in einer Metallwarenfabrik. (PK G 68, 1573-1582).
  13. 1933 trat Stollwerk erneut der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 3.503.962). (PK M 40, Bilder 1331-1336).
  14. (* 21. Juli 1900) Zum 1. Februar 1931 trat Wegelin erneut der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 436.714). (PK N 60 1757-1766).