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Kreuzbein und Steißbein seitlich, Gray
Wirbelsäule des Menschen, Steißbein (coccyx) violett
Klassifikation nach ICD-10
S32.2 Fraktur des Os coccygis
ICD-10 online (WHO-Version 2019)
Steißbeinfraktur

Das Steißbein (lat. und medizinisch Coccyx bzw. Os coccygis) des Menschen ist der kaudale („zum Schwanz hin gerichtete“) beziehungsweise untere Abschnitt der Wirbelsäule und folgt auf das Kreuzbein (Os sacrum). Es dient verschiedenen Bändern und Muskeln des Beckens, insbesondere des Beckenbodens und der Hüftgelenke, als Ansatzpunkt. Typischerweise durch einen Sturz auf das Gesäß oder einen kräftigen Tritt kann das Steißbein luxieren oder brechen. Beide Verletzungen sind sehr schmerzhaft.

AnatomieBearbeiten

Das Steißbein besteht aus meist vier, variierend 2 bis 8 Steißwirbeln,[1] die bei den meisten Menschen aber durch Synostose zu einem einheitlichen Knochen verschmolzen sind. Auch die typischen Merkmale von Wirbeln sind weitestgehend zurückgebildet. Das Steißbein wird als Rudiment der Schwanzwirbel der Wirbeltiere angesehen, die sich im Laufe der menschlichen Entwicklung zurückgebildet haben.[2]

ErkrankungenBearbeiten

SteißbeinluxationBearbeiten

Die Verlagerung (Luxation) des Steißbeins kann nach Sturz, Tritt, bei der Geburt oder selten auch durch langanhaltende Fehlbelastungen wie das Fahrradfahren mit einem falschen Sattel auftreten. Das auslösende Ereignis kann schon lange zurückliegen, manchmal schon in der Kindheit, und die Symptome treten infolge von Kompensationsmechanismen erst Jahre später auf. Betroffene haben bis zur richtigen Diagnose oft einen langen Leidensweg hinter sich. Die Behandlung erfolgt durch Einführung des Zeigefingers in den Mastdarm. Der Therapeut greift das Steißbein mit dem Zeigefinger von innen und dem Daumen von außen und zieht es vom Kreuzbein dorsal (rückenwärts) weg, während das Kreuzbein leicht kaudal (in Richtung Füße) gezogen wird.[3]

SteißbeinbruchBearbeiten

Steißbeinbrüche (Steißbeinfrakturen, in der Regel Querfrakturen) entstehen ebenfalls durch Traumata wie Tritte, Sturz auf den Hintern oder bei Schwergeburten. Symptome eines Steißbeinbruchs sind neben den starken Schmerzen insbesondere beim Sitzen gegebenenfalls ein sichtbares Hämatom oder sogar rektale Blutungen. Bei der Untersuchung tritt ein Druckschmerz in der Gesäßfalte auf. Anders als bei der bloßen Prellung des Steißbeins und ebenso wie bei einer seltenen Steißbeinluxation kann bei einer rektalen Untersuchung eine schmerzhafte Beweglichkeit und Krepitation des Steißbeines festgestellt werden. Die Diagnose kann durch eine seitliche Röntgenaufnhame des Beckens gesichert werden. Die Behandlung erfolgt mittels Analgetika und Ruhigstellung. Zur Entlastung kann auch ein Ringkissen verwendet werden. Auch Abführmittel zur Erleichterung des Stuhlgangs können angezeigt sein. Eine operative Versorgung kann bei anhaltender schmerzhafter Instabilität (Kokzygodynie) oder Verletzungen des Mastdarms erforderlich sein. In diesem äußerst seltenen Falle erfolgt eine chirurgische Entfernung des distalen Knochenfragments.[4]

Weitere KrankheitenBearbeiten

Das Steißbeinteratom ist ein Tumor, der bei Embryos und Kleinkindern auftreten kann.[5]

Der Sinus pilonidalis ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Gesäßfalte in der Steißbeinregion. Die Erkrankung steht allerdings dem Steißbein in keinem kausalen Zusammenhang, so dass der deutsche Name „Steißbeinfistel“ vermieden werden sollte.[6]

WeblinksBearbeiten

 Wiktionary: Steißbein – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  Commons: Steißbein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Martin Wiesmann, Jennifer Linn, Hartmut Brückmann: Atlas Klinische Neuroradiologie: Wirbelsäule und Spinalkanal. Springer-Verlag, 30. Dezember 2013, ISBN 978-3-642-38109-6, S. 38.
  2. Anton Waldeyer: Anatomie des Menschen. Gruyter Verlag, 2002, ISBN 978-3110165616, S. 637.
  3. Henrik Simon: Lehrbuch Chiropraktik. Georg Thieme, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-8304-7694-8, S. 145–146.
  4. Mark D. Bracker: The 5 Minute Sports Medicine Consult. Lippincott Williams & Wilkins, 2001, ISBN 978-0-7817-3045-7, S. 90.
  5. W. Schuster, D. Färber (Herausgeber): Kinderradiologie. Bildgebende Diagnostik. Springer 1996, Band II, S. 399 f., ISBN 3-540-60224-0.
  6. Leitlinie Sinus pilonidalis der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie (DGK)